<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429</id><updated>2011-06-10T16:33:38.575+01:00</updated><category term='klimaveränderung'/><category term='Literatur'/><category term='eBooks'/><category term='Roman-Literatur-Blog'/><category term='Schriftsteller'/><category term='klimawandel'/><category term='Buch'/><category term='Blog-Karneval'/><category term='treibhausgase'/><category term='Lesen'/><category term='Entstehung'/><category term='Blog-Parade'/><category term='Roman'/><category term='ein-Roman-entsteht'/><category term='klima'/><category term='Bücher'/><category term='Literatur-Blog'/><category term='Autor'/><category term='Lektüre'/><category term='globale erderwärumung'/><category term='Entstehungs-Literatur-Blog'/><category term='treibhauseffekt'/><category term='Romane'/><category term='eBook'/><category term='Literatur-Weblog'/><title type='text'>Literatur-Blog</title><subtitle type='html'>Literatur-Blog des Autors Christian von Kamp. In dem Literatur-Blog läßt der Schriftsteller die Leser teilnehmen an der Entstehung eines Romans. Sie können außerdem bei der Roman-Gestaltung mitwirken.</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://buch-literatur.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>94</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-5156737950086594384</id><published>2008-10-01T07:22:00.002Z</published><updated>2008-10-01T07:51:25.340Z</updated><title type='text'>Schlußbemerkung</title><content type='html'>&lt;p&gt;Das Romanprojekt "Drei Prinzen" ist damit abgeschlossen. Wer es wünscht, kann ihn in Form eines eBooks auf meiner &lt;a href="http://www.christian-von-kamp.de"&gt;Autoren-Homepage&lt;/a&gt; herunterladen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mehrere weitere Projekte befinden sich derzeit im Überlegungs-Stadium. Inwieweit sie letztlich verwirklicht werden, muß sich noch zeigen.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-5156737950086594384?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5156737950086594384'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5156737950086594384'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/10/schlubemerkung.html' title='Schlußbemerkung'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-8168178790775461123</id><published>2008-09-06T07:25:00.001Z</published><updated>2008-09-06T07:47:47.854Z</updated><title type='text'>Endgültige Version</title><content type='html'>DREI PRINZEN&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Die Höhle&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;„Niemals mehr tauchen,“ jagte es mir in meiner Panik durch den Kopf, „nie wieder tiefseetauchen.“ Dazu hätte ich wohl ohnehin keine Gelegenheit mehr.&lt;br /&gt;Begonnen hatte es mit der Entdeckung der Unterwasserhöhle, mehr als 230 Meter unter dem Meeresspiegel. Sie besaß ungeahnte Ausmaße, so daß ein Forscherteam nahezu vier Jahre benötigte, sie zu vermessen. Als ich den Bericht des Teams las, packte auch mich, der ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt in meiner Freizeit tauchen ging, die Lust, diese Höhle zu erkunden. Gemeinsam mit zwei vermögenden Freunden aus unserem Tauchverein gelang es mir, indem wir eine bedeutende Spende zusagten, das Schiff des Teams anzumieten und, von einem der Forscher begleitet, das Höhlengebiet anzusteuern. Nachdem er uns instruiert hatte, ließ man das Mini-U-Boot zu Wasser, und jeder von uns dreien durfte, da leider nur eine Person hineinpaßte, in die Tiefe tauchen und sich, den Anweisungen des Forschers folgend, der mit dem Boot über Kabel verbunden war, einige hundert Meter ins Innere der Höhle hineinbewegen. Ich war als letzter dran und hatte bereits am Monitor dank der Boots-Kamera die Tauchgänge meiner Freunde mitverfolgen können. So wußte ich also schon, wie es im Eingangsbereich der Höhle aussah, die dort eine erstaunliche Weite aufwies, wie die Farbe der Wände sich mit zunehmender Tiefe – der Schlund senkte sich leicht nach unten – von Grün über Rot bis ins Violette veränderte, wie der Gang immer schmaler wurde, dafür sich aber Nebengänge öffneten. Als ich selbst an der Reihe war und nach minutenlangem Hinabtauchen endlich am Fuß eines Unterwasserbergs in die Höhle einfuhr, bewog mich meine Neugier, noch ein wenig tiefer als meine Freunde einzudringen. Der Wissenschaftler bemerkte, daß ich in unerlaubte Bereiche vorstieß, und versuchte zunächst, mich freundlich zur Umkehr zu bewegen. Daß ich darauf nicht reagierte, verärgerte ihn. Mich kümmerte das wenig; einer derartigen Chance, wie sie sich mir jetzt auftat, begegnet man nur einmal im Leben. Ich steuerte das Boot zu einem schmaleren Seitengang. Der Forscher flehte mich an, umzukehren, ehe das Boot sich in Felsen festkeilen würde. Nicht auf ihn achtend, ja geradezu übermütig, beschleunigte ich das Gefährt. Nachdem ich elegant eine Biegung des Ganges genommen hatte, sah ich zu meinem Entsetzen im Scheinwerferlicht durch das Sicherheitsglas, daß der Gang abrupt endete. Sofort legte ich den Rückwärtsgang ein, der Motor heulte auf, doch es war zu spät: Das Boot prallte mit seinem Bug gegen den Fels. Jetzt ist alles aus, schoß es mir durch den Kopf; selbst wenn kein Leck geschlagen ist, komme ich nicht mehr von hier fort.&lt;br /&gt;Zu meinem Erstaunen wich der Fels beiseite, und das anscheinend nur leicht beschädigte Fahrzeug schwamm weiter. Hinter mir schloß sich die Felswand wieder und durchtrennte dabei das Kabel, das die Kommunikation zum Schiff ermöglichte. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Gang bog jetzt steil nach oben, ich stellte wieder den Vorwärtsgang ein, und nach einigen Sekunden Fahrt mündete die Höhle im weiten Meer. So sah es zunächst aus, doch nach kurzem weiteren Auftauchen stellte sich heraus, daß ich mich in einem See befand: Ich hatte die Wasseroberfläche erreicht, über mir Luft, diffuses Tageslicht, ringsumher begrenzten Ufer das Gewässer. Und das, obwohl ich mich hier noch mehr als 200 Meter unter der Meeresoberfläche befinden mußte! Im Moment sah ich keinen anderen Weg, heil aus dem Abenteuer herauszukommen, als das Ufer anzusteuern, denn für eine Rückkehr ins offene Meer reichte vermutlich der Sauerstoff-Vorrat nicht aus, und wer wußte, ob es mir überhaupt gelingen würde, den Höhlengang in umgekehrter Richtung zu passieren. Fürs erste war ich hier in Sicherheit, man würde mich wohl suchen und hoffentlich auch finden.&lt;br /&gt;Am Ufer verankerte ich von innen heraus das Boot und verließ es durch die Luke. Tief atmete ich die frische Luft ein, dann sah ich mich um. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo ich mich hier befand. Über mir kein blauer Himmel, keine Sonne, auch keine Wolken, und doch schimmerte Licht herab. Sollte ich mich hier in einer riesigen, beleuchteten Höhle oder Halle unter dem Meeresboden befinden? Unvorstellbar! Ich verdrängte diesen Gedanken zunächst. In einem Abstand von drei- oder vierhundert Metern vom Ufer wuchsen hohe Büsche, die eine weitere Sicht ins Gelände versperrten. Ich machte mich daher auf den Weg dorthin, zwängte mich durch das Gestrüpp und erblickte voller Bestürzung – eine größere Stadt, in einer Senke gelegen, vielleicht einen Kilometer von mir entfernt. Zwar kamen mir die Gebäude mit ihrem metallisch-futuristischen Aussehen fremdartig vor, aber es konnte kein Zweifel daran bestehen, daß es sich um von Menschen errichtete Bauwerke handelte. Da sah ich auch schon von der Stadt her Leute auf mich zueilen. Über ihre seltsam glänzende Kleidung machte ich mir jetzt keine Gedanken, denn in mir stieg die Angst auf, sie kämen in wenig friedlichen Absichten. Ich schaute mich um nach einem Fluchtweg und sah, daß auch von rechts und links Menschen herbeiliefen. Für einen Augenblick erstarrte ich. Wohin sollte ich mich jetzt wenden? Ich schlug mich durch die Büsche zurück zum U-Boot. Zu meinem Entsetzen stellte ich fest, daß es mit Wasser vollgelaufen war: Der Zusammenstoß mit dem Fels hatte wohl doch größeren Schaden angerichtet als vermutet.&lt;br /&gt;„Niemals mehr tauchen,“ jagte es mir in meiner Panik durch den Kopf, „nie wieder tiefseetauchen.“ Dazu hätte ich wohl ohnehin keine Gelegenheit mehr.&lt;br /&gt;„Träumst du schon wieder?“&lt;br /&gt;Ich zuckte zusammen, dann öffnete ich meine Augen.&lt;br /&gt;Über den Frühstückstisch hin schaute Ulrike mich halb spöttisch, halb vorwurfsvoll an. „Mit deiner Tagträumerei wird es immer schlimmer. Reich mir lieber mal die Butter rüber.“ Nach kurzem Schweigen meinte sie, „Die Realität ist hart genug“ nachschieben zu müssen. Verständlich, die Unterleibsentzündung machte meiner Freundin seit Wochen zu schaffen.&lt;br /&gt;Von der Haustür her ertönte ein stürmischen Klingeln.&lt;br /&gt;„Es gibt kaum etwas Schlimmeres“, fuhr ich auf, „als Störungen beim Essen. Warum können die Leute nicht warten, bis man sich vom Tisch erhoben hat?“ Vielleicht lag der Grund für meine Überreaktion darin, daß ich mich durch solche doch alltäglichen Vorkommnisse häufig in unseren Tischgesprächen, aber auch in meinen Gedanken und Träumen gestört fühlte.&lt;br /&gt;Nachsichtig lächelnd stand Ulrike auf. Kurz darauf hörte ich von der Haustür her ihre Stimme. „Komm bitte mal, mein Prinzchen. Es ist für dich.“&lt;br /&gt;Der elegant gekleidete Bote, sicher kein gewöhnlicher Briefträger, wollte mir persönlich die Sendung überreichen. Sein „Auftrag“ laute so. Er drückte mir den Umschlag in die Hand, verabschiedete sich höflich, „Einen schönen Tag dann noch, Herr Prinz“ – wobei er Ulrike zu übersehen schien –, dann stieg er auf der Beifahrerseite in den wartenden schwarzen Mercedes mit den verspiegelten Scheiben, der rasch davonfuhr.&lt;br /&gt;Was war das denn gewesen? Ulrike und ich schauten uns verdutzt an.&lt;br /&gt;„Der Absender?“&lt;br /&gt;Ich sah nach, auf dem Umschlag war keiner vermerkt. Ungeduldig riß ich ihn auf. Wir standen immer noch in der Eingangstür.&lt;br /&gt;„Vom Ministerium für Besondere Angelegenheiten“, staunte ich. „Wußtest du, daß es das gibt?“&lt;br /&gt;„Und? Mach‘s nicht so spannend.“&lt;br /&gt;„Moment ... bla bla bla ... hier: ‚Sie haben, gemeinsam mit zwei weiteren Personen, den kürzlich in Ihrer Dienststelle durchgeführten Auswahltest als Bester bestanden’ ... Hm, da war doch diese seltsame Prüfung vor einigen Wochen“, erinnerte ich mich wieder. Kein Wunder, daß ich die Sache in der Gedanken-Schublade abgelegt hatte, Beamte wurden neuerdings mit Befragungen nur so überschüttet; alles sollte besser werden, aber ich hatte den Eindruck, das Gegenteil war der Fall. „Es wurden Personen für eine ‚Sonderaufgabe‘ gesucht, Genaueres hatten sie nicht geschrieben. Wir dachten, es ginge um berufliche Veränderungen, aber dann kam keine Rückmeldung.“&lt;br /&gt;„Lies lieber weiter vor.“&lt;br /&gt;&lt;p&gt;„ ‚... werden Sie mit sofortiger Wirkung nach Berlin versetzt. Melden Sie sich bitte am Montag, den 23. Juli‘ ... – das ist ja schon übermorgen! – ‚in unserem Hauptgebäude in der Wilhelm-Karl-Grimm-Straße 111, Raum 12, bei Frau Ministerialdirektorin Zwerchnase.‘ “&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Amadeus und Ananda&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Die Tür öffnete sich. Herein ins Vorzimmer trat eine stattliche Dame in einem dunkelblauen, ein wenig zu engen Kostüm, das vor allem die Funktion zu haben schien, ihre Oberweite zu bändigen und die Trägerin männlicher wirken zu lassen. „Willkommen im Ministerium, Herr Prinz. Freut mich sehr, Sie zu sehen, Herr Prinz. Ich hoffe, Sie mußten nicht zu lange warten, Herr Prinz.“ Die Dame begrüßte jeden von uns dreien mit einem herzhaften Händedruck und führte uns dann in ihr großzügiges Büro. Tatsächlich hatten wir Eingeladenen vorhin die Gelegenheit, uns einander vorzustellen, noch nicht wahrgenommen, denn keiner von uns wußte, daß die beiden anderen ebenfalls Gewinner waren. Wir staunten über unsere gleichen Nachnamen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Im Büro nahmen wir in gemütlichen Ledersesseln Platz, Frau Zwerchnase setzte sich uns gegenüber, Kaffee, Tee, Fruchtsäfte, Konfekt, alles stand auf einem Tischchen bereit.&lt;br /&gt;„Sie wissen, meine Herren, weshalb Sie, alle drei Beamte, hierhin versetzt wurden?“ Eher eine rhetorische Frage. „Nun, daß Sie Sieger in einer Ausleseprüfung sind, wurde Ihnen mitgeteilt. Aber worum geht es? Ich will mich kurz fassen: Um die Rettung der Menschheit.“ Sie schwieg und ließ ihre Worte wirken.&lt;br /&gt;Ratlos sah ich mich in der Runde um: Der Mann rechts von mir trug schulterlanges braunes Haar und wirkte auf mich wie ein virtuoser Musiker, ich mußte an Franz Liszt denken; mein Nachbar zur Linken, glatzköpfig und die Augen gen Himmel gerichtet, schien mir geradewegs aus einem indischen Ashram eingeflogen worden zu sein. Ich kam mir hier wie der einzige normale Mensch vor.&lt;br /&gt;„Rettung der Menschheit“, wiederholte die Ministerialdirektorin langsam, fast genüßlich. „Aber nicht etwa, wie Sie jetzt denken könnten, vor dem Untergang, sondern – vor der inneren Verödung, der geistigen Austrocknung, der seelischen Verarmung und Entleerung.“ Unseren erstaunt fragenden Blicken – sogar der asketische Haarlose hatte seine Augen auf sie gerichtet – hielt sie unbewegt stand.&lt;br /&gt;„Sie haben richtig gehört, meine Herren. Schon seit fast einem Jahrzehnt beobachten wir mit wachsender Besorgnis eine gefährliche Entwicklung, die geradezu dramatische Folgen nach sich ziehen wird!“ Mit ihren auf einmal heftigen Gesten kam Frau Zwerchnase mir wie eine italienische Donna vor. „Führende Wissenschaftler warnen vor einer ständig zunehmenden Gehirnerwärmung. Alleine in den letzten sechs Jahren ist die durchschnittliche Gehirntemperatur weltweit um 0,027 Grad angestiegen. Und ein Ende des globalen Kopftemperaturanstiegs ist nicht abzusehen.“ Wieder legte sie eine Redepause ein, damit die Botschaft auf uns wirke. „Die Ursache dafür ist mutmaßlich eine meßbare CO2-Zunahme im Blut – ein phantasielosigkeitsbedingter CO2-Anstieg. Hunderte von computergenerierten Hirndurchblutungsmodellen lassen uns für die Zukunft das Schlimmste befürchten. Letztlich wird die fehlende Phantasie den Zusammenbruch unserer Kultur und Zivilisation zur Folge haben, wir werden ein Leben führen wie die Affen auf den Bäumen.“&lt;br /&gt;Ich wagte eine Frage. „Das hört sich ja erschreckend an, aber – weshalb erzählen Sie uns das, was haben diese beiden Herren und ich damit zu tun?“&lt;br /&gt;„Sie drei sind dazu ausersehen, die Welt zu retten!“ Da stand sie im Raum, die ungeheuerliche Antwort, die wir nun zu verdauen hatten. „Liszt“ blieb der Mund offen, und sogar der „Asket“ schaute ungläubig aus der Wäsche. Auch ich konnte es nicht fassen und hakte daher nach: „Wie soll das gehen? Wir drei sind Beamte, keine Übermenschen, keine Genies, keine Helden!“ Und, mit einem Blick zu den anderen, schränkte ich ein: „Zumindest ich bin es nicht.“&lt;br /&gt;„Sie, Herr Prinz, Sie, Herr Prinz, und Sie, Herr Prinz,“ – Frau Zwerchnase schaute uns nacheinander streng an – „gehören nach unseren statistischen Auswertungen zu den Menschen mit der größten Phantasie, jedenfalls in Deutschland. Weiterhin ist jeder von Ihnen ein Prinz, und bei Prinzen bestehen nach Ansicht führender Märchenautoritäten wie Grimm, Hauff, Bechstein oder Andersen – und diese zählen zu den besten Phantasie-Theoretikern – die größten Aussichten, daß sie die ihnen zugewiesenen Aufgaben optimal lösen.“&lt;br /&gt;Ich konnte es nicht glauben. Es war einfach nicht zu fassen! Was diese Dame da von sich gab, klang verworren, abwegig, abstrus. Sollte ich mich wieder inmitten eines Traums befinden? Das würde alles erklären. Ich biß mir auf die Zunge, es schmerzte so sehr, daß ich einen Traum ausschloß.&lt;br /&gt;„Übrigens brauchen Sie, meine Herren, sich keine Sorgen zu machen, ob Sie gesundheitlich in der Lage sein werden, Ihre Aufgaben zu lösen. Wir haben nicht nur Ihre Personalakten eingesehen, sondern auch Auskünfte bei Ihren Ärzten eingezogen; dazu waren wir berechtigt aufgrund gesetzlicher Grundlagen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte.“&lt;br /&gt;Es wurde immer besser. Ich wußte schon gar nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Sollte ich jetzt entrüstet sein über die Weitergabe höchstpersönlicher Informationen und Daten? Ich kam jedoch gar nicht zum Nachdenken, denn die Direktorin fuhr fort: „Wir im Ministerium wissen selbst noch nicht so genau, wie wir im einzelnen vorgehen müssen, um die globale Phantasie wiederherzustellen und damit den CO2-Anstieg in den Hirnen zu bremsen. Doch eines steht mit Sicherheit fest: Wir benötigen dazu drei Gegenstände, die zu besorgen Ihre Aufgabe sein wird: das Goldenes Buch, den Goldenen Schlüssel und das Goldenes Ei. Nur diese können uns helfen, den Notstand zu beseitigen.“&lt;br /&gt;Ich schluckte: schlimmer konnte es kaum noch kommen. Der Höhepunkt der Abstrusität mußte doch endlich erreicht sein!&lt;br /&gt;„Sie schauen mich so skeptisch an, Herr Prinz. Darf ich Sie daran erinnern, daß Sie Beamter und daher gehorsamspflichtig sind?“ Doch auf einmal ließ die Schärfe in ihrer Stimme nach, vielleicht besann Frau Zwerchnase sich, was auf dem Spiel stand: „Wissen Sie, es ging mir anfangs wie Ihnen. Aber dann erfuhr ich, wie diese Ergebnisse zustande gekommen waren: Weltweit haben die renommiertesten wissenschaftlichen Institute alle greifbaren Märchen analysiert und sodann, laienhaft gesprochen, in die Wirklichkeit übertragen, dabei sogenannte Realsituation-Märchen-Modelle geschaffen. 98 Prozent der Modelle werfen als Ergebnis die drei genannten Gegenstände aus. Die zwei Prozent abweichender Resultate, die auch die Goldene Gans sowie den goldspuckenden Esel mit ins Spiel bringen, können wir hier getrost vernachlässigen.“ Sie sagte dies in vollem Ernst.&lt;br /&gt;„Und nun zur Verteilung der Aufgaben: Sie, Herr Prinz,“ – sie schaute mir fest in die Augen – „tauchen und lesen gerne. Ihnen obliegt es also, das Buch zu finden. Ihre Suche hat etwas mit dem Element Wasser zu tun.“ Dem Langhaarigen wurde die Beschaffung des Schlüssels zugedacht, was logischerweise daraus folge, daß er sein Eigentum streng hüte und unter Verschluß hielte; aufgrund seines feurigen Charakters – er neige zu Unbeherrschtheit und Wutausbrüchen – empfahl Frau Zwerchnase ihm, in der Nähe von Vulkanen zu suchen. Dem Haarlosen ordnete sie aufgrund der Form seines Kopfes – freilich nicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern entsprechend dem Rat wissenschaftlicher Gremien – das Ei zu; sein „Suchfeld“ sei die Luft oder eine luftige Umgebung, was zweifelsfrei sein meditativer, gleichsam in der Luft schwebender Gedankenflug anzeige.&lt;br /&gt;Als wir den Raum verließen, vernahm ich noch ein Murmeln der Ministerialdirektorin: „Wäre doch gelacht, wenn wir es nicht vor den Chinesen schaffen würden.“&lt;br /&gt;Auf dem Parkplatz vor dem Ministerium tauschten wir drei noch unsere Adressen aus. Dann trennte ich, Michael „Krake“ Prinz, mich von Amadeus Prinz und Ananda Prinz.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Drei Ziele&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Elf Mal hatten Amadeus, Ananda und ich uns bereits im Ministerium im „Saal der Zukunft“ getroffen; an elf Tagen hintereinander waren wir hier zusammengekommen, um uns Gedanken über unsere Aufgaben und deren mögliche Lösung zu machen. Uns zur Seite standen mehr als zwanzig Fachleute, die uns beraten sollten, darunter Psychologen, Geologen, Mediziner, Märchenkundler und Klimaforscher, außerdem für Hilfsdienste einige Angestellte des Ministeriums. Wir alle waren zu größter Verschwiegenheit verpflichtet. Trotz intensiven Brainstormings, des Ankreuzens tausender von Multiple-Choice-Fragen, der Auswertung Dutzender Rorschach-Tests und stundenlanger Märchen-Diskussionen kamen wir jedoch keinen Schritt weiter.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Am Abend des elften Tages, wir saßen alle verzweifelt grübelnd und ausgelaugt in unseren Sesseln, schlug ich vor, einen Tag Pause einzulegen und einfach auszuspannen. Der Vorschlag wurde nach zweistündiger Debatte angenommen.&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen schlenderte ich, nachdem ich lange mit Ulrike telefoniert hatte, stundenlang durch Berlin, um mich abzulenken und einen freien Kopf zu bekommen, anschließend suchte ich einen Park auf und setzte mich, müde geworden, auf eine Bank.&lt;br /&gt;Kaum hatte ich ein wenig Ruhe gefunden, stellten sich die Gedanken an meine Aufgabe wieder bei mir ein. Doch je mehr die unterschiedlichsten Ideenfetzen mein Hirn aufwühlten, um so mehr war ich gefühlsmäßig davon überzeugt, es würde sich niemals eine Lösung finden lassen.&lt;br /&gt;Auf dem Parkweg spazierte eine Familie an mir vorbei. Die Mutter schob einen Kinderwagen, an der Hand des Vaters sprang und hüpfte ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, und sang dabei, in immer gleichem Rhythmus: „Guck in die Zeitung, mannomann, guck in die Zeitung ...“. Ich weiß nicht weshalb, aber dieser ständig wiederholte Satz ließ mich aufhorchen, und ich schaute der Familie nach, bis ich das helle Stimmchen nicht mehr vernahm. Da sah ich am anderen Ende der Bank tatsächlich eine Zeitung liegen, die neueste „Bald am Sonntag“, auf die ich bisher nicht geachtet hatte. Ich hob sie auf und blätterte ziellos darin. Auf Seite 12 stach mir ein fettgedruckter Titel in die Augen: „Riesige Unterwasserhöhle bei Sumatra erforscht!“ Sogleich verschlang ich den ganzseitigen Beitrag und erfuhr, daß ein Forscherteam nahezu vier Jahre benötigt hatte, um die Höhle, die sich vielfach verzweigte, zu vermessen. In einem Text-Kasten schilderte der Forschungsleiter einen Tauchgang. „... einfach faszinierend: Die Farbe der Höhlenwände, zunächst grün, änderte sich mit zunehmender Tiefe über ein intensives Rot in ein tiefdunkles Violett.“ Ich erschauderte: Dies war doch genau die Höhle, von der ich vor zwei Wochen geträumt hatte! Konnte das ein Zufall sein? Auf einmal war ich vollkommen überzeugt davon, in dieser Höhle – und nur dort – die Lösung meiner Aufgabe zu finden.&lt;br /&gt;Mit der Zeitung in der Hand eilte ich zurück ins Ministerium. Im Gang vor dem Saal der Zukunft traf ich mit Ananda und Amadeus zusammen, beide wie ich gänzlich außer Puste.&lt;br /&gt;„Ich hab den Weg zu meinem Ziel gefunden“, keuchte Amadeus, und Ananda hielt triumphierend beide Daumen nach oben.&lt;br /&gt;Im eilig herbeigetrommelten Team der Wissenschaftler verkündete jeder von uns dreien seine Blitzerkenntnisse des Tages. Ich begann, breitete die „Bald am Sonntag“ auf dem Tisch aus und berichtete vom meinem Traum. Die Geologen waren sofort überzeugt, doch auch die Vertreter der anderen Disziplinen ließen sich durch meine Schilderungen fesseln. Somit stand fest: Tauchen vor Sumatra. Als ich das Ende meines Traums ansprach, den Unfall mit dem Boot und das Höhlenvolk, beschwichtigten die Psychologen mich, es handele sich hierbei schlicht um die Urangst vor dem Fremden, vor dem Verlassen der Ich-Geborgenheit, vor der Entwurzelung: In der Geburt, symbolisiert durch den Austritt aus dem Höhlengang, vereinzelne und vereinsame der Mensch.&lt;br /&gt;Ananda hatte den heutigen freien Tag genutzt, um seinen in Berlin lebenden Großvater aufzusuchen, einen Herrn von 89 Jahren, der, seit langem verwitwet, alleine ein kleines Appartement bewohnte. Körperlich und geistig noch erstaunlich rüstig, liebte er „einen guten Tropfen“, so daß man ihn selten nüchtern antraf. War er erst einmal gehörig in Stimmung geraten, so erzählte er wirr drauflos und ließ sich in seinem Redefluß kaum bremsen.&lt;br /&gt;Als Ananda gegen Mittag die Wohnung seines Großvaters betrat, war die Luft bereits rauch- und alkoholgeschwängert. Im Verlauf des Nachmittags kam er kaum zu Wort, wurde vielmehr ununterbrochen von den Erzählungen und Reiseberichten seines Anverwandten berieselt.&lt;br /&gt;Beim Aufbruch Anandas gab sein Großvater ihm noch einen Rat mit auf den Weg: „Du, ‘nanda, weißu, wo du mal hin muß‘? Nach Borneo mußte mal, weißu, diese Insel da bei Thailand oder Vietnam oder ‘bodscha oder so. Die hab‘n da ‘n Urwald, sag ich dir, hab‘n die da. Und darin dann olle Tempel, steh‘n nur noch ‘n paar Mauern, da kann so richtig die Luft rin un‘ raus sausen, ohne aufjehalten zu werd‘n. Du, fahr mal hin, das is‘ wie ... wie ... wie das Ei des Dingens, des ... Kolumbus, das Ei, sag ich dir.“ Da erinnerte Ananda sich, wenige Wochen zuvor eine Fernsehreportage über Borneos tropische Regenwälder verfolgt zu haben, bei der auch neu entdeckte Tempelruinen inmitten des Dschungels, in der Nähe des Sarawak-Flusses, gezeigt worden waren, und im Augenblick des Erinnerns wurde ihm klar, wo seine Suche nach dem Ei beginnen müsse: in der luftigen Tempelruine. Sogleich war er hierher ins Ministerium geeilt.&lt;br /&gt;Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, ging es mir durch den Kopf.&lt;br /&gt;Auf noch verrücktere Weise war Amadeus zu seiner Erkenntnis gelangt: „Gestern abend rief mich meine Schwägerin aus Frankfurt an: Mein Bruder Hans hatte einen Verkehrsunfall gehabt und war dabei schwer verletzt worden. Ich nehme den nächsten Flieger, und heute morgen suche ich Hans im Krankenhaus auf. Wegen einer Schädelverletzung befindet er sich im Koma. So sitze ich schweigend am Bett des frisch Operierten in der Intensivstation. Auf einmal hebt er seinen Arm, und mir kommt es so vor, als wiese sein Zeigefinger in eine bestimmte Richtung. Ich könnte schwören, er ist nicht bei Bewußtsein. Jedenfalls folge ich mit meinen Augen dem Finger, er weist aus dem Fenster hinaus, und gegenüber sehe ich in einem Krankenraum einen Fernseher laufen. In diesem Moment tritt ein Arzt ein und bittet mich, die Station zu verlassen; wegen meines Bruders solle ich mir keine Sorgen machen, er werde es wohl schaffen. Ich gehe in das Zimmer mit dem Fernseher, es ist menschenleer. In einer Dokumentarsendung bringen sie gerade einen Film über einen früheren Ausbruch des Vulkans Bromo auf der Insel Java. Da schießt ein Blitz der Erkenntnis durch meinen Kopf, ich weiß nun, mein Ziel heißt Java, und weil mein Bruder sich in guter Obhut befindet und seine Frau eine Stütze in der Familie hat, fliege ich sogleich zurück nach Berlin.“&lt;br /&gt;Die Wissenschaftler stimmten uns hinsichtlich unserer Ziele zu und waren froh, daß sie endlich feststanden. Immerhin sprach für die Richtigkeit unserer Erkenntnisse, daß sie uns auf geradezu märchenhafte Weise zuteil geworden waren. Jetzt galt es, die gesuchten Gegenstände zu finden.&lt;br /&gt;Drei Tage später befanden wir uns in einer Maschine der Bundeswehr auf dem Flug zu den Inseln Indonesiens.&lt;br /&gt;Übrigens durfte Ulrike trotz ihres Wunsches nicht mitfliegen, nicht zuletzt aus reisekostenrechtlichen Gründen, vor allem aber, weil Gemahlinnen, Bräute, Prinzessinnen und vergleichbare Frauen erfahrungsgemäß Prinzen auf ihren Ausritten nicht begleiten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Die Ankunft&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Endlich ist es mir gelungen, ein Material zu finden, das dem Papier der Oberflächler entspricht und daher wie dieses beschrieben werden kann. Schreibstifte hatte ich mir schon vor etwa zwei Wochen (Oberflächlerzeit) mit meinem Taschenmesser aus halbverkohltem Hartholz geschnitzt. Es ist nicht einfach, damit zu schreiben, und alleine für diese wenigen Wörter habe ich etwa fünf Minuten benötigt, aber mit ein wenig Übung wird es schneller gehen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Die Menschen hier zeigen sich mir gegenüber freundlich und friedvoll. Sie lassen mir alle Freiheiten, ich darf tun, was ich will, solange ich niemandem schade. Nur eines ist mir ausdrücklich und eindringlich verboten, und gerade danach sehne ich mich so sehr …&lt;br /&gt;Doch am besten beginne ich von dem Zeitpunkt an zu berichten, als ich in dieser Welt eintraf. Zunächst waren wir in einem Zweier-U-Boot durch die Höhle geglitten, einer ihrer Entdecker, der sich gut in ihren Hauptverzweigungen auskannte, und ich. Nachdem ich gelernt hatte, alleine zu navigieren, ließ man mich vom Schiff aus in einer kleineren Ein-Mann-Kapsel hinab. Damit steuerte ich etliche Nebengänge an, die oft nur kurz waren und nach wenigen Dutzend Metern endeten. Elf Tage lang war ich in einer Vielzahl von Höhlenschläuchen unterwegs, ohne meinem Ziel näherzukommen.&lt;br /&gt;Was war mein Ziel? Natürlich das Goldene Buch. Aber wo sollte ich es suchen? In einem Schiffswrack vielleicht? Ein kleineres Schiff hätte durchaus in einen der Hauptgänge hineingepaßt. Oder wäre das Buch in einer angespülten Schatztruhe zu finden? In manchen Bereichen der Höhle war die Strömung immerhin so stark, daß sie beinahe die Tauchkapsel mit sich riß. Oder war das Buch nur als Symbol zu verstehen? Darüber hatten wir im Ministerium leider nicht diskutiert. Daher hielt ich auch Ausschau nach Gegenständen, Steinen, Muscheln, Tieren, die einem Buch ähneln oder mich sonst irgendwie an eines erinnern könnten. Vergeblich.&lt;br /&gt;Planmäßiges Vorgehen, etwa anhand der kürzlich erst angefertigten Höhlenpläne alle Bereiche abzusuchen, war nicht vorgesehen. Ein Prinz orientiert sich nicht an Plänen.&lt;br /&gt;Am zwölften Tag stieg Verzweiflung in mir auf. Bei der enormen Größe der Höhle – über 130 Kilometer Strecke hatte man gemessen – konnte mir monatelanges Tauchen bevorstehen. Vermutlich war meine Eingebung, das Goldene Buch sei ausgerechnet hier zu finden, nichts weiter als Wunschdenken gewesen.&lt;br /&gt;Stop, sagte ich mir. Es bringt nichts, rein gar nichts, sich trüben Gedanken zu überlassen. Jetzt erst einmal ein anständiges zweites Frühstück einnehmen, dann sehen wir weiter. Und wenn ich noch Wochen oder Monate hier verbringen sollte, immerhin wurde mir vom Ministerium ein Beförderung innerhalb eines angemessenen Zeitraums in Aussicht gestellt, und einen monatlichen Unterwasser-Zuschlag von 47,63 Euro erhielt ich schon jetzt.&lt;br /&gt;Bei der nächsten Gelegenheit – ich befand mich gerade in einer schmalen Nebenhöhle – setzte ich die Tauchkapsel vorsichtig auf den Grund und zog meine Käsestulle hervor. Gerade wollte ich hineinbeißen, da meinte ich, aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung des Felsens wahrgenommen zu haben. Das mußte eine Täuschung gewesen sein, beruhigte ich mich, vermutlich war das Boot auf dem unebenen Boden ein wenig zur Seite gekippt. Ich schaute genauer hin und sah zu meiner Verblüffung, daß sich tatsächlich etwas bewegte: Langsam, aber deutlich erkennbar schob die Felswand sich zur Seite wie ein Schiebetor, bis schließlich eine breite Öffnung sichtbar wurde, durch die die Kapsel bequem hindurchpassen würde. Sollte ich, durch das Niedersetzen des Boots, vielleicht einen versteckten Mechanismus ausgelöst haben? Wie auch immer, ich mußte da hinein! Zwar dachte ich mit einigem Unbehagen an meinen Traum, aber hier tat sich möglicherweise eine Chance auf, meinem Ziel näherzukommen, die ich nicht ungenutzt verstreichen lassen durfte. Ich legte das Brot, das ich bisher wie erstarrt bei geöffnetem Mund in der Hand gehalten hatte, beiseite und steuerte die Kapsel in die Öffnung hinein. Dabei vergaß ich, die Sprech- und Bildverbindung zum Schiff, die ich anläßlich des beabsichtigten Frühstücks unterbrochen hatte, um wenigstens für zehn Minuten ungestört zu sein, wiederaufzunehmen.&lt;br /&gt;Vor mir lag ein Gang, der nach wenigen Metern steil nach oben bog und an dessen Ende Licht schimmerte. Wieder mußte ich an meinen Traum denken, und Beklommenheit beschlich mich. Tatsächlich befand ich mich bald darauf in freiem Gewässer. Jetzt erst stellte ich fest, daß das Kabel, das mich mit dem Schiff verbunden hatte, durchtrennt war. Es kam, wie ich es vorausahnte: Nach kurzem Auftauchen fand ich mich an der Oberfläche eines Sees wieder, über mir diffuses Licht, nicht weit vom Wasser entfernt Büsche, die die Sicht in die weitere Umgebung versperrten. Ich verankerte das Boot und erreichte mit einem Sprung das steinige Ufer. „Lebe deinen Traum“: Dieser Spruch, den ich immer als Unsinn abgetan hatte, war bei mir Wirklichkeit geworden!&lt;br /&gt;Vermutlich würde auch das weitere so geschehen, wie ich es geträumt hatte: Ich würde eine fremdartige Stadt sehen, Menschen würden auf mich zueilen, das Boot wäre bei meinem Fluchtversuch vollgelaufen mit Wasser ...&lt;br /&gt;Zu meiner Erleichterung wurde mir klar, daß die Tauchkapsel – abgesehen von dem gekappten Kabel – anders als im Traum unversehrt war. Gerade wollte ich aufbrechen und mich den Büschen nähern, da hörte ich ein Geräusch, ein Glucksen und Blubbern, das aus dem See zu kommen schien. Ich wandte mich um und sah, wie der vorher glatte Wasserspiegel sich unruhig zu bewegen begann und immer höhere Wellen schlug; auf einmal entstand inmitten des Sees ein mächtiger Strudel, und der Wasserstand senkte sich langsam aber stetig. Es war wie das Abfließen des Badewassers aus der Wanne. Nach wenigen Minuten war der See gänzlich entleert. Entgeistert starrte ich in das tiefe Loch, kam jedoch nicht dazu, nachzudenken, denn jetzt drang ein anderes Geräusch, ein dumpfes Brodeln, an meine Ohren. Zuerst wußte ich nicht, woher es kam, doch dann bemerkte ich, wie aus einer Öffnung in der Seite des Seenlochs ein Material herausfloß und dieses allmählich auffüllte. Es ähnelte flüssigem Beton, und sein Ansteigen hörte erst auf, als es die Höhe des ehemaligen Wasserspiegels erreicht hatte. Die ganze Zeit über hatte ich wie gebannt dem Geschehen zugeschaut, jetzt griff ich nach einem Stein, der am Ufer lag, und warf ihn in die Masse hinein. Er drang kaum in sie ein, offenbar begann sie bereits, fest zu werden. Und das Boot war mit einbetoniert!&lt;br /&gt;Meine Gedanken jagten einander. War das Versperren des Verbindungsweges zum Meer automatisch durch mein Eindringen ausgelöst worden, oder ferngesteuert von Menschenhand? Gab es noch einen anderen Weg hinaus, oder aber auch hinein, für die Schiffsbesatzung, die mich suchen würde? Falls in dieser Höhle Menschen leben sollten: Würde ich von diesen unbemerkt bleiben, oder hatten sie mich längst entdeckt? Das Beste wäre jetzt wohl, mich zunächst in den Büschen zu verstecken und mich von dort aus, je nach der Situation, behutsam weiterzuwagen.&lt;br /&gt;Kaum war ich einige Meter ins Dickicht eingedrungen – zum Glück hatte ich mich meiner Karl-May-Lektüre in jungen Jahren erinnert und mich bemüht, keine Fußspuren zu hinterlassen –, als ich menschliche Stimmen hörte, aufgeregt klingende Stimmen, die sich mir gefährlich näherten. Ich hockte mich neben einen Busch und machte mich so klein wie möglich, um nur ja nicht gesehen zu werden. Dicht neben mir schlugen sich etwa zehn in metallisch schimmernde Gewänder gekleidete Männer und Frauen durch das Gestrüpp. Sie bemerkten mich nicht und liefen hin zum Ufer. Ich beobachtete, wie sie das Boot begutachteten und dabei heftig gestikulierend miteinander diskutierten. Da ich nicht wußte, was sie mit mir machen würden, wenn sie mich entdecken sollten, zog ich es vor, mich sogleich aus dem Staub zu machen, ehe sie nach mir suchen würden. Ich drang also weiter durch das Gebüsch, das bald endete und den Blick in die Weite freigab.&lt;br /&gt;Für eine Weile hielt ich inne, da ich überrascht war von der ungeheuren Größe der Höhle – denn um etwas anderes konnte es sich hier, tief unter dem Meeresspiegel, nicht handelt. In einer Entfernung von einigen Kilometern lag inmitten einer hügeligen, von Baumgruppen bestandenen Wiesenlandschaft eine futuristisch anmutende Stadt mit mattsilbern schimmernden Bauwerken von mittlerer Höhe.&lt;br /&gt;Nicht weit von mir entfernt entdeckte ich ein transparentes Etwas von der Größe eines Kleinbusses, bei dem es sich vielleicht um ein Gefährt handeln mochte und in das ein Dutzend Personen hineinpaßte; allerdings sah ich keine Räder, konnte beim Umrunden im Gras zwar Fußabdrücke, aber keine Anzeichen einer Anfahrt erkennen. Sollte es sich um eine Flugmaschine handeln? Dafür aber fehlten Düsen, Rotorblätter oder Propeller. Ich beschloß, mich zunächst in einer nahen Baumgruppe zu verstecken und weiter zu beobachten, was nun geschehen würde.&lt;br /&gt;Zum Glück fand ich das ausgetrocknete Bett eines Bachs, das ich für meinen Weg nutzen konnte, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Kaum war ich bei den Bäumen angekommen, erschienen auch die Menschen, die mein Boot untersucht hatten, neben dem transparenten Ding. Wie vermutet, bestiegen sie es, und kurz darauf erhob es sich in die Luft und schwebte geräuschlos einige Meter über dem Boden. Dann flog es langsam über das Gebüsch, das den ehemaligen See umgab. Das konnte nur eines bedeuten: Man suchte mich. Was wäre, wenn sie ein Gerät vergleichbar einer Infrarot-Kamera bei sich hätten? Dann könnten sie mich bald an meinem jetzigen Aufenthaltsort aufspüren, auch wenn ihre bloßen Augen mich durch das Dickicht hindurch nicht sehen sollten. Ich geriet in Panik. Was tun? Als ich tiefer in die Baumgruppe eindrang, stieß ich auf eine Erdhöhle. Ich kroch, soweit es ging, hinein und deckte einige abgebrochene Zweige über mich; so bestand immerhin die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Unbeweglich kauerte ich eine ganze Weile, bis ich meinte, nicht mehr in Gefahr zu sein, dann kroch ich langsam wieder hervor.&lt;br /&gt;Da sah ich, daß es inzwischen dunkel geworden war. Von der Höhlendecke her kam nur noch ein schwacher Lichtschimmer, der immerhin ausreichte, die nähere Umgebung zu erkennen. Anscheinend gab es auch hier so etwas wie Tag und Nacht.&lt;br /&gt;In der Ferne schienen die Lichter der Stadt. Ich machte mich auf den Weg dorthin, denn in einer Wald-Wiesen-Landschaft würde ich das Goldene Buch wohl kaum finden. Natürlich wollte ich vermeiden, anderen Menschen zu begegnen, denn ich wußte nicht, wie sie mir gesonnen sein würden.&lt;br /&gt;Langsam ging ich durch die Gräser den fernen Lichtern entgegen, immer auf der Hut, nicht über Steine und Wurzeln zu stolpern. Dabei stiegen in mir die unterschiedlichsten Gedanken auf. Insbesondere fragte ich mich, ob das Ganze hier Science Fiction sei, ein Leben wie in ferner Zukunft, so wie ich es aus Romanen und Filmen kannte: eine hochtechnisierte Zivilisation, fast alles funktioniert automatisch, schwere Arbeiten sind nicht mehr erforderlich, die Menschen sausen in kleinen Fahrzeugen durch die Luft ... Später sollte ich erkennen, daß dies nur ein Teil der Wahrheit war, ein kleiner Teil.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;327-11.324&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Beim Lernen der Sprache der Tiefgründler, wie sie sich nennen, oder kurz Gründler, mache ich gute Fortschritte. Seit wenigen Tagen befasse ich mich mit Zahlen und mit der Geschichte dieses Volks. Mel-Usi-Neh ist mir dabei überaus behilflich. Kürzlich erfuhr ich, daß man hier weder Wochen noch Monate kennt, sondern nur Tage und Jahre; wir haben heute den 327. Tag des Jahres 11.324. Diese Zeitrechnung begann, als die Übersiedlung hierhin abgeschlossen war und man sprichwörtlich „die Luken dicht machte“.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Doch nun weiter in meinem Bericht:&lt;br /&gt;Erst nach mehreren Stunden gelangte ich bei der Stadt an; es war anstrengend gewesen, sich in der Dunkelheit durch die weglose Landschaft fortzubewegen. Müde und erschöpft, wollte ich jetzt einfach nur noch schlafen. Daher suchte ich in einem nahen Wäldchen, nur etwa hundert Meter von den ersten Häusern entfernt, ein Versteck, wo ich für einige Stunden Kraft schöpfen konnte.&lt;br /&gt;Bei Anbruch des Tages wachte ich auf. War da nicht ein Geräusch gewesen? Schon wieder. Es hörte sich nach Plätschern an und kam nicht aus der Richtung der Stadt, sondern aus der Tiefe der Baumgruppe. Neugierig schlug ich mich durch das Unterholz hindurch, nach wenigen Metern öffnete sich das Blickfeld, und vor mir lag ein Teich, sonst war nichts zu sehen, kein Mensch weit und breit. Beruhigt trat ich aus dem Schutz der Bäume heraus. Eine willkommene Gelegenheit, mich ein wenig zu erfrischen. In Sekundenschnelle legte ich meine Kleidung ab und machte einige Schritte ins Wasser hinein, bis es mir an die Knie reichte, da plötzlich tauchte dicht vor mir eine Gestalt daraus auf. Wir beide blieben erschreckt voreinander stehen: ein nacktes Mädchen mit langem schwarzem Haar, das ihr bis zur Hüfte hinabreichte, und ich. Es war wie im Märchen!&lt;br /&gt;Einen Moment lang schien es, als überlege sie, ob sie fliehen solle – an meinen mitteleuropäischen Gesichtszügen hatte sie wohl erkannt, daß ich nicht zu ihrem Volk gehörte; sie selbst sah, obwohl fast so groß wie ich, eher südostasiatisch aus –, doch dann stellte sie sich der Situation. Aus ihrem Mund klang etwas wie „Ha-i wa“ – wie ich später erfuhr, bedeutete es etwa: „Hallo, wie geht‘s?“ –, und ich erwiderte: „Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.“ Sie lachte ungeniert drauf los, als hätte ich etwas ungemein Komisches gesagt, hielt sich dann aber die Hand vor den Mund. Erst jetzt wurde mir bewußt, wie unbefangen sie sich mir gegenüber verhielt, sie hatte beispielsweise nicht ihre Blößen vor mir zu verdecken versucht. Schon nach wenigen Sekunden merkte ich, daß mir dieses Mädchen und ihre Art durchaus gefallen könnten. Anscheinend war auch ich ihr nicht unsympathisch.&lt;br /&gt;Ich wußte nun nicht, wie ich mich ihr weiter verständlich machen sollte, und wurde verlegen. Da grummelte mein Magen, denn ich hatte seit fast 24 Stunden keine Speisen mehr zu mir genommen. Das Mädchen lachte wieder und wies dann mit den Fingern auf ihren Mund und Magen. Zur Antwort deutete ich ein Kauen an. Sie winkte mir, ihr zu folgen, und betrat dann das Ufer, während ich zu meiner Kleidung lief und sie rasch anzog. Als ich aufblickte, war auch sie schon angekleidet; zum Abtrocknen hatte sie keine Zeit gehabt, dennoch wirkte das silberfarbene, enganliegende Gewand nicht durchnäßt. Darüber wunderte ich mich, doch ließ sie mir keine Zeit zum Nachdenken, denn sie griff mich am Arm und zog mich mit sich fort. Als wir das Wäldchen hinter uns gelassen hatten, lief sie mit mir schnurstracks auf die Stadt zu. Ich zögerte und blieb stehen. Da schaute sie mich fragend an, dann schien sie zu begreifen, denn sie redete beruhigend auf mich ein, es klang so, als wollte sie mir sagen: „Hab keine Angst, wir sind keine Unmenschen und fressen dich schon nicht auf.“ Tatsächlich war ich bald überzeugt, es sei wohl das Beste, diesem Wink des Schicksals zu folgen, bisher war dies immer der richtige Weg gewesen. Inwieweit meine aufkeimende Zuneigung zu diesem fremden – und mir doch schon innerlich vertrauten – Mädchen eine Rolle spielte, kann ich nur vermuten.&lt;br /&gt;Als wir die Stadt betraten, war mir doch ganz schön mulmig zumute. Schon nach kurzem begegneten wir Menschen, die uns neugierig nachschauten, alle schwarzhaarig, schlank und hochgewachsen, mit asiatischen Gesichtszügen und silberfarben gekleidet. Übrigens fühlte der grünliche Straßenbelag sich beim Gehen nicht hart wie Stein oder Asphalt an, sondern eher elastisch, als bestünde er aus einer Gummimasse. Als ich versehentlich gegen eine metallisch aussehende Hauswand stieß, kam mir auch diese zu meinem Erstaunen angenehm nachgiebig vor. Fenster in den mir bekannten Formen erblickte ich nicht, dafür waren die Wände teilweise transparent, in der Regel in der Form von etwa einem Meter breiten Streifen, die jeweils um das ganze Haus herum liefen, so daß die Mauern schichtweise durchsichtig und undurchsichtig waren.&lt;br /&gt;Nach etwa zehn Minuten erreichten wir ein Gebäude, in dem ich nach der Anzahl der wechselweisen Schichten etwa acht Stockwerke vermutete. Man kann sich meine Verblüffung vorstellen, als ich nach dem Eintreten durch eine der zahlreichen Türen – auf den ersten Blick zählte ich allein an einer Seite des Hauses vier – feststellte, daß die Wohnung, die wir nun betraten und durch die meine Begleiterin mich führte, nicht etwa auf einer einzigen Ebene lag, sondern daß die Räume sich fast über das gesamte Haus verteilten, verbunden durch schräg auf- und absteigende Gänge, durch die wir, entgegen den Gesetzen der Schwerkraft, langsam hinauf und hinab glitten, wobei ich nicht die geringste Vorstellung davon hatte, welche Kräfte hier am Werk waren. Wie ich später erfuhr, befanden sich in dem Haus zwölf Wohnungen, alle in ähnlicher Weise auf das Gebäude aufgeteilt wie die Wohnung dieses Mädchens. Obwohl diese Räume, die keine Ecken und Kanten, stattdessen Rundungen besaßen, und deren Wände und Böden sich weich anfühlten, mir ungewohnt waren, fühlte ich mich hier sogleich wohl. Teils erhellte Tageslicht die Zimmer durch die transparenten Außenwandbereiche, teils schimmerten die Decken und schenkten dadurch ausreichende Helligkeit. Möbel erblickte ich keine, allerdings zierten prachtvolle farbige Ornamente und naturalistische Darstellungen die Wände. Jeder Raum erzeugte in mir eine andere Stimmung, was ich als überaus wohltuend empfand und was auch an den unterschiedlichen Düften liegen mochte, die unaufdringlich in der Luft schwebten – aber wie konnte man hier wohnen, ohne jegliches Mobiliar, ohne Kleidung und Wäsche, ohne Nahrung und Getränke, ohne Sanitäreinrichtungen und Wasser?&lt;br /&gt;Als ob die junge Frau meine Fragen geahnt hätte, berührte sie eine bestimmte, farblich hervorgehobene Stelle der Wand des Raums, den wir als letzten aufgesucht hatten, dreimal hintereinander mit den Fingerspitzen, und sogleich schossen an mehreren Stellen des Bodens feine Strahlen einer dunklen Flüssigkeit in die Höhe, formten in Sekundenschnelle etwas, das einer Tischplatte glich, und darum herum stuhl- oder sesselartige Gebilde, und nach weiteren Sekunden erstarrte das Ganze und machte den Eindruck einer festen Substanz. Ich ging hin und klopfte auf den „Tisch“, der wie aus Holz hergestellt aussah, er fühlt sich hart an. Dann betastete ich einen der Sitze: stabil und dennoch angenehm weich. Ungläubig schaute ich zu dem Mädchen hin; sie forderte mich mit einem Wink auf, mich zu setzen. Ich wagte es jedoch nicht, denn Tisch und Sessel hingen fast frei in der Luft, lediglich getragen durch die drahtdünnen, erstarrten Stäbe, die vorher als Flüssigkeit aus dem Boden geschossen waren. Als sie sah, daß ich zögerte, ließ sie sich in einem der Sitze nieder – und er hielt, kippte nicht wie erwartet um, bewegte sich nur wenig von der Stelle. Daher setzte auch ich mich in eine der Schalen, und siehe da, es war ein angenehmes Gefühl, denn das Material schmiegte sich sogleich meinem Rücken an.&lt;br /&gt;So saß ich also dieser jungen Frau gegenüber. Sie tippte drei- oder viermal auf die Tischplatte, und von der Decke senkte sich, gehalten von einem feinen Draht, eine Art Tablett, auf dem verschiedene, mir teils unbekannte Früchte lagen, auf den Tisch nieder. Sie forderte mich auf, zuzugreifen, und langte selbst nach einem Apfel. Wir aßen in Ruhe, reinigten unsere Hände dann an einem Wasserstrahl, der für kurze Zeit wie eine Fontäne aus dem Boden aufstieg, das Tablett mit den Speiseresten verschwand wieder in der Höhe, der Tisch verflüssigte sich und sank in Form eines Strahls in den Boden zurück, und wir saßen verlegen da und wußten nicht, was zu sagen oder zu tun sei. Nach einigen Sekunden wies das Mädchen mit dem Zeigefinger auf sich und sagte: „Mel-Usi-Neh.“ Das war offensichtlich ihr Name. Ich wiederholte ihn, betonte ihn aber anscheinend falsch, denn sie lachte erheitert auf. Bei einem zweiten Versuch gelang es mir schon besser, jedenfalls schaute Mel-Usi-Neh mich aufmunternd an. Dann sprach auch ich meinen Namen aus, langsam und laut: „Michael“. Sie wiederholte, es klang wie „Mie-scha-ähle“. Diesmal war ich es, der lachte, und sie prustete auch sogleich los. In diesem Moment vernahmen wir ein Geräusch, schauten beide in die Richtung, aus der es gekommen war, und sahen dem Gang, der von untern herauf in das Zimmer führte, zwei Männer und zwei Frauen entsteigen. Sofort verstummte unser beider Lachen, denn die Gesichter der anderen strahlten keineswegs fröhlich, vielmehr schauten uns ernste Augen an, in denen ich sogar eine Spur Ängstlichkeit zu entdecken meinte. Wir erhoben uns von unseren Sitzen. Für kurze Zeit blieben wir alle stumm, und die Blicke der vier musterten mich. Dann begann die Frau, die älter zu sein schien als die drei anderen und zudem statt silber- goldfarben gekleidet war, mit Mel-Usi-Neh zu sprechen. Aus der Art ihrer Rede und aus Mel-Usi-Nehs scheuen Antworten meinte ich folgern zu dürfen, daß es sich bei der Goldfarbenen um eine Respektsperson handelte. Auf einmal schlug Mel-Usi-Nehs Tonfall um, klang entschlossen, sogar trotzig. Demonstrativ, als wolle sie mich beschützen, stellte sie sich vor mich und gestikulierte heftig in einer abwehrend wirkenden Geste. Einer der Männer redete nun beschwichtigend auf sie ein, aber ganz offensichtlich schloß sie sich den Absichten der anderen nicht an. Schließlich schienen die anderen nachzugeben, Mel-Usi-Neh beruhigte sich, und die vier verließen den Raum über den Schwebeschacht, nachdem die Ältere uns noch einen eindringlichen Blick zugeworfen hatte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Unterricht&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor dem Haus spielen wieder einige Kinder. Mir kommt es ungewöhnlich vor, daß sie so oft herschauen, als ob sie uns insgeheim beobachteten. Vielleicht sehe ich einfach nur Gespenster, vielleicht sind sie nur neugierig wegen des „Mannes aus der anderen Welt“.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Täglich mehrere Stunden lerne ich die Sprache in Wort und Schrift, und tatsächlich können Mel, wie ich sie kurz nenne, und ich uns schon einigermaßen flüssig miteinander unterhalten. Es liegt sicher daran, daß Sprachenlernen mir immer schon leicht gefallen ist – weshalb ich als Beamter regelmäßig ausländische Delegationen begleiten und sie durch unsere Ämter führen mußte –, aber vielleicht noch mehr an Mels Begeisterung, wenn sie mir ihre Muttersprache beizubringen versucht. In einigen Tagen will sie mir einige ihrer Freunde vorstellen, und sie möchte mir sobald als möglich ihre Stadt zeigen. Bisher habe ich mich nur in ihrer Wohnung aufgehalten. Morgen will die Goldfarbene, die Oberste Stadtverwalterin, zum vierten Mal vorbeikommen und mit mir „plaudern“ – in Wirklichkeit aber, wie ich sehr wohl merke, mich aushorchen, über meine Herkunft, meine Kultur, meine Absichten. An den entscheidenden Stellen gab ich mich immer als Nicht-Verstehender aus. Bei alledem bleibe ich innerlich zuversichtlich, ja geradezu fröhlich, denn ich habe, dank Mel, bereits mehrere Bücher ihres Volks zu Gesicht bekommen, und alle waren sie – silbern. Da kann das Goldene Buch nicht mehr weit sein! Doch meinen geheimen Plan werde ich allenfalls und nur, wenn sich eine Gelegenheit bieten sollte, Mel offenbaren. Schließlich gibt es das Amtsgeheimnis!&lt;br /&gt;Immer wieder muß ich übrigens an meine Mit-Prinzen denken. Zu gerne wüßte ich, was inzwischen aus ihnen geworden ist, ob sie ihren Zielen, dem Schlüssel und dem Ei, schon nähergekommen sind.&lt;br /&gt;Doch nun weiter in meiner Geschichte. Nach dem Abzug der Vier versuchte Mel, mir mit Gesten zu verdeutlichen, daß ich bei ihr in Sicherheit sei. Anscheinend hat sie an mir einen Narren gefressen, anders kann ich mir ihr Verhalten nicht erklären. Mir ist es mehr als recht.&lt;br /&gt;Was gibt es weiter zu berichten von diesem ersten Tag in der Stadt, in Mels Wohnung? Sie suchte aus einem Schrank – oder vielmehr aus einer großen Öffnung in der Wand, die sich auf geheimnisvollen Klopfbefehl auftat – etwas Silberfarbenes als Gewand für mich heraus. Ich entledigte mich auf den gestikulierten Wunsch Mels hin gänzlich meiner alten Kleidung, wobei sie mir wie selbstverständlich zuschaute, dann versuchte ich, mir das neue Gewand anzulegen – und mußte, als ich es ausbreitete, erstaunt feststellen, daß ich ein Tuch von der Größe einer Tischdecke in den Händen hielt und nicht ein geschneidertes Kleidungsstück. Ich wußte nicht, was ich damit anfangen sollte, und muß wohl irritiert und hilflos dreingeschaut haben, denn Mel lachte wieder hell auf. Sie nahm mir die Tischdecke aus der Hand, legte sie um meine Schultern, und das Unglaubliche geschah: Der Stoff schmiegte sich sanft um meinen Körper vom Hals bis zu den Füßen, an denen er eine Art Schuhe formte. Das Gewand lag nun eng um mich, aber nicht beengend; leicht und doch angenehm warm; außen glatt, innen jedoch weich. Fast war es mir, als trüge ich gar keine Kleidung, so wenig fühlte ich sie. Wie ein kleines Kind hüpfte Mel vor Freude in die Luft und klatschte in die Hände, anscheinend stand mir das Silbertuch gut. Dann führte sie mich in ein anderes Zimmer, in dem sie, wieder per Klopfen, eine große Glaskugel aus dem Boden hervorzauberte, vor die wir uns in die soeben entstandenen Sessel setzten. Ich mußte an die Kugel einer Jahrmarkts-Wahrsagerin denken, wenngleich das Glas vor unseren Augen einen Durchmesser von mehr als einem Meter hatte. Mel sang einen hohen Ton, und sofort erschien in der Kugel ein Bild, wir sahen – uns beide, wie wir hier saßen und in die Kugel blickten. Ich schaute mich im Raum um und suchte nach einer versteckten Kamera, entdeckte aber keine. Mel ließ ihrer Kehle einen anderen Ton entschlüpfen, und im Glas tauchte ein anderes Bild auf: der Blick auf eine Straße dieser Stadt, mit Fußgängern und gelegentlich in wenigen Metern Höhe schwebenden Fluggeräten. Es folgten Blicke in die Landschaft, die die Stadt umgab, und zum Abschluß sahen wir, hervorgerufen durch weitere Singtöne, verschiedene Säle, die öffentlichen Zwecken zu dienen schienen, deren Sinn ich jedoch jetzt noch nicht erkannte. Als das „Fernsehen“ beendet war, führte Mel mich in einen ganz oben gelegenen Raum mit gutem Ausblick auf die Stadt, ließ klopfend eine Liege entstehen, signalisierte mir, sie müsse das Haus verlassen, ich solle mich solange hier aufhalten, und verschwand.&lt;br /&gt;Ich legte mich hin, angefüllt mit neuen Eindrücken, und sann über meine Situation nach. Es sah gar nicht so schlecht aus. Die Bewohner der Höhle hatten mir nichts angetan, Mel mich sogar freundlich aufgenommen. Von hier aus könnte ich meine Suche nach dem Buch sicher fortsetzen, möglicherweise würden mir die Einwohner der Stadt dabei sogar helfen. Ulrike fiel mir ein; seit Tagen hatte ich nicht mehr an sie gedacht und mich jetzt auch noch in Mel verguckt. Ich versuchte, mein aufkeimendes schlechtes Gewissen dadurch zu besänftigen, daß ich mir einredete, bald schon wieder diese Welt verlassen zu haben und Mel dann nie mehr wiederzusehen.&lt;br /&gt;Als es draußen dunkelte und die Decken der Räume stärker zu leuchten begannen, kehrte Mel zurück. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich zur Fernseh-Kugel, in der sie mir zeigte, was sie tagsüber gemacht hatte: Ich sah ungefähr zwanzig Kinder im Alter von neun, zehn Jahren im Kreis um sie herum sitzen, denen sie etwas erzählte, das ich naturgemäß nicht verstand. Es konnte sich hierbei nur um die Unterrichtung von Schülern handeln; demnach war Mel Lehrerin, wohl auch Beamtin, wenn es hier derartige Dienstverhältnisse gab.&lt;br /&gt;Nach dem Abendessen, das aus Meeresfrüchten bestand, zog ich mich bald müde in „mein“ Zimmer zurück. Ich schlief sehr schnell ein und träumte lebhaft, wie ich, in der Gestalt eines Ritters in goldener Rüstung, gegen einen furchtbaren Drachen kämpfte. Schließlich besiegte ich ihn; in dem Moment, als er sterbend zu Boden sank, verwandelte er sich in Ulrike.&lt;br /&gt;Bereits am folgenden Morgen begann Mel, mich in ihrer Sprache zu unterrichten. Es fing mit einfachen Gegenständen an, auf die sie oder ich zeigten: „Mauer“, „Haus“, „Apfel“, „Stuhl“. Als überaus hilfreich erwies sich die Fernseh-Kugel, mit deren Bildern ich die Ausdrücke für Dinge, Tätigkeiten, Zustände usw. anschaulich erlernen konnte.&lt;br /&gt;In den folgenden Tagen und Wochen gewöhnte ich mich allmählich an das Leben in dieser Wohnung. Über die Kugel, die ich bald schon selbst bedienen konnte, und über Mels zunächst einfache, dann immer detailliertere Berichte erfuhr ich eine Fülle von Einzelheiten über das Leben der Gründler. In der Höhle gibt es mehrere Städte, die der unseren gleichen. Jede Stadt hat ihre eigene Führung, die Spitze des Staats bildet die Staatsregierung. Das Staatssystem ist halb demokratisch, halb monarchisch: Der Kaiser, der jeweils auf Lebenszeit gewählt wird, entscheidet vor allem bei streitigen Punkten oder bei Themen von hoher Brisanz. Gebunden sind er und die Volksvertreter wiederum an eine Staatsverfassung, die von den Gründern des unterseeischen Staats geschaffen wurde und die nicht abänderbar ist.&lt;br /&gt;Ab dem vierten Lebensjahr besuchen die Kinder je nach Begabung unterschiedliche Schulen, nach der zehnjährigen Schulzeit erlernen sie einen Beruf. In der Regel arbeiten die Erwachsenen fünf Tage hintereinander und haben anschließend drei Tage frei. Die Berufe, fast so vielfältig wie in „meiner“ Welt, dienen allerdings nicht dem Gelderwerb, sondern der sinnvollen Beschäftigung und damit der gesellschaftlichen Stabilität. Geld gibt es keines, vielmehr wird jeder mit allem Notwendigen wie Wohnung, Kleidung, Nahrung usw. vom Staat versorgt. Das Erstaunliche: Seit Jahrtausenden hat sich diese Gesellschaft kaum verändert, die Technik sich nicht fortentwickelt; sie befindet sich auf dem gleichen Stand wie beim Einzug der Gründler in die Höhle!&lt;br /&gt;In der Freizeit trifft man sich mit Freunden, geht zu Gemeinschaftsveranstaltungen, insbesondere besucht man eine Art Theater, oder man liest Romane. Auf das Lesen legt man großen Wert, doch schreiben kann seltsamerweise kaum jemand, es wird nicht allgemein gelehrt, weil für weitgehend überflüssig gehalten; dafür aber zeichnen die Menschen dieses Volks sich durch ein phantastisches Gedächtnis aus.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;„Das sind Doon-Roes, meine Freundin, und ihr Mann Ru-Pell-Still“, stellte Mel mich ihren Freunden vor. Wir begrüßten einander durch den hier üblichen Ohrenkuß. Doon, kleiner, kräftiger und mit kürzerem Haar als Mel, sah mich „Alien“ scheu an, Ru schaute mir fest ins Auge, aber auch hinter seinem männlichen Blick spürte ich Unsicherheit. Die anfängliche gegenseitige Befangenheit hielt jedoch nicht lange an, vielmehr lachten wir bald aus vollem Hals über alle möglichen Kleinigkeiten. Schon seit längerem ist mir aufgefallen, daß die meisten Höhlenmenschen voller Fröhlichkeit durchs Leben gehen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Wir standen, gemeinsam mit vielen anderen, auf dem großen Platz vor dem Theater – einfachheitshalber nenne ich das große kegelförmige Gebäude so, da in ihm Schauspiele ähnlich den unseren aufgeführt werden. Immer wieder schaute der eine oder die andere verstohlen zu mir hin, dem Fremden mit dem ungewöhnlichen Gesicht – natürlich hatte sich meine Anwesenheit in der Stadt längst herumgesprochen. Ich nahm mir vor, mich dadurch nicht irritieren zu lassen, und tatsächlich stellte ich im Laufe des Abends fest, daß immer weniger mich begutachteten, sich also anscheinend an meinen Anblick gewöhnt hatten.&lt;br /&gt;Die meisten waren mit ihrem Partner gekommen, einzelne Besucher sah ich nur ganz wenige; ein Leben als Single kam in diesem Staat nur selten vor. Ich fragte mich, warum Mel keinen Freund oder Mann hatte, immerhin hatte sie schon die Mitte der Zwanzig überschritten. Bisher hatte sie mir fast nichts aus ihrer Vergangenheit erzählt und war meinen diesbezüglichen Fragen immer ausgewichen. Wenn ich es genau betrachte, trat Mel hier gar nicht als Einzelperson auf, sondern so, als wären wir beide ein Paar; sie „präsentierte“ mich mit nicht geringem Stolz, nicht als Kuriosität, sondern als ihren Begleiter, und wenn meine Sprachkenntnisse nicht ausreichten, um eine der zahlreichen Fragen ihrer Freunde zu beantworten, die sich als sehr wißbegierig zeigten und möglichst viel aus meinem bisherigen Leben erfahren wollten, antwortete Mel, der ich schon so manches aus der Welt der Oberflächler berichtet hatte, an meiner Stelle, und sie tat es voller Eifer und Begeisterung,&lt;br /&gt;Die Festkleidung der Besucher zeugte nicht gerade von großem Einfallsreichtum. Sie lag ebenso eng an wie die Alltagsgewänder und unterschied sich von diesen nur durch andere Farben, wobei die Menschen insbesondere Grün und Blau bevorzugten, was mich stark daran erinnerte, daß wir uns hier unter Wasser befanden. Wie ich später erfuhr, war diese Gleichförmigkeit der Kleidung beabsichtigt, um möglichst Neid zu vermeiden.&lt;br /&gt;In die Menge kam Bewegung, wir betraten das Gebäude. Sein Inneres kannte ich zwar bereits aus der „Fernseh-Kugel“, dennoch faszinierte mich das Folgende, als ich es jetzt hautnah mitbekam. Unter uns allen, die wir im Rund standen, wuchsen aus Flüssigkeitsstrahlen Sitzschalen, in die wir uns fallen ließen und die uns sogleich derart umschlossen, daß wir nicht versehentlich aus ihnen herausfallen konnten. Sodann schossen diese Sitze, immer getragen von einem drahtdünnen Strahl, mit uns in die Höhe, und wir fanden uns zehn, zwanzig Meter über dem Boden wieder. Viele, vor allem junge Zuschauer, schrieen dabei vor Begeisterung auf. Wir schwebten jetzt alle fast frei im Raum, wobei wir insgesamt etwa die Form eines breiten Rings bildeten, und waren dabei derart angeordnet, daß jeder unbehindert zum Zentrum des Saals sehen konnte. Das von den Wänden ausstrahlende Licht erlosch. Nach etwa fünf Minuten vollkommener Stille und Dunkelheit, in der die allgemeine Spannung ins Unermeßliche zu wachsen schien, ertönte plötzlich ein Paukenschlag, der Raum erhellte sich wieder, und die Menge kreischte wie bei einem Rockkonzert vor Begeisterung auf. Denn von unten näherten sich der Raummitte drei durchsichtige, von Drähten getragene Platten oder Scheiben von etwa zwanzig Metern Durchmesser, die durch Treppchen miteinander verbunden waren und auf denen unbewegt zwei Dutzend Akteure in reich verzierten, farbenprächtigen Gewändern posierten. Als ein zweiter Paukenschlag erklang, begannen sie, sich zu bewegen, und nun entspann sich ein faszinierendes Schauspiel, bei dem Rezitation und Gesang, Handlung und Instrumentalklänge miteinander abwechselten und sich ergänzten. Die Gespräche waren in ihrer schnellen Form von Rede und Gegenrede, Frage und Antwort, in dem wechselseitig aufgenommenen und reihum gehenden Wort kunstvoll verflochten und durch ihre für meine Ohren ungewöhnliche Betonung und Lautmalerei von einer Dynamik und Spannung, die selbst mich, der ich wegen seiner künstlerischen Fassung nur wenig von dem Text verstand, in den Bann zogen. Zwischendurch erschollen seltsame Ausrufe, die ich am ehesten mit Jodlern vergleichen würde, die aber einen weitaus differenzierteren Aufbau aufwiesen. Und immer wieder vollführte der eine oder andere komplizierte Körperbewegungen, die sich bis zur Akrobatik steigerten. Dieses Ganze, das Gewebe aus Sprache, Gesang und Musik, Aktion und Wechselwirkung beeindruckte mich so sehr, daß es mir tagelang nicht aus dem Sinn ging, wobei mehr die Form als der Inhalt in meinem Gedächtnis haften blieb. Immerhin verstand ich die Handlung in groben Zügen: Drei Söhne von Obersten Stadtverwaltern, ausgezogen, des Kaisers einzige Tochter zu retten, die ein Meereszauberer entführt hatte, müssen auf ihrem Weg mehrere Prüfungen bestehen, wobei zwei der drei scheitern und in Fische verwandelt werden, bis schließlich der dritte durch List den Bösewicht überwindet und die Prinzessin wie auch die beiden Gefährten rettet. Ein Märchenspiel also, das Groß und Klein faszinierte.&lt;br /&gt;Die Sitze der Zuschauer blieben während der Aufführung nicht an der anfangs eingenommenen Position stehen, sondern bewegten sich auf ihren Drähten jeweils zu den Stellen des Raums, wohin die Besucher sie durch bloße Bewegungen ihrer rechten Hand, ohne einen Schalter oder ähnliches zu bedienen, steuerten. So konnte jeder das Spiel von dem Ort aus betrachten, der ihm in einer Szene genehm war. Man kann sich vorstellen, wie häufig der eigene Standpunkt gewechselt wurde, und daß im Zuschauerbereich fast ebensoviel Bewegung herrschte wie auf der Bühne, ohne daß jemals Sitze zusammenstießen oder jemandem für mehr als eine Sekunde die Sicht genommen wurde.&lt;br /&gt;Mel und ich gingen anschließend nicht sofort nach Hause, sondern wir schlugen einen Umweg durch die Natur ein. Sie war heute abend besonders gut gelaunt und plauderte in einem fort. So wagte ich es, ihr zum wiederholten Mal die Frage nach ihrer Lebensgeschichte zu stellen. Sie blieb stehen und sah mich traurig an. Einen Moment lang schien sie zu überlegen, dann wies sie auf einen umgefallenen Baumstamm: „Setzen wir uns doch ein wenig hin.“ Als wir Platz genommen hatten, spielte sie auf der Suche nach einem Anfang verlegen mit ihren Händen, dann hob sie ihren Blick vom Boden und sah mich fest an. „Du hast selbstverständlich gemerkt, daß ich nicht gerne aus meiner Vergangenheit erzähle. Das mache ich nicht etwa, um geheimnisvoll zu erscheinen, sondern – weil es mir schwerfällt. Wie du weißt, habe ich keine nähere Verwandtschaft. Meine Eltern starben, als ich elf Jahre alt war. Sie kamen in der Verbannung ums Leben.“&lt;br /&gt;Ich hatte den Eindruck, als schämte sie sich dessen, was sie gesagt hatte.&lt;br /&gt;„Beide waren hohe Politiker“, fuhr Mel nach einer kurzen Pause fort. „Und sie taten etwas Ungeheuerliches. Sie forderten vom Kaiser, das Grundgesetz unseres Reichs zu ändern. Derartiges hatte noch niemals jemand gewagt, ja vielleicht noch nicht einmal gedacht.“ Wieder schwieg sie.&lt;br /&gt;„Was war es denn, das sie in diesem Staat verbessern wollten?“ Mein Eindruck der letzten Wochen, daß hier nahezu alles perfekt lief, hatte sich immer mehr gefestigt. Vor allem schien mir, die Menschen seien glücklich und zufrieden.&lt;br /&gt;„Unsere Verfassung, die schon seit Urzeiten besteht und sich seither bewährt hat, harmoniert wunderbar mit dem Leben der meisten. Aber manche Menschen verspüren halt doch Bedürfnisse, die von denen der Mehrheit abweichen. Meine Eltern äußerten den Wunsch, die Zugänge nach außen zu öffnen, zur Welt der Oberflächler, damit jeder, der es wolle, unser hiesiges Reich verlassen und die Oberwelt betreten könne, ja vielleicht sogar deren Völker mit uns Kontakt aufnehmen könnten.“&lt;br /&gt;„Was wäre denn so schlimm daran? Im Gegenteil, die Idee finde ich gut.“&lt;br /&gt;„Du kennst nicht die Geschichte unserer Nation vor dem Einzug in die Höhle.“ In knappen Worten berichtete Mel: Ihr Volk, das vor fast 11.500 Jahren beschlossen hatte, sich in ein Gebiet unter der Meeresoberfläche zurückzuziehen, zählte vor dieser Zeit dank seiner technischen Fähigkeiten zu den wohlhabendsten der Erde. Schon seit Tausenden von Jahren hatte man auf den Inseln (bei denen es sich, wie ich aufgrund der Schilderungen erkannte, um Sumatra, Java und Borneo handeln mußte) gelebt, ohne daß große kulturelle Änderungen stattfanden. Die Technik hatte man von einer Nation geerbt, die damals schon seit langem existiert hatte und eines Tages aus unerklärlichen Gründen ausstarb. Anfangs zeigte man sich an der Anwendung der Technik wenig interessiert, besaß auch nicht den geringsten Sinn für Begriffe wie Fortschritt und Weiterentwicklung. Eine Naturkatastrophe, bei der vor allem Erdbeben und Vulkanausbrüche viele Menschenleben kosteten, zwang jedoch dazu, die Technik endlich anzuwenden und überkuppelte Städte zu erbauen, die von nun an die Schäden in Grenzen hielten. So lebte man lange Zeit, bis ein fremdes Volk sich an den Küsten des Festlandes ansiedelte und, nachdem es sich der Seefahrt zugewandt hatte, immer häufiger die Inseln ansteuerte und eine ständig wachsende Gefahr für deren Bevölkerung darstellte. Die Menschen, die sich später als Gründler bezeichneten, waren friedliebend, lebensbejahend, voller Daseinsfreude und besaßen keine schweren Waffen, mit denen sie sich hätten verteidigen können, denn zu kämpfen widerstrebte ihnen, und bisher waren sie auch noch nie zur Selbstverteidigung genötigt worden. Die Eindringlinge hingegen erwiesen sich als vital und brutal, als aggressiv und eroberungsfreudig, und früher oder später hätten sie trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Kultur, die die Inseln bevölkerte, zerstört. Da sich keine befriedigenden Möglichkeiten zum Schutz vor den Fremden oder zum Ausweichen in unbesiedeltes Gebiet fanden, beschlossen Städte, Reichsregierung und Kaiser schließlich, sich unter die Erde zurückzuziehen, wohin wohl niemals ein anderes Volk dringen werde, wo man mithin nicht von anderen bedroht werden könne.&lt;br /&gt;Man wußte, daß sich unter dem Meeresboden zwischen den Inseln riesige Höhlen erstreckten. Mit schwerem, ferngelenktem Gerät ging man daran, sie zu einem gewaltigen Raum zu erweitern, diesen zu befestigen und zu stabilisieren, das Meerwasser herauszupumpen, verschließbare Zugänge zu schaffen, Energie-, Licht- und Klimaanlagen einzubauen, Landschaften zu formen und zu bepflanzen, Städte zu errichten sowie alles sonst Erforderliche durchzuführen, um eine ganz neue, bewohnbare Welt fernab der anderen Menschen entstehen zu lassen. Einschließlich der Planung und der übrigen Vorbereitungen nahm dies mehrere Jahrzehnte in Anspruch. Dann endlich bezog man, unbeobachtet von anderen Völkern, den neuen Lebensraum, der von nun an für alle Zeiten die Heimat der Gründler bleiben sollte. Auf der Erdoberfläche beseitigte man alle Zeugnisse der eigenen Kultur, als habe es dieses Volk niemals gegeben, und versperrte alle Verbindungswege zwischen den beiden Welten.&lt;br /&gt;Angesichts dieser Geschichte wurde mir klar, daß die Forderung von Mels Eltern, wieder einen Kontakt zu Menschen außerhalb der Höhle herzustellen, einen äußerst empfindlichen Punkt der Staatsgeschichte berührt haben mußte. Sie kam in den Augen der Staatsführung, ob berechtigt oder nicht, dem Ansinnen gleich, möglichen Feinden die Grenzen zu öffnen und den eigenen Staat von außen verwundbar zu machen.&lt;br /&gt;„Hinzu kam,“ fuhr Mel in ihrem Bericht fort, „daß sie sich nicht damit begnügten, ihre Forderung an den Kaiser zu richten, sondern sie wandten sich, nachdem er abgelehnt hatte, auch an das Volk und versuchten, es aufzustacheln. Daraufhin ließ die Regierung sie unter Hausarrest stellen und beschloß wenige Tage darauf, sie in die ‚Höhle der Unpassenden‘ zu verbannen, wohin sie unverzüglich gebracht wurden. Es war an einem Nachmittag, ich erinnere mich noch ganz genau daran, gerade kam ich von der Schule nach Hause und sah, als ich um die Straßenecke bog, wie meine Eltern in einen Transporter gestoßen wurden. Sie erblickten mich und winkten mir tröstend zu. Nie werde ich ihre tieftraurigen Augen vergessen. Ich rannte hin, doch das Fahrzeug startete, ehe ich ankam, und so konnte ich ihm nur hilflos nachblicken.“ Mel schwieg, Tränen traten in ihre Augen. Ich nahm ihre Hände und streichelte sie.&lt;br /&gt;„Die Höhle der Unpassenden. Wir alle hatten gerüchteweise von ihr gehört, doch keiner aus dem Stadtvolk kannte sie wirklich. Man erfuhr nur, es handele sich um eine kleinere Höhle, in die jene Menschen gebracht wurden, die die Sicherheit des Landes bedrohten. Ob es nur einige wenige waren oder aber eine große Zahl – keiner meiner Bekannten wußte es. Bis zu jenem Tag, als das schreckliche Unglück geschah. Niemand hatte überhaupt mit der Möglichkeit gerechnet. Meine Eltern lebten erst seit elf Tagen in Verbannung, mich hatte man in einer Pflegefamilie untergebracht, da ereilte uns die Nachricht, ein Erdstoß habe ein riesiges Loch in jene Höhle gerissen, das Meerwasser sei hineingestürzt und habe in Sekunden alles überflutet, alle Verbannten, mehr als achthundert, seien dabei ums Leben gekommen. Wer diese Einzelheiten unters Volk brachte, blieb ungeklärt. Auch meine Eltern starben, man fand später ihre Leichen.“ Wieder legte Mel eine Pause ein.&lt;br /&gt;Gerne hätte ich sie getröstet, fand aber keine Worte. Mel erhob sich, und wir setzten unseren Weg fort.&lt;br /&gt;„Lange trauerte ich um sie, und es dauerte Jahre, bis mein innerer Aufruhr sich stillte. Dabei war ich mir nicht sicher, ob die Scham über das Verhalten meiner Eltern oder der Zorn auf die Gesetze und die Regierung überwogen. Ihr Verbrechen haftete meinem Lebensweg fast bis zur Gegenwart an, alle wußten davon und warfen es mir vor – so zumindest war mein Eindruck. Ich scheute die Menschen, kein Mann interessierte sich für mich – oder ich wies die Männer zurück, da ich glaubte, das Interesse an mir könne nicht echt sein. Vor einigen Jahren erst gewann ich mein Selbstvertrauen zurück, und inzwischen liebe ich es, Lehrerin zu sein und Kindern ins Leben der Erwachsenen zu helfen.“&lt;br /&gt;Wir waren an einem jener Rundwäldchen angelangt, die in ihrer Mitte einen kleinen See bargen.&lt;br /&gt;„Wollen wir?“ fragte sie, und ihr Gesicht heiterte sich auf.&lt;br /&gt;Als wir uns ins Wasser stürzten, mußte ich an den Teich denken, über den ich in dieses Reich gelangt war. Ob auch hier, auf dem Grund dieses Gewässers, sich ein Gang in die Außenwelt befände? Und sogleich fiel mir das Verbot ein, auf das die Stadtoberste mich wiederholt warnend hingewiesen hatte: Jemals die Höhle zu verlassen und zurückzukehren in die Außenwelt. Ich dachte an das Verbrechen von Mels Eltern, an die Angst dieser Menschen, von anderen entdeckt zu werden!&lt;br /&gt;„Was ist los mit dir?“ rief Mel mir fröhlich planschend zu.&lt;br /&gt;Ich versuchte, meine Gedanken zu verdrängen. „Wollen wir wetten, ich kann tiefer tauchen als du?“&lt;br /&gt;Als wir uns nachher im warmen Licht der Sonne – nein, ich vergaß: der Höhlenbeleuchtung – trockneten, seufzte Mel: „Jetzt bist du schon fast fünfzig Tage bei uns, und du hast mir vieles aus deiner Welt berichtet – aber von dir persönlich hast du nur wenig mitgeteilt.“&lt;br /&gt;Ich verstand. Sie selbst hatte vorhin ihre Seele geöffnet – warum sollte jetzt nicht ich an der Reihe sein? Durfte ich ihr meinen geheimen Auftrag offenbaren? Und wollte ich ihr – von Ulrike erzählen?“&lt;br /&gt;„Kannst du schweigen?“&lt;br /&gt;Sie versprach es mir.&lt;br /&gt;Da schilderte ich ihr mein Privatleben – wobei ich meine Freundin vorsorglich aussparte –, sprach über meinen Beruf, und gelangte schließlich zu dem Grund, der ursächlich war für meinen Aufenthalt in der Höhle: die Rettung der ... ich sagte tatsächlich „Oberflächler“ und nicht Menschheit – und die Suche der Prinzen nach den goldenen Gegenständen. „Hast du vielleicht schon von dem Goldbuch gehört?“&lt;br /&gt;„Nein!“ antwortete sie knapp und schaute dann zu Boden. Sie schien nachzudenken.&lt;br /&gt;Auch ich hing meinen Gedanken nach. Mir war nämlich mit einemmal aufgefallen, daß ich schon seit Wochen kaum mehr an meinen Auftrag gedacht, ihn aus irgendeinem Grund vergessen oder verdrängt hatte. Ich hatte mich wohlgefühlt, und eigentlich wollte ich gar nicht weg von hier. Plötzlich erkannte ich: der Grund dafür ...&lt;br /&gt;„Und wenn du das Buch gefunden hast, verläßt du uns – verläßt du mich?“ Mels Stimme klang traurig.&lt;br /&gt;„Ich dich verlassen? Mel, ich weiß es jetzt: Ich liebe dich, und ... will für immer bei dir bleiben!“&lt;br /&gt;„Ich auch bei dir, mein ... Geliebter!“&lt;br /&gt;Sekunden später lagen wir uns in den Armen und drückten einander, daß wir fast keine Luft mehr bekamen. Arme Ulrike!&lt;br /&gt;Mel entwand sich meiner Umarmung. „Und deine Frau, oder Freundin? Du hattest doch eine, in der anderen Welt? Ich sehe es an deinem ganzen Verhalten, ich fühle es: du warst drüben nicht allein.“&lt;br /&gt;„Ja ... du hast recht,“ stammelte ich, „ich habe dort eine Freundin ... ich hatte eine, aber ... soeben bin ich mir über meine Gefühle im klaren geworden: Dich liebe ich, nicht sie. Am liebsten ginge ich niemals von hier weg, wenn nicht noch meine Aufgabe zu erledigen wäre.“&lt;br /&gt;Mel machte große Augen: „Du sagtest doch, du willst bei mir bleiben?“&lt;br /&gt;„Ja, selbstverständlich,“ beeilte ich mich zu sagen, „immer will ich bei dir sein. Aber ich kann die da oben nicht im Stich lassen. Ich trage eine Riesenverantwortung, und außerdem bin ich Beamter. Sobald ich das Buch gefunden und es nach oben gebracht habe, kehre ich zurück zu dir. Oder, noch besser: du begleitest mich dabei, dann sind wir für immer zusammen.“&lt;br /&gt;Mel schaute mir tief in die Augen und sah, daß ich es ehrlich meinte. „Ich bleibe bei dir, allezeit“! Damit beendete sie unser Gespräch.&lt;br /&gt;Bisher hatte ich auf meiner Suche viel Glück gehabt. Doch in mir breitete sich der Gedanke aus, daß das Leben nicht immer so verläuft, wie man es sich wünscht.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Drei Reiche&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ob wir endlich den Abstieg gefunden haben? Heute nacht, wenn es dunkelt, wollen wir es wagen. Die bisherigen Zugänge zum Silbernen Reich, die im Plan eingezeichnet waren, haben sich als verschlossen erwiesen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Seit Beginn unserer Flucht sind wir genötigt, im Freien zu lagern. Ausgerechnet jetzt hat die kältere Jahreszeit eingesetzt, und nachts, wenn wir im Schutz der Dunkelheit weiterziehen, regnet es sogar. Tatsächlich kaum zu glauben: In der Höhle gibt es Jahreszeiten – wenn auch künstlich erzeugte. Offenbar eine Maßnahme, die zum Erhalt der „Natur“, der Wälder und Wiesen, erforderlich ist. Seit gestern sind wir zu viert: Amadeus Prinz ist mit seiner Freundin überraschenderweise zu Mel und mir gestoßen. Auch sie befinden sich auf der Flucht.&lt;br /&gt;Doch ich möchte in der Erzählung nicht vorgreifen. Zuletzt schrieb ich von den persönlichen Bekenntnissen und unseren Liebesgeständnissen. Am Morgen nach unserer Aussprache schlug Mel vor, nach ihrer Rückkehr von der Arbeit mit mir zusammen die Hauptbibliothek der Stadt aufzusuchen und in den dortigen Verzeichnissen nachzuforschen, ob im Reich etwas über das Goldene Buch bekannt sei. Ein den Internet-Suchmaschinen ähnelndes Instrument kennt man nicht. Ich bin überzeugt, mit der hier zur Verfügung stehenden Technik wäre es ein leichtes gewesen, ein Computernetzwerk zu schaffen, aber das hätte wohl nicht der Mentalität dieses Volks entsprochen. Daher mußten wir uns durch Bücher und Listen quälen, nicht nur an diesem Nachmittag, sondern über mehrere Tage hin, ohne den geringsten Hinweis auf das Gesuchte zu erhaschen.&lt;br /&gt;„Wenn wir es hier nicht finden, wird die Suche in anderen Städten auch vergeblich bleiben“, vermutete Mel nach der Beendigung unserer Bemühungen. „Aber eine Möglichkeit sehe ich noch. Im Verwaltungsbezirk der Stadt ist das Reichsarchiv untergebracht, in dem alle Kenntnisse seit Bestehen unserer Kultur gesammelt wurden. Wenn das Buch sich überhaupt jemals in der Höhle befand, ist das dort mit Sicherheit aufgezeichnet.“&lt;br /&gt;„Dann nichts wie hin!“ rief ich begeistert aus.&lt;br /&gt;„Immer langsam“, bremste Mel. „Das Archiv ist nicht für jeden zugänglich. Staatsdiener allerdings, und ich gehöre ja zu ihnen, dürfen zwecks Studium hinein.“&lt;br /&gt;„Na gut, dann kann ich eben nicht mitkommen. Aber du, Mel, darfst, und wenn du so lieb ...“&lt;br /&gt;„Für dich würde ich alles tun. Aber leider ... Wenn ich es mir so überlege, ich glaube nicht, daß ich es in den Räumen, die ich aufsuchen darf, finden werde. Das Wissen über das Buch soll wohl nicht jedem bekannt werden, sonst wären wir sicher schon in der Bibliothek auf Hinweise gestoßen. Und das bedeutet ...“&lt;br /&gt;„Das bedeutet?“&lt;br /&gt;„Daß nur der Geheime Saal des Archivs uns weiterhelfen kann. Offiziell gibt es ihn nicht, aber unter der Hand spricht man von ihm. Dort werden Dokumente aufbewahrt, deren Inhalt nur für wenige bestimmt ist.“&lt;br /&gt;„Hm – dann kann man wohl nichts machen.“&lt;br /&gt;„Oder eben doch!“ Mel grinste. „Ich weiß nämlich, wo dieser Saal sich befindet, und kenne sogar den Klopf-Code, um Zutritt zu ihm zu erlangen.“&lt;br /&gt;„Wie das?“ fragte ich verblüfft.&lt;br /&gt;Mel wurde ernst. „Nachdem ich den Tod meiner Eltern einigermaßen überwunden hatte, wollte ich erfahren, was es mit der Höhle der Unpassenden auf sich hatte. Mein Pflegevater war mittlerer Regierungsangestellter und zuständig für die Archivverwaltung. Er nahm mich gelegentlich in den Schulferien mit in sein Büro. Dort stieß ich eines Tages, neugierig wie ich bin, auf eine Akte, die wohl versehentlich nicht weggeräumt worden war. Ich durchblätterte sie und stieß dabei zufällig auf Informationen über den Geheimen Saal. Es war eine Sache weniger Sekunden, mir Lageplan und Zugangscode einzuprägen. In dem Moment nahm ich mir vor, eines Tages diesen Ort aufzusuchen, um Unterlagen über jene Höhle zu finden. Da hörte ich, wie mein Onkel zurückkehrte, schlug schnell die Akte zu, wobei einige Folienseiten einrissen, lief zur durchsichtigen Wand und tat, als ob ich hinausschaute. Ob mein Onkel etwas bemerkte, weiß ich nicht. Wegen der Beschädigung der Akte bekam er jedoch bald darauf Ärger mit seinen Vorgesetzten und verlor beinahe seinen Posten. Er hat mich jedoch nie auf die Sache angesprochen, nur durfte ich nicht mehr in sein Büro mitkommen. Damals, als mir klar wurde, welche schwerwiegenden Folgen alleine schon ein fahrlässiger Umgang mit dem Geheimnis mit sich brachte, verlor ich den Mut, in den Saal einzudringen – doch jetzt, wo es um dich geht, bin ich bereit, das Risiko einzugehen!“&lt;br /&gt;Drei Tage später verhörte uns im Rathaus die Stadtoberste. In der Nacht zuvor hatte man uns im Staatsarchiv erwischt. Kurz überlegte ich, ob ich nicht einfach gestehen sollte, daß ich auf der Suche nach dem Goldenen Buch war. Weshalb eigentlich hatten wir so ein Geheimnis daraus gemacht? War es denn ein Verbrechen? Ich hatte mir gedankenlos Mels Mißtrauen dem Staat gegenüber angeeignet.&lt;br /&gt;So bekannte ich der Goldbekleideten auch sofort, daß ich dieses Buch suchte.&lt;br /&gt;„Ich kenne es nicht, werde an oberer Stelle nachfragen müssen“, dachte sie laut nach. Dann sprach sie wie beiläufig: „Sie wollen dieses besondere Buch also lesen? Sicher eine interessante Lektüre.“&lt;br /&gt;Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auf diese harmlos wirkende Bemerkung hereinfiel: „Nein, ich will es den Menschen da oben bringen; sie brauchen es für ihre Rettung.“&lt;br /&gt;„Landesverrat!“ Ihre schrillen Worte klingelten mir in den Ohren. „Das schlimmste Verbrechen wolltet Ihr also begehen: Kontaktaufnahme zu den Reichsfeinden.“ Sie blickte Mel und mich verächtlich an und verließ dann den Raum.&lt;br /&gt;Stadtdiener brachten uns in Mels Wohnung. Fortan standen wir unter Hausarrest, das weitere sollte sich ergeben, sobald die Oberste nähere Einzelheiten über das gesuchte Buch in Erfahrung gebracht hätte.&lt;br /&gt;Wenige Tage nach dem Verhör befanden wir uns erneut im Rathaus.&lt;br /&gt;„Der Versuch, das Goldene Buch zu stehlen, wird Euch teuer zu stehen kommen“, verkündete die Alte streng. Offensichtlich waren ihre Erkundigungen erfolgreich gewesen. Ich wollte gegen die Unterstellung, wir hätten stehlen wollen, protestieren, aber Mel hielt mich zurück.&lt;br /&gt;„Nun, hier im Reich hättet Ihr es eh nicht gefunden, Eure Suche wäre vergeblich gewesen!“ versetzte die Oberste. „Dennoch habt Ihr eine empfindliche Strafe zu erwarten.“&lt;br /&gt;Als wir wieder in Mels Wohnung eingesperrt waren – vor dem Haus standen Wachen –, regte ich mich über die Widersprüche auf, in die die Goldfarbene sich meiner Meinung nach verstrickt hatte. „Das Buch ist hier also gar nicht zu finden, und dennoch sollen wir verurteilt werden. Das paßt doch vorne und hinten nicht zusammen!“&lt;br /&gt;„Nicht ärgern, Liebster. Sie hat bestätigt, daß das Buch in unserer Welt zu finden ist – aber nicht in diesem Reich.“&lt;br /&gt;Mein Mund stand für Sekunden offen. „Ich versteh dich nicht, Mel. Was willst du damit sagen?“&lt;br /&gt;„Es gibt nicht nur diese eine Höhle, sondern drei, die miteinander verbunden sind, und jede von ihnen beherbergt ein eigenes Reich: unser Bronzenes hier, das Silberne und das Goldene.“&lt;br /&gt;Ich staunte. „Also befinden sich unter Wasser drei verschiedene Völker?“&lt;br /&gt;„Das nicht. Wir gehören alle zu einem Volk. Ich erzählte dir doch davon, wie unsere Vorfahren die Technik einer anderen Kultur übernahmen. Nun, nicht alle konnten sich damit anfreunden. Als unsere unterseeische Heimat gegründet wurde, meldeten sich die Minderheiten zu Wort und verlangten eigene Staaten. Also wurden unterhalb der Höhle, in der wir uns hier befinden, zwei weitere Räume geschaffen, einer unter dem anderen.“&lt;br /&gt;„Und was sind das für technikfeindliche Minderheiten?“ fragte ich neugierig.&lt;br /&gt;„Ich weiß es nicht. Vermutlich kennt nur die Regierung Näheres.“&lt;br /&gt;Mels beste Freunde, Ru-Pell-Still und Doon-Roes, durften uns in der Wohnung besuchen. Sie waren begierig darauf zu erfahren, weshalb man uns hier festhielt, und wir erzählten es ihnen in allen Einzelheiten. Anscheinend hatte die Stadtregierung nichts dagegen, daß wir uns ihnen gegenüber frei äußerten und somit auch über unser Verbrechen sprachen, denn es wäre ihr ein Leichtes gewesen, jeden Kontakt zu unterbinden oder unsere Gespräche zu kontrollieren. Ru, von Beruf ebenfalls Lehrer, kam schließlich auf die Idee, wie uns möglicherweise geholfen werden könne: Wir sollten in das tiefergelegene Reich fliehen, in dem wir vor dem Zugriff der Staatsgewalt sicher seien. „Ihr wolltet ja wohl ohnedies dorthin, um das Buch zu suchen.“&lt;br /&gt;„Und wie stellst du dir das vor?“ fragte Doon ihn. „Zum einen stehen sie unter Arrest, zum anderen weiß keiner von uns, wie er überhaupt in das legendäre Silberne Reich gelangen kann. Wo ist der Zugang?“&lt;br /&gt;Ru kratzte sich am Kopf. „Die Befreiung scheint mir nicht so schwierig zu sein ... mit ein wenig List. Da unsere Freunde sich nirgendwo in unserem Staat lange verstecken könnten, nimmt man es mit der Bewachung nicht so genau. Das große Problem ist tatsächlich, den Eingang zu finden.“&lt;br /&gt;„Schon übermorgen soll das Urteil verkündet werden“, informierte Mel.&lt;br /&gt;Ru erschrak. „Dann wird es knapp!“&lt;br /&gt;„Dennoch besteht Hoffnung.“ Doons Gesicht strahlte. „Mir fiel soeben Nah-Nuh ein, meine Cousine, die ...“&lt;br /&gt;„Das ist es!“ unterbrach Ru sie in einem Anflug von Begeisterung. „Wir müssen sofort hin zu ihr.“&lt;br /&gt;„Was ist mit deiner Cousine?“ Mel und ich sprachen diese Frage gleichzeitig aus.&lt;br /&gt;„Sie ist hellträumerisch“, erläuterte Doon.&lt;br /&gt;„Wie? Was?“&lt;br /&gt;„Wenn sie sich vor dem Schlafengehen mit einem Problem befaßt,“ fuhr Doon fort, „träumt sie oft die Lösung. Diese Fähigkeit hat sie erst vor kurzem erkannt und auch nur wenigen Vertrauten davon erzählt.“&lt;br /&gt;„Dann kann sie doch gleich mitträumen, wo sich das Goldene Buch befindet!“ Ich sah es schon in meinen Händen.&lt;br /&gt;„Das geht leider nicht. Sie kann in einer Nacht nur eine einzige Aufgabe lösen. Und Ihr müßt morgen fliehen, wenn Ihr gerettet werden wollt.“&lt;br /&gt;Um es kurz zu machen: Am nächsten Nachmittag überreichte Ru uns den Plan, den Nah-Nuh anhand ihres nächtlichen Traums erstellt hatte. Als es dunkelte, lenkte Doon die Wachen ab, so daß Mel und ich unbemerkt das Haus verlassen konnten. Drei Zugänge zum Silbernen Reich erwiesen sich als verschlossen. Und dann stießen wir auf Amadeus und seine Begleiterin.&lt;br /&gt;Unsere letzte Hoffnung ruht auf der vierten und letzten im Plan eingezeichneten Verbindung der beiden Reiche. An der tiefsten Stelle des Teichs, in dessen Nähe wir vier uns verstecken, soll sich eine Luke befinden – eine Luke, die wir öffnen müssen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Bericht von Amadeus Prinz&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nachdem wir mit der Bundeswehrmaschine auf Bali gelandet waren, stieg ich in einen bereitstehenden Hubschrauber, der mich auf die Nachbarinsel Java flog. Er landete in der Tengger-Hochebene unweit des Örtchens Sukapura, zu dem mich ein Jeep beförderte. Das Hotel, das ich dort bezog, sollte der Ausgangspunkt für meine zukünftigen Recherchen sein.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Wir hatten uns diese Gegend im Osten Javas ausgesucht, weil uns hier die Wahrscheinlichkeit, den Goldenen Schlüssel zu finden, am größten zu sein schien, denn im Tengger-Nationalpark erheben sich die eindrucksvollsten der zahlreichen Vulkane der Insel. Ich konnte kaum schlafen, so aufgeregt war ich wegen des bevorstehenden Abenteuers.&lt;br /&gt;Am folgenden Morgen brach ich sehr früh auf. Ein Fremdenführer aus dem Ort begleitete mich, und nach kurzer Fahrt erreichten wir einen hochgelegenen Aussichtspunkt. Als die Sonne aufstieg und den Himmel in Flammen setzte, bescherte ihr Licht uns einen phantastischen Blick auf die Vulkane, die inmitten der Caldera, dem Riesenkrater eines erloschenen Urzeit-Giganten, aufragen. Eine irreale, karge Landschaft, man wähnt sich fast auf dem Mond. Mein Begleiter redete die ganze Zeit, zeigte auf die einzelnen Vulkane, nannte ihre Namen: Bromo, Batok, Semeru, erzählte mir Geschichten und Legenden ... Ich hörte ihm kaum zu, zu sehr faszinierte mich das, was sich vor meinen Augen abspielte: Von Minute zu Minute änderte sich das Licht, zauberte immer neue Effekte in die vor mir ausgebreitete Urwelt, hauchte den Schatten in den langen Furchen und tiefen Klüften der Bergwände eigenes Leben ein. Über dem Boden des weiten Caldera-Tals, aus dem die Vulkane sich wie aufgeplatzte Riesenpickel erheben, waberte grauer Nebel, und aus dem Bromo stiegen giftige Dunstschwaden, die im Sonnenschein gleißten. Trotz der weiten Entfernung der Dämpfe meinte ich, beißenden Schwefelgeruch wahrzunehmen.&lt;br /&gt;Etwa eine Stunde lang beobachtete ich wie gebannt das Schauspiel. Dann begann ich mit meiner eigentlichen Arbeit: Ich griff zum Fernglas und suchte die Umgebung ab, zunächst die Berge vor mir, dann die grünen Klippen und Hügel ringsumher. Anschließend fuhren wir durch das „Meer aus Sand“, wie die Caldera von den Einheimischen genannt wird. Hinter dem Jeep wirbelten Staubwolken auf. Ich bat den Fremdenführer, langsamer zu fahren, da der Weg sich als holprig erwies und ich deswegen beim Beobachten behindert wurde. Schließlich, da er nicht verlangsamte, herrschte ich ihn an, er solle anhalten. Zu Fuß erkundeten wir weiter das Gelände. Dabei kamen wir auch in die Nähe eines eindrucksvollen Hindu-Tempels, den ich mir gerne näher angeschaut hätte; ich ließ ihn jedoch links liegen, denn dort würde ich mit Sicherheit den Schlüssel nicht finden: Für Tempel ist Ananda zuständig, meine eigene Zuständigkeit beschränkt sich nach unserem Geschäftsverteilungsplan auf feurige Gefielde.&lt;br /&gt;Wo nun aber sollte ich mit der Suche beginnen? In den Zerklüftungen der Vulkane, in den Begrenzungswällen der Caldera fänden sich mehr als genug Verstecke, doch wenn ich alles genau untersuchen wollte, wäre ich mit Sicherheit jahrelang beschäftigt. Lieber wollte ich mich auf meine Intuition verlassen und mich nicht unnötig anstrengen. Daher beschloß ich, mir zunächst die nähere und weitere Umgebung anzusehen und auf meinen Bauch zu hören, ob der mir irgendwo sagen würde: Hier muß ich suchen und nirgendwo anders.&lt;br /&gt;Lichte Wälder mit hohen, schmalen Baumstämmen, die rötlich schimmern, zwischendrin niedrigere Palmen; weite hügelnde Felder mit mir häufig unbekannten Nutzpflanzen, in denen vereinzelt Bäume aufragen; diesige Luft, niedrig hängende Wolken, Dunstschwaden, die sich über die wellende Landschaft legen und die Silhouetten ferner Baumgruppen nur noch schemenhaft erahnen lassen: Dies alles gehörte zu meinen Eindrücken der folgenden Tage. Doch nirgendwo, an keiner Stelle, gab mein Inneres mir das Signal: Hier, hier ist es, hier muß ich Steine anheben und nachschauen, was sich darunter verbirgt, muß Löcher graben, muß in Felsspalten kriechen.&lt;br /&gt;Aber ich gab nicht auf. Und dann, nach einer Woche, begegnete mir etwas Seltsames: Nur wenig entfernt von einem Vulkan stieß ich auf einen Teich, der mir, trotz seiner geringen Ausdehnung, eine erstaunliche Tiefe zu haben schien. Das Wasser war zwar leicht getrübt, dennoch erkannte ich, daß der Boden schon am Rand steil abfiel. Neugierig geworden, schnitt ich mir einen langen Zweig von einem Baum ab und stieß ihn ins Wasser, erreichte mit ihm jedoch nicht den Grund. Daraufhin beschloß ich, das Gewässer näher unter die Lupe zu nehmen. Den Fremdenführer schickte ich mit dem Wagen zurück ins Dorf, er sollte mich erst am Abend abholen. Dann umrundete ich den Teich, untersuchte die Bäume und den Boden ringsumher, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Daher ließ ich mich auf einem Stein nieder und entzündete eine Pfeife. Jetzt konnte ich in aller Ruhe nachdenken.&lt;br /&gt;Nach einer Stunde hatte ich die Pfeife ausgeraucht, doch noch immer war mir kein anständiger Einfall gekommen. Ich ärgerte mich darüber, und beim Ausklopfen schlug ich den Pfeifenkopf so heftig auf den Stein, daß er in Stücke brach. Gerade wollte ich mich darüber aufregen, da gewahrte ich, daß der Wasserspiegel rapide absank. Verblüfft hielt ich mit offenem Mund in meinem Wutausbruch inne und verfolgte neugierig das Schauspiel. Nach wenigen Sekunden hatte der Teich sich gänzlich geleert, zurück blieb ein Trichter, an dessen unterem Ende sich ein breites Loch befand. In diesem Moment stieg die Überzeugung in mir auf, dort unten sei der Schlüssel zu finden. Sollte ich jetzt lange zögern und damit riskieren, daß das Wasser zurückkam, oder aber sofort handeln? Ich war schon immer ein Freund schneller Entschlüsse und mutiger Entscheidungen gewesen, und so rutschte ich unverzüglich vom Trichterrand aus in die Tiefe, wohl wissend, dies könne meinen Tod bedeuten. Ich verschwand in dem Loch und glitt von nun an mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter abwärts durch die Dunkelheit. Schneller und schneller sauste ich hinab, das Atmen fiel mir immer schwerer, und nach wenigen Sekunden verlor ich mein Bewußtsein.&lt;br /&gt;Als ich erwachte und die Augen aufschlug, fand ich mich in einem hellen Raum auf einer Art Bett wieder. Um mich herum standen etwa zehn Männer und Frauen, alle in enganliegender silberner Ganzkörperkleidung. Vom Gesichtsschnitt her erinnerten sie mich an Thailänder oder Kambodschaner, obwohl sie größer als diese waren. Sie schauten mich voller Neugierde an, traten aber, als ich mich aufsetzte, einen Schritt zurück, als fürchteten sie sich vor mir. Erst jetzt bemerkte ich, daß ich gänzlich nackt war. Ich muß daraufhin wohl erschrocken aus der nicht vorhandenen Wäsche geschaut und eine Bewegung gemacht haben, als wolle ich meine Blöße verbergen; jedenfalls erklang ringsumher angesichts meines offenbar sehr menschlichen Verhaltens ein befreiendes Lachen.&lt;br /&gt;Wer waren diese Menschen, die aussahen, als seien sie einem Science-Fiction-Film entsprungen? Befand ich mich hier vielleicht in einem Labor und wurde von Wissenschaftlern untersucht? Der helle Raum mit den kahlen Wänden und die einheitliche, wohl keimfreie Kleidung konnten darauf hinweisen. Und wie war ich überhaupt hierher gelangt? Da erinnerte ich mich an den Teich, das verschwundene Wasser, an das Loch und das Hinabgleiten. Allmählich rundete sich meine Vorstellung: Vermutlich hatten Javaner mich gerettet und in ein Krankenhaus gebracht, und jetzt standen die Ärzte um mich herum. Aber: ich war doch in die Tiefe gefallen; wo bloß war ich herausgekommen?&lt;br /&gt;Warum nicht einfach fragen? „Wo befinde ich mich hier?“ Zunächst versuchte ich es auf englisch, dann auf französisch, spanisch und deutsch. Sie schienen mich nicht zu verstehen.&lt;br /&gt;„Ha oh waa“ – oder so ähnlich – sprach eine etwa dreißigjährige Frau mich an. Sie trug schwarzes Haar wie alle, aber ihres war in einem besonders kunstvollen Knoten hochgesteckt. Mit einer Handbewegung bedeutete sie mir, aufzustehen. Dann ließ sie sich von einem hinter ihr Stehenden ein gefaltetes silberfarbenes Laken reichen, breitete es aus und hängte es um meine Schultern. Im Nu schlang die Decke sich um mich herum und ich fühlte, noch ehe ich an mir hinunter sehen konnte, daß sich um mich ein Overall geformt hatte, ähnlich denen, die die anderen trugen. Es fühlte sich gut an, sehr gut sogar. Ich staunte, zugleich stieg die bange Ahnung in mir auf, ich hätte es vielleicht doch nicht mit Javanern zu tun, sondern mit ... Nun, Menschen schienen es immerhin zu sein, aber ob sie unserer Zeit entstammten?&lt;br /&gt;Die Frau – sie hieß Gua-Ohl-Wai und schien von allen am wenigsten Angst vor mir zu haben – winkte mir, ihr zu folgen und führte mich zu einem leeren, ebenfalls fensterlosen, allerdings kleineren Raum. Die Wände wirkten hier nicht kalt, sondern waren mit wohltuend grün-braunen Ornamenten überzogen, und die Decke leuchtete in einem leicht orangefarbenen Licht. Gua klopfte an die Wand, es klang wie ein Code, und sogleich schossen aus dem Boden feinste Strahlen einer braunen Flüssigkeit, die in Sekundenschnelle futuristische Möbel formten. „Wahnsinn,“ rief ich aus, „das gibt‘s doch gar nicht! Wer seid Ihr, die Ihr so etwas könnt?“ Gua schwieg, aber über ihr ernstes Gesicht zuckte ein Lächeln.&lt;br /&gt;Ich ließ mich in einen der neuentstandenen Sessel fallen, der daraufhin angenehm schaukelte. Gua nahm nicht Platz, wie ich erwartet hatte, sondern drehte sich um und verließ das Zimmer. Hinter ihr schloß sich die Öffnung in der Wand, als wäre dort nie ein Eingang gewesen. Ich war gefangen. „Hey, was soll das?“ schrie ich und hämmerte mit den Fäusten gegen die Mauer. Da sich nichts rührte, ließ ich schließlich davon ab und legte mich verärgert aufs Bett.&lt;br /&gt;Erstaunlicherweise schlief ich bald ein und wachte, wie meine Uhr mir zeigte, erst nach neun Stunden wieder auf. Jetzt fühlte ich mich frisch und erholt, doch leider zeigte sich immer noch keine Möglichkeit, das Gefängnis zu verlassen. Immerhin lag auf dem Tisch Eßbares: gekochter Fisch und kleine Bällchen, die angenehm rochen und entfernt nach Brot schmeckten. Ich hatte keine Angst, anständig zuzulangen; denn wenn man mir etwas antun wollte, so hätte man reichlich Gelegenheit dazu gehabt.&lt;br /&gt;Kaum war ich gesättigt vom Sessel aufgestanden, verschwand die gesamte Zimmereinrichtung wie durch Zauberei. Sekunden später löste sich eine der Wände ins Nichts auf; ich wurde geblendet vom hellen Tageslicht und prallte zurück vor Erstaunen, denn ebenerdig vor mir lag eine blumenübersäte Wiese, hinter der ein Wald aufragte. Nachdem ich mich gefaßt hatte, überlegte ich, was zu tun sei. Sollte ich mich aus dem Staub machen? Zunächst tastete ich in Richtung der ehemaligen Wand, ob diese vielleicht nur durch Glas ersetzt worden war oder ob ich eine bloße Projektion vor mir sah. Doch da befand sich tatsächlich eine Öffnung, und ich roch auch schon den Duft der Wiese. Jetzt nicht lange nachdenken, wie das geschehen war. Mit einem Sprung hatte ich mein Gefängnis verlassen – und hoffentlich auch die Freiheit wiedererlangt! Schnell lief ich zum Wald und erreichte ihn nach zwei Minuten. Erst dort blickte ich mich um – niemand folgte mir aus dem großen quaderförmigen Haus, das allein in freier Ebene stand. Erst jetzt fiel mir auf, daß der Himmel unecht wirkte, ohne Sonne, gleichmäßig erhellt, als befände ich mich in einer riesigen Halle mit beleuchteter Decke. Das verwirrte mich, aber zum Grübeln blieb jetzt keine Zeit. Ich hastete weiter, gelangte wieder aus dem Wald heraus, schlug mich durch ein Kornfeld hindurch und fand schließlich ein Gebüsch, in dem ich mich, durch die Sträucher vor den Blicken möglicher Verfolger geschützt, ausruhte. Der künstliche Himmel dunkelte bald, und es trat so etwas wie eine Nacht ein. So sehr ich in meinem Versteck auch nachdachte: Ich konnte mir aus dem Ganzen keinen Reim machen.&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen zog ich weiter. Von einem Hügel aus erblickte ich eine eigenartige Stadt mit metallicfarbenen Bauten. Ich näherte mich ihr vorsichtig und konnte jetzt auch die Menschen in den Straßen erkennen, die ähnlich gekleidet waren wie die vermeintlichen Wissenschaftler, aus deren Händen ich entwischt war. Wie Aliens kamen sie mir nicht vor, wohl wie Menschen aus einer anderen Zeit. Befand ich mich hier in einer gewaltigen Raumstation? Oder in einer riesigen unterirdischen Höhle, wofür mehr zu sprechen schien? Solch eine ungeheuer große Höhle – kaum vorstellbar, aber inzwischen hielt ich nichts mehr für unmöglich.&lt;br /&gt;Viele Tage verbrachte ich in Verstecken, ernährte mich von Früchten und Fischen, die ich in Teichen fing und roh verzehrte. Ich hatte Angst, mit den Menschen Kontakt aufzunehmen, weil ich befürchtete, erneut eingesperrt zu werden. Wie oft verfluchte ich meine Lage. Schließlich war ich kurz davor, in eine der Siedlungen zu gehen und mich wie ein Verbrecher einfach zu stellen, denn meines Lebens auf der Flucht war ich überdrüssig. Endlich mal wieder in einem Bett schlafen, anständig essen und mir vielleicht auch eine Pfeife anzünden zu dürfen! An meinen Auftrag dachte ich schon gar nicht mehr.&lt;br /&gt;Und dann, es ist kaum glaublich, begegnete ich ihr. Soeben wollte ich wieder in einem Waldstück nächtigen und hatte mir schon vorgenommen, am nächsten Tag in die nur wenige Kilometer entfernte Stadt zu spazieren, einfach so, komme was wolle, da prallte ich hinter einem Baum mit ihr zusammen: mit Gua-Ohl-Wai. Mein erster, instinktiver Gedanke war, die Flucht zu ergreifen, doch dann sah ich, daß ihre Kleidung ähnlich der meinen verschmutzt war und ihr Haar zerzaust herabhing. Zunächst wich sie erschreckt einen Schritt zurück, doch dann streckte sie mir wie flehend ihre Arme entgegen, so daß ich stehen blieb.&lt;br /&gt;War das eine Falle, oder war ihr etwas Schlimmes zugestoßen? Ich wartete sekundenlang unschlüssig, ob jemand hinter den Büschen hervorstürmen und sich auf mich stürzen würde, doch nichts geschah. Sie schien allein zu sein.&lt;br /&gt;Zum Zeichen, daß ich ihr vertraute, streckte auch ich ihr meine Arme entgegen. Sie trat auf mich zu und ergriff meine Hände, dann senkte sie ihren Kopf und drückte ihre Stirn dagegen. Das war alles andere als eine feindselige Geste, eher ein Zeichen der Freundschaft oder der Versöhnung, so, als quälte sie ein schlechtes Gewissen. Ich ahmte ihre Geste nach, was sie sehr zu freuen schien. Gua nahm mich bei der Hand und zog mich mit sich fort. Auf einer Lichtung zeigte sie mir ihren Lagerplatz und bot mir Früchte zum Essen an.&lt;br /&gt;Fortan blieben wir zusammen und zogen gemeinsam durch die Lande. Sie brachte mir nach und nach ihre Sprache bei und erzählte mir eines Tages, weshalb sie selbst geflohen sei. Sie nämlich war es gewesen, die mir zur Flucht verholfen hatte durch das Öffnen der Zimmerwand. Sie hatte Mitleid mit mir gehabt, weil sie wußte, daß man unmenschliche Experimente mit mir anstellen wollte. Um der Bestrafung für ihre Tat zu entgehen, mußte sie selbst fliehen. Ich war ihr zutiefst dankbar für die Rettung.&lt;br /&gt;Nach und nach berichtete Gua mir von ihrem Volk und seiner Geschichte. So erfuhr ich auch, wo ich mich hier befand, und begriff, weshalb ich mir wie in einem zukünftigen Zeitalter vorkam.&lt;br /&gt;Beinahe hätte ich mich in Gua verliebt. Doch dann geschah eines Tages etwas gänzlich Unerwartetes ...&lt;br /&gt;Etliche Wochen nach meiner Ankunft in der Höhle waren inzwischen vergangen. Seit längerem schon beschäftigten wir uns mit dem Plan, die Höhle zu verlassen und zur Erdoberfläche vorzudringen. Gua sprach von einem Tunnel, der zu einer der großen Inseln führen solle, dessen Zugang sie aber nicht genau, sondern nur ungefähr kenne und den wir daher suchen müßten. Die Suche zog sich nun schon ziemlich lange hin. Eines Morgens, als wir in einem Versteck aufwachten, fanden wir uns umzingelt von etwa dreißig Männern. Gua sagte zögernd zu mir: „Tut mir leid – das mußte so sein.“ Dann stellte sie sich zu ihnen.&lt;br /&gt;Erst jetzt ging mir ein Licht auf: Die ganze Zeit über war ich die Versuchsperson eines Experiments gewesen war. Gua hatte mir ihre Flucht nur vorgespielt, und wir waren die ganze Zeit über beobachtet worden.&lt;br /&gt;In mir stieg ein bitteres Gefühl des Verrats auf. In meiner tiefen Enttäuschung begann ich zu toben und Gua zu beschimpfen. Die Männer stürzten sich auf mich; mehrere von ihnen schlug ich in meiner Wut nieder, ehe es den anderen gelang, mich niederzuringen.&lt;br /&gt;Und dann saß ich wieder in meiner „Zelle“. Tag um Tag verging, ohne daß ich einen Menschen sah. Das Essen kam mehrmals täglich von der Decke herab. Wenn ich auch niemanden zu Gesicht bekam, so war ich mir doch sicher, die ganze Zeit über beobachtet zu werden.&lt;br /&gt;Eines Nachts rüttelte jemand mich wach. Es war Gua, sie saß am Rand meines Bettes. Ich wollte ihr wütend Vorwürfe machen, da sah ich im dämmerigen Deckenlicht, wie traurig sie dreinschaute. Ich setzte mich auf, sie nahm meine Hände in die ihren und führte sie an ihre Stirn.&lt;br /&gt;„Es tut mir furchtbar leid, was mit dir geschehen ist!“ beteuerte sie. Sie seufzte. „Ich glaube, ich habe falsch gehandelt“, gestand sie mir. „Vielleicht kann ich es wiedergutmachen. Bitte flieh! Ich werde dir die Wand öffnen. Diesmal ist es kein wissenschaftlicher Versuch, das kannst du mir glauben!“ Sie sah mich flehend an.&lt;br /&gt;Ihre Worte besänftigten mich sofort und versöhnten mich mit ihr. „Wenn ich fliehe – dann fliehst du mit mir!“ warf ich in den Raum. Zugegeben, es klang pathetisch.&lt;br /&gt;„Nein, ich bleibe hier. Für meine Taten will ich die Verantwortung tragen.“&lt;br /&gt;„Dann bleibe auch ich. Mit dir stehe und falle ich!“ Das Pathos erreichte seine Höhepunkt.&lt;br /&gt;Sie zögerte.&lt;br /&gt;„Meine Flucht kann nur gelingen, wenn du mitkommst. Du kennst dich in deinem Land doch viel besser aus als ich.“ Dieses Argument überzeugte Gua. Gemeinsam durchschritten wir die Öffnung in der Mauer.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Die Denker&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich komme mir vor wie in einem Märchen – wir vier kommen uns so vor. In einen Brunnen springen – und schon landet man in einer anderen Welt. Wie bei Frau Holle. So ging es auch uns, als es uns endlich gelungen war, die Luke auf dem Grund des Teichs zu finden und sie zu öffnen. Mit Wucht wurden wir hindurchgesogen, und nach wenigen Sekunden tauchten wir in einem anderen See auf, in einem anderen Land. Die Augen taten uns weh, denn hier war nicht Nacht wie „drüben“, sondern Tag. Nachdem wir gierig nach Luft geschnappt hatten, schwammen wir zum Ufer. Was uns sogleich auffiel, war die erstaunliche Helligkeit, die diese Höhle erfüllte. Im Unterschied zum Silbernen Reich, in dem wir uns jetzt befanden, war das Tageslicht des Bronzenen vergleichsweise dämmerig gewesen. Dementsprechend leuchtete die Landschaft, die wir vom Ufer des Sees aus erblickten, in klaren Farben. Erstaunt stellten wir fest, daß sich hier keine Wälder fanden, nur einzelne Bäume und kleine Baumgruppen, dafür aber unfaßbar viele Blumen, die in allen möglichen Farben die Wiesen zierten, die den See umgaben. Als wir aufbrachen, um eine Stadt zu suchen, und uns einen Weg durch das hohe Gras bahnten, kamen mir Blüten zu Gesicht, wie ich sie noch nie zuvor wahrgenommen hatte; Blüten von ungeheurer Größe, die wie Kelche von den Zweigen der Büsche herabhingen oder wie Pyramiden von Pflanzenstengeln aufstiegen, mit Mustern aus drei, vier, sogar fünf Farben. Einige der Blüten strömten eine beinahe betörende Süße aus; mir fiel auf, daß lebhafte Wachträume mir durch den Kopf gingen, sobald wir uns ihnen näherten. Mel, Amadeus und Gua ging es ebenso. Bei anderen, eher herzhaften Blütendüften hingegen kam es uns vieren so vor, als könnten wir auf einmal spielerisch leicht klarste Gedanken fassen und komplizierteste Denkgebäude erschaffen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Nachdem wir etwa eine halbe Stunde unterwegs gewesen waren, stießen wir hinter einem Hügel unvermittelt auf eine menschliche Siedlung. Doch vor unseren Augen erhoben sich keine Hochhäuser, zwischen denen Luftfahrzeuge dahinschwebten, da standen einfache Hütten aus Baumaterialien, die organischen Ursprungs zu sein schienen, und auf den schlichten Wegen zwischen ihnen spazierten, nein wandelten Männer, Frauen und Kinder. Sie trugen nicht etwa silberfarbene Overalls, sondern lose Stoffe in Toga-Form, die in den unterschiedlichsten Farben leuchteten. Man nahm uns überrascht zur Kenntnis, aber gefaßt. Einige Leute kamen uns entgegen, etwa zehn Erwachsene, begrüßten uns freundlich und fragten uns nach unserem Befinden. Nach nichts anderem! Erfreut stellte ich fest, daß sie in der mir schon bekannten Sprache redeten, wenn auch in einem anderem Dialekt. Nachdem einige Höflichkeiten ausgetauscht waren, luden sie uns zu einem Mahl in der „Stadtmulde“ ein. Wir wußten zunächst nicht, was sie damit meinten, bis wir im Zentrum der Ortschaft angelangt waren und dort eine kreisrunde Senke von der Größe eines Fußballfeldes vorfanden, einem kleinen Krater ähnlich, in dessen Mitte auf einem Quader eine Kugel von der Größe eines Menschenkopfes ruhte, die ein violettes Licht ausstrahlte. Dieses tauchte die gesamte Mulde in ein eigenartig schummriges Leuchten, so daß es mir so vorkam, als befände sich vor uns ein aus Dämmerschein bestehender Teich.&lt;br /&gt;Wir stiegen hinab. Kaum hatten wir die ersten Schritte getan, kam es mir so vor, als umfinge mich elektrische Strahlung, es kribbelte angenehm auf der Haut, und zugleich stiegen Gefühle des Glücks und der Wärme in mir auf, die mich in sanften Wellen durchpulsten; meinen Begleitern sah ich an, daß es ihnen ähnlich erging.&lt;br /&gt;Unten angelangt, setzten wir uns auf den weichen Boden. Wir sahen, wie immer mehr Stadtbewohner hinzukamen und es sich ringsumher bequem machten; offenbar hatte sich unsere Anwesenheit herumgesprochen. Uns am nächsten saßen die Älteren, wohingegen die Jüngeren sich in ehrfürchtigem Abstand niederließen.&lt;br /&gt;Amadeus konnte seine Neugierde kaum bezähmen. „Was ist das?“ fragte er einen neben ihm sitzenden Mann und deutete dabei auf die leuchtende Kugel.&lt;br /&gt;„Das, werter Herr,“ sprach dieser freundlich, aber doch mit einer Spur von Distanz, „ist unser Kristall der Gemeinschaft, um den herum wir uns gerne zum Gedankenaustausch versammeln.“&lt;br /&gt;„Zum gemütlichen Plaudern also?“ hakte ich ein.&lt;br /&gt;„Auch. Mehr aber noch zur gegenseitigen Vermehrung unseres Wissens.“&lt;br /&gt;Ich hätte gerne weitergefragt, doch in diesem Moment zogen eine Frau und ein Mann meine Aufmerksamkeit auf sich, die soeben die Mulde betraten, beide hoch an Jahren und in dunkelblaue Togen gehüllt, über die ihr langes, schlohweißes Haar fast bis zu den Hüften hinabwallte. Die anderen wichen scheu vor ihnen zurück, um ihnen den Weg zu uns frei zu machen. Wir erhoben uns, sie zu begrüßen, und sie erwiderten höflich unseren Gruß. Dann gaben sie ein Zeichen, und auf großen Baumscheiben trugen je zwei Männer Speisen und Getränke herbei.&lt;br /&gt;Mich wunderte, daß niemand uns nach dem Woher und Wohin fragte. Schweigend nahmen wir gemeinsam das Mahl zu uns. Besonders herzhaft und mit glänzenden Augen langte Amadeus zu, der sich auch von dem gegorenen Getränk mehrfach in seinen Kelch nachschütten ließ. Als die Reste abgeräumt waren, wandte der ehrwürdige Herr sich mir zu; womöglich hielt er mich für den Anführer unserer kleinen Gruppe. „Dürfen wir bescheiden nach Eurem Begehr fragen?“&lt;br /&gt;Ich hatte schon vorher mit dieser Frage gerechnet und mir daher bereits eine Antwort zurechtgelegt. „Wie Ihr sicher erkannt habt, kommen mein Freund und ich nicht aus der Unterwasserwelt, sondern von der Oberfläche der Erde, und die beiden Damen stammen aus dem Bronzenen Reich.“&lt;br /&gt;„Wir haben es aus den Umständen geschlußfolgert“, kam die prompte Bestätigung.&lt;br /&gt;Von unserer Flucht wollte ich vorsichtshalber nicht reden. „Die Menschen oberhalb des Meeresspiegels leiden an gewissen geistigen Verarmungen,“ drückte ich mich behutsam aus, „wir sind daher auf der Suche nach einem Gegenmittel. Die Aussagen eines Kindes, eines Trinkers und eines Kranken führten uns schließlich hierhin.“&lt;br /&gt;„Ah, ein Rätsel?“ Ein Leuchten glitt über das Gesicht der Alten. „Ein Rätsel, das es zu lösen gilt“, rief sie laut in die Runde. „Ein Kind, ein Kranker und ein Trinker weisen den Fremden, die ein Gegenmittel gegen geistige Verarmung suchen, den Weg zu uns.“ Die Umsitzenden griffen diese Worte begierig auf und schienen sodann allesamt, das alte Paar eingeschlossen, in tiefes Nachdenken zu versinken. Stille legte sich über die Mulde. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, wagten aber nicht, das Schweigen zu brechen.&lt;br /&gt;Endlich räusperte sich ein kleiner Junge. „Das Schloß. Das Dies-Neeh-Schloß“, wagte er leise zu sagen.&lt;br /&gt;„Das könnte es sein“, erhob die Alte wieder ihre Stimme. „Ich selbst bin durch wechselseitiges Querdenken zu keiner ähnlich erfolgversprechenden Lösung gelangt.“&lt;br /&gt;„Meine Charakterschnellanalyse hat ergeben,“ verkündete ihr Mann nunmehr, „daß unsere Gäste die Wahrheit sprechen, wenn sie uns auch einiges verschweigen. Doch ihre Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und so wollen wir uns mit ihren Auskünften zufriedengeben.“&lt;br /&gt;Uns verschlug es die Sprache. Amadeus setzte den Kelch wieder ab, den er soeben zum Trinken erhoben hatte.&lt;br /&gt;„Bereitet uns die Freude,“ wandte die Frau sich an uns, „für Abend und Nacht unsere Gäste zu sein. Morgen wird man Euch dann, sofern Ihr Euch mit diesem Gedanken anfreunden könnt und ein diesbezügliches Übereinkommen findet, zum Schloß geleiten.“&lt;br /&gt;Ehe mir noch klar war, was genau sie mit diesen Worten sagen wollte, hatte Mel schon zugestimmt.&lt;br /&gt;Wie erstaunt waren wir, uns kurz darauf nicht etwa im Privathaus der beiden wiederzufinden, sondern in der halböffentlichen Gast-Halle der Ortschaft. Halböffentlich deshalb, weil etliche Bewohner, offenbar die Honoratioren des Städtchens, uns nicht nur hinein begleiteten, sondern es sich sogleich um uns herum auf dem Boden gemütlich machten. Das einzige Möbel des Raums bestand aus einem großen Bett, das für uns vier vorbereitet war. Höflich nötigte man uns, darauf Platz zu nehmen. Wir zogen es vor, uns noch nicht hinzulegen, sondern uns auf den Rand zu setzen.&lt;br /&gt;Ein Mann von kleinem Wuchs, dessen Gesicht eine auffallend lange Nase zierte, erhob sich:&lt;br /&gt;„Hiermit möchte ich es wagen,&lt;br /&gt;eine Frage laut zu fragen.&lt;br /&gt;Saget an, o edle Gäste,&lt;br /&gt;geben wir Euch wohl das Beste?“&lt;br /&gt;Offenbar handelte es sich bei diesen Versen um ein Höflichkeitsritual, mit dem Gespräche eingeleitet wurden. Daß jetzt die Zeit des ausführlichen Gedankenaustausches gekommen war, wurde uns schnell klar.&lt;br /&gt;Amadeus, nicht mehr ganz sicher auf seinen Beinen und mit seiner Stimme, aber anscheinend auch in solcher Situation noch in der Lage zum Verseschmieden, antwortete ohne Zögern:&lt;br /&gt;„Ich frag mich, was der Frage Frager&lt;br /&gt;sich anschickt, zu erfragen hier.&lt;br /&gt;Wer ist der hehre Fragen-Wager,&lt;br /&gt;der wagt zu fragen dies von mir?“&lt;br /&gt;Der Langnäsige, zunächst ein wenig irritiert, dachte eine Weile nach, ehe er antwortete: „Verzeiht, daß ich mich nicht vorstellte. Diese Übung wird in unserem Reich erst an späterer Stelle eines Gesprächs vollzogen. Mein Name ist Mhuk-Ha-Uff, und meine persönliche Aufgabe besteht im Geruchs-Denken. Ich bin der regionale Zinker.“&lt;br /&gt;„Wie, Geruchs-Denken?“ rutschte es mir heraus. „Was bedeutet das?“&lt;br /&gt;„Kennt Ihr dies nicht, werter Herr?“ fragte er erstaunt zurück.&lt;br /&gt;Auf mein „Nein“ hin erläuterte der Zinker: „Jeder Duft ruft andere Gedanken hervor oder färbt bestehende Gedanken anders. Ich untersuche diese Wirkung, bringe die Ergebnisse der schon seit Jahrhunderten bestehenden Duft-Denk-Forschung in die Weiterentwicklung der Gedanken ein und ...“&lt;br /&gt;Gua unterbrach ihn staunend: „Ich selbst gehörte zu einer der wenigen Forschergruppen unseres Reichs. Aber Duft-Forschung ...“&lt;br /&gt;„Duft-Denk-Forschung, bitte! Das Denken ist es doch, das unser aller Leben bis ins Tiefste bestimmt.“&lt;br /&gt;„Dann gibt es sicher auch Farb- und Geräusch-Denk-Forschung“, lallte Amadeus mit spöttischem Unterton.&lt;br /&gt;„Selbstverständlich!“ erwiderte Mhuk kühl. „Wir arbeiten sogar fachübergreifend.“&lt;br /&gt;„Und das bedeutet?“ Mel meldete sich mit spitzer Stimme zu Wort.&lt;br /&gt;„Das bedeutet, daß ich auch Farben rieche; und bei Euch erschnüffle ich das Verlangen nach Gold. Nach goldfarbenen Gegenständen, die Ihr begehrt.“ Er klang beleidigt und vorwurfsvoll.&lt;br /&gt;Der würdige Alte versuchte zu schlichten. „Es ist nicht unsere Aufgabe, ein solches Schnüffel-Ergebnis in eine moralische Urteilsfindung einfließen zu lassen. Unseren Gästen wollen wir alles Wohl zukommen lassen, das wir ihnen bieten können; Urteile mögen im Schloß gefällt werden.“&lt;br /&gt;Bei diesen Worten wurde mir etwas mulmig, und Amadeus und unseren Freundinnen erging es wohl ebenso. Infolgedessen gaben wir uns in den nächsten Stunden – tatsächlich zogen sich die Gespräche lange hin – eher einsilbig und ließen nach Möglichkeit die anderen reden, indem wir ihnen viele Fragen stellten. So erfuhren wir nach und nach, daß – was wir aufgrund des bisher Gehörten und Erlebten ohnehin schon ahnten – die Bevölkerung des Silbernen Reichs fast ausschließlich aus Denkern bestand, und zwar aus Geistesakrobaten jeglicher Couleur. Es gab nicht nur solche, die wir am ehesten als Philosophen, Intellektuelle, Geisteskundler usw. bezeichnet hätten, also Denker der Art, wie Amadeus und ich sie von der Erdoberfläche her kannten, sondern zum Beispiel auch Kunstdenker und Denkkünstler oder Hör-, Seh-, Schmeck- und Riechdenker, die dann noch oftmals spezialisiert waren wie die Musik- oder die Skulpturendenker. Wenn ich es recht verstanden habe, teilte man die Denker in vier Klassen ein: zunächst diejenigen, die sich mit Sinnenhaftem befaßten wie beispielsweise die Naturdenker, zu deren Leistungen man rechnete, gemeinsam mit den Zinkern besondere Blumen gezüchtet zu haben, deren Duft sich auf den menschlichen Gefühls- und Geisteszustand auswirkte; sodann die lebenspraktischen Denker, die sich mit Bereichen wie Verwaltung und Regierung befaßten; weiterhin die eher im Künstlerischen Tätigen, und schließlich die abstrakten Denker, die mit der Ehrenbezeichnung „Geistler“ bedacht wurden.&lt;br /&gt;Im großen und ganzen ging man im Silbernen Reich, von den denkerischen Leistungen abgesehen, einem eher einfachen Lebenswandel nach. Allerdings wurde großer Wert auf die Bildung gelegt, jedenfalls auf die Denk-Bildung; alleine die Schulzeit dauerte 16 Jahre. Luxus war verpönt, da es vom Wesentlichen, nämlich dem Denken, ablenkte. Eine Ausnahme bildete das Schloß, zu dem wir am nächsten Morgen geführt werden sollten. Immer wieder brach in den Gesprächen die Bewunderung für „ Dies-Neeh“ durch, das allerdings noch keiner der Anwesenden von innen gesehen hatte. Trotz unserer Furcht vor der dortigen „Urteilsfindung“ erhofften wir uns vom Schloß Hilfe bei unserer Suche nach dem Buch und dem Schlüssel. Auf eine Unterstützung durch die Anwesenden zählte ich nicht mehr: Sie kamen mir, ehrlich gesagt, lebensfremd vor.&lt;br /&gt;In dieser Nacht schliefen wir vier nicht gut, was vermutlich daran lag, daß die anderen uns nicht alleine ließen, sondern bei uns in der Gast-Halle blieben. Am nächsten Morgen wurde uns noch ein Frühstück serviert, dann verabschiedeten die Stadtbewohner uns, wobei deutliche Kühle zu spüren war. Ganz offensichtlich hatten wir keine breite Spur der Sympathie hinterlassen. Gemeinsam mit einem Dutzend Männern, die uns zum Schloß geleiten sollten, brachen wir auf; mir kam es eher vor wie ein Gefangenentransport. In gemächlichem Tempo waren wir, unterbrochen durch mehrere Pausen, etwa sechs Stunden unterwegs, wobei wir in der Ferne mehrere kleine Städte ausmachten. Schließlich, nach der Umrundung eines Hügels, lag es in einem grünen Tal vor uns: das Dies-Neeh-Schloß. Seine Mauern waren derart blendend-weiß, daß es uns fast so vorkam, als blickten wir geradewegs in die Sonne. Nur mit halbgeschlossenen Augen konnten wir wenigstens für einige Sekunden direkt hinschauen. Die Formen, soweit ich sie überhaupt wahrnehmen konnte, erinnerten mich mit den runden Türmen, den Zinnen und vielen Fensterchen an Neuschwanstein. Ein breiter Graben mit einem offenbar tiefen Gewässer umrundete das vielgliedrige Bauwerk.&lt;br /&gt;Als wir uns bis auf wenige Meter genähert hatten, blieben unsere Begleiter stehen und machten keine Anstalten, weiterzugehen. So überschritten nur wir viere die Brücke und betraten den Schloßhof.&lt;br /&gt;Kein Mensch war zu sehen. Uns blieb nichts anderes übrig, als selbst den Eingang zum Hauptgebäude zu suchen. Eigenartigerweise blendete uns hier das Weiß der Mauern nicht mehr, und dann erblickten wir eine Treppe, die zu einem Rundbogenportal führte.&lt;br /&gt;Nachdem wir das unverschlossene Portal durchschritten hatten, fanden wir uns in einer Vorhalle wieder, deren Wände eine Vielzahl von Vorsprüngen aufwiesen, die übersät waren von kleinen Skulpturen, welche nicht etwa Menschen oder Tiere darstellten, sondern – Blumen, nichts als Blumen, in zahlreichen Formen und Farben. Wir riefen wiederholt laut, doch niemand meldete sich. Also beschlossen wir, weiterzusuchen. Eine einzige Tür, breit und hoch, führte von der blumigen Vorhalle aus tiefer ins Gebäude hinein. Kaum hatte ich sie geöffnet, blendete tausendfaches Funkeln meine Augen, so daß ich erschreckt einen Schritt zurück tat und dabei Amadeus auf die Füße trat, der einen Schmerzensschrei ausstieß.&lt;br /&gt;„Eigentlich habe ich einen Freudenruf erwartet“, klang es deutsch aus dem Prunksaal. Amadeus und ich blickten uns mit großen Augen an. Die Stimme kam doch von ...&lt;br /&gt;„Ananda heißt Euch herzlich willkommen!“ klang es aus dem Saal.&lt;br /&gt;Wir traten ein. Nur langsam gewöhnten sich unsere Augen an das Glänzen und Blitzen: Alle vier Wände und die Decke waren übersät mit Kristallen und Edelsteinen, die aus sich selbst heraus zu leuchten und strahlen schienen und den Raum in ein verwirrendes Farbenflirren tauchten.&lt;br /&gt;„Ihr werdet Euch schnell daran gewöhnen!“ Ananda, den ich erst jetzt wahrnahm, stand von einem Thron auf, kam mit ausgebreiteten Armen auf uns zu und umarmte nicht nur Amadeus und mich, sondern auch Gua und Mel. Er war gewandet mit einer goldenen Toga, seine Glatze zierte eine mächtige Krone. „Aber nun kommt erst einmal mit, Ihr wirkt ein wenig irritiert. Kein Wunder. Wenn man zum erstenmal das Schloß betritt ... Hoffentlich hat mein Volk Euch gut behandelt!“&lt;br /&gt;Mein Volk?&lt;br /&gt;„Übrigens,“ – wir gelangten in einen Raum, dessen Dämmerlicht den Augen wohltat – „darf ich Euch Scheh-Mua-Tua vorstellen?“&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Bericht von Ananda Prinz&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Urwald, nichts als Urwald. Pflanzen, wie ich sie in solcher Vielfalt und Üppigkeit noch niemals zu Gesicht bekommen habe. Und Schmetterlinge, Dutzende, wenn nicht Hunderte Arten. Fließen der Säfte und Kräfte, vibrierendes Leben. Ich umschlang mit meinen Armen einen jungen Baum, umarmte den Stamm, fühlte, wie auch dieses Naturwesen teilhat am vitalen Strömen des Alls. Tief ein- und ausatmend, nahm ich die Schwingungen des Dschungels in mich auf.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Schon am Tag nach meiner Ankunft in Borneo fuhren wir mit einem Motorboot mehrere Stunden auf dem Sarawak-Fluß, danach ein zweitägiger Fußmarsch auf verschlungenen Pfaden durch den Regenwald. Ich bewunderte meine drei Führer, wie sicher sie uns den Weg durch das Buschwerk bahnten. Endlich erblickte ich ihn, den erst vor kurzem entdeckten buddhistischen Tempel, oder vielmehr seine Ruinen; viel war von der ehemals wohl prachtvollen Anlage nicht mehr zu erkennen, hier eine zerbröckelnde Mauer, dort eine halbe Treppe, umgefallene Säulen, die Überreste steinerner Löwen. Seltsamerweise hatten die Pflanzen des Urwalds die Ruinen nur an den Rändern der Anlage überwuchert, wenngleich die nackten Steine überall grünlich schimmerten, vermutlich verursacht durch Algen. Ich konnte mir kaum vorstellen, daß die Witterung alleine das stabile Gemäuer zum Einsturz gebracht hatte, vielleicht hatte es ein schweres Erdbeben gegeben, oder Menschen hatten den Tempel zerstört. Wie auch immer, ich fühlte, es war richtig so, wie wir ihn vorfanden, denn das Dasein ist ein Auf und Ab: Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung, und aus den Trümmern der Welt wächst neues Leben. So soll, so muß es sein. Hier jedoch fand ich eine Besonderheit: Die Ruine stand oder vielmehr lag so, wie sie wohl schon seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden gelegen hatte. Es war, als sei über diesen Ort ein Zauber ausgebreitet, der neues Wachstum verbot. Ich zückte mein Notizbuch, vermerkte dieses Phänomen und schoß dann einige Photos. Schon jetzt vermutete ich, daß meine Vermerke und Bilder über diese Reise nach deren Beendigung mindestens einen dicken Aktenordner füllen würden.&lt;br /&gt;Dieses Heiligtum längst vergangener Zeiten, dieses ahnungserfüllte und zugleich grausame Geheimnisse bergende Trümmerfeld also sollte mein Operationsgebiet sein, hier sollte ich das Goldene Ei suchen. Daß es mir nicht möglich sein würde, die unzähligen Felsblöcke hochzustemmen und unter ihnen nachzuschauen, wurde mir schnell bewußt. Ja, wenn ich märchenhafte Kräfte besäße, oder Riesen mir bei dieser Aufgabe helfen würden ...&lt;br /&gt;Doch wir Prinzen waren nicht umsonst auserwählt worden, die Welt zu retten. Zufälle gibt es nicht. So beschloß ich, mir inmitten der Ruine einen geeigneten Platz für die Meditation zu suchen. Mir war klar, daß ich wohl nicht sogleich Erfolg haben würde, aber als Frucht ausdauernder Konzentration würde mir früher oder später die Lösung des Problems in den Schoß fallen, der richtige Gedanke würde in mich einfließen.&lt;br /&gt;Die Abenddämmerung nahte: die rechte Zeit, den Körper in den Zustand der Entspannung zu versetzen und die Seele Verbindung zum Allgeist aufnehmen zu lassen. Meine Begleiter schickte ich weg, am Rand der Lichtung Zelte zu errichten und mich für die nächsten Stunden alleine zu lassen. Bald fand ich auch das richtige Plätzchen für meine Zwecke: einen großen, erhöht liegenden Steinblock, der vermutlich als Fundament eines Nebengebäudes gedient hatte. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick über das gesamte Gelände; hier fühlte ich mich gleich wohl, hier konnte mein Geist seine Streifzüge antreten. Ich setzte mich im Lotussitz auf ein Seidentuch, das Gesicht gen Osten gewandt, schloß meine körperlichen Augen und richtete sie auf mein geistiges Auge inmitten meiner Stirn. Dann vertiefte ich den Atem und verlangsamte den Schlag meines Herzens.&lt;br /&gt;Schon nach wenigen Minuten fühlte ich mich über meinem stillsitzenden Körper schweben. Ich genoß den Zustand tiefen inneren Friedens, fühlte mich eins mit dem Tempel und dem Wald. Auf einmal hatte ich das Gefühl, um mich herum würde es dunkel und ich sänke mit zunehmender Geschwindigkeit in die Tiefe. Derartiges hatte ich in meinen Meditationen noch nicht erlebt, vielleicht hing es schlicht und einfach mit der besonderen Örtlichkeit zusammen. Doch dann spürte ich einen kalten Luftzug auf der Haut. Als ich, irritiert, die Augen öffnete, war es um mich herum stockdunkel, mir wurde schnell klar, daß ich auf dem Stein in die Tiefe der Erde sank, und zwar mit rasender Geschwindigkeit. Einen Moment lang überfiel mich panische Angst, doch dann sagte ich mir, wie es kommt, kommt es recht. Kurz darauf wurde ich ohnmächtig.&lt;br /&gt;Als ich wieder meine Augen öffnete, stellte ich zunächst fest, daß ich immer noch im Lotussitz saß; offenbar hatte ich auch während meiner Ohnmacht diese stabile Sitzhaltung beibehalten. Aber worauf saß ich? Es war ein riesiger Haufen angenehm duftender Blumen, eine Art Natur-Thron. Erst nachdem meine Augen sich an die große Helligkeit gewöhnt hatten, nahm ich eine Anzahl Menschen wahr, die, mit etwas ähnlichem wie altrömischer Kleidung angetan, im Kreis um mich herum standen.&lt;br /&gt;Wo befand ich mich? War ich in meiner körperlichen Existenz gestorben und nun mit meinem geistigen Sein in eine höhere Sphäre aufgestiegen?&lt;br /&gt;Als die Leute bemerkten, daß ich erwacht war, verbeugten sie sich tief vor mir. Ein solches devotes Verhalten schien mir für Geistwesen nicht angemessen, also lebte ich wohl noch auf irdische Weise. Doch wo nur hielt ich mich hier auf? Vermutlich nicht im Freien, sondern in einem riesigen Raum.&lt;br /&gt;Seltsamerweise blieb ich ganz ruhig und geriet angesichts der ungewöhnlichen Umstände nicht im geringsten in Unruhe, geschweige denn in Panik. War es der Blumenduft, der mich beruhigte?&lt;br /&gt;Ein älterer Mann näherte sich mir buckelnd. Er begann auf mich einzureden in einer mir gänzlich fremden Sprache. Da man mich anscheinend für eine ehrwürdige Person oder ein höheres Wesen hielt, wollte ich mir keine Blöße geben, sondern tat, als ob ich alles verstünde, und lächelte dabei tiefgründig, schweigend und allwissend wie Buddha. Dies schien die Leute zu beeindrucken.&lt;br /&gt;Vier kräftige Männer eilten mit einer Sänfte herbei, in die sie mich vorsichtig hineinhoben, als wäre ich der Kaiser von China. Dann brach die Gruppe auf, die Sänfte trug man vorneweg. Nach wenigen Minuten erreichten wir eine Senke, in die man hinabstieg. Unten angekommen, hob man mich aus der Sänfte heraus und setzte mich auf ein Gebilde in Form eines LKW-Reifens, das ein intensives violettes Licht ausstrahlte. Die Menschen ließen sich ringsumher nieder; immer mehr strömten nach und nach herbei.&lt;br /&gt;Dann trat der eine und andere vor mich hin, redete auf mich ein, schien aber keine Antwort zu erwarten, sondern machte nach wenigen Ausführungen dem nächsten Platz. Vielleicht trugen sie mir Bitten vor?&lt;br /&gt;Etwas Seltsames ereignete sich: Meine Gedanken wurden kristallklar und beschleunigten sich zu unglaublicher Schnelligkeit, in mir entwickelte sich in kürzester Zeit ein Verstehen und Begreifen, für das ich früher Stunden oder Tage benötigt hätte. Aus der Betonung der Worte, der Mimik und Gestik heraus verstand ich, was die Bittsteller sagen wollten. So lernte ich innerhalb von zwei Stunden einen Großteil der Sprache verstehen, und fast noch wunderbarer war, daß ich danach eine kurze Dankesrede in der Sprache der Fremden halten konnte! Vermutlich verdankte ich meine Fähigkeiten den Strahlen, die von dem Sitzreifen ausgingen.&lt;br /&gt;Meine Zuhörer waren ob meiner freundlichen Worte hocherfreut und ließen mich hochleben, wenn auch in einer seltsam beherrschten Art.&lt;br /&gt;Inzwischen hatte ich aufgrund verschiedener Äußerungen mitbekommen, weshalb man mich so umwarb: Man hatte mich in der Lotushaltung sitzend vorgefunden, scheinbar in tiefer Versenkung, in Wirklichkeit bewußtlos. Nun hielt man mich für den „Denk-Urmeister“, der nach Jahrtausenden wiedergekehrt sei, dem Volk reichen Denk-Segen zu bescheren.&lt;br /&gt;In der Sänfte beförderte man mich in eine nahegelegene Ortschaft, die aus einfachen Häusern bestand, und brachte mich im Haus des Ortsvorstehers unter, wo ich köstlich bewirtet wurde. Dabei fiel mir besonders die Tochter des Hausherrn auf, die mich aufs freundlichste bediente. Sie lächelte mich so entzückend an, daß ich sogleich von ihr fasziniert war. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie dies nur auf Anordnung ihres Vaters hin tat; vielleicht ließ einfach meine Eitelkeit eine solche Vorstellung nicht zu.&lt;br /&gt;Ich muß zugeben, ich genoß es, von den Menschen so verwöhnt und angehimmelt zu werden. Mir war wohl klar, daß dies alles auf einem Irrtum beruhte; jedoch war ich keineswegs gewillt, ihn auszuräumen und zuzugeben, ich sei nur ein gewöhnlicher Mensch. Mein schlechtes Gewissen, das sich gelegentlich meldete, beruhigte ich mit dem Gedanken, diese kleine Lüge schade doch niemandem. Die Erkenntnis, daß Unwahrheiten früher oder später unweigerlich ins Unglück führen, verdrängte ich.&lt;br /&gt;Die meiste Zeit über schwieg ich und hörte einfach nur zu, wenn die anderen sprachen. Schon seit Jahren hatte ich mich um des geistigen Fortschritts willen im Schweigen geübt, so daß es mir auch jetzt nicht schwerfiel. Tage vergingen, in denen ich regungslos dasaß und nur die Vorgänge meiner Umwelt in mich aufnahm. So erfuhr ich von den Eigenheiten dieses Volkes und lernte seine Geschichte kennen.&lt;br /&gt;Eines Tages versammelten sich in der kleinen Ortschaft mehrere tausend Menschen. Meine Anwesenheit hatte sich landesweit herumgesprochen, und nun waren von überallher Delegationen eingetroffen, um gemeinsam darüber zu befinden, wie man sich mir gegenüber verhalten solle. Man brachte mich auf einen großen Platz, wo ich der Menge gegenüber saß. In ihr entspannen sich bald Diskussionen über mein weiteres Schicksal. Diese Gespräche dauerten tagelang an. Aus allem, was ich mitbekam, gewann ich den Eindruck, hier werde nicht zuwenig nachgedacht und abgewogen, sondern zuviel. „Was lange bedacht, wird endlich bedenklich“, pflegte schon mein Großvater zu sagen. Mir schien, den Menschen hier fehlte die Fähigkeit, sich ins Wesen der Dinge zu versenken.&lt;br /&gt;Schließlich reiste auch der alte König des Reichs an, um mich zu begutachten. Ich schätzte ihn auf mindestens 90 Jahre. Unsicher und in verschnörkelter Sprache begrüßte er mich. Da rief jemand: „Brauchen wir nicht einen neuen König?“ Und sogleich erhoben sich Hunderte Stimmen: „Wir wollen einen neuen König! Hier haben wir ihn!“ Sie meinten mich.&lt;br /&gt;Junge Männer hoben mich hoch, zeigten mich der Menge, setzten mich dann in die Sänfte und trugen mich in einem mehrstündigen Marsch, bei dem viele uns folgten, hin zum märchenhaften Königsschloß „Dies-Neh“. Ehe die Menschen mich zum Eingang brachten, warf ich noch einen Blick auf sie. Dicht bei mir stand der Ortsvorsteher, der mich beherbergt hatte und jetzt unglücklich dreinsah; immerhin hatte meine Anwesenheit in seinem Haus zur Mehrung seines Rufs beigetragen. Neben ihm erblickte ich seine Tochter, die mich traurig ansah. Auch mir tat es in der Seele weh, nicht mehr bei ihr bleiben zu dürfen; in ihrer Nähe war ich glücklich gewesen.&lt;br /&gt;Man hatte auch den alten König mit zum Schloß befördert; nun wurde er genötigt, mich dort einzuführen, denn niemand seiner Untertanen wagte es, das hellgleißende Gebäude zu betreten. So schritt er neben mir durch die einzelnen Gemächer und Säle, die alle in unterschiedlicher Weise geschmückt und ausgestattet waren. Ich kam mir vor wie im Paradies, wie in der Sphäre seliger Geister, doch bedrückte mich des Königs Niedergeschlagenheit. Ich wagte nicht, ihm offen zu sagen, daß ich gar nicht beabsichtigte, hier den Herrscher zu spielen, vielmehr bei der nächstbesten sich bietenden Gelegenheit mich absetzen wolle. Immerhin deutete ich es kurz an; ob er es verstand, weiß ich nicht. Zuletzt kamen wir zu einer kleinen Tür, an die er behutsam klopfte. Es wunderte mich, daß wir bisher keinem Menschen in den Gängen und Räumen begegnet waren. Wie ich später erfuhr, gab es keine Diener; auch der König mußte sich selbst versorgen.&lt;br /&gt;Die Tür öffnete sich, und eine wunderschöne junge Frau trat heraus, die Tochter des alten Königs. Er stellte sie mir vor.&lt;br /&gt;„Mein liebstes Kind, dies ist der Mann, der von oben herabstieg, und den du nun heiraten wirst.“ Dann wandte er sich mir zu: „In unserem Lande ist es Sitte, das alte Königshaus – wann immer möglich – fortzuführen.“ Mit diesen Worten ließ er uns beide allein.&lt;br /&gt;Was sollte ich tun? Das alles ging mir zu schnell. Die Königstochter bat mich herein, und als wir uns setzten, ließ sie wie unabsichtlich ihr seidenes Gewand verrutschen, so daß sich mir ein tiefdekolltierter Einblick bot. Ich fragte dumm: „Und, wie geht es denn so?“ – woraufhin sie, leicht verärgert, ihre Kleidung wieder ordnete.&lt;br /&gt;Jetzt bemühte ich mich um mehr Freundlichkeit. Zwar war ich keineswegs an niederer fleischlicher Lust interessiert – immer schon hatte ich derartige Annäherungen an das andere Geschlecht vermieden –, aber sie konnte mir vielleicht wichtige Auskünfte erteilen. So schien sie mir auch bald wieder versöhnt zu sein und spekulierte unbefangen über unseren baldigen Hochzeitstermin.&lt;br /&gt;„Mich wundert,“ sinnierte ich, „daß Ihr überhaupt nicht das Wort ‚Denken‘ in den Mund nehmt, obwohl doch Euer Volk unentwegt davon spricht.“&lt;br /&gt;„Meine Eltern“, lächelte sie, „stammen nicht von hier, sie kamen aus dem Bronzenen Reich herüber. Da Vater sich hier durch seine Fähigkeiten bald hervortat, krönte man ihn anstelle des damaligen alten Königs. Er dachte nicht ständig über das Denken nach, sondern handelte, daher konnte er dieses versponnene Volk gut führen. Leider starb meine Mutter vor Jahren, und mein Vater ist ein alter Mann. Doch in Kürze“ – sie blickte lüstern auf mich – „haben wir einen neuen König!“&lt;br /&gt;Ich gab bald vor, müde zu sein, und bezog das für mich vorgesehene Zimmer. Die Königstochter – so schön sie war – gefiel mir nicht, was ich sie aber nicht merken ließ. Als ich auf meinem Bett lag, dachte ich sehnsüchtig an Scheh-Mua-Tua, die Tochter des Dorfvorstehers. Mit Erschrecken wurde mir klar, daß ja auch sie ein weibliches Wesen war – und nach einem solchen hatte mich, der ich doch bisher dem Geschlechtstrieb erfolgreich ausgewichen war, Sehnsucht ergriffen! Dann aber ging mir der tröstliche Gedanke durch den Kopf, daß in ihrem Fall nicht tumbe sinnliche Begierde mich gepackt hatte, sondern Scheh und ich wohl Zwillingsseelen seien, die durch die Zeitalter immer wieder zueinander fänden, und dies beruhigte mich.&lt;br /&gt;Was darauf folgte, will ich nur kurz beschreiben: Man setzte mir eine Krone aufs Haupt, denn von nun an sollte ich kommissarisch die Regierungsgeschäfte führen; offiziell sollte ich erst am Tag der Hochzeit gekrönt werden. Ich mied, soweit irgend möglich, den Umgang mit der Königstochter, und konnte es einrichten, Scheh über Wochen immer wieder heimlich zu treffen, wozu eine Cousine von ihr uns tatkräftig verhalf. Gelegentlich suchte ich den alten König auf, der in der Nähe des Schlosses untergebracht worden war. Seine Tochter meinte, wir verhandelten über die Heiratsbedingungen, tatsächlich aber bemühte ich mich, ihm behutsam klarzumachen, daß ich weder am Königsamt noch an seiner Tochter interessiert sei. Wenn ich einfach verschwände, bliebe er sicher wie bisher König, zumal ich noch nicht inthronisiert sei. Zwar bedauerte er, auf mich als Schwiegersohn verzichten zu müssen, konnte sich aber mit dem Gedanken, weiterhin zu regieren, durchaus anfreunden.&lt;br /&gt;Als ich ihn das letzte Mal aufsuchte, offenbarte ich ihm meine Mission und fragte ihn, ob er wisse, wo sich die drei goldenen Gegenstände befänden.&lt;br /&gt;„Sucht im Goldenen Reich, denn in den anderen Höhlen sind sie mit Sicherheit nicht zu finden.“ Aus einer Gewandtasche zog er einen faustgroßen goldfarbenen Kristall hervor und reichte ihn mir. „Er wird Euch bei der Suche behilflich sein. Immer, wenn Ihr auf dem richtigen Weg seid, wird er aufleuchten. Ihr müßt, wenn Ihr ihn in der Hand haltet, nur intensiv an Euer Ziel denken.“&lt;br /&gt;Dann umarmte er mich und versprach mir, am übernächsten Tag seine Tochter zu einem Ausflug mitzunehmen, damit ich entfliehen könne. Scheh ließ ich über einen Jungen aus der Nachbarschaft die Nachricht zukommen, auch sie möge die entsprechenden Vorbereitungen treffen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Der Lehrer&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nachdem Ananda Scheh und uns miteinander bekanntgemacht hatte, eröffnete er uns: „Heute ist der Tag unserer Flucht. Vor einer Stunde hat der alte König seine Tochter abgeholt. So laßt uns denn gemeinsam aufbrechen, um eine andere Ebene zu erklimmen.“ Eine typische Ananda-Floskel. Er meinte damit das Goldene Reich, das wir erreichen mußten, um Buch, Schlüssel und Ei zu finden.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Ananda zog den Kristall hervor, konzentrierte sich auf unser Ziel, und sogleich leuchtete der Juwel in seiner Hand. Wir verließen das Schloß und folgten der Weisung des Steins: Immer wenn er hell strahlte, befanden wir uns auf dem richtigen Weg; immer wenn das Licht erlosch, wußten wir, daß dies die falsche Richtung war.&lt;br /&gt;Nachdem wir mehrere Stunden dem Leuchten gefolgt waren, standen wir auf einmal vor einem kleinen Hügel, kaum höher als ein zweistöckiges Haus. Der Kristall erstrahlte so hell, daß er uns blendete. Wir gingen um den Hügel herum, fanden jedoch keinen Eingang. Da sahen wir, wie, nur noch wenige hundert Meter von uns entfernt, eine große Menge Menschen auf uns zuströmte. In einer Minute würden sie hier sein.&lt;br /&gt;Ananda rief: „Schnell, hinauf auf den Hügel! Hoffen wir, daß sich dort der Einstieg befindet.“ Keuchend kletterten wir nach oben, doch auch hier erblickten wir keine Falltür oder ähnliches. Die ersten unserer Verfolger waren fast schon unten angelangt, da geschah etwas gänzlich Unerwartetes: Der Hügel sank in sich zusammen und dann noch weiter in die Tiefe, so daß wir uns auf einmal wie in einer riesigen Tüte stehend vorkamen. Schon erschienen einige Gesichter oben am Kraterrand, die ebenso überrascht aussahen wie die unseren. Jetzt saßen wir in der Falle, denn wenn die Leute sich von ihrem Schreck erholt hätten, würden sie zu uns herabsteigen. Doch zu unserem Erstaunen schloß sich die Öffnung über uns, es war auf einmal ganz dunkel, einen Moment später öffnete sich der Boden unter uns und wir fielen in die Tiefe. Zum Glück landeten wir weich auf einem Haufen Stroh. Als wir uns wieder aufgerappelt hatten und auf festem Boden standen, fiel uns auf, daß es allmählich heller wurde, so daß wir hier im Goldenen Reich von der Zeit der Morgendämmerung ausgehen mußten. Schon nach wenigen Minuten hatte die Helligkeit ein Ausmaß erreicht, das die des Silbernen, erst recht des Bronzenen Reichs bei weitem übertraf. Die strahlende Höhlendecke befand sich nur wenige Meter über dem Höhlenboden, der nur von Gras bewachsen war; Blumen, Büsche, Bäume gab es ringsumher nicht, doch von oben hingen Lianen voller Blüten herab. Nicht weit von uns entfernt erblickten wir Gebilde, die riesigen Maulwurfhügeln ähnelten; als wir näherkamen, erkannten wir in ihnen menschliche Behausungen, Iglus aus Lehm, mit schmalen Eingängen, aber ohne Fenster. Doch weit und breit war niemand zu sehen. Ehrlich gesagt, unter einem Goldenen Reich hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Das Silberne war ja, abgesehen vom Schloß, bereits schlicht gewesen, doch hier kam ich mir wie in einer Urzeit vor, nicht wie in einer Hochkultur.&lt;br /&gt;Aber der Kristall zeigte an, daß wir uns auf dem rechten Weg befänden. Als wir uns dem vordersten Lehm-Iglu näherten, blinkte er hektisch. Wir schauten uns überrascht an.&lt;br /&gt;Da trat ein Knirps heraus, etwa drei Jahre alt, angetan mit einem schlichten Hemd aus geflochtenem Gras. „Seid willkommen, Ihr edlen Fremden“, sprach er uns an und verneigte sich dabei. Sprach er? Seine Lippen hatte er nicht bewegt. Außerdem hatte ich es auf deutsch verstanden. Ich schaute mich um. Meine Begleiter blickten ebenso entgeistert, wie ich es vermutlich tat. Hatte jeder von uns ihn in seiner Sprache gehört? Ich wandte mich wieder dem Jungen zu.&lt;br /&gt;„Verzeiht, wenn Ihr verwirrt seid“, übertrugen sich seine Gedanken in meinen Kopf – in unsere Köpfe. „Wir reden hier in der Gedankensprache, die universal verständlich ist.“&lt;br /&gt;Anandas Augen glimmten auf; offensichtlich hatte er soeben neue Möglichkeiten der geistigen Entwicklung ausgemacht.&lt;br /&gt;„Ihr seid, wie ich erkenne, auf der Suche nach drei Gegenständen, weil die Zivilisation, die hoch über uns lebt, ihrer bedarf. Das Beste ist, Ihr folgt mir zur Schule, wo meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gerade unterrichtet werden. – Ach, Ihr fragt Euch, was mit den Kindern und Jugendlichen sei? Die Zwei- bis Zwanzigjährigen haben heute ihren studienfreien Tag, sind aber angehalten, sich im Wesentlichen zu üben.“&lt;br /&gt;„Im Wesentlichen?“ fragte ich mich.&lt;br /&gt;„Darüber wird Euch sicherlich noch Auskunft zuteil werden“, tönte es mit knabenhafter Stimme in meinem Kopf.&lt;br /&gt;Der Kleine führte uns zu einer Anlage von der Größe eines Sportplatzes, die von mannshohen Mauern umschlossen war. „Die Schule. Durch die sieben Tore, die Ihr seht, gelangt man zu den einzelnen Klassen.“ Wir traten durch das mittlere ein. Das „Klassenzimmer“ bestand aus nichts weiter als aus einem saalgroßen Hof, begrenzt von nackten Wänden, über uns der „Himmel“. 24 Männer und Frauen saßen im Schneidersitz auf dem Boden, vor ihnen stand ein hagerer Mann mit wallendem weißen Haupthaar und einem noch längeren Bart. Er und seine Schüler, alle nur mit Grashemden bekleidet, blickten uns freundlich an, niemand schien über uns Fremde auch nur im geringsten erstaunt zu sein. Ein fast fröhlich zu nennendes „Willkommen“ hallte durch unsere Köpfe.&lt;br /&gt;Der Weißhaarige gab uns durch ein Zeichen zu verstehen, wir sollten uns hinsetzen. Dann sah er uns lange eindringlich an. Das Schweigen war kaum zu ertragen.&lt;br /&gt;„Ihr wollt also die Goldene Dreiheit mit nach oben nehmen!“ stellte er schließlich mit sanften und doch tief durchdringenden Gedanken fest. „Da ich, der Oberste Lehrer, Eure lauteren Absichten erkenne, will ich Euch hinführen. Doch wisset: Erhalten werdet Ihr sie nur dann, wenn Ihr drei Aufgaben löst!“&lt;br /&gt;Wie erleichtert waren wir, endlich, nach all den Mühen, zu erfahren, wir seien am Ziel unserer Reise angelangt. Es gab sie also doch, die drei goldenen Gegenstände, das Buch, den Schlüssel und das Ei. Und man würde sie uns sogar freiwillig überlassen, wenn wir nur drei Aufgaben lösen würden!&lt;br /&gt;Vor Freude fielen wir einander um den Hals. Der Oberste Lehrer lächelte. „Vielleicht wollt Ihr Euch stärken, ehe Ihr den großen Gang antretet.“&lt;br /&gt;Ein längerer Weg also? Dann mußte es halt so sein.&lt;br /&gt;Auf ein Zeichen des Alten hin entfernten sich mehrere Kinder und kehrten nach kurzer Zeit mit Speis und Trank zurück: In Schüsseln aus geflochtenen Gräsern lagen Beeren unterschiedlicher Sorten, große Blütenkelche waren angefüllt mit klarem Wasser.&lt;br /&gt;Während wir uns daran gütlich taten, erläuterte der Lehrer: „Auf anderer Ebene pflegt man mehr Nahrung zu sich zu nehmen, oft auch gröbere. Wir bedürfen ihrer kaum, nur noch zum Frühstück nehmen wir Früchte zu uns, die an Lianen reifen, und abends einige Blütenblätter.“&lt;br /&gt;„Und das reicht Euch zum Leben?“ fragte ich verblüfft.&lt;br /&gt;„Keineswegs. Hauptsächlich leben wir vom Licht.“&lt;br /&gt;„Wie?“ rief Amadeus aus und ließ seinen Kelch zu Boden fallen.&lt;br /&gt;Der Alte sah den Knaben an, der uns hergeleitet hatte. Dieser gab sofort Auskunft: „Schon vor Jahrtausenden haben wir die Fähigkeit entwickelt, uns vom Licht zu ernähren, aus ihm Energie zu gewinnen.“&lt;br /&gt;„Wie die Pflanzen ...“, flüsterte Amadeus entgeistert.&lt;br /&gt;„Mittels Gedankenkraft?“ fragte Scheh.&lt;br /&gt;„Auch damit hat es etwas zu tun.“ Der Lehrer wollte sich wohl nicht konkret äußern.&lt;br /&gt;Nach dem Essen bat er uns, ihm zu folgen; den Schülern wurde aufgegeben, sich zwischenzeitlich in das „Wesentliche“ zu vertiefen. Eine halbe Stunde später hatte unsere kleine Gruppe den Rand eines Sees erreicht. In seiner Mitte lag eine winzige Insel, auf der ein Lehm-Iglu errichtet war.&lt;br /&gt;„Schwimmt hinüber, und Ihr werdet finden, was Ihr sucht. Eure Kleidung laßt Ihr am besten hier, seid versichert, Ihr werdet dort nicht frieren.“ Zuckte da ein Grinsen über sein Gesicht?&lt;br /&gt;Wir beschlossen, dem Rat zu folgen und uns zu entkleiden.&lt;br /&gt;„Übrigens: das ‚Wesentliche‘, über das Ihr vergebens nachgrübelt: Das Goldene Buch wird es Euch offenbaren, sofern ...“ Er schwieg, drehte sich wortlos um, trat den Rückweg an und ließ uns voller Fragen zurück.&lt;br /&gt;Mel, Gua und Scheh schwammen schnell wie Nymphen und hatten lange vor uns die Insel erreicht. Sie lachten, als wir endlich prustend und hustend ankamen.&lt;br /&gt;Nacheinander betraten wir durch die schmale Türöffnung die Lehmbehausung. In ihrer Mitte führte eine steile Wendeltreppe nach unten. Vorsichtig machten wir uns auf den Weg in die Tiefe. Die runde Wand leuchtete schwach, unsere Augen mußten sich erst an das Dämmerlicht gewöhnen. Minuten vergingen, noch immer fand die Treppe kein Ende. Nicht nur wegen der eigenen Anstrengung, auch wegen der wärmer werdenden Luft schwitzten wir immer stärker. Der Lehrer sollte recht behalten: Von Kälte und Frieren konnte hier keine Rede sein. Endlich, nach vielen hundert Stufen, die keiner von uns zählte, gelangten wir unten an. Meine Knie taten mir so weh, daß ich mich für einige Zeit hinsetzen mußte. Außer einem Gang konnten wir von hier aus nichts erkennen. Wir betraten ihn und stellten fest, daß er sich spiralförmig nach außen wand. Nachdem wir wohl eine Stunde oder länger gegangen waren, wurde er heller und heller, und auf einmal standen wir in einem gleißend hellen Saal, dessen Wände mit eigenartigen Ornamenten bemalt waren. In seiner Mitte glänzte es golden aus einer dreigeteilten Vitrine. Da waren sie, die wir so lange gesucht hatten, die drei goldenen Rettungsanker der „Oberflächler“: Buch, Schlüssel und Ei!&lt;br /&gt;Letzteres hatte die Größe eines Straußeneis; ob es sich um ein von einem Tier gelegtes Ei handelte oder um ein künstlich von Menschenhand gefertigtes, ließ sich beim bloßen Anschauen nicht feststellen; vielleicht war es auch ein echtes Ei und nachträglich eingefärbt oder von Gold oder goldfarbenem Material umhüllt worden. Der Schlüssel ließ sich als solcher nicht sogleich ausmachen; vor uns lag ein schmaler Rundstab von der Größe eines Bleistifts, bei dem es sich schlicht und einfach deshalb um den Schlüssel handeln mußte, weil Buch und Ei als solche klar erkennbar waren.&lt;br /&gt;Das Buch ähnelte Evangeliaren des europäischen Mittelalters: Zwischen zwei goldenen Deckeln, dessen vorderer reich mit Edelsteinen verziert war, mußten sich die Blätter befinden, die vermutlich aus Papier oder einem ähnlichen Material bestanden. Auch die vier Ränder des Buchs bedeckten metallene Scheiben. In der Mitte der Vorderseite befand sich ein Loch, in das der Schlüssel genau hineinpassen würde. Sollte sich auf diese Weise das Buch öffnen lassen? Wozu diente dann das Ei?&lt;br /&gt;Kurzzeitig dachten wir Prinzen darüber nach, die „Goldene Dreiheit“ zu entwenden, doch Mel warnte uns davor: Niemals würden wir mit diesem Schatz aus den drei Reichen entkommen. Gua bekräftigte dies mit einem entschiedenen „Genau so ist's“, und Scheh stimmte mit einem lautstarken „Allerdings“ ein. Dennoch hätten die Frauen uns nicht überzeugt, wenn wir nicht festgestellt hätten, daß die Vitrine nicht aus leicht zerstörbarem Glas, sondern aus einem wesentlich härteren Stoff bestand, vielleicht sogar aus transparentem Metall. Außerdem redete Mel uns ins Gewissen: Der Oberste Lehrer sei doch bereit, uns bei Erfüllung dreier Aufgaben den Schatz zu schenken; wir dürften seine Großzügigkeit nicht mit Diebstahl „belohnen“.&lt;br /&gt;So stiegen wir keuchend die Treppe hinauf, schwammen ans Ufer des Sees, kleideten uns an und suchten den Lehrer in der Schule auf.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Prüfungen&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;„Die erste Aufgabe besteht darin, eine Frage richtig zu beantworten: Wie viele Edelsteine befinden sich auf dem vorderen Deckel des Goldenen Buchs?“&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Woher sollten wir das wissen? Es waren Dutzende, wenn nicht Hunderte. Was sollten wir sagen? 73? Oder 121?&lt;br /&gt;Gerade wollte ich den Lehrer fragen, ob wir uns beraten dürften, da kam Gua mir zuvor: „Es ist ein einziger Stein.“&lt;br /&gt;Wir anderen sahen sie verblüfft an. Schon wollte ich verärgert auffahren, dies sei Unsinn, als der Lehrer die Richtigkeit ihrer Antwort bestätigte: „Gut beobachtet!“&lt;br /&gt;Gua erläuterte uns, wie sie die Lösung gefunden hatte: „Als Naturwissenschaftlerin lernte ich früh, genau hinzusehen. Bei den Edelsteinen, die aus einer Vielzahl zu bestehen scheinen, fiel mir auf, daß sie alle durch schmale, fast unsichtbare Stege miteinander verbunden sind. Es handelt sich also um das überaus feine Schnitzwerk aus einer einzigen Kristallplatte, die an verschiedenen Stellen unterschiedlich gefärbt ist.“&lt;br /&gt;Ein wenig ärgerte ich mich jetzt, nämlich über mich selbst, weil ich nicht genauer hingeschaut hatte; Ananda und Amadeus schien es ebenso zu ergehen, wie ihre Gesichter verrieten.&lt;br /&gt;Der Lehrer lächelte. „Einheit in der Vielfalt“, klang leichthin sein Gedanke in uns, als bezöge sich diese Feststellung gar nicht auf die Buchplatte. „Für heute reicht es!“ gab er uns jetzt klar zu verstehen. „Setzen wir uns doch in froher Runde zusammen und tauschen Gedanken aus.“&lt;br /&gt;Vor der Schule ließen wir uns im Gras nieder, und die Schüler und Lehrer der sieben Klassen, von denen einzelne älter als hundert Jahre sein mochten, setzten sich um uns herum. Aus dem Dorf kamen die Kinder und Jugendlichen hinzu.&lt;br /&gt;In welchem Umfang diese Menschen unsere innersten Gedanken lesen konnten, wußte ich nicht genau, aber viel konnten wir ihnen wohl kaum verbergen; immerhin hatten wir im Lauf des Vormittags schon erstaunliche Beispiele ihrer Fähigkeit erlebt. So wunderte ich mich jetzt nicht, daß man uns nur wenige Fragen stellte, und auch hierbei konnte es sich um eine reine Höflichkeitsgeste handeln. Um so mehr Gelegenheit fanden wir, Fragen an das Volk des Goldenen Reichs zu stellen, und Männer, Frauen und Kinder antworteten aufgeschlossen und fröhlich, wobei viel gelacht wurde. Es war tatsächlich eine „frohe Runde“.&lt;br /&gt;Wir erfuhren – was wir teilweise selbst bereits festgestellt hatten –, daß man äußerlich überaus anspruchslos und bescheiden lebte. Dies betraf nicht nur Wohnung, Kleidung und Nahrung, sondern z.B. auch den Straßenverkehr, den Austausch von Gütern oder die Freizeitgestaltung. Zwar wußte man durchaus, daß es in den anderen Reichen Schauspiel, Opern, Sportveranstaltungen und ähnliches gab, auch kannte man die Technik des Bronzenen Reichs und hätte sich mit ihrer Hilfe jede nur mögliche Annehmlichkeit schaffen können, jedoch lehnte man sie für sich ab. Auf ein gutes Familienleben legte man großen Wert, besonders wichtig war auch die geistige Entwicklung der Gesellschaft wie des einzelnen. „Wir lernen, lernen, lernen“, wurde immer wieder geäußert, und einer Lehrerin entfuhr ein „Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Nanu, Goethe hier? Vermutlich hatte sie diesen Satz aus dem Gedächtnis von Amadeus, Ananda oder mir herausgelesen.&lt;br /&gt;„Aber wozu das Wissen? Was fangt Ihr damit an?“ Ich verstand es nicht.&lt;br /&gt;„Um der Schönheit willen!“ rief Amadeus aus.&lt;br /&gt;„Um den Sinn des Daseins zu erkennen!“ ergänzte Ananda.&lt;br /&gt;„Wissen ist Leben!“ begeisterte sich ein kleines Mädchen.&lt;br /&gt;Ich kam mir vor wie ein Trottel.&lt;br /&gt;„Wissen führt zum Wahren ... Eigentlichen ... Wesentlichen!“ dachte es von allen Seiten her.&lt;br /&gt;„Das Wesentliche?“ Auch ich sprach nicht mehr mit dem Mund, sondern formulierte die Frage als Gedanke.&lt;br /&gt;„Das Unaussprechliche!“ Von überallher kam dieses Wort und bohrte sich in mich hinein, drang hervor aus unauslotbaren Tiefen. „Unaussprechlich ... unaussprechlich ... unaussprechlich ...“, hallte es tausendfach in mir nach.&lt;br /&gt;Buch, Schlüssel, Ei, ging es mir auf einmal durch den Sinn – Zeichen, Symbole des Unaussprechlichen?&lt;br /&gt;Und da überkam es mich. Mich? Nein, ich fühlte, ich wußte: Es überkam uns sechs, die drei Prinzen und die drei Prinzessinnen. War es eine Vision? Ein großer Traum?&lt;br /&gt;In der Mitte schwebte das Ei. Oder war es eine Kugel, eine goldene, eine gelbe Kugel? In der Mitte. In der Mitte wovon? Sie war riesig, gigantisch. Nein, sie war klein, winzig. In mir drin? Ich in ihr? Sie war nicht ich, ich war nicht sie, und doch waren wir verbunden, untrennbar, wie durch kleine, kaum sichtbare Stege. Mel war mit mir verbunden, und ich mit ihr. Und wir mit Amadeus. Und Ananda, Gua und Scheh. Die Kugel, das Ei: war es das Licht? Die Wärme? Das Leben? Aber: das Ei war – das Buch! Wir sechs: winzige Edelsteine des Buchs. Jetzt kreisten wir um das Buch, wir sechs, nein: wir 200, nein: Millionen, Milliarden. Die goldenen Strahlen des Buchs durchglänzten, durchströmten uns. Nun schwebten sie nebeneinander: das Ei – der Schlüssel – das Buch. Sie näherten sich einander und schienen eine Einheit zu bilden. Jetzt gebar das Ei das Buch und den Schlüssel, dieser schob sich ganz hinein in das Schlüsselloch des Buchs, der Deckel öffnete sich, und heraus schwebte – das Ei. Unaussprechlich. Unaussprechlich. Unaussprechlich.&lt;br /&gt;Als wir, nebeneinander liegend, erwachten, gleichzeitig erwachten, war es stockdunkle Nacht. Sofort wußten wir: Die Zeit war gekommen, die zweite Aufgabe zu lösen. Über uns sahen wir keinen Nachthimmel. Unter uns nichts als kalter Fels. Wir standen auf, Amadeus stieß mit seinem Kopf gegen die Decke, schrie auf und fluchte. Wo befanden wir uns hier? Wo hatte man uns hingebracht?&lt;br /&gt;Ich erinnerte mich an den Stein des alten Königs, sprach Ananda darauf an, er zog ihn hervor. Mit schwachem Schein beleuchtete er unsere Umgebung. Eine kleine Höhle, nach wenigen Metern stießen wir an ihre seitlichen Begrenzungen. Anscheinend hatte man uns hierhin gebracht und dann zugemauert. Die Luft würde nur für wenige Stunden reichen, dann würden wir ersticken. Wollte man uns umbringen? Eine seltsame Aufgabe: hier lebend herauszukommen.&lt;br /&gt;Ich beschwor Ananda, intensiv an unsere Rettung zu denken, vielleicht würde der Stein uns den Weg weisen und uns einen verborgenen Ausgang zeigen. Doch es half nichts, in welche Richtung Ananda den Stein auch trug, er leuchtete nicht stärker und nicht schwächer. Wir untersuchten die Wände genau, wir klopften sie ab in der Hoffnung, auf einen Hohlraum zu stoßen – nichts. Die Stunden vergingen. Unsere Angst, unsere Verzweiflung stieg an. Die Atemluft wurde knapp, Scheh war einer Ohnmacht nahe.&lt;br /&gt;Schließlich saßen wir, schwer atmend, nahe zusammen auf dem Boden und warteten, uns an den Händen haltend, auf den Tod.&lt;br /&gt;Mel fing an zu weinen. „Ich muß an die Höhle denken, in der meine Eltern gefangengehalten wurden. Sie sind darin ertrunken.“ Tränen rannen ihr übers Gesicht und tropften zu Boden. Ich versuchte, sie zu trösten, aber ihr Schluchzen wollte kein Ende nehmen.&lt;br /&gt;„Da!“ Gua schrie auf. „Da, auf dem Boden!“ Wir schauten hin. An der Stelle, wo Mels Tränen auftrafen, erschienen Lichtpunkte. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, daß die Tränen Löcher in den Fels bohrten; von unten herauf schien Licht, offenbar befand sich dort ein erleuchteter Raum.&lt;br /&gt;Jetzt weinten wir alle – vor lauter Freude. Unseren Tränen ließen wir freien Lauf, wohl wissend, was sie bewirken würden. Und tatsächlich, die Löcher im Boden wurden immer größer, frische Luft strömte uns von unten entgegen, bald schon konnten wir in den Raum unter uns blicken, wo große Mengen Stroh ausgebreitet lagen; offenbar hatte man sie in der Absicht dorthin gebracht, uns einen weichen Fall zu ermöglichen. Nach einer halben Stunde war der Boden derart löchrig geworden, daß ein paar kräftige Fußtritte genügten, eine ausreichend weite Öffnung für uns zu schaffen. Nacheinander ließen wir uns hindurch fallen und kamen alle wohlbehalten unten an.&lt;br /&gt;Ich hatte darauf bestanden, als Letzter nach unten zu kommen, da ich mich noch vergleichsweise kräftig fühlte. Als ich im Stroh landete, erklang Beifall, und das Volk, voran der Oberste Lehrer, strömte herein. Wir befanden und in dem Klassenraum, wo wir dem Alten zum ersten Mal begegnet waren.&lt;br /&gt;„Wir hätten Euch nicht umkommen lassen“, beteuerte er, und wir fühlten, er meinte es ehrlich.&lt;br /&gt;Die zweite Prüfung hatten wir geschafft – die dritte stand uns noch bevor – am nächsten Tag. Wieder führte der Lehrer uns zu dem See. Entsetzt mußten wir feststellen, daß die Insel überflutet war; gerade noch die Spitze des Iglus ragte aus dem Wasser. Wie sollten wir jetzt an den Schatz gelangen, ohne Taucherausrüstung?&lt;br /&gt;„Sorgt Euch nicht“, tröstete uns der Alte. „Alles steht unter Wasser, nicht jedoch der Raum des Goldes. Findet ihn auf neuem Wege und bergt den Schatz, dann ist er Euer. Einen Tag habt Ihr Zeit dafür.“ Mit diesen Worten verließ er uns.&lt;br /&gt;Schöne Bescherung. Hier sollte Unmögliches möglich gemacht werden. Wahrscheinlich lag die Schatzkammer nicht unterhalb des Sees, sondern ein wenig außerhalb; der Spiralgang hatte uns ja weit von seinem Zentrum weg geführt. Aber wie sollten wir ihre Lage orten? Und selbst wenn uns das gelänge: Wie sollten wir, ohne schweres Gerät, in solche Tiefe vordringen? Im Bronzenen Reich hätte sich schnell die passende Ausrüstung gefunden; aber hier stand nicht einmal das einfachste Werkzeug zur Verfügung.&lt;br /&gt;Ananda munterte uns auf: „Wir sind die drei Prinzen, und Prinzen finden immer einen Weg!“ Amadeus pflichtete ihm bei: „So ist's. Hier bedarf es des klaren Denkens organisierender Beamter – und selbstverständlich auch der musischen Einfühlung.“ Mit letzterem meinte er sich.&lt;br /&gt;So setzten wir uns zusammen, zeichneten Pläne in den Sand des Ufers, rechneten stundenlang – und waren am Nachmittag noch keinen Schritt weitergekommen. Wir hatten kaum zur Kenntnis genommen, daß die Frauen sich schon bald zurückgezogen hatten und anscheinend um den See herum spazieren gingen. Ganz niedergeschlagen waren wir schon, weil wir keine Lösung fanden, da rief von ferne Mel. Sie winkte uns von der anderen Seite des Sees her, zu ihnen zu kommen. Wir eilten hin.&lt;br /&gt;„Hier etwa muß es sein.“ Scheh deutete vor sich auf den Boden.&lt;br /&gt;„Wie kommst du darauf?“ Ananda blickt sie ungläubig an.&lt;br /&gt;„Seht selbst, hier zeigt sich in einer leicht gerundeten Spur ein anderer Bodenbewuchs als ringsumher; das Gras sieht ein wenig gelblicher aus. Ich habe von Kindheit an die Wuchsbedingungen der Pflanzen studiert; deshalb bin ich mir sicher, tief darunter verläuft der Spiralgang. Und hier, nur wenige Meter vom Uferrand entfernt, endet diese Spur. Sogar die Blüten an den Lianen über uns sind ein wenig heller als sonst. Direkt unter uns muß sich die Schatzkammer befinden.“&lt;br /&gt;„Und wenn dem so wäre,“ – Amadeus war nicht überzeugt – „wie kommen wir dann hinunter?“&lt;br /&gt;„Suchen wir doch einfach die nähere Umgebung ab“, versuchte Ananda zu beschwichtigen. „Vielleicht finden wir ja einen zweiten Zugang“.&lt;br /&gt;„Am besten geht jeder in eine Richtung“, schlug ich vor.&lt;br /&gt;„Hat uns die letzte Prüfung nicht gezeigt,“ wandte Mel vorsichtig ein, „daß es besser ist, zusammenzubleiben?“&lt;br /&gt;Ich fühlte, sie hatte recht.&lt;br /&gt;„Das ist es!“ rief Ananda begeistert aus. „Wir nehmen uns an der Hand und bilden einen Energiekreis! Dann ... dann wird sich schon zeigen, wie es weitergeht.“&lt;br /&gt;O je, dachte ich.&lt;br /&gt;Also schlossen wir uns zum Kreis zusammen und drehten uns, tanzten um einen imaginären Mittelpunkt innerhalb der gelblichen Grasfläche. Ringelreihen. Auch das noch!&lt;br /&gt;Kaum hatten wir uns ein oder zwei Minuten so bewegt, hielt Gua an. „Habt Ihr das gehört?“ Sie hüpfte einige Male auf einer Stelle; ich wunderte mich schon gar nicht mehr. „Na klar doch – unter uns ...“&lt;br /&gt;„... klingt es hohl“, ergänzte Amadeus. „Los, nochmal hüpfen, alle zusammen!“&lt;br /&gt;So taten wir es, und auf einmal begann die Fläche, auf der wir standen, in die Tiefe zu sinken, blieb aber nach einem Meter stehen.&lt;br /&gt;„Weitermachen!“ ordnete Ananda an, und mit jedem Sprung sank die Plattform ein Stück tiefer. Nach einigen hundert Metern ging es nicht mehr weiter – wir waren in der Schatzkammer angelangt. Ganz verschwitzt näherten wir uns der Vitrine – sie stand offen, der Schatz lag zum Greifen nahe vor uns.&lt;br /&gt;Ananda, Amadeus und ich tauschten Blicke. „Denken wir das Gleiche?“ fragte ich. Sie nickten. „So möchte ich dich bitten, Mel: Nimm du das Goldene Buch heraus, du hast verdient, es zuerst zu berühren!“ Ähnlich sprachen Amadeus und Ananda zu ihren Freundinnen. Ein feierlicher Augenblick! Die Frauen nahmen ehrfürchtig das Gold aus der Vitrine, traten dann aber sogleich vor uns hin, um es uns zu überreichen. „Ihr habt Euch doch so sehr danach gesehnt“, sprachen sie gleichzeitig.&lt;br /&gt;Ich war gerührt. Tränen traten mir in die Augen, ich umarmte Mel und küßte sie. Wie glücklich war ich, ans Ziel gelangt zu sein – gemeinsam mit Mel. Ich betrachtete das Buch von allen Seiten. Zusammen mit dem Schlüssel und dem Ei würde es die Oberflächler retten. Übrigens war es erstaunlich leicht und würde sich gut transportieren lassen.&lt;br /&gt;Jetzt mußten wir einen Weg nach oben finden. Wir betraten die grasbewachsene Platte, auf der wir nach unten gesunken waren.&lt;br /&gt;„Versuchen wir es mit Hüpfen.“ Wir versuchten es, doch die Plattform bewegte sich nicht. Sollten wir etwa wieder in eine gefährliche Situation geraten sein?&lt;br /&gt;Diesmal kam Ananda der rettende Einfall: „Wir tanzten doch oben zunächst im Kreis.“&lt;br /&gt;„Ja, und?“&lt;br /&gt;„Laßt es uns wieder versuchen. Aber diesmal in der entgegengesetzten Richtung.“&lt;br /&gt;Gesagt, getan. Diesmal wirkte unser anschließendes Hüpfen, die Platte bewegte sich langsam aufwärts.&lt;br /&gt;Als wir oben angekommen waren, erschöpft, aber glücklich, jubelte das versammelte Volk uns zu.&lt;br /&gt;„Ruht Euch diese Nacht noch bei uns aus,“ lud der Oberste Lehrer uns ein, „morgen begleiten wir Euch zum Ausgang.“&lt;br /&gt;&lt;p&gt;US-Marine&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So gut wie diese Nacht hatte ich schon lange nicht geschlafen. Gegen Morgen träumte ich davon, wie wir sechs in einen geräumigen Aufzug stiegen, auf den obersten Knopf drückten, und, während wir in rasender Fahrt aufwärts schossen, fröhlich Ringelreihen tanzten. Als wir oben angekommen waren, öffnete sich die Tür, und ... In diesem Moment wachte ich auf.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Einige Stunden später saßen wir, den Schatz in Tragetaschen verpackt, eng zusammen in der Kabine eines Ballons, der uns zur Erdoberfläche befördern sollte. Alle drei Frauen hatten beschlossen, mit uns in unsere Welt zu kommen. Der Abschied von der Bevölkerung des Goldenen Reichs war herzlich gewesen. Danach hatte man den zylinderförmigen Ballon mit Luft gefüllt, und wir hatten es uns in der wasserdichten Kabine bequem gemacht, so gut es eben ging. Jetzt baute man um uns herum die Schleusenmauern auf, die vom Höhlenboden bis zur Decke reichten und eine Überflutung der Höhle verhindern sollten. Dann öffnete sich langsam das Loch in der Decke; durch die transparenten Kabinenwände konnten wir sehen, wie allmählich immer mehr Wasser niederströmte. Als sich um unser Gefährt herum keine Luft mehr befand und das Deckenloch sich ausreichend vergrößert hatte, begann der Ballon seinen allmählichen Aufstieg durch die wassergefüllte Röhre, die im Meer mündete; in wenigen Minuten würden wir die Meeresoberfläche nahe dem Festland erreicht haben.&lt;br /&gt;Doch kaum hatte der Ballonflug im Wasser begonnen, stoppte mit einem Ruck unser Gefährt. Wir befanden uns höchstens auf der Ebene des Bronzenen Reichs. Diese unsere Vermutung schien sich zunächst zu bestätigen: Das Wasser um uns herum wurde abgesaugt, die Röhre öffnete sich, und ein Dutzend Männer und Frauen in silberfarbener, enganliegender Kleidung erschien bei der Kapsel und öffnete sie.&lt;br /&gt;„Folgt uns!“ befahl der vorderste Mann. Was blieb uns anderes übrig?&lt;br /&gt;Mit einem Fluggerät brachte man uns in eine Stadt, die ich noch nicht kannte; zwar ähnelte sie den anderen Städten des Bronzenen Reichs, ihre Häuser waren jedoch prachtvoller gestaltet. Mel, die ich fragend anschaute, wußte anscheinend selbst nichts über diese Gegend. Sollten wir uns hier in einer vierten Reichshöhle befinden?&lt;br /&gt;Wir landeten vor einem großen Palast; man führte uns hinein, verschloß die Eingänge und ließ uns in einem reich mit Fresken geschmückten Saal alleine. Mehr als eine Stunde mußten wir warten, ehe ein älterer Herr in einem diamanten funkelnden Gewand eintrat.&lt;br /&gt;„Seien Sie herzlich willkommen!“ begrüßte er uns freundliche. „Ich hoffe sehr, Sie haben kein zu großes Ungemach bei der Abholung erlitten. Meine Leute müssen mich mißverstanden haben, ich hatte sie gebeten, Sie mit aller Höflichkeit zu empfangen.“ Er sprach hochdeutsch! Ohne Akzent! Und es war keine Gedankensprache.&lt;br /&gt;Auf seine Bitte hin folgten wir ihm in sein Büro und nahmen dort in bequemen Sesseln Platz.&lt;br /&gt;„Sie wundern sich, daß ich mich mit Ihnen in Ihrer Sprache unterhalte. Nun, am besten stelle ich mich erst einmal vor. Ich bin der Hauptmeister der drei Reiche.“ Ananda übersetzte für die Frauen. „Sie befinden sich hier in der Leitungszentrale unserer Welt“, fuhr der Meister fort. „Nur wenige Führungskräfte der Reiche wissen, daß es uns gibt. Das einfache Volk hat noch niemals von uns gehört.“ Er schwieg. Offenbar wollte er uns Zeit geben, diese Informationen zu verdauen. Es war ja auch ein dicker Brocken, den wir da zu schlucken hatten. „Kurz gesagt: Wir überwachen von hier aus das Staatswesen, Stichworte: Regierung, Demographie, Frieden usw. – Ihnen als politisch gebildeten Beamten brauche ich keine Einzelheiten vorzustellen.“&lt;br /&gt;Unfaßbar, was wir da hörten!&lt;br /&gt;„Ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, daß wir hier in der Zentrale uns in der Welt der Oberflächler bestens auskennen. Tausende der Unseren sind dort stationiert. Wie würden Sie sie nennen: Spitzel? Spione? Bezeichnen wir sie doch einfach als Beobachter ... Auch Sie drei haben wir beobachtet – vom Anfang Ihrer Suche an. Ihr Eindringen in unsere Welt geschah mit unserer Billigung. Zugegeben, zeitweise verloren wir Sie dann aus den Augen. Doch jetzt haben wir Sie wiedergefunden.“ Er grinste.&lt;br /&gt;Weshalb war er so offen uns gegenüber? Wir sollten es sogleich erfahren: „Mit Ihrem Wissen über unsere Existenz können wir Sie selbstverständlich nicht in Ihre Welt zurückkehren lassen. Sie müssen uns schon verstehen: Unsere eigene Sicherheit wollen wir nicht gefährden.“&lt;br /&gt;Ich dachte daran, was Mel mir über die Angst dieser Menschen berichtet hatte. Anscheinend waren die Bewohner des Goldenen Reichs, die uns zurück in unsere Heimat schicken wollten, von dieser Angst nicht betroffen.&lt;br /&gt;„Wir werden Ihnen bei uns ein angenehmes Leben ermöglichen. Ja, wir werden sogar den Goldschatz, für den wir hier keine Verwendung haben, Frau Zwerchnase zukommen lassen – ohne Mitteilung seiner Herkunft.“ Nicht ohne Eitelkeit fügte er hinzu: „Sie sehen, wir sind bestens informiert.“&lt;br /&gt;Er rief seine Wachen, die uns aus dem Palast führten. Das Gold ließ er uns mitnehmen; offenbar ging er davon aus, diese für ihn bedeutungslosen Gegenstände könne er auch später noch in die Oberwelt schicken.&lt;br /&gt;Vor dem Haus, das man uns zur Verfügung stellte, wurden mehrere Wachen plaziert. Es war komfortabel eingerichtet; man bevorzugte hier permanente, nicht erst durch Klopfcode neu entstehende Möbel.&lt;br /&gt;Über mangelnde Versorgung konnten wir uns nicht beklagen; auch Spaziergänge, Theaterbesuche und ähnliches wurden uns erlaubt – selbstverständlich immer in Begleitung einiger Wachleute. An Flucht war vorläufig nicht zu denken. Oder vielleicht doch? Mel, die Kenntnisse der Chemie besaß, und Scheh, die viel von Blüten und Düften verstand, arbeiteten zusammen einen Plan aus, der uns andere schnell überzeugte. Auf Gängen durch die Landschaft pflückte Scheh bestimmte Blumen, angeblich zur Zierde unserer Unterkunft; Mel wiederum sammelte, auch dies unverdächtig, verschiedene Steine und Mineralien. Im Haus zogen sie sich in ein Zimmer zurück und entwickelten im Laufe zweier Wochen einen angenehm riechenden Duftstoff, der stark betäubend wirkte. Als ich – trotz Warnung – daran schnupperte, fiel ich sofort in tiefen Schlaf und erwachte erst nach Stunden. Fortan nahmen wir mehrere Tage lang ein Pulver ein, das uns gegen diese Wirkung immunisieren sollte.&lt;br /&gt;Der Plan: durch Lärm wollten wir die Wachen ins Haus locken, der Betäubungsduft würde sie außer Gefecht setzen, wir würden ihre Kleidung anziehen und uns eines Fluggeräts bemächtigen, das Mel dann zu der mit dem Meer verbindenden Röhre fliegen sollte, dort würden sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Tauchkapseln oder Mini-U-Boote finden, durch die vermutlich auch Spione in die Oberwelt befördert wurden.&lt;br /&gt;Ich erinnere mich noch an den Lärm, den wir im Haus machten. Dies war das Letzte, dessen ich mich deutlich entsinne, als ich in dem Boot erwachte. Neben mir Amadeus und Ananda, die soeben auch ihre Augen aufschlugen. Um das Boot herum, das aus zwei Halbkugeln bestand, das offene Meer. Mit im Boot: der Goldschatz.&lt;br /&gt;Auch meine Begleiter konnten sich nicht erinnern, wie wir in diese Situation gekommen waren. Was war geschehen? Und was war mit unseren Freundinnen?&lt;br /&gt;Tiefe Trauer erfaßte mich, Mel und ich könnten von nun an immer voneinander getrennt sein.&lt;br /&gt;Das Gold hatten wir bei uns, gut. Aber wie sollten wir gerettet werden? Kein Festland, keine Insel war in Sicht, die Sonne – die echte Sonne – brannte unbarmherzig vom Himmel, Proviant hatten wir keinen, nicht einmal Trinkwasser, und niemand wußte etwas von uns und hätte daher Rettungsmaßnahmen einleiten können.&lt;br /&gt;Stunden um Stunden vergingen, die Abenddämmerung nahte. Großer Durst quälte uns, wir befanden uns kurz davor, Meerwasser zu trinken. Da hörten wir ein Motorengeräusch, das immer lauter wurde; hoffnungsvoll hielten wir nach allen Seiten Ausschau, schließlich sichtete Ananda einen Helikopter. Wir winkten wild mit den Armen, um gesehen zu werden, und tatsächlich entdeckte man uns. Aus dem Fluggerät ließ man eine Rettungsleiter herab, und nicht lange danach befanden wir uns in Sicherheit.&lt;br /&gt;Es handelte sich um einen großen Militärhubschrauber der US-Marine, in dem wir jetzt vorsorglich in Decken gehüllt wurden. Der Pilot und die anderen Soldaten sprachen unterwegs kein Wort. Nach einer halben Stunde landeten wir auf einem Flugzeugträger.&lt;br /&gt;Nachdem man uns Wasser zum Durstlöschen gereicht und uns ärztlich untersucht hatte, brachte man uns zur Kabine des Kapitäns. Neben ihm standen – Mel, Gua und Scheh! Überglücklich schlossen wir sie in die Arme, erst dann wandten wir uns dem Kapitän zu und dankten ihm für unsere Rettung.&lt;br /&gt;„Es ist eine große Ehre für mich,“ sprach er in gebrochenem Deutsch, „an Ihrer Mission, der ‚Operation Weltrettung‘, mitwirken zu dürfen!“ Er salutierte vor uns.&lt;br /&gt;Ich glaube, mir stand der Mund offen. Keiner von uns Prinzen wußte etwas zu sagen. Von den Frauen konnte sein Wissen nicht kommen, sie sprachen kein Englisch, und auf deutsch konnten sie allenfalls einzelne Wörter reden.&lt;br /&gt;Der Kapitän verabschiedete sich und ließ uns alleine in seiner Kabine. Sogleich bestürmten wir unsere Freundinnen mit Fragen: Wie waren sie auf das Schiff gelangt? Und wir in das Boot? Was hatte sich zuvor „unten“ abgespielt? Und woher wußte der Kapitän um unsere Mission?&lt;br /&gt;Abwechselnd erzählten sie, was sich zugetragen hatte: Das Pulver, das uns vor der Ohnmacht bewahren sollte, wirkte bei ihnen wie vorausberechnet, bei uns Männern jedoch nur unzureichend, was damit zusammenhängen mochte, daß wir einem anderen Volk angehörten. Schon als wir, die Wachen betäubt zurücklassend, im Schutz der anbrechenden Nacht das Haus verließen und uns auf die Suche nach einem Fluggerät machten, fühlten wir uns benommen und wußten nicht, wo wir waren. Kaum hatten wir eine Maschine gefunden, sanken wir ohnmächtig zu Boden. Unsere Freundinnen hoben uns mühsam in das Gerät und, sobald wir am Zielort angelangt waren, wieder heraus. Mit letzter Kraft schleiften sie uns zu den Kapseln, die sie bei der Röhre fanden. Leider paßten nur jeweils drei Personen hinein, so setzten sie uns in eine der Kugeln, schlossen sie, schoben sie in die Röhren-Schleuse und ließen uns nach oben aufsteigen, anschließend bestiegen auch sie eines der Minifahrzeuge. Ihr Aufstieg begann mehrere Minuten nach dem unseren, und als sie oben angekommen waren und sich die Kapsel in die Form zweier Halbkugeln öffnete, konnten sie unser Gefährt nicht sichten; vermutlich hatte eine Meeresströmung es abgetrieben. Gua erkannte bald, daß ihr Boot einen Motor besaß, und fand heraus, wie man ihn in Gang setzte und das Fahrzeug über Wasser steuerte. Sie suchten die nähere Umgebung ab, fanden uns aber nicht, trafen vielmehr nach einiger Zeit auf den Flugzeugträger, dessen Besatzung sie dann „rettete“. Dem Kapitän konnten sie mit Gebärden und einigen Brocken in deutsch verdeutlichen, daß ein weiteres Boot mit drei Mann auf offener See treibe, woraufhin er vier Hubschrauber losschickte, die nach uns forschen sollten. Mehr hätten sie ihm nicht mitgeteilt, und er hatte sich auch nicht nach weiterem zu erkundigen versucht, obwohl er aufgrund des ihm unbekannten Wasserfahrzeugs und der für ihn fremdartigen Kleidung allen Grund dazu gehabt hätte.&lt;br /&gt;Als der Kapitän nach etwa einer Stunde zu uns zurückkehrte, stellte Amadeus ihn wegen seines Wissens um unsere Mission forsch zur Rede. Der Angesprochenen, zunächst überrascht über einen solchen Tonfall, den er als Kommandant nicht gewohnt war, gewann rasch seine Souveränität zurück und erklärte uns, er dürfe keine näheren Auskünfte erteilen, nur soviel, daß er beauftragt worden sei, hier unsere Ankunft abzuwarten und uns anschließend heil nach Germany zu befördern.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Verschmelzung und Geburt&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zurück in der Heimat! Wie genossen wir sechs das natürliche Licht und die frische, duftende Luft, als wir, kaum daß wir mit der Militärmaschine in Berlin gelandet waren, zunächst einen längeren Spaziergang durch Feld und Wald unternahmen. Unsere Prinzessinnen, durch unsere Berichte über die heimische Landschaft neugierig geworden, hatten sich dies so sehr gewünscht, und auch wir hatten uns im Grunde unseres Herzens danach gesehnt, wieder vertraute Gegenden zu durchstreifen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Dann brachte man uns auf kürzestem Wege ins Ministerium für Besondere Angelegenheiten. Selbstverständlich kamen unsere Freundinnen mit, wir hatten darauf bestanden. Noch in unsere silberne Kleidung gehüllt, betraten wir den „Saal der Zukunft“. Außer der Ministerialdirektorin Zwerchnase waren nur drei hochrangige Naturwissenschaftler anwesend; wegen der ungeheuren Wichtigkeit der Angelegenheit sollten zunächst nur wenige Personen von den Ergebnissen unserer Expedition Kenntnis erhalten.&lt;br /&gt;Nachdem wir Mel, Gua und Scheh vorgestellt hatten, berichteten wir nacheinander zusammenfassend von unseren Erlebnissen in den Höhlenreichen. Unsere Zuhörer zeigten sich über alle Maßen erstaunt, als wir von der Welt unter dem Meer und ihren Bewohnern erzählten; wenn unsere Freundinnen nicht als Angehörige dieses Volks bei uns gewesen wären und ich nicht demonstriert hätte, wie unsere Silberbekleidung sich von alleine um unsere Körper legte, hätten uns die Offiziellen, nach ihrer eigenen Bekundung, wohl nicht geglaubt.&lt;br /&gt;Frau Zwerchnase äußerte sich verärgert darüber, daß die Gründler uns nicht in unsere Heimat hatten zurückkehren lassen wollen. „Das wird mit Sicherheit politische Konsequenzen haben!“ fauchte sie, als hätten zwischen uns „Oberflächlern“ und dem Untermeeresvolk seit langem zwischenstaatliche Beziehungen bestanden.&lt;br /&gt;„Weshalb kreuzte der US-Flugzeugträger gerade zu der Zeit auf, als wir zur Erdoberfläche zurückkehrten? Und das auch noch nahe der Stelle unseres Auftauchens?“ Amadeus war mißtrauisch.&lt;br /&gt;„Vermutlich eine Sache höherer Politik“, redete die Ministerialdirektorin sich auf Unwissenheit heraus. „Für Zufälle sind wir nicht verantwortlich“, ergänzte einer der Wissenschaftler. Wunderte er sich nicht über diesen Zufall?&lt;br /&gt;„Das ist jetzt unwichtig“, wechselte Frau Zwerchnase barsch das Thema. „Wichtig ist, daß Ihre Suche Erfolg hatte.“&lt;br /&gt;Wir packten den Schatz aus und legten ihn auf den Tisch. Die Wissenschaftler äußerten Bewunderung und betrachteten ihn von allen Seiten, wagten aber nicht, ihn zu berühren.&lt;br /&gt;„Sie fertigen bitte innerhalb von drei Tagen Protokolle über Ihre Reisen“, beauftragte Frau Zwerchnase uns. „Ich möchte alles wissen. Jedes Detail kann wichtig sein, um herauszufinden, wie das Gold uns den Weg aus der Weltkrise weist! – Und Sie, meine Herren,“ wandte sie sich an die Wissenschaftler, „untersuchen bitte, gemeinsam mit Ihren Kollegen, diese Gegenstände mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.“&lt;br /&gt;Wir drei Paare wurden in Villen untergebracht, die sich inmitten militärischen Geländes befanden. Tag und Nacht bewachte man unsere Unterkünfte. Zwar durften wir in Berlin und der näheren Umgebung Spaziergänge unternehmen, aber immer begleitet von Leibwächtern. Gespräche mit anderen waren uns verboten; mir war, offen gestanden, ganz lieb, daß ich auch Ulrike nicht anrufen durfte. So kamen wir uns im großen und ganzen eher als Gefangene denn als Menschheitsretter vor. Nun gut, wir Prinzen waren Beamte, und in dieser Funktion Gehorsam und Pflichtbewußtsein gewohnt.&lt;br /&gt;Die Anfertigung meines Berichts fiel mir nicht besonders schwer, zumal ich meine Tagebuch-Aufzeichnungen hatte retten können. Unsere Protokolle wurden, nachdem Frau Zwerchnase sie geprüft und freigegeben hatte, der Wissenschaft weitergereicht und von dieser ausgiebig analysiert. Mehrere Stunden lang befragte man auch unsere Freundinnen, wobei wir Prinzen dolmetschten. Die Ergebnisse der einzelnen Wissenschaftsgruppen diskutierte anschließend ein interdisziplinäres Gremium. Nach zwei Wochen brach man die Diskussionen ab.&lt;br /&gt;„Leider ist es nicht gelungen, das Wissen zu gewinnen, das uns der Goldschatz bringen sollte.“ Frau Zwerchnase hatte uns Prinzen zu einem Gespräch befohlen und wirkte dabei deprimiert. „Das Buch läßt sich nicht öffnen, auch nicht mit dem Schlüssel. Untersuchungen mit Röntgen, Infrarot und Ultraschall, mit Mikroströmen usw. haben uns nicht im geringsten weitergebracht. Die besten Mathematiker, Physiker, Chemiker, Kryptographen sind gescheitert. Unsere Experten sind ratlos. Zuletzt kam der Vorschlag, Ei und Buch gewaltsam zu öffnen.“&lt;br /&gt;„Auf keinen Fall!“ rief Ananda. „Meine Intuition sagt mir, daß wir damit alles zerstören würden. Gewalt entleert den Sinn.“&lt;br /&gt;„Hm, so ähnlich habe ich es schon vermutet“, nickte die Direktorin. „Und eine Labor-Beobachtung unterstützt diese Vermutung: Steckt man den Schlüssel ins Schloß und versucht, ihn mit verstärkter Kraft zu drehen, so verliert das Buch deutlich an Gewicht; läßt man dann den Schlüssel los, wiegt das Buch wieder so viel wie vorher. Es steht zu befürchten, daß bei zu großem Kraftaufwand ein dauerhafter Gewichtsverlust eintritt – und damit ein Verlust des Buchinhalts.“ Sie schwieg kurz und senkte ihre Augen. „Daher wollte ich Sie, verehrte Herren Prinzen, bitten, mit Ihrem Prinzenglück unser Problem zu lösen. Sie ... Sie waren ja auch die einzigen, die den Schatz beschaffen konnten.“ Sie sprach freundlich, fast so, als ob sie um Verzeihung bäte. Das war kein Befehl mehr, das war ein Hilferuf.&lt;br /&gt;Wenig später saßen wir drei alleine in einem gemütlichen Raum, an dessen Wänden Bilder von Pinocchio hingen. Amadeus kam gleich auf den Punkt: „Denkt Ihr auch an unsere gemeinsame Vision?“&lt;br /&gt;Ananda und ich nickten.&lt;br /&gt;„Und hat darin nicht das Ei den Schlüssel und das Buch hervorgebracht, gleichsam geboren ...“&lt;br /&gt;„... und anschließend der Schlüssel das Buch aufgeschlossen?“ vervollständigte Ananda.&lt;br /&gt;„So sah ich es auch“, bestätigte ich.&lt;br /&gt;„Also müssen ...“&lt;br /&gt;„... Buch und Schlüssel ...“&lt;br /&gt;„... aus dem Ei kommen, somit ...“&lt;br /&gt;„... zunächst in dieses versenkt werden!“&lt;br /&gt;„Und wie lange drinnen bleiben?“&lt;br /&gt;„Das müssen wir abwarten, es liegt nicht an uns.“&lt;br /&gt;„Was vermutet Ihr?“&lt;br /&gt;„Drei Tage.“&lt;br /&gt;„Weshalb drei?“&lt;br /&gt;„Wegen der Dreizahl der Gegenstände.“&lt;br /&gt;Innerhalb einer Minute hatten wir die Lösung gefunden. Zumindest hofften wir es.&lt;br /&gt;Kurz darauf standen wir mit Frau Zwerchnase in der Kammer, in der der Schatz aufbewahrt und die von außen strengstens bewacht wurde.&lt;br /&gt;„Jeder Prinz nimmt sein Stück in die Hand“, schlug ich vor. „Dann gehen wir aufeinander zu, bis die drei Teile sich berühren.“&lt;br /&gt;Vorsichtig näherten wir uns einander. Als die Goldteile nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren, merkten wir, wie sie sich auf einmal gegenseitig anzogen. Mit einem Ruck flogen sie aus unseren Händen, klebten, frei in der Luft schwebend, zusammen, und langsam verschwanden Buch und Schlüssel in dem Ei. Wir waren so von dem Vorgang ergriffen, daß wir vergaßen, einen möglichen Absturz des Eis zu verhindern. Doch es blieb unbewegt in der Luft stehen. Dafür hörten wir hinter uns ein Geräusch: Frau Zwerchnase war ohnmächtig umgefallen, offenbar hatte dieser märchenhafte Vorgang sie zu sehr erschüttert. Nachdem sie ihr Bewußtsein wiedererlangt hatte und auf den Beinen war, stellten wir ein Tisch unter das Ei, damit es nicht zu Boden fiele. Jetzt konnten wir nur noch geduldig abwarten, ob sich unsere Vermutung bestätigen würde.&lt;br /&gt;In der folgenden freien Zeit verbrachte ich viele schöne Stunden mit Mel. Wir schauten uns manche Dokumentar- und Reisefilme an, damit sie meine Welt immer besser kennenlerne. Häufig saßen wir einfach nur beieinander und plauderten. Sie kam gelegentlich auch auf Ulrike zu sprechen, an die ich immer häufiger denken mußte. Mir war gar nicht wohl zumute, wenn von ihr die Rede war. Irgendwann mußte ich ihr schließlich sagen, daß es mit uns aus sei. Erst seit ich Mel kenne, weiß ich, was Liebe bedeutet.&lt;br /&gt;Nach Ablauf von genau drei Tagen nach der Ei-Verschmelzung fanden sich zehn Personen in der Schatzkammer zusammen: wir Prinzen, die drei Wissenschaftler und Frau Zwerchnase; hinzu kamen diesmal Mel, Gua und Scheh, da sie gegebenenfalls aufgrund ihrer Kenntnis der Unterwasserwelt zum Verständnis der Botschaft des Buches beitragen konnten.&lt;br /&gt;Gespannt warteten wir, auf Stühlen um das immer noch schwebende Ei herum sitzend, ob sich etwas ereignen würde. Und tatsächlich: zu dem erwarteten Zeitpunkt begann das Ei ein Geräusch von sich zu geben, ein Knacken, als ob es auseinanderbräche; langsam spaltete es sich in zwei Teile, und aus dem Inneren drang ein gleißend helles Licht, das uns nötigte, vorübergehend die Hände vor die Augen zu halten. Dann schwebten der Schlüssel und das Buch heraus, die Eihälften verschmolzen wieder miteinander, es strahlte kein Licht mehr heraus, und schließlich sanken Ei, Buch und Schlüssel auf den Tisch nieder, wo sie nebeneinander liegenblieben.&lt;br /&gt;Obwohl wir uns alle auf die Möglichkeit eines solchen Geschehens vorbereitet hatten, blieben wir dennoch wie angewurzelt sitzen und wagten nicht, auch nur ein Wort über diesen ungeheuren Vorgang zu verlieren. Schließlich, nach Minuten, erhob sich die Ministerialdirektorin langsam von ihrem Stuhl, streckte behutsam ihre Hand aus und griff, wobei sie ein mutmachendes „Ja, ich tu's“ flüsterte, nach dem Schlüssel. Vorsichtig hob sie ihn hoch, als könne er bei unsachgemäßer Handhabung explodieren oder sich in Luft auflösen, bewegte ihn sacht auf das Buch zu und führte ihn dann Millimeter um Millimeter in die Schloßöffnung ein. Obwohl der Schlüsselstab deutlich länger war, als das Buch an Dicke aufwies, ließ er sich ganz hineinstecken; die letzten Zentimeter schien das Buch geradezu begierig in sich hineinzusaugen. Erschreckt zog Frau Zwerchnase ihre Hand zurück, als könnte auch diese Opfer der Begierde des Buches werden. Es gab einen Knall, und der Buchdeckel flog auf. Neugierig schauten wir ins Innere des Buchs und stellten bestürzt fest, daß sich in ihm – nichts befand, kein Papier, keine beschriebenen Pergamentrollen, keine gravierten Metallplatten, noch nicht einmal der Schlüssel, rein gar nichts. Wir wankten zu unseren Stühlen zurück, schwiegen zunächst fassungslos, dann brach es aus uns heraus, wild redeten, ja schrieen wir durcheinander. Man hatte uns hereingelegt, betrogen. Ein Riesenaufwand, der keinerlei Ergebnisse gebracht hatte. Bald war sogar die Rede von dem „verlogenen Volk“ der Gründler. Dem konnten wir Prinzen nicht zustimmen, schließlich entstammten unsere Freundinnen diesem Volk. Beinahe wären Enttäuschung, Wut und Beschuldigungen in einen handfesten Streit ausgeartet, wenn sich nicht auf einmal ein tiefer Friede unser bemächtigt und unsere Gemüter beruhigt hätte. Binnen kurzem saßen wir ruhig und entspannt auf unseren Stühlen, niemand sprach mehr ein Wort. Ich hatte das deutliche Gefühl, dem geöffneten Buch entströme ein beruhigendes Fluidum. Schließlich fühlten wir alle uns unfaßbar wohl, befreit, glücklich. Und auf einmal begann jeder von uns, in ein neues Leben einzutreten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Das andere Sein&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was ich jetzt beschreibe, erlebten im folgenden die anderen und ich. Das Wundersame: jeder von uns machte in seiner märchenhaften Vision die gleichen Erfahrungen, bestand die gleichen Abenteuer, erlitt die gleichen Schmerzen, wurden von den gleichen Freuden beglückt; Unterschiede gab es zwar im Geschlecht des Erlebenden, ansonsten aber nur in unbedeutenden Einzelheiten. Dabei durchlebte jeder diese Schau für sich alleine. Es war zehnmal die gleiche Geschichte, jedesmal mit einer anderen Hauptperson.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Wir fanden uns wieder als Sohn bzw. Tochter eines Königs in einem großen, herrlichen Königreich. Eines Tages sprach der König, mein Vater, zu mir: „Mein Kind, ich möchte dich in die weite Welt senden. Du sollst sie durchwandern und dabei vor allem die Menschen kennenlernen.“&lt;br /&gt;„Gerne, Vater, will ich dieser Weisung folgen. Welches ist der Zweck dieser Reise, wie lautet meine Aufgabe?“&lt;br /&gt;„Du sollst, mein Kind, die größte Weisheit suchen, die in der Welt zu finden ist. Wenn du sie gefunden hast, wirst du zurückkehren zu mir, und unsere gemeinsame Freude darüber wird unermeßlich sein. – Doch bedenke, du wirst es nicht leicht haben und so manches Hindernis überwinden müssen. Denn ich sende dich nicht als Königskind, vielmehr wirst du Mensch sein unter Menschen. Deine Herkunft wirst du vergessen, doch dein Herz wird dich drängen, die Wahrheit zu suchen.“&lt;br /&gt;In der Welt fand ich mich wieder, ohne mich zu erinnern, wer ich war. Ich entsann mich nur, als Sohn eines Taschendiebs und einer liebenden Mutter in einer Sozialwohnung aufgewachsen zu sein. Die Ehe meiner Eltern war nicht glücklich. Im Laufe der Jahre verfiel meine Mutter immer mehr dem Trinken. Sie sagte: „Mir fehlt etwas im Körper, das die gesunden Menschen besitzen.“ Wir waren sechs Geschwister, drei Mädchen und drei Jungs. Wegen der „asozialen“ Familiengröße hatten wir nur wenige Freunde. Schon früh weihte unser Vater uns in seine Kunst ein, und so trugen wir Kleinen dazu bei, seine Börsensammlung zu vermehren. Den größten Teil des derart eingenommenen Geldes verspielte er. Diese Zeit endete, als er ins Gefängnis kam und Mutter starb; wir Jugendlichen verstreuten uns in alle Welt.&lt;br /&gt;Und jetzt, an meinem zwanzigsten Geburtstag, stand ich vor der Villa des Mannes, dessen Leben ich vor wenigen Tagen gerettet hatte. Aufgrund eines Schwächeanfalls war er auf die Gleise einer sich rasch nahenden Straßenbahn gefallen; im letzten Moment hatte ich ihn auf den Bürgersteig zurückziehen können.&lt;br /&gt;Als wir nun am Kaffeetisch saßen, bot er mir an, mich beruflich zu fördern. Schnell stellte sich heraus, daß er die dazu erforderlichen Mittel besaß, denn er war Vorstandsvorsitzender eines internationalen Konzerns.&lt;br /&gt;Ich ergriff die Chance, und tatsächlich machte ich bald Karriere als Unternehmensberater. Mit dreißig besaß ich meine erste Million, doch war ich damit keinesfalls zufrieden. Mir war inzwischen klar geworden, was ich wollte: das Leben genießen, und zwar in seiner ganzen Fülle. Schon von Kindheit an wußte ich, daß mir das, womit die meisten Menschen sich abfanden, nicht genügte. Ich begehrte mehr als der Durchschnitt, in mir brannte die Sehnsucht nach Größerem. Ich war auf der Suche nach etwas, das ich damals noch nicht kannte. Und ich ahnte: Eigentlich steckt in allen Menschen solch ein Verlangen, doch ist es in ihnen verschüttet oder im Laufe ihres Lebens versandet, wenn es sich auch mehr oder weniger häufig in Unzufriedenheit bemerkbar macht und dem Gefühl, daß irgend etwas zum wahren Glück und zur wirklichen Erfüllung fehlt.&lt;br /&gt;Ich meinte nun, meine Sehnsucht durch üppigen Lebensgenuß stillen zu können. Da mein Reichtum beständig anwuchs, fiel es mir nicht schwer, immer aufs neue Freundinnen zu finden, mit denen ich mich ausgiebig vergnügte. Mehr jedoch strebte ich Anerkennung und Macht an, und ich bekam sie. Nach und nach übernahm ich – trotz meiner vergleichsweise jungen Jahre – die Führungsposition in mehreren einflußreichen Wirtschaftsverbänden und erntete eine Ehrung nach der anderen. Schließlich gab es kaum mehr wirtschaftspolitische Entscheidungen, in der die Politik mich nicht um Rat fragte, und so war ich maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt.&lt;br /&gt;Ich sonnte mich im Gefühl meiner so erlangten Macht. Und dennoch: mein Glück war nicht vollkommen, irgend etwas fehlte.&lt;br /&gt;Mit Fünfzig gestand ich mir endlich ein, daß ich mich auf der falschen Fährte befand. Entschlossen, doch noch mein Glück zu finden, riß ich das Ruder herum: Nicht mehr in Oberflächlichkeiten suchte ich die Erfüllung meines inneren Verlangens, sondern in der Dimension des Geistes. Radikal zog ich mich von anderen Menschen zurück, gab meine verschiedenen Posten auf und widmete mich fortan der Bildung, der Kultur, der Literatur, der Philosophie. Nach langem, ausgiebigem Studium aller möglichen weisen Lehren beschloß ich, edel und tugendhaft zu werden. Ich wollte mein Ich perfektionieren und auf Hochglanz polieren. Dazu freilich war es erforderlich, mich von jedem zu sondern, der mich wieder in die Niederungen des menschlichen Lebens herunterziehen konnte. Und tatsächlich, je weiter ich auf diesem Weg voranschritt, um so zufriedener wurde ich. Es beglückte mich, eine neue, große Aufgabe vor mir zu haben, die Umgestaltung meiner selbst aus einer Kreatur, die sich von äußerlichen Reizen hatte verführen lassen, zu einer glänzenden Perle der Tugendhaftigkeit. Meinen Reichtum gab ich hin, um Bücher mit weisen Tugendsprüchen an möglichst viele Haushalte zu verschenken, ich selbst übte mich in Askese, um alles Negative aus mir auszutreiben und mein Selbst aus der Asche des plump-weltlichen Daseins auf den Thron der Reinheit zu erheben.&lt;br /&gt;Doch dann brach ich zusammen. Mein unedler Körper versagte dem edlen Geist seine Gefolgschaft. Die Ärzte kämpften wochenlang um mein Leben. Schließlich wehrte ich mich nicht mehr gegen ihre Bemühungen, mich zur Aufnahme ausreichender Nahrung zu bewegen – und von diesem Zeitpunkt an ging es mir besser.&lt;br /&gt;Allmählich dämmerte mir, daß ich mich erneut auf dem falschen Weg befunden hatte. Je besser ich mich fühlte, um so mehr erkannte ich, daß mein Bestreben nach Tugendhaftigkeit und Reinheit – ebenso wie vorher meine Genuß- und Machtgelüste – zwar mit meiner Suche nach etwas Höherem zusammenhingen, aber zugleich Ausdruck eines ausgeprägten Egoismus waren. Meine kalte, abstrakte, menschenabgewandte und letztlich menschenverachtende „Spiritualität“ war der Tanz um das Goldene Kalb meines Ich gewesen – das Wohl der anderen hatte mich nicht gekümmert.&lt;br /&gt;Diese Erkenntnis schien mir wie ein Geschenk – zugleich ergriff mich beinahe Verzweiflung, denn ich hatte alles verloren.&lt;br /&gt;Im Krankenhaus lernte ich als Endsechziger Schwester Monika kennen, die sich wie ich für Literatur interessierte. Sie stand kurz vor ihrer Verrentung. Nach meiner Entlassung traf ich mich häufig privat mit ihr, und schließlich beschlossen wir, zusammenzuziehen und zu heiraten. Wir verbrachten glückliche Jahre miteinander, die jedoch zunehmend häufig durch ihre wochenlangen depressiven Schübe getrübt wurden. In diesen Zeiten bemühte ich mich besonders, sie aufzumuntern. Ich schrieb Gedichte, Kurzgeschichten, Erzählungen, trug sie ihr vor, sprach meine Ideen mit ihr durch und konnte ihr dadurch die eine oder andere kleine Freude bereiten. Tausend Einfälle gingen mir durch den Kopf, ich wunderte mich selbst darüber. Diese Zeit erlebte ich so intensiv wie noch keine je zuvor; noch niemals hatte ich so sehr gelebt. Monikas endogene Depression wurde jedoch immer schlimmer, und ich litt furchtbar mit ihr, bemühte mich aber, es sie nicht merken zu lassen. Und dann mußten wir eines Tages erfahren, daß sie an Darmkrebs erkrankt – und es zu spät für eine Operation war. An dem Tag, als sie starb, sagte sie zu mir: „Du bist ein weiser Mensch – denn du liebst wahrhaftig.“&lt;br /&gt;Lange Zeit litt ich unter Monikas Tod – zugleich ahnte ich, daß sie sich nunmehr in einer besseren Welt befand, wo es ihr gut ging, und das tröstete mich. Nach drei Jahren, als der größte Schmerz nachgelassen hatte, erkannte ich, wie sehr ihr Wohl mir die ganze Zeit unseres Zusammenseins über am Herzen gelegen hatte, ohne daß ich mir Gedanken darüber gemacht hatte. Ich war für sie dagewesen, für uns beide; ihre Nähe, unsere Gemeinschaft, unsere Liebe waren mir wichtiger als alles andere. Die Liebe war das Leben, und bei allem Schmerz, ohne den es gar kein Leben gibt, für Monika und mich auch die größte Erfüllung.&lt;br /&gt;Ich beschloß, ein Buch über die Liebe zu schreiben – und über ihre universale Wirkung. Liebe – ging mir durch den Sinn – macht den Menschen edel, ohne daß er Tugendkataloge abarbeiten muß. Liebe erweckt verborgene Fähigkeiten und die Neugier am Leben, läßt dadurch die Phantasie erblühen ... Ja, liebende Neugier in unserer Zeit der Äußerlichkeiten, der Ablenkungen, der Oberflächlichkeiten: die einzige Chance, noch wirkliche Phantasie zu entwickeln. Ich lächelte – in diesem Moment versagte mein Herz, ich starb.&lt;br /&gt;„Nun, mein Sohn,“ sprach der König, als ich wieder vor ihm stand, „ich sehe wohl, die hast die größte Weisheit gefunden, die es gibt.“&lt;br /&gt;„Gewähre mir die Freude, Vater, helfen zu dürfen, die Liebe in die Welt zu tragen.“&lt;br /&gt;„Es wird auch meine Freude sein. Setz deine Phantasie ein, deine Liebe wird sie zum Leben erwecken.“&lt;br /&gt;&lt;p&gt;Lohn&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als wir aus der Vision erwachten, aus unserem anderen Leben in unser jetziges Sein zurückkehrten, waren Ei und Buch verschwunden. Vielleicht waren sie, auf geheimnisvolle Weise, wieder zurückgekehrt zu den Gründlern. Keiner von uns wunderte sich darüber. Von der Botschaft, die wir nicht nur vernommen, sondern im Innersten erlebt hatten, waren wir zutiefst durchdrungen, so sehr, daß es des Buches als Vermittler nicht mehr bedurfte.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;Die Wissenschaftler stellten bei uns einen deutlichen Anstieg des Phantasie-Faktors sowie eine Abnahme der CO2-Konzentration im Blut fest. Die Frage war, wie sich unsere Erkenntnisse anderen Menschen vermitteln ließen. Zu diesem Zweck wurde eine zweihundertköpfige Sonderkommission einberufen, die sich – wie nicht anders zu erwarten – sogleich in Vorurteilen, Ideologien und Nebensächlichkeiten verfing. Ob sie jemals Ergebnisse erzielen wird, die der Menschheit wirklich weiterhelfen?&lt;br /&gt;Ulrike hatte sich, wie ich erfuhr, schon wenige Wochen nach Beginn meiner Mission mit einem anderen getröstet.&lt;br /&gt;Wir Prinzen heirateten im Rahmen einer großen gemeinsamen Feier unsere Prinzessinnen. Unser Arbeitgeber gewährte uns aus diesem Anlaß zwei Tage Sonderurlaub. Im übrigen versetzte er uns zurück an unsere alten Dienststellen und sagte uns zu, uns möglicherweise aufgrund unserer großen Verdienste innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre ein wenig früher als unsere Kollegen zu befördern; hierzu seien jedoch noch eingehende Prüfungen der rechtlichen Voraussetzungen erforderlich.&lt;br /&gt;Übrigens fanden sich, trotz intensiver Suche, keine Zugänge mehr zu der Welt der Gründler.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-8168178790775461123?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8168178790775461123'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8168178790775461123'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/09/endgltige-version.html' title='Endgültige Version'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-443238586156453347</id><published>2008-08-03T07:39:00.002+01:00</published><updated>2008-08-03T07:42:18.900+01:00</updated><title type='text'>Zwischenbemerkung: Zweiter Durchgang beendet</title><content type='html'>Gerade ist meine Muse dabei, den gesamten Roman durchzugehen und aus ihrer Sicht Korrekturen vorzunehmen. Anschließend werde ich den Text nochmals von vorne bis hinten durcharbeiten. Das Ergebnis wird in Kürze hier zu sehen sein.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-443238586156453347?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/443238586156453347'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/443238586156453347'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/08/zwischenbemerkung-zweiter-durchgang.html' title='Zwischenbemerkung: Zweiter Durchgang beendet'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-4296457776181508259</id><published>2008-08-03T07:37:00.001+01:00</published><updated>2008-08-03T07:39:27.912+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,17</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Lohn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir aus der Vision erwachten, waren Ei und Buch verschwunden. Vielleicht waren sie, auf geheimnisvolle Weise, wieder zurückgekehrt zu den Gründlern. Keiner von uns wunderte sich darüber. Von der Botschaft, die wir nicht nur vernommen, sondern mit Haut und Haaren erlebt hatten, waren wir zutiefst durchdrungen, so sehr, daß es des Buches als Vermittler nicht mehr bedurfte.&lt;br /&gt;Die Wissenschaftler stellten bei uns, die wir dieses zusätzliche Leben durchgemacht hatten, einen deutlichen Anstieg des Phantasie-Faktors sowie eine Abnahme der CO2-Konzentration im Blut fest. Die Frage war, wie sich unsere Erkenntnisse anderen Menschen vermitteln ließen. Zu diesem Zweck wurde eine zweihundertköpfige Sonderkommission einberufen, die sich – wie nicht anders zu erwarten – sogleich in Vorurteilen, Ideologien und Nebensächlichkeiten verfing. Ob sie jemals Ergebnisse erzielen wird, die der Menschheit wirklich weiterhelfen?&lt;br /&gt;Ulrike hatte sich, wie ich erfuhr, schon wenige Wochen nach Beginn meiner Mission mit einem anderen getröstet.&lt;br /&gt;Wir Prinzen heirateten im Rahmen einer großen gemeinsamen Feier unsere Prinzessinnen. Unser Arbeitgeber gewährte uns aus diesem Anlaß zwei Tage Sonderurlaub. Im übrigen versetzte er uns zurück an unsere alten Dienststellen und sagte uns zu, uns möglicherweise aufgrund unserer großen Verdienste innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre ein wenig früher als unsere Kollegen zu befördern; hierzu seien jedoch noch eingehende Prüfungen der rechtlichen Voraussetzungen erforderlich.&lt;br /&gt;Übrigens fanden sich, trotz intensiver Suche, keine Zugänge mehr zu der Welt der Gründler.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-4296457776181508259?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4296457776181508259'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4296457776181508259'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/08/ein-roman-entsteht-teil-217.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,17'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-5033944124002594350</id><published>2008-08-03T07:34:00.001+01:00</published><updated>2008-08-03T07:37:26.016+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,16</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Das andere Sein&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ich jetzt beschreibe, erlebten im folgenden die anderen und ich. Das Wundersame: jeder von uns machte in seiner märchenhaften Vision die gleichen Erfahrungen, bestand die gleichen Abenteuer, erlitt die gleichen Schmerzen, wurden von den gleichen Freuden beglückt; Unterschiede gab es zwar im Geschlecht des Erlebenden, ansonsten aber nur in unbedeutenden Einzelheiten. Dabei durchlebte jeder diese Schau für sich alleine. Es war zehnmal die gleiche Geschichte, jedesmal mit einer anderen Hauptperson.&lt;br /&gt;Wir fanden uns wieder als Sohn bzw. Tochter eines Königs in einem großen, herrlichen Königreich. Eines Tages sprach der König, mein Vater, zu mir: „Mein Kind, ich möchte dich in die weite Welt senden. Du sollst sie durchwandern und dabei vor allem die Menschen kennenlernen.“&lt;br /&gt;„Gerne, Vater, will ich dieser Weisung folgen. Welches ist der Zweck dieser Reise, wie lautet meine Aufgabe?“&lt;br /&gt;„Du sollst, mein Kind, die größte Weisheit suchen, die in der Welt zu finden ist. Wenn du sie gefunden hast, wirst du zurückkehren zu mir, und unsere gemeinsame Freude darüber wird unermeßlich sein. – Doch bedenke, du wirst es nicht leicht haben und so manches Hindernis überwinden müssen. Denn ich sende dich nicht als Königskind, vielmehr wirst du Mensch sein unter Menschen. Deine Herkunft wirst du vergessen, doch dein Herz wird dich drängen, die Wahrheit zu suchen.“&lt;br /&gt;In der Welt fand ich mich wieder und hatte vergessen, wer ich war. Ich erinnerte mich, als Kind eines Taschendiebs und einer liebenden Mutter in einer Sozialwohnung eines Großstadt-Randbezirks aufgewachsen zu sein. Die Ehe meiner Eltern war nicht glücklich. Im Laufe der Jahre verfiel meine Mutter immer mehr dem Trinken. Sie sagte: „Mir fehlt etwas im Körper, das die gesunden Menschen besitzen.“ Wir waren sechs Geschwister, drei Mädchen und drei Jungs. Wegen der „asozialen“ Familiengröße hatten wir nur wenige Freunde. Schon früh weihte unser Vater uns in seine Kunst ein, und so trugen wir Kleinen dazu bei, seine Börsensammlung zu vermehren. Den größten Teil des so eingenommenen Geldes verspielte er. Diese Zeit endete, als er ins Gefängnis kam und Mutter starb; wir Jugendlichen verstreuten uns in alle Welt.&lt;br /&gt;Und jetzt, an meinem zwanzigsten Geburtstag, stand ich vor der Villa des Mannes, dessen Leben ich vor wenigen Tagen gerettet hatte. Aufgrund eines Schwächeanfalls war er auf die Gleise einer sich rasch nahenden Straßenbahn gefallen; im letzten Moment hatte ich ihn auf den Bürgersteig zurückziehen können.&lt;br /&gt;Als wir nun am Kaffeetisch saßen, bot er mir an, mich beruflich zu fördern. Schnell stellte sich heraus, daß er die dazu erforderlichen Mittel besaß, denn er war Vorstandsvorsitzender eines internationalen Konzerns.&lt;br /&gt;Ich ergriff die Chance, und tatsächlich machte ich bald Karriere als Unternehmensberater. Mit dreißig besaß ich meine erste Million, doch war ich damit keinesfalls zufrieden. Mir war inzwischen klar geworden, was ich wollte: das Leben genießen, und zwar in seiner ganzen Fülle. Schon von Kindheit an wußte ich, daß mir das, womit die meisten Menschen sich abfanden, nicht genügte. Ich begehrte mehr als der Durchschnitt, in mir brannte die Sehnsucht nach Größerem. Ich war auf der Suche nach etwas, das ich damals noch nicht kannte. Und ich ahnte: Eigentlich steckt in allen Menschen solch ein Verlangen, doch ist es in ihnen verschüttet oder im Laufe ihres Lebens versandet, wenn es sich auch mehr oder weniger häufig in Unzufriedenheit und dem Gefühl, daß irgendetwas zum wahren Glück und zur wirklichen Erfüllung fehlt, bemerkbar macht.&lt;br /&gt;Ich meinte nun, meine Sehnsucht durch üppigen Lebensgenuß stillen zu können. Da mein Reichtum beständig anwuchs, fiel es mir nicht schwer, immer aufs neue Freundinnen zu finden, mit denen ich mich ausgiebig vergnügte. Mehr jedoch strebte ich Anerkennung und Macht an, und ich bekam sie. Nach und nach übernahm ich – trotz meiner vergleichsweise jungen Jahre – die Führungsposition in mehreren einflußreichen Wirtschaftsverbänden und erntete eine Ehrung nach der anderen. Schließlich gab es kaum mehr wirtschaftspolitische Entscheidungen, in der die Politik mich nicht um Rat fragte, und so war ich maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt.&lt;br /&gt;Ich sonnte mich im Gefühl meiner so erlangten Macht. Und dennoch: mein Glück war nicht vollkommen, irgendetwas fehlte.&lt;br /&gt;Mit Fünfzig gestand ich mir endlich ein, daß ich mich auf der falschen Fährte befand. Entschlossen, doch noch mein Glück zu finden, riß ich das Ruder herum: Nicht mehr in oberflächlichem Welterleben suchte ich die Erfüllung meines inneren Verlangens, sondern in der Dimension des Geistes. Radikal zog ich mich von anderen Menschen zurück, gab meine verschiedenen Posten auf und widmete mich fortan der Bildung, der Kultur, der Literatur, der Philosophie. Nach langem, ausgiebigem Studium aller möglichen weisen Lehren beschloß ich, edel und tugendhaft zu werden. Ich wollte mein Ich perfektionieren und auf Hochglanz polieren. Dazu freilich war es erforderlich, mich von jedem zu sondern, der mich wieder in die Niederungen des menschlichen Lebens herunterziehen konnte. Und tatsächlich, je weiter ich auf diesem Weg voranschritt, um so zufriedener wurde ich. Es beglückte mich, eine neue, große Aufgabe vor mir zu haben, die Umgestaltung meiner selbst aus einer Kreatur, die sich von äußerlichen Reizen hatte verführen lassen, zu einer glänzenden Perle der Tugendhaftigkeit. Meinen Reichtum gab ich hin, um Bücher mit weisen Tugendsprüchen an möglichst viele Haushalte zu verschenken, ich selbst übte mich in Askese, um alles Negative aus mir auszutreiben und mein Selbst aus der Asche des plump-weltlichen Daseins auf den Thron der Reinheit zu erheben.&lt;br /&gt;Doch dann brach ich zusammen. Mein unedler Körper versagte dem edlen Geist seine Gefolgschaft. Die Ärzte kämpften wochenlang um mein Leben. Schließlich wehrte ich mich nicht mehr gegen ihre Bemühungen, mich zur Aufnahme ausreichender Nahrung zu bewegen – und von diesem Zeitpunkt an ging es mir besser.&lt;br /&gt;Allmählich dämmerte mir, daß ich mich erneut auf dem falschen Weg befunden hatte. Je besser ich mich fühlte, um so mehr erkannte ich, daß mein Edelseinwollen – ebenso wie vorher meine Genuß- und Machtgelüste – zwar mit meiner Suche nach etwas Höherem zusammenhingen, aber zugleich Ausdruck eines ausgeprägten Egoismus waren. Meine kalte, abstrakte, menschenabgewandte und letztlich menschenverachtende „Spiritualität“ und Tugendhaftigkeit waren der Tanz um das goldene Kalb meines Ich gewesen – das Wohl der anderen hatte mich nicht gekümmert.&lt;br /&gt;Diese Erkenntnis schien mir wie ein Geschenk – zugleich ergriff mich beinahe Verzweiflung, denn ich hatte alles verloren.&lt;br /&gt;Im Krankenhaus lernte ich als Endsechziger Schwester Monika kennen, die sich wie ich für Literatur interessierte. Sie stand kurz vor ihrer Verrentung. Nach meiner Entlassung traf ich mich häufig privat mit ihr, und schließlich beschlossen wir, zusammenzuziehen und zu heiraten. Wir verbrachten glückliche Jahre miteinander, die jedoch zunehmend häufig durch ihre wochenlangen depressiven Schübe getrübt wurden. In diesen Zeiten bemühte ich mich besonders, sie aufzumuntern. Ich schrieb Gedichte, Kurzgeschichten, Erzählungen, trug sie ihr vor, sprach meine Ideen mit ihr durch und konnte ihr dadurch die eine oder andere kleine Freude bereiten. Tausend Einfälle gingen mir durch den Kopf, ich wunderte mich selbst darüber. Diese Zeit erlebte ich so intensiv wie noch keine Zeit zuvor; noch niemals hatte ich so sehr gelebt. Ihre endogene Depression wurde jedoch immer schlimmer, und ich litt furchtbar mit ihr, bemühte mich aber, es sie nicht merken zu lassen. Und dann mußten wir eines Tages erfahren, daß sie an Darmkrebs erkrankt – und es zu spät für eine Operation war. An dem Tag, als sie starb, sagte sie zu mir: „Du bist ein weiser Mensch – denn du liebst wahrhaftig.“&lt;br /&gt;Lange Zeit litt ich unter Monikas Tod – zugleich ahnte ich, daß sie sich nunmehr in einer besseren Welt befand, wo es ihr gut ging, und das tröstete mich. Nach drei Jahren, als der größte Schmerz nachgelassen hatte, erkannte ich, wie sehr ihr Wohl mir die ganze Zeit unseres Zusammenseins über am Herzen gelegen hatte, ohne daß ich mir groß Gedanken darüber gemacht hatte. Ich war für sie dagewesen, für uns beide; ihre Nähe, unsere Gemeinschaft, unsere Liebe waren mir wichtiger als alles andere. Die Liebe war das Leben, und bei allem Schmerz, ohne den es gar kein Leben gibt, für Monika und mich auch die größte Erfüllung.&lt;br /&gt;Ich beschloß, ein Buch über die Liebe zu schreiben – und über ihre universale Wirkung. Liebe – ging mir durch den Sinn – macht den Menschen edel, ohne daß er Tugendkataloge abarbeiten muß. Liebe erweckt verborgene Fähigkeiten und die Neugier am Leben, läßt dadurch die Phantasie erblühen ... Ja, liebende Neugier in unserer Zeit der Äußerlichkeiten, der Ablenkungen, der Oberflächlichkeiten: die einzige Chance, noch wirkliche Phantasie zu entwickeln. Ich lächelte – in diesem Moment versagte mein Herz, ich starb.&lt;br /&gt;„Nun, mein Sohn,“ sprach der König, als ich wieder vor ihm stand, „ich sehe wohl, die hast die größte Weisheit gefunden, die es gibt.“&lt;br /&gt;„Gewähre mir die Freude, Vater, helfen zu dürfen, die Liebe in der Welt weiter zu verbreiten.“&lt;br /&gt;„Es wird auch meine Freude sein. Setz deine Phantasie ein, deine Liebe wird sie zum Leben erwecken.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-5033944124002594350?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5033944124002594350'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5033944124002594350'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/08/ein-roman-entsteht-teil-216.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,16'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-6989432038990918652</id><published>2008-07-29T07:38:00.001+01:00</published><updated>2008-07-29T07:39:53.159+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,15</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Verschmelzung und Geburt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück in der Heimat! Wie genossen wir sechs die Sonne, das natürliche Licht, die frische, duftende Luft, als wir, kaum daß wir mit der Miltiärmaschine in Berlin gelandet waren, zunächst einen längeren Spaziergang durch Feld und Wald unternahmen. Unsere Prinzessinnen, durch unsere Berichte über die heimische Landschaft neugierig geworden, hatten sich dies so sehr gewünscht, und auch wir hatten uns im Grunde unseres Herzens danach gesehnt, wieder vertraute Gegenden zu durchstreifen.&lt;br /&gt;Danach brachte man uns auf kürzestem Wege ins Ministerium für Besondere Angelegenheiten. Selbstverständlich kamen unsere Freundinnen mit, wir hatten darauf bestanden. Noch in unsere silberne Kleidung gehüllt, betraten wir den „Saal der Zukunft“. Außer der Ministerialdirektorin Zwerchnase waren nur drei hochrangige Naturwissenschaftler anwesend; wegen der ungeheuren Wichtigkeit der Angelegenheit sollten zunächst nur wenige Personen über die Ergebnisse unserer Expedition Kenntnis erhalten.&lt;br /&gt;Nachdem wir Mel, Gua und Scheh vorgestellt hatten, berichteten wir nacheinander zusammenfassend von unseren Erlebnissen in den Höhlenreichen. Unsere Gegenüber zeigten sich über alle Maßen erstaunt, als wir von der Welt unter dem Meer und ihren Bewohnern erzählten; wenn unsere Freundinnen nicht als Angehörige dieses Volks bei uns gewesen wären und ich nicht demonstriert hätte, wie unsere Silberbekleidung sich von alleine um unsere Körper legte, hätten uns die Offiziellen, nach ihrer eigenen Bekundung, wohl nicht geglaubt.&lt;br /&gt;Frau Zwerchnase äußerte sich verärgert darüber, daß die Gründler uns nicht in unsere Heimat hatten zurückkehren lassen wollen. „Das wird mit Sicherheit politische Konsequenzen haben!“ fauchte sie, als hätten zwischen uns „Oberflächlern“ und dem Untermeeresvolk seit langem zwischenstaatliche Beziehungen bestanden.&lt;br /&gt;„Weshalb kreuzte der US-Flugzeugträger gerade zu der Zeit auf, als wir zur Erdoberfläche zurückkehrten? Und das auch noch nahe der Stelle unseres Auftauchens?“ Amadeus war mißtrauisch.&lt;br /&gt;„Vermutlich eine Sache höherer Politik“, redete die Ministerialdirektorin sich auf Unwissenheit heraus. „Für Zufälle sind wir nicht verantwortlich“, ergänzte einer der Wissenschaftler. Wunderte er sich nicht über diesen Zufall?&lt;br /&gt;„Das ist jetzt unwichtig“, wechselte Frau Zwerchnase barsch das Thema. Wichtig ist, daß Ihre Suche Erfolg hatte.“&lt;br /&gt;Wir packten den Schatz aus und legten ihn auf den Tisch. Die Wissenschaftler stießen Rufe der Bewunderung aus und betrachteten ihn von allen Seiten, wagten aber nicht, ihn zu berühren.&lt;br /&gt;„Sie fertigen bitte innerhalb von drei Tagen Protokolle über Ihre Reisen“, beauftragte Frau Zwerchnase uns. „Ich möchte alles wissen. Jedes Detail kann wichtig sein, um herauszufinden, wie das Gold uns den Weg aus der Weltkrise weist! – Und Sie, meine Herren,“ wandte sie sich an die Wissenschaftler, „untersuchen bitte, gemeinsam mit Ihren Kollegen, diese Gegenstände mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.“&lt;br /&gt;Wir drei Paare wurden in Villen untergebracht, die sich inmitten militärischen Geländes befanden. Tag und Nacht bewachte man unsere Unterkünfte. Zwar durften wir in Berlin und der näheren Umgebung Spaziergänge unternehmen, aber immer begleitet von Leibwächtern. Gespräche mit anderen waren uns verboten; mir war, offen gestanden, ganz lieb, daß ich auch Ulrike nicht anrufen durfte. So kamen wir uns im großen und ganzen eher als Gefangene denn als Menschheitsretter vor. Nun gut, wir Prinzen waren Beamte, und in dieser Funktion Gehorsam und Pflichtbewußtsein gewohnt.&lt;br /&gt;Die Anfertigung meines Berichts fiel mir nicht besonders schwer, zumal ich meine Tagebuch-Aufzeichnungen hatte retten können. Unsere Protokolle wurden, nachdem Frau Zwerchnase sie geprüft und freigegeben hatte, der Wissenschaft weitergereicht und von dieser ausgiebig analysiert. Mehrere Stunden lang befragte man auch unsere Freundinnen, wobei wir Prinzen dolmetschten. Die Ergebnisse der einzelnen Wissenschaftsgruppen diskutierte anschließend ein interdisziplinäres Gremium. Nach zwei Wochen brach man die Diskussionen ab.&lt;br /&gt;„Leider ist es nicht gelungen, das Wissen zu gewinnen, das uns der Goldschatz bringen sollte.“ Frau Zwerchnase hatte uns Prinzen zu einem Gespräch befohlen und wirkte dabei deprimiert. „Das Buch läßt sich nicht öffnen, auch nicht mit dem Schlüssel. Untersuchungen mit Röntgen, Infrarot und Ultraschall, mit Mikroströmen usw. haben uns nicht im geringsten weitergebracht. Die besten Mathematiker, Physiker, Chemiker, Kryptographen sind gescheitert. Unsere Experten sind ratlos. Zuletzt kam der Vorschlag, Ei und Buch gewaltsam zu öffnen.“&lt;br /&gt;„Auf keinen Fall!“ rief Ananda. „Meine Intuition sagt mir, daß wir damit alles zerstören würden. Gewalt entleert den Sinn.“&lt;br /&gt;„Hm, so ähnlich habe ich es schon vermutet“, nickte die Direktorin. „Und eine Labor-Beobachtung unterstützt diese Vermutung: Steckt man den Schlüssel ins Schloß und versucht, ihn mit verstärkter Kraft zu drehen, so verliert das Buch deutlich an Gewicht; läßt man dann den Schlüssel los, wiegt das Buch wieder so viel wie vorher. Es steht zu befürchten, daß bei zu großem Kraftaufwand ein dauerhafter Gewichtsverlust eintritt – und damit ein Verlust des Buchinhalts.“ Sie schwieg kurz und senkte ihre Augen. „Daher wollte ich Sie, verehrte Herren Prinzen, bitten, mit Ihrem Prinzenglück unser Problem zu lösen. Sie ... Sie waren ja auch die einzigen, die den Schatz beschaffen konnten.“ Sie sprach freundlich, fast wie um Verzeihung bittend. Das war kein Befehl mehr, das war ein Hilferuf.&lt;br /&gt;Wenig später saßen wir drei alleine in einem gemütlichen Raum, an dessen Wänden Bilder von Pinocchio hingen. Amadeus kam gleich auf den Punkt: „Denkt Ihr auch an unsere gemeinsame Vision?“&lt;br /&gt;Ananda und ich nickten.&lt;br /&gt;„Und hat darin nicht das Ei den Schlüssel und das Buch hervorgebracht, gleichsam geboren ...“&lt;br /&gt;„... und anschließend der Schlüssel das Buch aufgeschlossen?“ vervollständigte Ananda.&lt;br /&gt;„So sah ich es auch“, bestätigte ich.&lt;br /&gt;„Also müssen ...“&lt;br /&gt;„... Buch und Schlüssel ...“&lt;br /&gt;„... aus dem Ei kommen, somit ...“&lt;br /&gt;„... zunächst in dieses versenkt werden!“&lt;br /&gt;„Und wie lange drinnen bleiben?“&lt;br /&gt;„Das müssen wir abwarten, es liegt nicht an uns.“&lt;br /&gt;„Was vermutet Ihr?“&lt;br /&gt;„Drei Tage.“&lt;br /&gt;„Weshalb drei?“&lt;br /&gt;„Wegen der Dreizahl der Gegenstände.“&lt;br /&gt;Innerhalb einer Minute hatten wir die Lösung gefunden. Zumindest hofften wir es.&lt;br /&gt;Kurz darauf standen wir mit Frau Zwerchnase in der Kammer, in der der Schatz aufbewahrt und die von außen strengstens bewacht wurde.&lt;br /&gt;„Jeder Prinz nimmt sein Stück in die Hand“, schlug ich vor. „Dann gehen wir aufeinander zu, bis die drei Teile sich berühren.“&lt;br /&gt;Vorsichtig näherten wir uns einander. Als die Goldteile nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren, merkten wir, wie sie sich auf einmal gegenseitig anzogen. Mit einem Ruck flogen sie aus unseren Händen, klebten, frei in der Luft schwebend, zusammen, und langsam schmolzen Buch und Schlüssel in das Ei hinein. Wir waren so von dem Vorgang ergriffen, daß wir vergaßen, einen möglichen Absturz des Eis zu verhindern. Doch es blieb unbewegt in der Luft stehen. Dafür hörten wir hinter uns ein Geräusch: Frau Zwerchnase war ohnmächtig umgefallen, offenbar hatte dieser märchenhafte Vorgang sie zu sehr erschüttert. Nachdem sie ihr Bewußtsein wiedererlangt hatte und auf den Beinen war, stellten wir ein Tisch unter das Ei, damit es nicht zu Boden fiele. Jetzt konnten wir nur noch geduldig abwarten, ob sich unsere Vermutung bestätigen würde.&lt;br /&gt;In der folgenden freien Zeit verbrachte ich viele schöne Stunden mit Mel. Wir schauten uns manche Dokumentar- und Reisefilme an, damit sie meine Welt immer besser kennenlerne. Häufig saßen wir einfach nur beieinander und plauderten. Sie kam gelegentlich auch auf Ulrike zu sprechen, an die ich immer häufiger denken mußte. Mir war gar nicht wohl zumute, wenn von ihr die Rede war. Irgendwann mußte ich ihr schließlich sagen, daß es mit uns aus sei. Erst seit ich Mel kenne, weiß ich, was Liebe bedeutet.&lt;br /&gt;Nach Ablauf von genau drei Tagen nach der Ei-Verschmelzung fanden sich zehn Personen in der Schatzkammer zusammen: wir Prinzen, die drei Wissenschaftler und Frau Zwerchnase; hinzu kamen diesmal Mel, Gua und Scheh, da sie gegebenenfalls aufgrund ihrer Kenntnis der Unterwasserwelt zum Verständnis der Botschaft des Buches beitragen konnten.&lt;br /&gt;Gespannt warteten wir, auf Stühlen um das immer noch schwebende Ei herum sitzend, ob sich etwas ereignen würde. Und tatsächlich: zu dem erwarteten Zeitpunkt begann das Ei ein Geräusch des Knackens von sich zu geben, als ob es auseinanderbräche; langsam spaltete es sich in zwei Teile, und aus dem Inneren drang ein gleißend helles Licht, das uns nötigte, vorübergehend die Hände vor die Augen zu halten. Dann schwebten der Schlüssel und das Buch heraus, die Eihälften verschmolzen wieder miteinander, es strahlte kein Licht mehr heraus, und schließlich sanken Ei, Buch und Schlüssel auf den Tisch nieder, wo sie nebeneinander liegenblieben.&lt;br /&gt;Obwohl wir uns alle auf die Möglichkeit eines solchen Geschehens vorbereitet hatten, blieben wir dennoch wie angewurzelt sitzen und wagten nicht, auch nur ein Wort über diesen ungeheuren Vorgang zu verlieren. Schließlich, nach Minuten, erhob sich die Ministerialdirektorin langsam von ihrem Stuhl, streckte behutsam ihre Hand aus und griff, wobei sie ein mutmachendes „Ja, ich tu's“ flüsterte, nach dem Schlüssel. Vorsichtig hob sie ihn hoch, als könne er bei unsachgemäßer Handhabung explodieren oder sich in Luft auflösen, bewegte ihn sacht auf das Buch zu und führte ihn dann Millimeter um Millimeter in die Schloßöffnung ein. Obwohl der Schlüsselstab deutlich länger war, als das Buch an Dicke aufwies, ließ er sich ganz hineinstecken; die letzten Zentimeter schien das Buch geradezu begierig in sich hineinzusaugen. Erschreckt zog Frau Zwerchnase ihre Hand zurück, als könnte auch diese Opfer der Begierde des Buches werden. Es gab einen Knall, und der Buchdeckel flog auf. Neugierig schauten wir ins Innere des Buchs – und stellten bestürzt fest, daß sich in ihm – nichts befand, kein Papier, keine beschriebenen Pergamentrollen, keine gravierten Metallplatten, noch nicht einmal der Schlüssel, rein gar nichts. Wir wankten zu unseren Stühlen zurück, schwiegen zunächst fassungslos, dann brach es aus uns heraus, wild redeten, ja schrien wir durcheinander. Man hatte uns hereingelegt, betrogen. Ein Riesenaufwand, der keinerlei Ergebnisse gebracht hatte. Schließlich war sogar die Rede von dem „verlogenen Volk“ der Gründler. Dem konnten wir Prinzen nicht zustimmen, schließlich entstammten unsere Freundinnen diesem Volk. Beinahe wären Enttäuschung, Wut und Beschuldigungen in einen handfesten Streit ausgeartet, wenn sich nicht auf einmal ein tiefer Friede unserer bemächtigt und unsere Gemüter beruhigt hätte. Binnen kurzem saßen wir ruhig und entspannt auf unseren Stühlen, niemand sprach mehr ein Wort. Ich hatte das deutliche Gefühl, dem geöffneten Buch entströme ein beruhigendes Fluidum. Schließlich fühlten wir alle uns unfaßbar wohl, befreit, glücklich. Und auf einmal begann jeder von uns, in ein neues Leben einzutreten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-6989432038990918652?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6989432038990918652'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6989432038990918652'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-215.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,15'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-1169955706413103169</id><published>2008-07-29T07:35:00.001+01:00</published><updated>2008-07-29T07:37:43.716+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,14</title><content type='html'>&lt;strong&gt;US-Marine&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gut wie diese Nacht hatte ich schon lange nicht geschlafen. Ich träumte davon, wie wir sechs in einen geräumigen Aufzug stiegen, auf den obersten Knopf drückten, und, während wir in rasender Fahrt aufwärts schossen, fröhlich Ringelreihen tanzten. Als wir oben angekommen waren, öffnete sich die Tür, und ... In diesem Moment wachte ich auf.&lt;br /&gt;Einige Stunden später saßen wir, den Schatz in Tragetaschen verpackt, eng zusammen in der Kabine eines Ballons, der uns zur Erdoberfläche befördern sollte. Alle drei Frauen hatten beschlossen, mit uns in unsere Welt zu kommen. Der Abschied von der Bevölkerung des Goldenen Reichs war herzlich gewesen. Danach hatte man den zylinderförmigen Ballon mit Luft gefüllt, und wir hatten es uns in der wasserdichten Kabine bequem gemacht, so gut es eben ging. Jetzt baute man um uns herum die Schleusenmauern auf, die vom Höhlenboden bis zur Decke reichten und eine Überflutung der Höhle verhindern sollten. Dann öffnete sich langsam das Loch in der Decke; durch die transparenten Kabinenwände konnten wir sehen, wie allmählich immer mehr Wasser niederströmte. Als sich um unser Gefährt herum keine Luft mehr befand und das Deckenloch sich ausreichend vergrößert hatte, begann der Ballon seinen allmählichen Aufstieg durch die wassergefüllte Röhre, die im Meer mündete; in wenigen Minuten würden wir die Meeresoberfläche nahe dem Festland erreichen.&lt;br /&gt;Doch kaum hatte der Ballonflug im Wasser begonnen, stoppte mit einem Ruck unser Gefährt. Wir befanden uns höchstens auf der Ebene des Bronzenen Reichs. Diese unsere Vermutung schien sich zunächst zu bestätigen: Das Wasser um uns herum wurde abgesaugt, die Röhre öffnete sich, und ein Dutzend Männer und Frauen in silberfarbener, eng anliegender Kleidung erschien bei der Kapsel und öffnete sie.&lt;br /&gt;„Folgt uns!“ befahl der vorderste Mann. Was blieb uns anderes übrig?&lt;br /&gt;Mit einem Fluggerät brachte man uns in eine Stadt, die ich noch nicht kannte; zwar ähnelte sie den anderen Städten des Bronzenen Reichs, ihre Häuser waren jedoch prachtvoller gestaltet. Mel, die ich fragend anschaute, wußte anscheinend selbst nichts über diese Gegend. Sollten wir uns hier in einer vierten Reichshöhle befinden?&lt;br /&gt;Wir landeten vor einem großen Palast; man führte uns hinein, verschloß die Eingänge und ließ uns in einem reich mit Fresken geschmückten Saal alleine. Mehr als eine Stunde mußten wir warten, ehe ein älterer Herr in einem diamanten funkelnden Gewand eintrat.&lt;br /&gt;„Seien Sie herzlich willkommen!“ begrüßte er uns freundliche. „Ich hoffe sehr, Sie haben kein zu großes Ungemach bei der Abholung erlitten. Meine Leute müssen mich mißverstanden haben, ich hatte sie gebeten, Sie mit aller Höflichkeit zu empfangen.“ Er sprach hochdeutsch! Ohne Akzent! Und es war keine Gedankensprache.&lt;br /&gt;Auf seine Bitte hin folgten wir ihm in sein Büro und nahmen dort in bequemen Sesseln Platz.&lt;br /&gt;„Sie wundern sich, daß ich mich mit Ihnen in Ihrer Sprache unterhalte. Nun, am besten stelle ich mich erst einmal vor. Ich bin der Hauptmeister der drei Reiche.“ Ananda übersetzte für die Frauen. „Sie befinden sich hier in der Leitungszentrale unserer Welt“, fuhr der Meister fort. „Nur wenige Führungskräfte der Reiche wissen, daß es uns gibt. Das einfache Volk hat noch niemals von uns gehört.“ Er schwieg. Offenbar wollte er uns Zeit geben, diese Informationen zu verdauen. Es war ja auch ein dicker Brocken, den wir da zu schlucken hatten. „Kurz gesagt: Wir überwachen von hier aus das Staatswesen, Stichworte: Regierung, Demographie, Frieden usw. Ihnen als politisch gebildeten Beamten brauche ich keine Einzelheiten vorzustellen.“&lt;br /&gt;Unfaßbar, was wir da hörten!&lt;br /&gt;„Ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, daß wir hier in der Zentrale uns in der Welt der Oberflächler bestens auskennen. Tausende der Unseren sind dort stationiert. Wie nennen Sie es noch einmal: Spitzel? Spione? Bezeichnen wir sie doch einfach als Beobachter ... Auch Sie drei haben wir beobachet – vom Anfang Ihrer Suche an. Ihr Eindringen in unsere Welt geschah mit unserer Billigung. Zugegeben, zeitweise verloren wir Sie dann aus den Augen. Doch jetzt haben wir Sie wiedergefunden.“ Er grinste.&lt;br /&gt;Weshalb war er so offen uns gegenüber? Wir sollten es sogleich erfahren: „Mit Ihrem Wissen über unsere Existenz können wir Sie selbstverständlich nicht in Ihre Welt zurückkehren lassen. Sie müssen uns schon verstehen: Unsere eigene Sicherheit wollen wir nicht gefährden.“&lt;br /&gt;Ich dachte daran, was Mel mir über die Angst dieser Menschen berichtet hatte. Anscheinend waren die Bewohner des Goldenen Reichs, die uns zurück in unsere Heimat schicken wollten, von dieser Angst nicht betroffen.&lt;br /&gt;„Wir werden Ihnen selbstverständlich bei uns ein angenehmes Leben ermöglichen. Ja, wir werden sogar den Goldschatz, für den wir hier keine Verwendung haben, Frau Zwerchnase zukommen lassen – ohne Mitteilung seiner Herkunft.“ Nicht ohne Eitelkeit fügte er hinzu: „Sie sehen, wir sind bestens informiert.“&lt;br /&gt;Er rief seine Wachen, die uns aus dem Palast führten. Das Gold ließ er uns mitnehmen; offenbar ging er davon aus, diese für ihn bedeutungslosen Gegenstände könne er auch später noch in die Oberwelt schicken.&lt;br /&gt;Vor dem Haus, das man uns zur Verfügung stellte, wurden mehrere Wachen plaziert. Es war komfortabel eingerichtet; man bevorzugte hier permanente, nicht erst durch Klopfcode neu entstehende Möbel.&lt;br /&gt;Über mangelnde Versorgung konnten wir uns nicht beklagen; auch Spaziergänge, Theaterbesuche u.ä. wurden uns erlaubt – selbstverständlich immer in Begleitung einiger Wachleute. An Flucht war vorläufig nicht zu denken. Oder vielleicht doch? Mel, die Kenntnisse der Chemie besaß, und Scheh, die viel von Blüten und Düften verstand, arbeiteten zusammen einen Plan aus, der uns andere schnell überzeugte. Auf Gängen durch die Landschaft pflückte Scheh bestimmte Blumen, angeblich zur Zierde unserer Unterkunft; Mel wiederum sammelte, auch dies unverdächtig, verschiedene Steine und Mineralien. Im Haus zogen sie sich in ein Zimmer zurück und entwickelten im Laufe zweier Wochen einen angenehm riechenden Duftstoff, der stark betäubend wirkte. Als ich – trotz Vorwarnung – daran schnupperte, fiel ich sofort in tiefen Schlaf und erwachte erst nach Stunden. Fortan nahmen wir mehrere Tage lang ein Pulver ein, das uns gegen diese Wirkung immunisieren sollte.&lt;br /&gt;Der Plan: durch Lärm wollten wir die Wachen ins Haus locken, der Betäubungsduft würde sie außer Gefecht setzen, wir würden ihre Kleidung anziehen und uns eines Fluggeräts bemächtigen, das Mel dann zu der mit dem Meer verbindenden Röhre fliegen sollte, dort würden sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Tauchkapseln oder Mini-U-Boote finden, durch die vermutlich auch Spione in die Oberwelt befördert wurden.&lt;br /&gt;Ich erinnere mich noch an den Lärm, den wir im Haus machten. Dies war das Letzte, dessen ich mich deutlich entsinne, als ich in dem Boot erwachte. Neben mir Amadeus und Ananda, die soeben auch ihre Augen aufschlugen. Um das Boot herum, das aus zwei Halbkugeln bestand, das offene Meer. Mit im Boot: der Goldschatz.&lt;br /&gt;Auch meine Begleiter konnten sich nicht erinnern, wie wir in diese Situation gekommen waren. Was war geschehen? Und was war mit unseren Freundinnen?&lt;br /&gt;Tiefe Trauer erfaßte mich, Mel und ich könnten von nun an immer voneinander getrennt sein.&lt;br /&gt;Das Gold hatten wir bei uns, gut. Aber wie sollten wir gerettet werden? Kein Festland, keine Insel war in Sicht, die Sonne – die echte Sonne – brannte unbarmherzig vom Himmel, Proviant hatten wir keinen, nicht einmal Trinkwasser, und niemand wußte etwas von uns und hätte daher Rettungsmaßnahmen einleiten können.&lt;br /&gt;Stunden um Stunden vergingen, die Abenddämmerung nahte. Großer Durst quälte uns, wir befanden uns kurz davor, Meerwasser zu trinken. Da hörten wir ein Motorengeräusch, das immer lauter wurde; hoffnungsvoll hielten wir nach allen Seiten Ausschau, schließlich sichtete Ananda einen Hubschrauber. Wir winkten wild mit den Armen, um gesehen zu werden, und tatsächlich entdeckte man uns. Aus dem Fluggerät ließ man eine Rettungsleiter herab, und nicht lange danach befanden wir uns in Sicherheit.&lt;br /&gt;Es handelte sich um einen großen Militärhubschrauber der US-Marine, in dem wir jetzt vorsorglich in Decken gehüllt wurden. Der Pilot und die anderen Soldaten sprachen unterwegs kein Wort. Nach einer halben Stunde landeten wir auf einem Flugzeugträger.&lt;br /&gt;Nachdem man uns Wasser zum Durstlöschen gereicht und uns ärztlich untersucht hatte, brachte man uns zur Kabine des Kapitäns. Neben ihm standen – Mel, Gua und Scheh! Überglücklich schlossen wir sie in die Arme, erst dann wandten wir uns dem Kapitän zu und dankten ihm für unsere Rettung.&lt;br /&gt;„Es ist eine große Ehre für mich,“ sprach er in gebrochenem Deutsch, „an Ihrer Mission, der ‚Operation Weltrettung‘, mitwirken zu dürfen!“ Er salutierte vor uns.&lt;br /&gt;Ich glaube, mir stand der Mund offen. Keiner von uns Prinzen wußte etwas zu sagen. Von den Frauen konnte sein Wissen nicht kommen, sie sprachen kein Englisch, und auf deutsch konnten sie allenfalls einzelne Wörter reden.&lt;br /&gt;Der Kapitän verabschiedete sich und ließ uns alleine in seiner Kabine. Sogleich bestürmten wir unsere Freundinnen mit Fragen: Wie waren sie auf das Schiff gelangt? Und wir in das Boot? Was hatte sich zuvor „unten“ abgespielt? Und woher wußte der Kapitän um unsere Mission?&lt;br /&gt;Abwechselnd erzählten sie, was sich zugetragen hatte: Das Pulver, das uns vor der Ohnmacht bewahren sollte, wirkte bei ihnen wie vorausberechnet, bei uns Männern jedoch nur unzureichend, was damit zusammenhängen mochte, daß wir einem anderen Volk angehörten. Schon als wir, die Wachen betäubt zurücklassend, im Schutz der anbrechenden Nacht das Haus verließen und uns auf die Suche nach einem Fluggerät machten, fühlten wir uns benommen und wußten nicht, wo wir waren. Kaum hatten wir eine Maschine gefunden, sanken wir ohnmächtig zu Boden. Unsere Freundinnen hoben uns mühsam in das Gerät und, sobald wir am Zielort angelangt waren, wieder heraus. Mit letzter Kraft schleiften sie uns zu den Kapseln, die sie bei der Röhre fanden. Leider paßten nur jeweils drei Personen hinein, so setzten sie uns in eine der Kugeln, schlossen sie, schoben sie in die Röhren-Schleuse und ließen uns nach oben aufsteigen, anschließend bestiegen auch sie eines der Minifahrzeuge. Ihr Aufstieg begann mehrere Minuten nach dem unseren, und als sie oben angekommen waren und sich die Kapsel in die Form zweier Halbkugeln öffnete, konnten sie unser Gefährt nicht sichten; vermutlich hatte eine Meeresströmung es abgetrieben. Gua erkannte bald, daß ihr Boot einen Motor besaß, und fand heraus, wie man ihn in Gang setzte und das Fahrzeug über Wasser steuerte. Sie suchten die nähere Umgebung ab, fanden uns aber nicht, trafen vielmehr nach einiger Zeit auf den Flugzeugträger, dessen Besatzung sie dann „rettete“. Dem Kapitän konnten sie mit Gebärden und einigen Brocken in deutsch verdeutlichen, daß ein weiteres Boot mit drei Mann auf offener See treibe, woraufhin er vier Hubschrauber losschickte, die nach uns forschen sollten. Mehr hätten sie ihm nicht mitgeteilt, und er hatte sich auch nicht nach weiterem zu erkundigen versucht, obwohl er aufgrund des ihm unbekannten Wasserfahrzeugs und der für ihn fremdartigen Kleidung allen Grund dazu gehabt hätte.&lt;br /&gt;Als der Kapitän nach etwa einer Stunde zu uns zurückkehrte, stellte Amadeus ihn wegen seines Wissens um unsere Mission forsch zur Rede. Der Angesprochenen, zunächst überrascht über einen solchen Tonfall, den er als Kommandant nicht gewohnt war, gewann rasch seine Souveränität zurück und erklärte uns, er dürfe keine näheren Auskünfte erteilen, nur soviel, daß er beauftragt worden sei, hier unsere Ankunft abzuwarten und uns anschließend heil nach Germany zu befördern.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-1169955706413103169?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1169955706413103169'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1169955706413103169'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-214.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,14'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-327959226159132160</id><published>2008-07-29T07:19:00.001+01:00</published><updated>2008-07-29T07:23:12.715+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,13</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Prüfungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die erste Aufgabe besteht darin, eine Frage richtig zu beantworten: Wie viele Edelsteine befinden sich auf dem vorderen Deckel des Goldenen Buchs?“&lt;br /&gt;Woher sollten wir das wissen? Es waren Dutzende, wenn nicht hunderte. Was sollten wir sagen? 73? Oder 121?&lt;br /&gt;Gerade wollte ich den Lehrer fragen, ob wir uns beraten dürften, da kam Gua mir zuvor: „Es ist ein einziger Stein.“&lt;br /&gt;Wir anderen sahen sie verblüfft an. Schon wollte ich verärgert auffahren, dies sei Unsinn, als der Lehrer die Richtigkeit ihrer Antwort bestätigte: „Gut beobachtet!“&lt;br /&gt;Gua erläuterte uns, wie sie die Lösung gefunden hatte: „Als Naturwissenschaftlerin lernte ich früh, genau hinzusehen. Bei den Edelsteinen, die aus einer Vielzahl zu bestehen scheinen, fiel mir auf, daß sie alle durch schmale, fast unsichtbare Stege miteinander verbunden sind. Es handelt sich also um das überaus feine Schnitzwerk aus einer einzigen Kristallplatte, die an verschiedenen Stellen unterschiedlich gefärbt ist.“&lt;br /&gt;Ein wenig ärgerte ich mich jetzt, nämlich über mich selbst, weil ich nicht genauer hingeschaut hatte; Ananda und Amadeus schien es ebenso zu ergehen, wie ich aus ihren Gesichtern las.&lt;br /&gt;Der Lehrer lächelte. „Einheit in der Vielfalt“, klang leichthin sein Gedanke in uns, als bezöge sich diese Feststellung gar nicht auf die Buchplatte. „Für heute reicht es!“ gab er uns jetzt klar zu verstehen. „Setzen wir uns doch in froher Runde zusammen und tauschen Gedanken aus.“&lt;br /&gt;Vor der Schule ließen wir uns im Gras nieder, und die Schüler und Lehrer der sieben Klassen, von denen einzelne älter als hundert Jahre sein mochten, setzten sich um uns herum. Aus dem Dorf kamen die Kinder und Jugendlichen hinzu.&lt;br /&gt;In welchem Umfang diese Menschen unsere innersten Gedanken lesen konnten, wußte ich nicht genau, aber viel konnten wir ihnen wohl kaum verbergen; immerhin hatten wir im Lauf des Vormittags schon erstaunliche Beispiele dieser ihrer Fähigkeit erlebt. So wunderte ich mich jetzt nicht, daß man uns nur wenige Fragen stellte, und auch hierbei konnte es sich um eine reine Höflichkeitsgeste handeln. Um so mehr Gelegenheit fanden wir, Fragen an das Volk des Goldenen Reichs zu stellen, und Männer, Frauen und Kinder antworteten aufgeschlossen und fröhlich, wobei viel gelacht wurde. Es war tatsächlich eine „frohe Runde“.&lt;br /&gt;Wir erfuhren – was wir teilweise selbst bereits festgestellt hatten –, daß man äußerlich überaus anspruchslos und bescheiden lebte. Dies betraf nicht nur Wohnung, Kleidung und Nahrungsaufnahme, sondern z.B. auch den Straßenverkehr, den Austausch von Gütern oder die Freizeitgestaltung. Zwar wußte man durchaus, daß es in den anderen Reichen Schauspiel, Opern, Sportveranstaltungen u.ä. gab, auch kannte man die Technik des Bronzenen Reichs und hätte sich mit ihrer Hilfe jede nur mögliche Annehmlichkeit schaffen können, jedoch lehnte man sie für sich ab. Auf ein gutes Familienleben legte man großen Wert, besonders wichtig war auch die geistige Entwicklung der Gesellschaft wie des einzelnen. „Wir lernen, lernen, lernen“, wurde immer wieder geäußert, und einer Lehrerin entfuhr ein „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Nanu, Goethe hier? Vermutlich hatte sie diesen Satz aus dem Gedächtnis von Amadeus, Ananda oder mir herausgelesen.&lt;br /&gt;„Aber wozu das Wissen? Was fangt Ihr damit an?“ Ich verstand es nicht.&lt;br /&gt;„Um der Schönheit willen!“ rief Amadeus aus.&lt;br /&gt;„Um den Sinn des Daseins zu erkennen!“ ergänzte Ananda.&lt;br /&gt;„Wissen ist Leben!“ begeisterte sich ein kleines Mädchen.&lt;br /&gt;Ich kam mir vor wie ein Trottel.&lt;br /&gt;„Wissen führt zum Wahren ... Eigentlichen ... Wesentlichen!“ dachte es von allen Seiten her.&lt;br /&gt;„Das Wesentliche?“ Auch ich sprach es nicht mehr mit dem Mund aus, sondern formulierte die Frage als Gedanke.&lt;br /&gt;„Das Unaussprechliche!“ Von überall her kam dieses Wort und bohrte sich in mich hinein, drang hervor aus unauslotbaren Tiefen. „Unaussprechlich ... unaussprechlich ... unaussprechlich ...“, hallte es tausendfach in mir nach.&lt;br /&gt;Buch, Schlüssel, Ei, ging es mir auf einmal durch den Sinn – Zeichen, Symbole des Unaussprechlichen?&lt;br /&gt;Und da überkam es mich. Mich? Nein, ich fühlte, ich wußte: Es überkam uns sechs, die drei Prinzen und die drei Prinzessinnen. War es eine Vision? Ein großer Traum?&lt;br /&gt;In der Mitte schwebte das Ei. Oder war es eine Kugel, eine goldene, eine gelbe Kugel? In der Mitte. In der Mitte wovon, wessen? Sie war riesig, gigantisch. Nein, sie war klein, winzig. In mir drin? Ich in ihr? Sie war nicht ich, ich war nicht sie, und doch waren wir verbunden, untrennbar, wie durch kleine, kaum sichtbare Stege. Mel war mit mir verbunden, und ich mit ihr. Und wir mit Amadeus. Und Ananda, Gua und Scheh. Die Kugel, das Ei: war es das Licht? Die Wärme? Das Leben? Aber: das Ei war – das Buch! Wir sechs: winzige Edelsteine des Buchs. Jetzt kreisten wir um das Buch, wir sechs, nein: wir 200, nein: Millionen, Milliarden. Die goldenen Strahlen des Buchs durchglänzten, durchströmten uns. Nun schwebten sie nebeneinander: das Ei – der Schlüssel – das Buch. Sie näherten sich einander und schienen eine Einheit zu bilden. Jetzt gebar das Ei das Buch und den Schlüssel, dieser schob sich ganz hinein in das Schlüsselloch des Buchs, der Deckel öffnete sich, und heraus schwebte – das Ei. Unaussprechlich. Unaussprechlich. Unaussprechlich.&lt;br /&gt;Als wir, nebeneinander liegend, erwachten, gleichzeitig erwachten, war stockdunkle Nacht. Sofort wußten wir: Die Zeit war gekommen, die zweite Aufgabe zu lösen. Über uns sahen wir keinen Nachthimmel. Unter uns nichts als kalter Fels. Wir standen auf, Amadeus stieß mit seinem Kopf gegen die Decke, schrie auf und fluchte. Wo befanden wir uns hier? Wo hatte man uns hingebracht?&lt;br /&gt;Ich erinnerte mich an den Stein des alten Königs, sprach Ananda darauf an, er zog ihn hervor. Mit schwachem Schein beleuchtete er unsere Umgebung. Eine kleine Höhle, nach wenigen Metern stießen wir an ihre seitlichen Begrenzungen. Anscheinend hatte man uns hierhin gebracht und dann zugemauert. Die Luft würde nur für wenige Stunden reichen, dann würden wir ersticken. Wollte man uns umbringen? Eine seltsame Aufgabe: hier lebend herauszukommen.&lt;br /&gt;Ich beschwor Ananda, intensiv an unsere Rettung zu denken, vielleicht würde der Stein uns den Weg weisen und uns einen verborgenen Ausgang zeigen. Doch es half nichts, in welche Richtung Ananda den Stein auch trug, er leuchtete nicht stärker und nicht schwächer. Wir untersuchten die Wände genau, wir klopften sie ab in der Hoffnung, auf einen Hohlraum zu stoßen – nichts. Die Stunden vergingen. Unsere Angst, unsere Verzweiflung stieg an. Die Atemluft wurde knapp, Scheh war einer Ohnmacht nahe.&lt;br /&gt;Schließlich saßen wir, schwer atmend, nahe zusammen auf dem Boden und warteten, uns an den Händen haltend, auf den Tod.&lt;br /&gt;Mel fing an zu weinen. „Ich muß an die Höhle denken, in der meine Eltern gefangengehalten wurden. Sie sind darin ertrunken.“ Tränen rannen ihr übers Gesicht und tropften zu Boden. Ich versuchte, sie zu trösten, aber ihr Schluchzen wollte kein Ende nehmen.&lt;br /&gt;„Da!“ Gua schrie auf. „Da, auf dem Boden!“ Wir schauten hin. An der Stelle, wo Mels Tränen auftrafen, erschienen Lichtpunkte. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, daß die Tränen Löcher in den Fels bohrten; von unten herauf schien Licht, offenbar befand sich dort ein erleuchteter Raum.&lt;br /&gt;Jetzt weinten wir alle – vor lauter Freude. Unseren Tränen ließen wir freien Lauf, wohl wissend, was sie bewirken würden. Und tatsächlich, die Löcher im Boden wurden immer größer, frische Luft strömte uns von unten entgegen, bald schon konnten wir in den Raum unter uns blicken, wo große Mengen Stroh, nur wenige Meter unter uns, ausgebreitet lagen; offenbar hatte man sie in der Absicht dorthin gebracht, uns einen weichen Fall zu ermöglichen. Nach einer halben Stunde war der Boden derart löchrig geworden, daß ein paar kräftige Fußtritte genügten, eine ausreichend weite Öffnung für uns zu schaffen. Nacheinander ließen wir uns hindurch fallen und kamen alle wohlbehalten unten an.&lt;br /&gt;Ich hatte darauf bestanden, als Letzter nach unten zu kommen, da ich mich noch vergleichsweise kräftig fühlte. Als ich im Stroh landete, erklang Beifall, und das Volk, voran der Oberste Lehrer, strömte herein. Wir befanden und in dem Klassenraum, wo wir dem Alten zum ersten Mal begegnet waren.&lt;br /&gt;„Wir hätten Euch nicht umkommen lassen“, beteuerte er, und wir fühlten, er meinte es ehrlich.&lt;br /&gt;Die zweite Prüfung hatten wir geschafft – die dritte stand uns noch bevor – am nächsten Tag. Wieder führte der Lehrer uns zu dem See. Entsetzt mußten wir feststellen, daß die Insel überflutet war; gerade noch die Spitze des Iglus ragte aus dem Wasser. Wie sollten wir jetzt noch an den Schatz gelangen, ohne Taucherausrüstung?&lt;br /&gt;„Sorgt Euch nicht“, tröstete uns der Alte. „Alles steht unter Wasser, nicht jedoch der Raum des Goldes. Findet ihn auf neuem Wege und bergt den Schatz, dann ist er Euer. Einen Tag habt Ihr Zeit dafür.“ Mit diesen Worten verließ er uns.&lt;br /&gt;Schöne Bescherung. Hier sollte Unmögliches möglich gemacht werden. Wahrscheinlich lag die Schatzkammer nicht unterhalb des Sees, sondern ein wenig außerhalb; der Spiralgang hatte uns ja weit von seinem Zentrum weg geführt. Aber wie sollten wir ihre Lage orten? Und selbst wenn uns das gelänge: Wie sollten wir, ohne schweres Gerät, in solche Tiefe vordringen? Im Bronzenen Reich hätte sich schnell die passende Ausrüstung gefunden; aber hier stand nicht einmal das einfachste Werkzeug zur Verfügung.&lt;br /&gt;Ananda munterte uns auf: „Wir sind die drei Prinzen, und Prinzen finden immer einen Weg!“ Amadeus pflichtete ihm bei: „So ist's. Hier bedarf es des klaren Denkens der organisierenden Beamten – und selbstverständlich auch der musischen Einfühlung.“ Mit letzterem meinte er sich.&lt;br /&gt;So setzten wir uns zusammen, zeichneten Pläne in den Sand des Ufers, rechneten stundenlang – und waren am Nachmittag noch keinen Schritt weitergekommen. Wir hatten kaum zur Kenntnis genommen, daß die Frauen sich schon bald zurückgezogen hatten und anscheinend um den See herum spazieren gingen. Ganz niedergeschlagen waren wir schon, weil wir keine Lösung fanden, da rief aus von Ferne Mel. Sie winkte uns von der anderen Seite des Sees her, zu ihnen zu kommen. Wir eilten hin.&lt;br /&gt;„Hier etwa muß es sein.“ Scheh deutete vor sich auf den Boden.&lt;br /&gt;„Wie kommst du darauf?“ Ananda blickt sie ungläubig an.&lt;br /&gt;„Seht selbst, hier zeigt sich in einer leicht gerundeten Spur ein anderer Bodenbewuchs als ringsumher sonst; das Gras sieht ein wenig gelblicher aus. Ich habe von Kindheit an die Wuchsbedingungen der Pflanzen studiert; deshalb bin ich mir sicher, tief darunter verläuft der Spiralgang. Und hier, nur wenige Meter vom Uferrand entfernt, endet diese Spur. Sogar die Blüten an den Lianen über uns sind ein wenig heller als sonst. Direkt unter uns muß sich die Schatzkammer befinden.“&lt;br /&gt;„Und wenn dem so wäre,“ – Amadeus war nicht überzeugt – „wie kommen wir dann hinunter?“&lt;br /&gt;„Suchen wir doch einfach die nähere Umgebung ab“, versuchte Ananda zu beschwichtigen. „Vielleicht finden wir ja einen zweiten Zugang“.&lt;br /&gt;„Am besten geht jeder in eine Richtung“, schlug ich vor.&lt;br /&gt;„Hat uns die letzte Prüfung nicht gezeigt,“ wandte Mel vorsichtig ein, „daß es besser ist, zusammenzubleiben?“&lt;br /&gt;Ich fühlte, sie hatte recht.&lt;br /&gt;„Das ist es!“ rief Ananda begeistert aus. „Wir nehmen uns an der Hand und bilden einen Energiekreis! Dann ... dann wird sich schon zeigen, wie es weitergeht.“&lt;br /&gt;O je, dachte ich.&lt;br /&gt;Also schlossen wir uns zum Kreis zusammen und drehten uns, tanzten um einen imaginären Mittelpunkt innerhalb der gelblichen Grasfläche. Ringelreihen. Auch das noch!&lt;br /&gt;Kaum hatten wir uns ein oder zwei Minuten so bewegt, hielt Gua an. „Habt Ihr das gehört?“ Sie hüpfte einige Male auf einer Stelle; ich wunderte mich schon gar nicht mehr. „Na klar doch – unter uns ...“&lt;br /&gt;„... klingt es hohl“, ergänzte Amadeus. „Los, nochmal hüpfen, alle zusammen!“&lt;br /&gt;So taten wir es, und auf einmal begann die Fläche, auf der wir standen, in die Tiefe zu sinken, blieb aber nach einem Meter stehen.&lt;br /&gt;„Weitermachen!“ ordnete Ananda an, und mit jedem Sprung sank die Plattform ein Stück tiefer. Nach etwa tausend Metern ging es nicht mehr weiter – wir waren in der Schatzkammer angelangt. Ganz verschwitzt näherten wir uns der Vitrine – sie stand offen, der Schatz lag bereit zum Mitnehmen vor uns.&lt;br /&gt;Ananda, Amadeus und ich tauschten Blicke. „Denken wir das Gleiche?“ fragte ich. Sie nickten. „So möchte ich Dich bitten, Mel: Nimm du das Goldene Buch heraus, du hast verdient, es zuerst zu berühren!“ Ähnlich sprachen Amadeus und Ananda zu ihren Freundinnen. Ein feierlicher Augenblick! Die Frauen nahmen ehrfürchtig das Gold aus der Vitrine, traten dann aber sogleich vor uns hin, um es uns zu überreichen. „Ihr habt Euch doch so sehr danach gesehnt“, sprachen sie gleichzeitig.&lt;br /&gt;Ich war gerührt. Tränen traten mir in die Augen, ich umarmte Mel und küßte sie. Wie glücklich war ich, ans Ziel gelangt zu sein – gemeinsam mit Mel. Ich betrachtete das Buch von allen Seiten. Zusammen mit dem Schlüssel und dem Ei würde es die Oberflächler retten. Übrigens war es erstaunlich leicht und würde sich gut transportieren lassen.&lt;br /&gt;Jetzt mußten wir einen Weg nach oben finden. Wir betraten die grasbewachsene Platte, auf der wir nach unten gesunken waren.&lt;br /&gt;„Versuchen wir es mit Hüpfen.“ Wir versuchten es, doch die Plattform bewegte sich nicht. Sollten wir etwa wieder in eine gefährliche Situation geraten sein?&lt;br /&gt;Diesmal kam Ananda der rettende Einfall: „Wir tanzten doch oben zunächst im Kreis.“&lt;br /&gt;„Ja, und?“&lt;br /&gt;„Laßt es uns wieder versuchen. Aber diesmal in der entgegengesetzten Richtung.“&lt;br /&gt;Gesagt, getan. Diesmal wirkte unser anschließendes Hüpfen, die Platte bewegte sich langsam aufwärts.&lt;br /&gt;Als wir oben angekommen waren, erschöpft, aber glücklich, jubelte das versammelte Volk uns zu.&lt;br /&gt;„Ruht Euch diese Nacht noch bei uns aus,“ lud der Oberste Lehrer uns ein, „morgen begleiten wir Euch zum Ausgang.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-327959226159132160?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/327959226159132160'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/327959226159132160'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-213.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,13'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-2418445232227214916</id><published>2008-07-27T06:19:00.001+01:00</published><updated>2008-07-27T06:21:43.520+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,12</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Der Lehrer&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem Ananda Scheh und uns miteinander bekanntgemacht hatte, eröffnete er uns: „Heute ist der Tag unserer Flucht. Vor einer Stunde hat der alte König seine Tochter abgeholt. So laßt uns denn gemeinsam aufbrechen, um eine andere Ebene zu erklimmen.“ Eine typische Ananda-Floskel. Er meinte damit das Goldene Reich, das wir erreichen mußten, um Buch, Schlüssel und Ei zu finden.&lt;br /&gt;Ananda zog den Kristall hervor, konzentrierte sich auf unser Ziel, und sogleich leuchtete das Juwel in seiner Hand. Wir verließen das Schloß und folgten der Weisung des Steins: Immer wenn er hell strahlte, befanden wir uns auf dem richtigen Weg; immer wenn das Licht erlosch, wußten wir, daß dies die falsche Richtung war.&lt;br /&gt;Nachdem wir mehrere Stunden dem Leuchten gefolgt waren, standen wir auf einmal vor einem kleinen Hügel, kaum höher als ein zweistöckiges Haus. Der Kristall erstrahlte so hell, daß man nicht direkt hineinschauen konnte. Wir gingen um den Hügel herum, fanden jedoch keinen Eingang. Da sahen wir, wie, nur noch wenige hundert Meter von uns entfernt, eine große Menge Menschen auf uns zuströmte. In einer Minute würden sie hier sein.&lt;br /&gt;Anada rief: „Schnell, hinauf auf den Hügel! Hoffen wir, daß sich dort der Einstieg befindet.“ Keuchend kletterten wir nach oben, doch auch hier erblickten wir keine Falltür oder ähnliches. Die ersten unserer Verfolger waren fast schon unten angelangt, da geschah etwas gänzlich Unerwartetes: Der Hügel sank in sich zusammen und dann noch weiter in die Tiefe, so daß wir uns auf einmal wie in einer riesigen Tüte stehend vorkamen. Da erschienen schon einige Gesichter oben am Kraterrand, die ebenso überrascht aussahen wie die unseren. Jetzt saßen wir in der Falle, denn wenn die Leute sich von ihrem Schreck erholt hätten, würden sie zu uns herabsteigen. Doch zu unserem Erstaunen schloß sich die Öffnung über uns, es war auf einmal ganz dunkel, einen Moment später öffnete sich der Boden unter uns und wir fielen in die Tiefe. Zum Glück landeten wir weich auf einem Haufen Stroh. Als wir uns wieder aufgerappelt hatten und auf festem Boden standen, fiel uns auf, daß es allmählich heller wurde, so daß wir hier im Goldenen Reich von der Zeit der Morgendämmerung ausgehen mußten. Schon nach wenigen Minuten hatte die Helligkeit ein Ausmaß erreicht, das die des Silbernen, erst recht des Bronzenen Reichs bei weitem übertraf. Die strahlende Höhlendecke befand sich nur wenige Meter über dem Höhlenboden, der nur von Gras bewachsen war; Blumen, Büsche, Bäume gab es ringsum nicht, doch von oben hingen Lianen voller Blüten herab. Nicht weit von uns entfernt erblickten wir Gebilde, die riesigen Maulwurfhügeln ähnelten; als wir näherkamen, erkannten wir in ihnen menschliche Behausungen, Iglus aus Lehm, mit schmalen Eingängen, aber keinen Fenstern. Doch weit und breit war niemand zu sehen. Ehrlich gesagt, unter einem Goldenen Reich hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Das Silberne war ja, abgesehen vom Schloß, bereits schlicht gewesen, doch hier kam ich mir wir in einer Urzeit vor, nicht wie in einer Hochkultur.&lt;br /&gt;Aber der Kristall zeigte an, daß wir uns auf dem rechten Weg befänden. Als wir uns dem vordersten Lehm-Iglu näherten, blinkte er wie verrückt. Wir schauten uns überrascht an.&lt;br /&gt;Da trat ein Knirps heraus, etwa drei Jahre alt, angetan mit einem schlichten Hemd aus geflochtenem Gras. „Seid willkommen, Ihr edlen Fremden“, sprach er uns an und verneigte sich dabei. Sprach er? Seine Lippen hatte er nicht bewegt. Außerdem hatte ich es auf deutsch verstanden. Ich schaute mich um. Meine Begleiter blickten ebenso entgeistert aus der Wäsche, wie ich es vermutlich tat. Hatte jeder von uns ihn in seiner Sprache gehört? Ich wandte mich wieder dem Jungen zu.&lt;br /&gt;„Verzeiht, wenn Ihr verwirrt seid“, übertrugen sich seine Gedanken in meinen Kopf – in unsere Köpfe. „Wir reden hier in der Gedankensprache, die universal verständlich ist.“&lt;br /&gt;Anandas Augen glimmten auf; offensichtlich hatte er soeben neue Möglichkeiten der geistigen Entwicklung ausgemacht.&lt;br /&gt;„Ihr seid, wie ich erkenne, auf der Suche nach drei Gegenständen, weil die Zivilisation, die hoch über uns lebt, ihrer bedarf. Das Beste ist, Ihr folgt mir zur Schule, wo meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gerade unterrichtet werden. – Ach, Ihr fragt Euch, was mit den Kindern und Jugendlichen sei? Die Zwei- bis Zwanzigjährigen haben heute ihren studienfreien Tag, sind aber angehalten, sich im Wesentlichen zu üben.“&lt;br /&gt;„Im Wesentlichen?“ fragte ich mich. „Darüber wird Euch sicherlich noch Auskunft zuteil werden“, tönte es mit knabenhafter Stimme in meinem Kopf.&lt;br /&gt;Der Kleine führte uns zu einer Anlage von der Größe eines Sportplatzes, die von mannshohen Mauern umschlossen war. „Die Schule. Durch die sieben Tore, die Ihr seht, gelangt man zu den einzelnen Klassen.“ Wir traten durch das mittlere ein. Das „Klassenzimmer“ bestand aus nichts weiter als aus einem saalgroßen Hof, begrenzt von nackten Wänden, über uns der „Himmel“. 24 Männer und Frauen saßen im Schneidersitz auf dem Boden, vor ihnen stand ein hagerer Mann mit wallendem grauen Haupthaar und einem noch längeren weißen Bart. Er und seine Schüler, alle nur mit Grashemden bekleidet, blickten uns freundlich an, niemand schien über uns Fremde auch nur im geringsten erstaunt zu sein. Ein fast fröhlich zu nennendes „Willkommen“ hallte durch unsere Köpfe.&lt;br /&gt;Der Weißhaarige gab uns durch ein Zeichen zu verstehen, wir sollten uns hinsetzen. Dann sah er uns lange eindringlich an. Das Schweigen war kaum zu ertragen.&lt;br /&gt;„Ihr wollt also die Goldene Dreiheit mit nach oben nehmen!“ stellte er schließlich mit sanften und doch tief durchdringenden Gedanken fest. „Da ich, der Oberste Lehrer, Eure lauteren Absichten erkenne, will ich Euch hinführen. Doch wisset: Erhalten werdet Ihr sie nur dann, wenn Ihr drei Aufgaben löst!“&lt;br /&gt;Wie erleichtert waren wir, endlich, nach all den Mühen, zu erfahren, wir seien am Ziel unserer Reise angekommen. Es gab sie also doch, die drei goldenen Gegenstände, das Buch, den Schlüssel und das Ei. Und man würde sie uns sogar freiwillig überlassen, wenn wir nur drei Aufgaben lösen würden!&lt;br /&gt;Vor Freude fielen wir einander um den Hals. Der Oberste Leherer lächelte. „Vielleicht wollt Ihr Euch stärken, ehe Ihr den großen Gang antretet.“&lt;br /&gt;Ein längerer Weg also? Dann mußte es halt so sein.&lt;br /&gt;Auf ein Zeichen des Alten hin entfernten sich mehrere Kinder und kehrten nach kurzer Zeit mit Speis und Trank zurück: In Schüsseln aus geflochtenen Gräsern lagen Beeren unterschiedlicher Sorten, große Blütenkelche waren angefüllt mit klarem Wasser.&lt;br /&gt;Während wir uns daran gütlich taten, erläuterte der Lehrer: „Auf anderer Ebene pflegt man mehr Nahrung zu sich zu nehmen, oft auch gröbere. Wir bedürfen ihrer kaum, nur noch zum Frühstück nehmen wir Früchte, die an Lianen reifen, zu uns, und abends einige Blütenblätter.“&lt;br /&gt;„Und das reicht Euch zum Leben?“ fragte ich ungläubig.&lt;br /&gt;„Keineswegs. Hauptsächlich leben wir vom Licht.“&lt;br /&gt;„Wie?“ rief Amadeus aus und ließ seinen Kelch zu Boden fallen.&lt;br /&gt;Der Alte sah den Knaben an, der uns hergeleitet hatte. Dieser gab sofort Auskunft: „Schon vor Jahrtausenden haben wir die Fähigkeit entwickelt, uns vom Licht zu ernähren, aus ihm Energie zu gewinnen.“&lt;br /&gt;„Wie die Pflanzen ...“, flüsterte Amadeus entgeistert.&lt;br /&gt;„Mittels Gedankenkraft?“ fragte Scheh.&lt;br /&gt;„Auch damit hat es etwas zu tun.“ Der Lehrer wollte sich wohl nicht konkret äußern.&lt;br /&gt;Nach dem Essen bat er uns, ihm zu folgen; den Schülern wurde aufgegeben, sich zwischenzeitlich in das „Wesentliche“ zu vertiefen. Eine halbe Stunde später hatte unsere kleine Gruppe den Rand eines Sees erreicht. In seiner Mitte lag eine winzige Insel, auf der ein Lehm-Iglu errichtet war.&lt;br /&gt;„Schwimmt hinüber, und Ihr werdet finden, was Ihr sucht. Eure Kleidung laßt Ihr am besten hier, seid versichert, Ihr werdet dort nicht frieren.“ Zuckte da ein Grinsen über sein Gesicht?&lt;br /&gt;Wir beschlossen, dem Rat zu folgen und uns zu entkleiden.&lt;br /&gt;„Übrigens: das ‚Wesentliche‘, über das Ihr vergebens nachgrübelt: Das Goldene Buch wird es Euch offenbaren, sofern ...“ Er schwieg, drehte sich wortlos um, trat den Rückweg an und ließ uns voller Fragen zurück.&lt;br /&gt;Mel, Gua und Scheh schwammen schnell wie Nymphen und hatten lange vor uns die Insel erreicht. Sie lachten, als wir endlich prustend und hustend ankamen.&lt;br /&gt;Nacheinander betraten wir durch die schmale Türöffnung die Lehmbehausung. In seiner Mitte führte eine steile Wendeltreppe nach unten. Vorsichtig machten wir uns auf den Weg in die Tiefe. Die runde Wand leuchtete schwach, unsere Augen mußten sich erst an das Dämmerlicht gewöhnen. Minuten vergingen, noch immer fand die Treppe kein Ende. Nicht nur wegen der eigenen Anstrengung, auch wegen der wärmer werdendem Luft schwitzten wir immer stärker. Der Lehrer sollte recht behalten: Von Kälte und Frieren konnte hier keine Rede sein. Endlich, nach vielen hundert Stufen, die keiner von uns zählte, gelangen wir unten an. Meine Knie taten mir so weh, daß ich mich für einige Zeit hinsetzen mußte. Außer einem Gang konnten wir von hier aus nichts erkennen. Wir betraten ihn und stellten fest, daß er sich spiralförmig nach außen wand. Endlich, nachdem wir wohl eine Stunde oder länger gegangen waren, wurde er heller und heller, und auf einmal standen wir in einem gleißend hellen Saal, dessen Wände mit eigenartigen Ornamenten bemalt waren. In seiner Mitte glänzte es golden aus einer dreigeteilten Vitrine. Da waren sie, die wir so lange gesucht hatten, die drei goldenen Rettungsanker der „Oberflächler“: Buch, Schlüssel und Ei!&lt;br /&gt;Letzteres hatte die Größe eines Straußeneis; ob es sich um ein von einem Tier gelegtes Ei handelte oder um ein künstlich von Menschenhand gefertigtes, ließ sich aus dem bloßen Anblick nicht erkennen; vielleicht auch war es ein echtes Ei und nachträglich eingefärbt oder von Gold oder goldfarbenem Material umhüllt worden. Der Schlüssel ließ sich als solcher nicht sogleich ausmachen; vor uns lag ein schmaler Rundstab von der Größe eines Bleistifts, bei dem es sich schlicht und einfach deshalb um den Schlüssel handeln mußte, weil Buch und Ei als solche klar erkennbar waren.&lt;br /&gt;Das Buch ähnelte Evangeliaren des europäischen Mittelalters: Zwischen zwei goldenen Deckeln, dessen vorderer reich mit Edelsteinen verziert war, mußten sich die Blätter befinden, die vermutlich aus Papier oder einem ähnlichen Material bestanden. Auch die vier Ränder des Buchs bedeckten metallene Scheiben. In der Mitte der Vorderseite befand sich ein Loch, in das der Schlüssel genau hineinpassen würde. Sollte sich auf diese Weise das Buch öffnen lassen? Wozu diente dann das Ei?&lt;br /&gt;Kurzzeitig dachten wir Prinzen darüber nach, die „Goldene Dreiheit“ zu entwenden, doch Mel warnte uns davor: Niemals würden wir mit diesem Schatz aus den drei Reichen entkommen. Gua bekräftigte dies mit einem entschiedenen „Genau so ist's“, und Scheh stimmte mit einem lautstarken „Allerdings“ ein. Dennoch hätten die Frauen uns nicht überzeugt, wenn wir nicht festgestellt hätten, daß die Vitrine nicht aus leicht zerstörbarem Glas, sondern aus einem wesentlich härteren, durchsichtigen Stoff bestand, vielleicht sogar aus transparentem Metall. Außerdem redete Mel uns in Gewissen: Der Oberste Lehrer sei doch bereit, uns bei Erfüllung dreier Aufgaben den Schatz zu schenken; wir dürften seine Großzügigkeit nicht mit Diebstahl „belohnen“.&lt;br /&gt;So stiegen wir keuchend die Treppe hinauf, schwammen ans Ufer des Sees, kleideten uns an und suchten den Lehrer in der Schule auf.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-2418445232227214916?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2418445232227214916'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2418445232227214916'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-212.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,12'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-1331865279745863863</id><published>2008-07-27T06:15:00.001+01:00</published><updated>2008-07-27T06:19:06.635+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,11</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Bericht von Ananda Prinz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Urwald, nichts als Urwald. Pflanzen, wie ich sie in solcher Vielfalt und Üppigkeit noch niemals zu Gesicht bekommen habe. Und Schmetterlinge, Dutzende, wenn nicht hunderte Arten. Fließen der Säfte und Kräfte, vibrierendes Leben. Ich umschlang mit meinen Armen einen jungen Baum, umarmte den Stamm, fühlte, wie auch dieses Naturwesen teilhat am vitalen Strömen des Alls. Tief ein- und ausatmend, nahm ich die Schwingungen des Dschungels in mich auf.&lt;br /&gt;Schon am Tag nach meiner Ankunft in Borneo fuhren wir mit einem Motorboot mehrere Stunden auf dem Sarawak-Fluß, danach ein zweitägiger Fußmarsch auf verschlungenen Pfaden durch den Regenwald. Ich bewunderte meine drei Führer, wie sicher sie uns den Weg durch das Buschwerk bahnten. Endlich erblickte ich ihn, den erst vor kurzem entdeckten buddhistischen Tempel, oder vielmehr seine Ruinen; viel war von der ehemals wohl prachtvollen Anlage nicht mehr zu erkennen, hier eine zerbröckelnde Mauer, dort eine halbe Treppe, umgefallene Säulen, die Überreste steinerner Löwen. Seltsamerweise hatten die Pflanzen des Urwalds die Ruinen nur an den Rändern der Anlage überwuchert, wenngleich die nackten Steine überall grünlich schimmerten, vermutlich verursacht durch Algen. Ich konnte mir kaum vorstellen, daß die Witterung alleine das stabile Gemäuer zum Einsturz gebracht hatte, vielleicht hatte es ein schweres Erdbeben gegeben, oder Menschen hatten den Tempel zerstört. Wie auch immer, ich fühlte, es war richtig so, wie wir ihn vorfanden, denn das Dasein ist ein Auf und Ab: Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung, und aus den Trümmern der Welt wächst neues Leben. So soll, so muß es sein. Hier jedoch fand ich eine Besonderheit: Die Ruine stand oder vielmehr lag so, wie sie wohl schon seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden gelegen hatte. Es war, als sei über diesen Ort ein Zauber ausgebreitet, der neues Wachstum verbot. Ich zückte mein Notizbuch, vermerkte dieses Phänomen und schoß dann einige Photos. Schon jetzt vermutete ich, daß meine Vermerke und Bilder über diese Reise nach deren Beendigung mindestens einen dicken Aktenordner füllen würden.&lt;br /&gt;Dieses Heiligtum längst vergangener Zeiten, dieses ahnungserfüllte und zugleich grausame Geheimnisse bergende Trümmerfeld also sollte mein Operationsgebiet sein, hier sollte ich das Goldene Ei suchen. Daß es mir nicht möglich sein würde, die unzähligen Felsblöcke hochzustemmen und unter ihnen nachzuschauen, wurde mir schnell bewußt. Ja, wenn ich märchenhafte Kräfte besäße, oder Riesen mir bei dieser Aufgabe helfen würden ...&lt;br /&gt;Doch wir Prinzen waren nicht umsonst auserwählt worden, die Welt zu retten. Zufälle gibt es nicht. So beschloß ich, mir inmitten der Ruine einen geeigneten Platz für die Meditation zu suchen. Mir war klar, daß ich wohl nicht sogleich Erfolg haben würde, aber als Frucht ausdauernder Konzentration würde mir früher oder später die Lösung des Problems in den Schoß fallen, der richtige Gedanke würde in mich einfließen.&lt;br /&gt;Die Abenddämmerung nahte: die rechte Zeit, den Körper in den Zustand der Entspannung zu versetzen und die Seele Verbindung zum Allgeist aufnehmen zu lassen. Meine Begleiter schickte ich weg, am Rand der Lichtung Zelte zu errichten und mich für die nächsten Stunden alleine zu lassen. Bald fand ich auch das richtige Plätzchen für meine Zwecke: ein großer, erhöht liegender Steinblock, der vermutlich als Fundament eines Nebengebäudes gedient hatte. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick über das gesamte Gelände; hier fühlte ich mich gleich wohl, hier konnte mein Geist seine Streifzüge antreten. Ich setzte mich im Lotussitz auf ein Seidentuch, das Gesicht gen Osten gewandt, schloß meine körperlichen Augen und richtete sie auf mein geistiges Auge inmitten meiner Stirn. Dann vertiefte ich den Atem und verlangsamte den Schlag meines Herzens.&lt;br /&gt;Schon nach wenigen Minuten fühlte ich mich über meinem stillsitzenden Körper schweben. Ich genoß den Zustand tiefen inneren Friedens, fühlte mich eins mit dem Tempel und dem Wald. Auf einmal hatte ich das Gefühl, um mich herum würde es dunkel und ich sänke mit zunehmender Geschwindigkeit in die Tiefe. Derartiges hatte ich in meinen Meditationen noch nicht erlebt, vielleicht hing es schlicht und einfach mit der besonderen Örtlichkeit zusammen. Doch dann spürte ich einen kalten Luftzug auf der Haut. Als ich, irritiert, die Augen öffnete, war es um mich herum stockdunkel, mir wurde schnell klar, daß ich auf dem Stein in die Tiefe der Erde sank, und zwar mit rasender Geschwindigkeit. Einen Moment lang überfiel mich panische Angst, doch dann sagte ich mir, wie es kommt, kommt es recht. Dann wurde ich ohnmächtig.&lt;br /&gt;Als ich wieder meine Augen öffnete, stellte ich zunächst fest, daß ich immer noch im Lotussitz saß; offenbar hatte ich auch während meiner Ohnmacht diese stabile Sitzhaltung beibehalten. Aber worauf saß ich? Es war ein riesiger Haufen angenehm duftender Blumen, eine Art Natur-Thron. Erst nachdem meine Augen sich an die große Helligkeit gewöhnt hatten, nahm ich eine Anzahl Menschen wahr, die, mit etwas ähnlichem wie altrömischer Kleidung angetan, im Kreis um mich herum standen.&lt;br /&gt;Wo befand ich mich? War ich in meiner körperlichen Existenz gestorben und nun mit meinem geistigen Sein in eine höhere Sphäre aufgestiegen?&lt;br /&gt;Als die Leute bemerkten, daß ich erwacht war, warfen sie sich ringsum zu Boden. Ein solches devotes Verhalten schien mir für Geistwesen nicht angemessen, also lebte ich wohl noch auf irdische Weise. Doch wo nur hielt ich mich hier auf? Vermutlich nicht im Freien, sondern in einem riesigen Raum.&lt;br /&gt;Seltsamerweise blieb ich ganz ruhig und geriet angesichts der ungewöhnlichen Umstände nicht das geringste bißchen in Unruhe, geschweige denn in Panik. War es der Blumenduft, der mich beruhigte?&lt;br /&gt;Ein älterer Mann erhob sich behutsam vom Boden und näherte sich mir, dabei immer wieder buckelnd. Er begann auf mich einzureden in einer mir gänzlich fremden Sprache. Da man mich anscheinend für eine ehrwürdige Person oder ein höheres Wesen hielt, wollte ich mir keine Blöße geben, sondern tat, als ob ich alles verstünde, und lächelte dabei tiefgründig, schweigend und allwissend wie Buddha dasitzend. Dies schien die Leute tief zu beeindrucken.&lt;br /&gt;Vier kräftige Männer eilten mit einer Sänfte herbei, in die sie mich vorsichtig hineinhoben, als wäre ich der Kaiser von China. Dann brach die Gruppe auf, die Sänfte trug man vorneweg. Nach wenigen Minuten erreichten wir eine Senke, in die man hinabstieg. Unten angekommen, hob man mich aus der Sänfte heraus und setzte mich auf ein Gebilde in Form eines LKW-Reifens, das ein intensives violettes Licht ausstrahlte. Die Menschen ließen sich ringsum nieder; immer mehr strömten nach und nach herbei.&lt;br /&gt;Dann trat der eine und andere vor mich hin, redete auf mich ein, schien aber keine Antwort zu erwarten, sondern machte nach wenigen Ausführungen dem nächsten Platz. Vielleicht trugen sie mir Bitten vor?&lt;br /&gt;Etwas Seltsames ereignete sich: Meine Gedanken wurden kristallklar und beschleunigten sich zu unglaublicher Schnelligkeit, in mir entwickelte sich in kürzester Zeit ein Verstehen und Begreifen, für das ich früher Stunden oder Tage benötigt hätte. Aus der Betonung der Worte, der Mimik und Gestik heraus verstand ich, was die Bittsteller sagen wollten. So lernte ich innerhalb von zwei Stunden einen Großteil der Sprache verstehen, und fast noch wunderbarer war, daß ich danach eine kurze Dankesrede in der Sprache der Fremden halten konnte! Vermutlich verdankte ich meine Fähigkeiten den Strahlen, die von dem Sitzreifen ausgingen.&lt;br /&gt;Meine Zuhörer waren ob meiner freundlichen Worte schier aus dem Häuschen; sie jubelten und ließen mich tausendfach hochleben.&lt;br /&gt;Inzwischen hatte ich wohl aufgrund verschiedener Äußerungen mitbekommen, weshalb man mich so umwarb: Man hatte mich in der Lotushaltung sitzend vorgefunden, anscheinend in tiefer Versenkung, in Wirklichkeit bewußtlos. Nun hielt man mich für den „Denk-Urmeister“, der nach Jahrtausenden wiedergekehrt sei, dem Volk reichen Denk-Segen zu bescheren.&lt;br /&gt;In der Sänfte beförderte man mich in eine nahegelegene Ortschaft, die aus einfachen Häusern bestand, und brachte mich im Haus des Ortsvorstehers unter, wo ich köstlich bewirtet wurde. Dabei fiel mir besonders die Tochter des Hausherrn auf, die mich aufs freundlichste bediente. Sie lächelte mich so entzückend an, daß ich sogleich von ihr fasziniert war. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie dies nur auf Anordnung ihres Vaters hin tat; vielleicht ließ einfach meine Eitelkeit eine solche Vorstellung nicht zu.&lt;br /&gt;Ich muß zugeben, ich genoß es, von den Menschen so verwöhnt und angehimmelt zu werden. Mir war wohl klar, daß dies alles auf einem Irrtum beruhte; jedoch war ich keineswegs gewillt, ihn auszuräumen und zuzugeben, ich sei nur ein gewöhnlicher Mensch. Mein schlechtes Gewissen, das sich gelegentlich meldete, beruhigte ich mit dem Gedanken, diese kleine Lüge schade doch niemandem Die Erkenntnis, daß Unwahrheiten früher oder später unweigerlich ins Unglück führen, verdrängte ich.&lt;br /&gt;Die meiste Zeit schwieg ich und hörte einfach nur zu, wenn die anderen sprachen. Schon seit Jahren hatte ich mich um des geistigen Fortschritts willen im Schweigen geübt, so daß es mir auch jetzt nicht schwerfiel. Tage vergingen, in denen ich regungslos dasaß und nur die Vorgänge meiner Umwelt in mich aufnahm. So erfuhr ich von den Eigenheiten dieses Volkes und lernte seine Geschichte kennen.&lt;br /&gt;Eines Tages versammelten sich in der kleinen Ortschaft mehrere tausend Menschen. Meine Anwesenheit hatte sich landesweit herumgesprochen, und nun waren von überall her Delegationen eingetroffen, um gemeinsam darüber zu befinden, wie man sich mir gegenüber verhalten solle. Man brachte mich auf einen großen Platz, wo ich der Menge gegenüber saß. In ihr entspannen sich bald Diskussionen über mein weiteres Schicksal. Diese Gespräche dauerten tagelang an. Aus allem, was ich mitbekam, gewann ich den Eindruck, hier werde nicht zuwenig nachgedacht und abgewogen, sondern zuviel. „Was lange bedacht, wird endlich bedenklich“, pflegte schon mein Großvater zu sagen. Mir schien, den Menschen hier fehlte die Fähigkeit, sich ins Wesen der Dinge zu versenken.&lt;br /&gt;Schließlich reiste auch der alte König des Reichs an, um mich zu begutachten. Ich schätzte ihn auf mindestens 90 Jahre. Unsicher und in verschnörkelter Sprache begrüßte er mich. Da rief jemand: „Brauchen wir nicht einen neuen König?“ Und sogleich erhoben sich hunderte Stimmen: „Wir wollen einen neuen König! Hier haben wir ihn!“ Sie meinten mich.&lt;br /&gt;Begeisterte junge Männer hoben mich hoch, zeigten mich ringsum der Menge, setzten mich dann in die Sänfte und trugen mich in einem mehrstündigen Marsch, bei dem viele uns folgten, hin zum märchenhaften Königsschloß „Dies-Neh“. Ehe die Menschen mich zum Eingang brachten, warf ich noch einen Blick auf sie. Dicht bei mir stand der Ortsvorsteher, der mich beherbergt hatte und jetzt unglücklich dreinsah; immerhin hatte meine Anwesenheit in seinem Haus zur Mehrung seines Rufs beigetragen. Neben ihm erblickte ich seine Tochter, die mich traurig ansah. Auch mir tat es in der Seele weh, nicht mehr bei ihr bleiben zu dürfen; in ihrer Nähe war ich glücklich gewesen.&lt;br /&gt;Man hatte auch den alten König mit zum Schloß befördert; nun wurde er genötigt, mich dort einzuführen, denn niemand seiner Untertanen wagte es, das hellgleißende Gebäude zu betreten. So schritt er neben mir durch die einzelnen Gemächer und Säle, die alle in unterschiedlicher Weise geschmückt und ausgestattet waren. Ich kam mir vor wie im Paradies, wie in der Shpäre seliger Geister, doch zog mich des Königs Niedergeschlagenheit herunter. Ich wagte nicht, ihm offen zu sagen, daß ich gar nicht beabsichtigte, hier den Herrscher zu spielen, vielmehr bei der nächstbesten sich bietenden Gelegenheit mich absetzen wolle. Immerhin deutete ich es kurz an; ob er es verstand, weiß ich nicht. Zuletzt kamen wir zu einer kleinen Tür, an die er behutsam klopfte. Es wunderte mich, daß wir bisher keinem Menschen in den Gängen und Räumen begegnet waren. Wie ich später erfuhr, gab es keine Diener; auch der König mußte sich selbst versorgen.&lt;br /&gt;Die Tür öffnete sich, und eine wunderschöne junge Frau trat heraus, die Tochter des alten Königs. Er stellte sie mir vor.&lt;br /&gt;„Mein liebstes Kind, dies ist der Mann, der von oben herabstieg, und den du nun heiraten wirst.“ Dann wandte er sich mir zu: „In unserem Lande ist es Sitte, das alte Königshaus – wann immer möglich – fortzuführen.“ Mit diesen Worten ließ er uns beide allein.&lt;br /&gt;Was sollte ich tun? Das alles ging mir zu schnell. Die Königstochter bat mich herein, und als wir uns setzten, ließ sie wie unabsichtlich ihr seidenes Gewand verrutschen, so daß sich mir ein tiefdekolltierter Einblick bot. Ich fragte dumm: „Und, wie geht es denn so?“, woraufhin sie, leicht verärgert, wieder zuzog.&lt;br /&gt;Jetzt bemühte ich mich um mehr Freundlichkeit. Zwar war ich keineswegs an niederer fleischlicher Lust interessiert – immer schon hatte ich derartige Annäherungen an das andere Geschlecht vermieden –, aber sie konnte mir vielleicht wichtige Auskünfte erteilen. So schien sie mir auch bald wieder versöhnt zu sein und spekulierte unbefangen über unseren baldigen Hochzeitstermin.&lt;br /&gt;„Mich wundert,“ sinnierte ich, „daß Ihr überhaupt nicht das Wort ‚Denken‘ in den Mund nehmt, obwohl doch Euer Volk unentwegt davon spricht.“&lt;br /&gt;„Meine Eltern“, lächelte sie, „stammen nicht von hier, sie kamen aus dem Bronzenen Reich herüber. Da Vater sich hier durch seine Fähigkeiten bald hervortat, krönte man ihn anstelle des damaligen alten Königs. Er dachte nicht ständig über das Denken nach, sondern handelte, daher konnte er dieses versponnene Volk gut führen. Leider starb meine Mutter vor Jahren, und mein Vater ist ein alter Mann. Doch bald“ – sie blickte lüstern auf mich – „haben wir einen neuen König!“&lt;br /&gt;Ich gab bald vor, müde zu sein, und bezog das für mich vorgesehene Zimmer. Die Königstochter – so schön sie war – gefiel mir nicht, was ich sie aber nicht merken ließ. Als ich auf meinem Bett lag, dachte ich sehnsüchtig an Scheh-Mua-Tua, die Tochter des Dorfvorstehers. Mit Erschrecken wurde mir klar, daß ja auch sie ein weibliches Wesen war – und nach einem solchen hatte mich, der ich doch bisher dem Geschlechtstrieb erfolgreich ausgewichen war, Sehnsucht ergriffen! Dann aber ging mir der tröstliche Gedanke durch den Kopf, daß in ihrem Fall nicht tumbe sinnliche Begierde mich gepackt hatte, sondern Scheh und ich wohl Zwillingsseelen seien, die durch die Zeitalter immer wieder zueinander fänden, und dies beruhigte mich.&lt;br /&gt;Was darauf folgte, will ich nur kurz beschreiben: Man setzte mir eine Krone aufs Haupt, denn von nun an sollte ich kommissarisch die Regierungsgeschäfte führen; offiziell sollte ich erst am Tag der Hochzeit gekrönt werden. Ich mied, soweit irgend möglich, den Umgang mit der Königstochter, und konnte es einrichten, Scheh über Wochen immer wieder heimlich zu treffen, wozu eine Cousine von ihr uns tatkräftig verhalf. Gelegentlich suchte ich den alten König auf, der in der Nähe des Schlosses untergebracht worden war. Seine Tochter meinte, wir verhandelten über die Heiratsbedingungen, tatsächlich aber bemühte ich mich, ihm behutsam klarzumachen, daß ich weder am Königsamt noch an seiner Tochter interessiert sei. Wenn ich einfach verschwände, bliebe er sicher wie bisher König, zumal ich noch nicht inthronisiert sei. Zwar bedauerte er, auf mich als Schwiegersohn verzichten zu müssen, konnte sich aber mit dem Gedanken, weiterhin zu regieren, durchaus anfreunden.&lt;br /&gt;Als ich ihn das letzte Mal aufsuchte, offenbarte ich ihm meine Mission und fragte ihn, ob er wisse, wo sich die drei goldenen Gegenstände befänden.&lt;br /&gt;„Sucht im Goldenen Reich, denn in den anderen Höhlen sind sie mit Sicherheit nicht zu finden.“ Aus einer Gewandtasche zog er einen faustgroßen goldfarbenen Kristall hervor und reichte ihn mir. „Er wird Euch bei der Suche behilflich sein. Immer, wenn Ihr auf dem richtigen Weg seid, wird er aufleuchten. Ihr müßt, wenn Ihr ihn in der Hand haltet, nur intensiv an Euer Ziel denken.“&lt;br /&gt;Dann umarmte er mich und versprach mir, am übernächsten Tag seine Tochter zu einem Ausflug mitzunehmen, damit ich entfliehen könne. Scheh ließ ich über einen Jungen aus der Nachbarschaft die Nachricht zukommen, auch sie möge die entsprechenden Vorbereitungen treffen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-1331865279745863863?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1331865279745863863'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1331865279745863863'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-211.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,11'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-5190614708553008836</id><published>2008-07-22T09:39:00.001+01:00</published><updated>2008-07-22T09:42:36.491+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,10</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Die Denker&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich komme mir vor wie in einem Märchen – wir vier kommen uns so vor. In einen Brunnen springen – und schon landet man in einer anderen Welt. Wie bei Frau Holle. So ging es auch uns, als es uns endlich gelungen war, die Luke auf dem Grund des Sees zu öffnen. Mit Wucht wurden wir hindurchgesaugt, und nach wenigen Sekunden tauchten wir in einem anderen See auf, in einer anderen Welt. Die Augen taten uns weh, denn hier war nicht Nacht wie „drüben“, sondern Tag. Nachdem wir gierig nach Luft geschnappt hatten, schwammen wir zum Ufer. Was uns sogleich auffiel, war die erstaunliche Helligkeit, die diese Höhle erfüllte. Im Unterschied zum Silbernen Reich, in dem wir uns jetzt befanden, war das Tageslicht des Bronzenen vergleichsweise dämmerig gewesen. Dementsprechend leuchtete die Landschaft, die wir vom Ufer des Sees aus erblickten, in hellen, klaren Farben. Erstaunt stellten wir fest, daß sich hier keine Wälder fanden, nur einzelne Bäume und kleine Baumgruppen, dafür aber unfaßbar viele Blumen in allen möglichen Farben die Wiesen zierten, die den See umgaben. Als wir aufbrachen, um eine Stadt zu suchen, und uns einen Weg durch das hohe Gras bahnten, kamen mir Blüten zu Gesicht, wie ich sie noch nie zuvor wahrgenommen hatte; Blüten von ungeheurer Größe, die wie Kelche von den Zweigen der Büsche herabhingen oder wie Pyramiden von Pflanzenstengeln aufstiegen, mit Mustern aus drei, vier, sogar fünf Farben. Einige der Blüten strömten eine beinahe betörende Süße aus; mir fiel auf, daß lebhafte Wachträume mir durch den Kopf gingen, sobald wir uns ihnen näherten. Mel, Amadeus und Gua ging es ebenso. Bei anderen, eher herzhaften Blütendüften hingegen kam es uns vieren vor, als könnten wir auf einmal spielerisch leicht klarste Gedanken fassen und komplizierteste Geisteskonstrukte erschaffen.&lt;br /&gt;Nachdem wir etwa eine halbe Stunde unterwegs gewesen waren, stießen wir hinter einem Hügel unvermittelt auf eine menschliche Siedlung. Doch vor unseren Augen erhoben sich keine Hochhäuser, zwischen denen Luftfahrzeuge dahinschwebten, sondern da standen einfache Hütten aus Baumaterialien, die organischen Ursprungs zu sein schienen, und auf den schlichten Wegen zwischen ihnen spazierten, nein wandelten Männer, Frauen und Kinder. Sie trugen nicht etwa silberfarbene Overalls, sondern hatten lose Stoffe in Toga-Form umgehängt, die in den unterschiedlichsten Farben leuchteten. Man nahm uns überrascht zur Kenntnis, aber mit gefaßter Überraschung. Einige Leute kamen uns entgegen, etwa zehn Erwachsene, begrüßten uns freundlich und fragten uns nach unserem Befinden. Nach nichts anderem! Erfreut stellte ich fest, daß sie in der mir schon bekannten Sprache redeten, wenn auch in einem anderem Dialekt. Nachdem einige Höflichkeiten ausgetauscht waren, luden sie uns zu einem Mahl in der „Stadtmulde“ ein. Wir wußten zunächst nicht, was sie damit meinten, bis wir im Zentrum der Ortschaft angelangt waren und dort eine kreisrunde Senke von der Größe eines Fußballfeldes vorfanden, ähnelnd einem kleinen Krater, in dessen Mitte auf einem Quader eine Kugel von der Größe eines Menschenkopfes ruhte, die ein violettes Licht ausstrahlte. Dieses tauchte die gesamte Mulde in ein eigenartig schummriges Leuchten, so daß es mir so vorkam, als befände sich vor uns ein aus Dämmerschein bestehender Teich.&lt;br /&gt;Wir stiegen hinab. Kaum hatten wir die ersten Schritte getan, kam es mir so vor, als umfinge mich elektrische Strahlung, es kribbelte angenehm auf der Haut, und zugleich stiegen Gefühle des Glücks und der Wärme in mir auf, die mich in sanften Wellen durchpulsten; meinen Begleitern sah ich an, daß es ihnen ähnlich erging.&lt;br /&gt;Unten angelangt, setzten wir uns auf den weichen Boden. Wir sahen, wie immer mehr Stadtbewohner hinzukamen und es sich ringsum bequem machten; offenbar hatte sich unsere Anwesenheit herumgesprochen. Uns am nächsten saßen die Älteren, wohingegen die Jüngeren sich in ehrfürchtigem Abstand niederließen.&lt;br /&gt;Amadeus konnte seine Neugierde kaum bezähmen. „Was ist das?“ fragte er einen neben ihm sitzenden Mann und deutete dabei auf die leuchtende Kugel.&lt;br /&gt;„Das, werter Herr“, sprach dieser freundlich, aber doch mit einer Spur von Distanz, „ist unser Kristall der Gemeinschaft, um den herum wir uns gerne zum Gedankenaustausch versammeln.“&lt;br /&gt;„Zum gemütlichen Plaudern also?“ hakte ich ein.&lt;br /&gt;„Auch. Mehr aber noch zur gegenseitigen Vermehrung unseres Wissens.“&lt;br /&gt;Ich hätte gerne weitergefragt, doch in diesem Moment zogen eine Frau und ein Mann meine Aufmerksamkeit auf sich, die soeben die Mulde betraten, beide hoch an Jahren und in dunkelblaue Togen gehüllt, über die ihr langes, schlohweißes Haar fast bis zu den Hüften hinabwallte. Die anderen wichen scheu vor ihnen zurück, um ihnen den Weg zu uns frei zu machen. Wir erhoben uns, sie zu begrüßen, und sie erwiderten höflich unseren Gruß. Dann gaben sie ein Zeichen, und auf großen Baumscheiben trugen je zwei Männer Speisen und Getränke herbei.&lt;br /&gt;Mich wunderte, daß niemand uns nach dem Woher und Wohin fragte. Schweigend nahmen wir gemeinsam das Mahl zu uns. Besonders herzhaft und mit glänzenden Augen langte Amadeus zu, der sich auch von dem gegorenen Getränk mehrfach in seinen Kelch nachschütten ließ. Als die Reste abgeräumt waren, wandte der ehrwürdige Herr sich mir zu; womöglich hielt er mich für den Anführer unserer kleinen Gruppe. „Dürfen wir bescheiden nach Eurem Begehr fragen?“&lt;br /&gt;Ich hatte schon vorher mit dieser Frage gerechnet und mir daher bereits eine Antwort zurechtgelegt. „Wie Ihr sicher erkannt habt, kommen mein Freund und ich nicht aus der Unterwasserwelt, sondern von der Oberfläche der Erde, und die beiden Damen stammen aus dem Bronzenen Reich.“&lt;br /&gt;„Wir haben es aus den Umständen geschlußfolgert“, kam die prompte Bestätigung.&lt;br /&gt;Von unserer Flucht wollte ich vorsichtshalber nicht reden. „Die Menschen oberhalb des Meeresspiegels leiden an gewissen geistigen Verarmungen“, drückte ich mich behutsam aus, „wir sind daher auf der Suche nach einem Gegenmittel. Die Aussagen eines Kindes, eines Trinkers und eines Kranken führten uns schließlich hierhin.“&lt;br /&gt;„Ah, ein Rätsel?“ Ein Leuchten glitt über das Gesicht der Alten. „Ein Rätsel, das es zu lösen gilt“, rief sie laut in die Runde. „Ein Kind, ein Kranker und ein Trinker weisen den Fremden, die ein Gegenmittel gegen geistige Verarmung suchen, den Weg zu uns.“ Die Umsitzenden griffen diese Worte begierig auf und schienen sodann allesamt, das alte Paar eingeschlossen, in tiefes Nachdenken zu versinken. Stille legte sich über die Mulde. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, wagten aber nicht, das Schweigen zu brechen.&lt;br /&gt;Endlich räusperte sich ein kleiner Junge. „Das Schloß. Das Dies-Neeh-Schloß“, wagte er leise zu sagen.&lt;br /&gt;„Das könnte es sein“, erhob die Alte wieder ihre Stimme. „Ich selbst bin durch wechselseitiges Querdenken zu keiner ähnlich erfolgversprechenden Lösung gelangt.“&lt;br /&gt;„Meine Charakterschnellanalyse hat ergeben“, verkündete ihr Mann nunmehr, „daß unsere Gäste die Wahrheit sprechen, wenn sie uns auch einiges verschweigen. Doch ihre Gedanken sind nicht unsere Gedanken, und so wollen wir uns mit ihren Auskünften zufriedengeben.“&lt;br /&gt;Uns verschlug es die Sprache. Amadeus setzte den Kelch wieder ab, den er soeben zum Trinken erhoben hatte.&lt;br /&gt;„Bereitet uns die Freude“, wandte die Frau sich uns zu, „für Abend und Nacht unsere Gäste zu sein. Morgen wird man Euch dann, sofern Ihr Euch mit diesem Gedanken anfreunden könnt und ein diesbezügliches Übereinkommen findet, zum Schloß geleiten.“&lt;br /&gt;Ehe mir noch klar war, was genau sie mit diesen Worten sagen wollte, hatte Mel schon zugestimmt.&lt;br /&gt;Wie erstaunt waren wir, uns kurz darauf nicht etwa im Privathaus der beiden wiederzufinden, sondern in der halb-öffentlichen Gast-Halle der Ortschaft. Halb-öffentlich deshalb, weil etliche Bewohner, offenbar die Honoratioren des Städtchens, uns nicht nur hinein begleiteten, sondern es sich sogleich um uns herum auf dem Boden gemütlich machten. Das einzige Möbel des Raums bestand aus einem großen Bett, das für uns vier vorbehalten war. Höflich nötigte man uns, darauf Platz zu nehmen. Wir zogen es vor, uns noch nicht hinzulegen, sondern uns auf den Rand zu setzen.&lt;br /&gt;Ein Mann von kleinem Wuchs, dessen Gesicht eine auffallend lange Nase zierte, erhob sich:&lt;br /&gt;„Hiermit möchte ich es wagen,&lt;br /&gt;eine Frage laut zu fragen.&lt;br /&gt;Saget an, o edle Gäste,&lt;br /&gt;geben wir Euch wohl das Beste?“&lt;br /&gt;Offenbar handelte es sich bei diesen Versen um ein Höflichkeitsritual, mit dem Gespräche eingeleitet wurden. Daß jetzt die Zeit ausführlichen Gedankenaustausches gekommen war, wurde uns schnell klar.&lt;br /&gt;Amadeus, nicht mehr ganz sicher auf seinen Beinen und mit seiner Stimme, aber anscheinend auch in solcher Situation noch gut im Verseschmieden, antwortete ohne Zögern:&lt;br /&gt;„Ich frag mich, was der Frage Frager&lt;br /&gt;sich anschickt, zu erfragen hier.&lt;br /&gt;Wer ist der hehre Fragen-Wager,&lt;br /&gt;der wagt zu fragen dies von mir?“&lt;br /&gt;Der Langnäsige, zunächst ein wenig irritiert, dachte eine Weile nach, ehe er antwortete: „Verzeiht, daß ich mich nicht vorstellte. Diese Übung wird in unserem Reich erst an späterer Stelle eines Gesprächs vollzogen. Mein Name ist Mhuk-Ha-Uff, und meine persönliche Aufgabe besteht im Geruchs-Denken. Ich bin der regionale Zinker.“&lt;br /&gt;„Wie, Geruchs-Denken?“ rutschte es mir heraus. „Was bedeutet das?“&lt;br /&gt;„Kennt Ihr dies nicht, werter Herr?“ fragte er erstaunt zurück.&lt;br /&gt;Auf mein „Nein“ hin erläuterte der Zinker: „Jeder Duft ruft andere Gedanken hervor oder färbt bestehende Gedanken anders. Ich untersuche diese Wirkung, bringe die Ergebnisse der schon seit Jahrhunderten bestehenden Duft-Denk-Forschung in die Weiterentwicklung der Gedanken ein und ...“&lt;br /&gt;Gua unterbrach ihn staunend: „Ich selbst gehörte zu einer der wenigen Forschergruppen unseres Reichs. Aber Duft-Forschung ...“&lt;br /&gt;„Duft-Denk-Forschung, bitte! Das Denken ist es doch, das unser aller Leben bis ins Tiefste bestimmt.“&lt;br /&gt;„Dann gibt es sicher auch Farb- und Geräusch-Denk-Forschung“, lallte Amadeus mit spöttischem Unterton.&lt;br /&gt;„Selbstverständlich!“ erboste sich Mhuk. „Wir arbeiten sogar fachübergreifend.“&lt;br /&gt;„Und das bedeutet?“ Mel meldete sich mit spitzer Stimme zu Wort.&lt;br /&gt;„Das bedeutet, daß ich auch Farben rieche; und bei Euch erschnüffle ich das Verlangen nach Gold. Nach goldfarbenen Gegenständen, die Ihr begehrt.“ Er klang beleidigt und vorwurfsvoll.&lt;br /&gt;Der würdige Alte versuchte zu schlichten. „Es ist nicht unsere Aufgabe, ein solches Schnüffel-Ergebnis in eine moralische Urteilsfindung einfließen zu lassen. Unseren Gästen wollen wir alles Wohl zukommen lassen, das wir ihnen bieten können; Urteile mögen im Schloß gefällt werden.“&lt;br /&gt;Bei diesen Worten wurde mir etwas mulmig, und Amadeus und unseren Freundinnen erging es wohl ebenso. Infolgedessen gaben wir uns in den nächsten Stunden – tatsächlich zogen sich die Gespräche lange hin – eher einsilbig und ließen nach Möglichkeit die anderen reden, indem wir ihnen viele Fragen stellten. So erfuhren wir nach und nach, daß – was wir aufgrund des bisher Gehörten und Erlebten ohnehin schon ahnten – die Bevölkerung des Silbernen Reichs fast ausschließlich aus Denkern bestand, und zwar aus Geistesakrobaten jeglicher Couleur. Es gab nicht nur solche, die wir am ehesten als Philosophen, Intellektuelle, Geisteskundler usw. bezeichnet hätten, also Denker der Art, wie Amadeus und ich sie von der Erdoberfläche her kannten, sondern zum Beispiel auch Kunstdenker und Denkkünstler oder Hör-, Seh-, Schmeck- und Riechdenker, die dann noch oftmals spezialisiert waren wie die Musik- oder die Skulpturendenker. Wenn ich es recht verstanden habe, gab es vier Klassen von Denkern: zunächst diejenigen, die sich mit Sinnenhaftem befaßten wie beispielsweise die Naturdenker, zu deren Leistungen man rechnete, gemeinsam mit den Zinkern besondere Blumen gezüchtet zu haben, deren Duft sich auf den menschlichen Gefühls- und Geisteszustand auswirkte; sodann die lebenspraktischen Denker, die sich mit Bereichen wie Verwaltung und Regierung befaßten; weiterhin die eher im Künstlerischen Tätigen, und schließlich die abstrakten Denker, die mit der Ehrenbezeichnung „Geistler“ bedacht wurden.&lt;br /&gt;Im großen und ganzen ging man im Silbernen Reich, von den denkerischen Leistungen abgesehen, einem eher einfachen Lebenswandel nach. Allerdings wurde großer Wert auf die Bildung gelegt, jedenfalls auf die Denk-Bildung; alleine die Schulzeit dauerte 16 Jahre. Luxus war verpönt, da es vom Wesentlichen, nämlich dem Denken, ablenkte. Eine Ausnahme bildete das Schloß, zu dem wir am nächsten Morgen geführt werden sollten. Immer wieder brach in den Gesprächen die Bewunderung für „ Dies-Neeh“ durch, das allerdings noch keiner der Anwesenden von innen gesehen hatte. Trotz unserer Furcht vor der dortigen „Urteilsfindung“ erhofften wir uns vom Schloß Hilfe auf unserer Suche nach dem Buch und dem Schlüssel. Auf eine Unterstützung durch die Anwesenden zählte ich nicht mehr: Sie kamen mir, ehrlich gesagt, lebensfremd vor. Aber wir wußten nicht, was uns wirklich im Schloß erwartete.&lt;br /&gt;In dieser Nacht schliefen wir vier nicht gut, was vermutlich daran lag, daß die anderen uns nicht alleine ließen, sondern bei uns in der Gast-Halle blieben. Am nächsten Morgen wurde uns noch ein Frühstück serviert, dann verabschiedeten die Stadtbewohner uns, wobei deutliche Kühle zu spüren war. Ganz offensichtlich hatten wir keine breite Spur der Sympathie hinterlassen. Gemeinsam mit einem Dutzend Männern, die uns zum Schloß geleiten sollten, brachen wir auf; mir kam es eher vor wie ein Gefangenentransport. In gemächlichem Tempo waren wir, unterbrochen durch mehrere Pausen, etwa sechs Stunden unterwegs, wobei wir in der Ferne mehrere kleine Städte ausmachten. Schließlich, nach der Umrundung eines Hügels, lag es in einem grünen Tal vor uns: das Dies-Neeh-Schloß. Seine Mauern waren derart blendend-weiß, daß es uns fast so vorkam, als blickten wir geradewegs in die Sonne. Nur mit halbgeschlossenen Augen konnten wir wenigstens für einige Sekunden direkt hinschauen. Die Formen, soweit ich sie überhaupt wahrnehmen konnte, erinnerten mich mit den runden Türmen, den Zinnen und vielen Fensterchen an Neuschwanstein. Ein breiter Graben mit einem offenbar tiefen Gewässer umrundete das vielgliedrige Bauwerk.&lt;br /&gt;Als wir uns bis auf wenige Meter genähert hatten, rasselte an Ketten eine Zugbrücke vor uns nieder. Unsere Begleiter machten keine Anstalten, das Schloß zu betreten, sondern blieben wie stumme Götzen stehen. So überschritten wir viere allein die Brücke, die sich sofort wieder hob, nachdem wir den Schloßhof betreten hatten.&lt;br /&gt;Kein Mensch war zu sehen. Uns blieb nichts anderes übrig, als selbst den Eingang zum Hauptgebäude zu suchen. Eigenartigerweise blendete uns hier das Weiß der Mauern nicht mehr, und nach kurzem Umsehen erblickten wir eine Treppe, die zu einem Rundbogenportal führte.&lt;br /&gt;Nach Durchschreiten des unverschlossenen Portals fanden wir uns in einer Vorhalle wieder, deren Wände eine Vielzahl von Vorsprüngen aufwiesen, die übersät waren von kleinen Skulpturen, welche nicht etwa Menschen oder Tiere darstellten, sondern – Blumen, nichts als Blumen, in zahlreichen Formen und Blütenfarben. Wir riefen wiederholt laut, doch niemand meldete sich. Also beschlossen wir, weiterzusuchen. Eine einzige Tür, breit und hoch, führte von der blumigen Vorhalle aus tiefer ins Gebäude hinein. Kaum hatte ich sie geöffnet, blendete tausendfaches Funkeln meine Augen, so daß ich erschreckt einen Schritt zurück tat und dabei Amadeus auf die Füße trat, der einen Schmerzensschrei ausstieß.&lt;br /&gt;„Eigentlich habe ich einen Freudenruf erwartet“, klang es deutsch aus dem Prunksaal. Amadeus und ich blickten uns mit großen Augen an. Die Stimme kam doch von ...&lt;br /&gt;„Ananda heißt Euch herzlich willkommen!“ klang es aus dem Saal.&lt;br /&gt;Wir traten ein. Nur langsam gewöhnten sich unsere Augen an das Glänzen und Blitzen: Alle vier Wände und die Decke waren übersät mit Kristallen und Edelsteinen, die aus sich selbst heraus zu leuchten und strahlen schienen und den Raum in ein verwirrendes Farbenflirren tauchten.&lt;br /&gt;„Ihr werdet Euch schnell daran gewöhnen!“ Ananda, den ich erst jetzt wahrnahm, stand von einem Thron auf, kam mit ausgebreiteten Armen auf uns zu und umarmte nicht nur Amadeus und mich, sondern auch Gua und Mel. Er war gewandet mit einer goldenen Toga, seine Glatze zierte eine mächtige Krone. „Aber nun kommt erst einmal mit, Ihr wirkt ein wenig irritiert. Kein Wunder. Wenn man zum erstenmal das Schloß betritt ... Hoffentlich hat mein Volk Euch gut behandelt!“&lt;br /&gt;Mein Volk?&lt;br /&gt;„Übrigens“ – wir gelangten in einen Raum, dessen Dämmerlicht den Augen wohltat – „darf ich Euch Scheh-Mua-Tua vorstellen?“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-5190614708553008836?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5190614708553008836'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5190614708553008836'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-210.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,10'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-4400088491933198853</id><published>2008-07-22T09:36:00.001+01:00</published><updated>2008-07-22T09:39:38.541+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,09</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Bericht von Amadeus Prinz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem wir mit der Bundeswehrmaschine auf Bali gelandet waren, stieg ich in einen bereitstehenden Hubschrauber, der mich auf die Nachbarinsel Java flog. Er landete in der Tengger-Hochebene unweit des Örtchens Sukapura, zu dem mich ein Jeep beförderte. Das Hotel, das ich dort bezog, sollte der Ausgangspunkt für meine zukünftigen Recherchen sein.&lt;br /&gt;Wir hatten uns diese Gegend im Osten Javas ausgesucht, weil uns hier die Wahrscheinlichkeit, den Goldenen Schlüssel zu finden, am größten zu sein schien, denn im Tengger-Nationalpark erheben sich die eindrucksvollsten der zahlreichen Vulkane der Insel. Ich konnte kaum schlafen, so aufgeregt war ich wegen des bevorstehenden Abenteuers.&lt;br /&gt;Am folgenden Morgen brach ich sehr früh auf. Ein Fremdenführer aus dem Ort begleitete mich, und nach kurzer Fahrt erreichten wir einen hochgelegenen Aussichtspunkt. Als die Sonne aufstieg und den Himmel in Flammen setzte, bescherte ihr Licht uns einen phantastischen Blick auf die Vulkane, die inmitten der Caldera, dem Riesenkrater eines erloschenen Urzeit-Giganten, aufragen. Eine irreale, karge Landschaft, man wähnt sich fast auf dem Mond. Mein Begleiter redete die ganze Zeit, zeigte auf die einzelnen Vulkane, nannte ihre Namen: Bromo, Batok, Semeru, erzählte mir Geschichten und Legenden ... Ich hörte ihm kaum zu, zu sehr faszinierte mich das, was sich vor meinen Augen abspielte: Von Minute zu Minute änderte sich das Licht, zauberte immer neue Effekte in die vor mir ausgebreitete Urwelt, hauchte den Schatten in den langen Furchen und tiefen Klüften der Bergwände eigenes Leben ein. Über dem Boden des weiten Caldera-Tals, aus dem die Vulkane sich wie aufgeplatzte Riesenpickel erheben, waberte grauer Nebel, und aus dem Bromo stiegen giftige Dunstschwaden, die im Sonnenschein gleißten. Trotz der weiten Entfernung der Dämpfe meinte ich, beißenden Schwefelgeruch wahrzunehmen.&lt;br /&gt;Etwa eine Stunde lang beobachtete ich wie gebannt das Schauspiel. Dann begann ich mit meiner eigentlichen Arbeit: Ich griff zum Fernglas und suchte die Umgebung ab, zunächst die Berge vor mir, dann die grünen Klippen und Hügel ringsum. Anschließend fuhren wir durch das „Meer aus Sand“, wie die Caldera von den Einheimischen genannt wird. Hinter dem Jeep wirbelten Staubwolken auf. Ich bat den Fremdenführer, langsamer zu fahren, da der Weg sich als holprig erwies und ich deswegen beim Beobachten behindert wurde. Schließlich, da er nicht verlangsamte, herrschte ich ihn an, er solle anhalten. Zu Fuß erkundeten wir weiter das Gelände. Dabei kamen wir auch in die Nähe eines eindrucksvollen Hindu-Tempels, den ich mir gerne näher angeschaut hätte; ich ließ ihn jedoch links liegen, denn dort würde ich mit Sicherheit den Schlüssel nicht finden: Für Tempel ist Ananda zuständig, meine eigene Zuständigkeit beschränkt sich nach unserem Geschäftsverteilungsplan auf feurige Gefielde.&lt;br /&gt;Wo nun aber sollte ich mit der Suche beginnen? In den Zerklüftungen der Vulkane, in den Begrenzungswällen der Caldera fänden sich mehr als genug Verstecke, doch wenn ich alles genau untersuchen wollte, wäre ich mit Sicherheit jahrelang beschäftigt. Lieber wollte ich mich auf meine Intuition verlassen und mich nicht unnötigerweise anstrengen. Daher beschloß ich, mir zunächst die nähere und weitere Umgebung anzusehen und auf meinen Bauch zu hören, ob der mir irgendwo sagen würde: Hier muß ich suchen und nirgendwo anders.&lt;br /&gt;Lichte Wälder mit hohen, schmalen Baumstämmen, die rötlich schimmern, zwischendrin niedrigere Palmen; weite hügelnde Felder mit mir häufig unbekannten Nutzpflanzen, in denen vereinzelt Bäume aufragen; diesige Luft, niedrig hängende Wolken, Dunstschwaden, die sich über die wellende Landschaft legen und die Silhouetten ferner Baumgruppen nur noch schemenhaft erahnen lassen: Dies alles gehörte zu meinen Eindrücken der folgenden Tage. Doch nirgendwo, an keiner Stelle, gab mein Inneres mir das Signal: Hier, hier ist es, hier muß ich Steine anheben und nachschauen, was darunter sich verbirgt, muß Löcher graben, muß in Felsspalten kriechen.&lt;br /&gt;Doch ich gab nicht auf. Und dann, nach einer Woche, begegnete mir etwas Seltsames: Nur wenig entfernt von einem Vulkan stieß ich auf einen Teich, der mir, trotz seiner geringen Ausdehnung, eine erstaunliche Tiefe zu haben schien. Das Wasser war zwar leicht getrübt, dennoch erkannte ich, daß der Boden schon am Rand steil abfiel. Neugierig geworden, schnitt ich mir einen langen, schmalen Zweig von einem Baum ab und stieß ihn ins Wasser, erreichete mit ihm jedoch nicht den Grund. Daraufhin beschloß ich, das Gewässer näher unter die Lupe zu nehmen. Den Fremdenführer schickte ich mit dem Wagen zurück ins Dorf, er sollte mich erst am Abend abholen. Dann umrundete ich den Teich, untersuchte die Bäume und den Boden ringsum, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Daher ließ ich mich auf einem Stein nieder und entzündete eine Pfeife. Jetzt konnte ich in aller Ruhe nachdenken.&lt;br /&gt;Nach einer Stunde hatte ich die Pfeife ausgeraucht, doch noch immer war mir kein anständiger Einfall gekommen. Ich ärgerte mich darüber, und beim Ausklopfen schlug ich den Pfeifenkopf so heftig auf den Stein, daß er in Stücke brach. Gerade wollte ich mich darüber furchtbar aufregen, da gewahrte ich, daß der Wasserspiegel rapide absank. Verblüfft hielt ich mit offenem Mund in meinem Wutausbruch inne und verfolgte neugierig das Schauspiel. Nach wenigen Sekunden hatte der Teich sich gänzlich geleert, zurück blieb ein Trichter, an dessen unterem Ende sich ein breites Loch befand. Sollte ich jetzt lang zögern und damit riskieren, daß das Wasser zurückkam, oder aber sofort handeln? Ich war schon immer ein Freund schneller Entschlüsse und mutiger Entscheidungen gewesen, und so ließ ich mich unverzüglich vom Trichterrand aus in die Tiefe rutschen, wohl wissend, dies könne meinen Tod zur Folge haben. Ich verschwand in dem Loch und rutschte von nun an mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter abwärts durch eine dunkle Tiefe. Schneller und schneller sauste ich hinab, das Atmen fiel mir immer schwerer, und nach wenigen Sekunden verlor ich mein Bewußtsein.&lt;br /&gt;Als ich erwachte und die Augen aufschlug, fand ich mich in einem hellen Raum auf einer Art Bett wieder. Um mich herum standen etwa ein Dutzend Männer und Frauen, alle in enganliegender silberner Ganzkörperkleidung. Vom Gesichtsschnitt her erinnerten sie mich an Thailänder oder Kambodschaner, obwohl sie größer als diese waren. Sie schauten mich voller Neugierde an, traten aber, als ich mich aufsetzte, einen Schritt zurück, als fürchteten sie sich vor mir. Erst jetzt bemerkte ich, daß ich gänzlich nackt war. Ich muß daraufhin wohl erschrocken aus der nicht vorhandenen Wäsche geschaut und eine Bewegung gemacht haben, als wolle ich meine Blöße verbergen; jedenfalls erklang ringsum angesichts meines offenbar sehr menschlichen Verhaltens ein befreiendes Lachen.&lt;br /&gt;Wer waren diese Menschen, die aussahen, als seien sie einem Science-Fiction-Film entsprungen? Befand ich mich hier vielleicht in einem Labor und wurde von Wissenschaftlern untersucht? Der helle Raum mit den kahlen Wänden und die einheitliche, wohl keimfreie Kleidung konnten darauf hinweisen. Und wie war ich überhaupt hierher gelangt? Jetzt erinnerte ich mich an den Teich, das verschwundene Wasser, an das Loch und das Hinabgleiten. Allmählich rundete sich meine Vorstellung: Vermutlich hatten Javaner mich gerettet und in ein Krankenhaus gebracht, und jetzt standen die Ärzte um mich herum. Aber: ich war doch in die Tiefe gefallen; wo bloß war ich herausgekommen?&lt;br /&gt;Warum nicht einfach fragen? „Wo befinde ich mich hier?“ Zunächst versuchte ich es auf englisch, dann auf französisch, spanisch und deutsch. Sie schienen mich nicht zu verstehen.&lt;br /&gt;„Ha oh waa“ – oder so ähnlich – sprach eine etwa dreißigjährige Frau mich an. Sie trug schwarzes Haar wie alle, aber ihres war in einem besonders kunstvollen Knoten hochgesteckt. Mit einer Handbewegung bedeutete sie mir, aufzustehen. Dann ließ sie sich von einem hinter ihr Stehenden ein gefaltetes silberfarbenes Laken reichen, breitete es aus und hängte es um meine Schultern. Im Nu schlang die Decke sich um mich herum und ich fühlte, noch ehe ich an mir hinunter sehen konnte, daß sich um mich ein Overall geformt hatte, ähnlich denen, die die anderen trugen. Es fühlte sich gut an, sehr gut sogar. Ich staunte, zugleich stieg die bange Ahnung in mir auf, ich hätte es vielleicht doch nicht mit Javanern zu tun, sondern mit ... Nun, Menschen schienen es immerhin zu sein, aber ob sie aus unserer Zeit entstammten?&lt;br /&gt;Die Frau – sie hieß Gua-Ohl-Wai und schien von allen am wenigsten Angst vor mir zu haben – winkte mir, ihr zu folgen und führte mich zu einem leeren, ebenfalls fensterlosen, allerdings kleineren Raum. Die Wände wirkten hier nicht kalt, sondern waren von wohltuend grün-braunen Ornamenten überzogen, und die Decke leuchtete in einem leicht orangefarbenen Licht. Gua klopfte an die Wand, es klang wie ein Code, und sogleich schossen aus dem Boden feinste Strahlen einer braunen Flüssigkeit, die in Sekundenschnelle futuristische Möbel formten. „Wahnsinn,“ rief ich aus, „das gibt‘s doch gar nicht! Wer seid Ihr, die Ihr so etwas könnt?“ Gua schwieg, aber über ihr ernstes Gesicht zuckte ein Lächeln.&lt;br /&gt;Ich ließ mich in einen der neuentstandenen Sessel fallen, der daraufhin angenehm schaukelte. Gua nahm nicht Platz, wie ich erwartet hatte, sondern drehte sich um und verließ das Zimmer. Hinter ihr schloß sich die Öffnung in der Wand, als wäre dort nie ein Eingang gewesen. Ich war gefangen. „Hey, was soll das?“ schrie ich und hämmerte mit den Fäusten gegen die Mauern. Da sich nichts rührte, ließ ich schließlich davon ab und legte mich verärgert aufs Bett.&lt;br /&gt;Erstaunlicherweise schlief ich bald ein und wachte, wie meine Uhr mir zeigte, erst nach neun Stunden wieder auf. Jetzt fühlte ich mich frisch und erholt, doch leider zeigte sich immer noch keine Möglichkeit, das Gefängnis zu verlassen. Immerhin lag auf dem Tisch Eßbares: gekochter Fisch und kleine Bällchen, die angenehm rochen und entfernt nach Brot schmeckten. Ich hatte keine Angst, anständig zuzulangen; denn wenn man mir etwas antun wollte, so hätte man reichlich Gelegenheit dazu gehabt.&lt;br /&gt;Kaum war ich gesättigt und vom Sessel aufgestanden, verschwand die gesamte Zimmereinrichtung wie durch Zauberei. Nur Sekunden später löste sich eine der Wände ins Nichts auf; ich wurde geblendet vom hellen Tageslicht und prallte zurück vor Erstaunen, denn ebenerdig vor mir lag eine blumenübersäte Wiese, hinter der ein Wald aufragte. Nachdem ich mich gefaßt hatte, überlegte ich, was zu tun sei. Sollte ich mich aus dem Staub machen? Zunächst tastete ich in Richtung der ehemaligen Wand, ob diese vielleicht nur durch Glas ersetzt worden war oder ob ich eine bloße Projektion vor mir sah. Doch da befand sich tatsächlich eine Öffnung, und ich roch auch schon den Duft der Wiese. Jetzt nicht lange nachdenken, wie das geschehen war. Mit einem Sprung hatte ich mein Gefängnis verlassen – und hoffentlich auch die Freiheit wiedererlangt! Schnell lief ich zum Wald hin und erreichte ihn nach zwei Minuten. Erst dort blickte ich mich um – niemand folgte mir aus dem großen quaderförmigen Haus, das allein in freier Ebene stand. Erst jetzt fiel mir auf, daß der Himmel unecht wirkte, ohne Sonne, gleichmäßig erhellt, als befände ich mich in einer riesigen Halle mit beleuchteter Decke. Das verwirrte mich, aber zum Grübeln blieb jetzt keine Zeit. Ich hastete weiter, gelangte bald wieder aus dem Wald hinaus, schlug mich durch ein Kornfeld hindurch und fand schließlich ein Gebüsch, in dem ich mich, durch die Sträucher vor den Blicken möglicher Verfolger geschützt, ausruhte. Der künstliche Himmel dunkelte bald, und es trat so etwas wie eine Nacht ein. So sehr ich in meinem Versteck auch nachdachte: Ich konnte mir aus dem Ganzen keinen Reim machen.&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen zog ich weiter. Von einem Hügel aus erblickte ich eine eigenartige Stadt mit metallicfarbenen Bauten. Ich näherte mich ihr vorsichtig und konnte jetzt auch die Menschen in den Straßen erkennen, die ähnlich gekleidet waren wie die vermeintlichen Wissenschaftler, aus deren Händen ich entwischt war. Wie Aliens kamen sie mir nicht vor, wohl wie Menschen aus einer anderen Zeit. Befand ich mich hier in einer gewaltigen Raumstation? Oder in einer riesigen unterirdischen Höhle, wofür mehr zu sprechen schien? Solch eine ungeheuer große Höhle – kaum vorstellbar, aber inzwischen hielt ich nichts mehr für unmöglich.&lt;br /&gt;Viele Tage verbrachte ich in Verstecken, ernährte mich von Früchten und Fischen, die ich in Teichen fing und roh verzehrte. Ich hatte Angst, mit den Menschen Kontakt aufzunehmen, weil ich befürchtete, erneut eingesperrt zu werden. Wie oft fluchte ich über meine Lage. Schließlich war ich kurz davor, in eine der Siedlungen zu gehen und mich wie ein Verbrecher einfach zu stellen, denn meines Lebens auf der Flucht war ich überdrüssig. Endlich mal wieder in einem Bett schlafen, anständig essen und mir vielleicht auch eine Pfeife anzünden zu dürfen! An meinen Auftrag dachte ich schon gar nicht mehr.&lt;br /&gt;Und dann, es ist kaum glaublich, begegnete ich ihr. Soeben wollte ich wieder in einem Waldstück nächtigen und hatte mir schon vorgenommen, am nächsten Tag in die nur wenige Kilometer entfernte Stadt zu spazieren, einfach so, komme was wolle, da prallte ich hinter einem Baum mit ihr zusammen: mit Gua-Ohl-Wai. Mein erster, instinktiver Gedanke war, die Flucht zu ergreifen, doch dann sah ich, daß ihre Kleidung ähnlich der meinen verschmutzt war und ihr Haar zerzaust herabhing. Zunächst wich sie erschreckt einen Schritt zurück, doch dann streckte sie mir wie flehend ihre Arme entgegen, so daß ich stehen blieb.&lt;br /&gt;War das eine Falle, oder war ihr etwas Schlimmes zugestoßen? Ich wartete sekundenlang unschlüssig, ob jemand hinter den Büschen hervorstürmen und sich auf mich stürzen würde, doch nichts geschah. Sie schien allein zu sein.&lt;br /&gt;Zum Zeichen, daß ich ihr vertraute, streckte auch ich ihr meine Arme entgegen. Sie trat auf mich zu und ergriff meine Hände, dann senkte sie ihren Kopf und drückte ihre Stirn dagegen. Das war alles andere als eine feindselige Geste, eher ein Zeichen der Freundschaft oder der Versöhnung, so, als quälte sie ein schlechtes Gewissen. Ich ahmte ihre Geste nach, was sie sehr zu freuen schien. Gua nahm mich bei der Hand und zog mich mit sich fort. Auf einer Lichtung zeigte sie mir ihren Lagerplatz und bot mir Früchte zum Essen an.&lt;br /&gt;Fortan blieben wir zusammen und zogen gemeinsam durch die Lande. Sie brachte mir nach und nach ihre Sprache bei und erzählte mir eines Tages, weshalb sie selbst geflohen sei. Sie nämlich war es gewesen, die mir zur Flucht verholfen hatte durch das Öffnen der Zimmerwand. Sie hatte Mitleid mit mir gehabt, weil sie wußte, daß man unmenschliche Experimente mit mir anstellen wollte. Um der Bestrafung für ihre Tat zu entgehen, mußte sie selbst fliehen. Ich war ihr zutiefst dankbar für die Rettung.&lt;br /&gt;Nach und nach berichtete Gua mir von ihrem Volk und seiner Geschichte. So erfuhr ich auch, wo ich mich hier befand und weshalb ich mir wie in einem zukünftigen Zeitalter vorkam.&lt;br /&gt;Ich war drauf und dran, mich in Gua zu verlieben. Doch dann geschah eines Tages etwas gänzlich Unerwartetes ...&lt;br /&gt;Etliche Wochen nach meiner Ankunft in der Höhle waren inzwischen vergangen. Seit längerem schon beschäftigten wir uns mit dem Plan, die Höhle zu verlassen und zur Erdoberfläche vorzudringen. Gua sprach von einem Tunnel, der zu einer der großen Inseln führen solle, dessen Zugang sie aber nicht genau, sondern nur ungefähr kenne und den wir daher suchen müßten. Die Suche zog sich nun schon ziemlich lange hin. Eines Morgens, als wir in einem Versteck aufwachten, fanden wir uns umzingelt von etwa dreißig Männern. Gua sagte zögernd zu mir: „Tut mir leid – das mußte so sein.“ Dann stellte sie sich zu ihnen.&lt;br /&gt;Erst jetzt ging mir ein Licht auf: Die ganze Zeit über war ich die Versuchsperson eines Experiments gewesen war. Gua hatte mir ihre Flucht nur vorgespielt, und wir waren die ganze Zeit über beobachtet worden.&lt;br /&gt;In mir stieg ein bitteres Gefühl des Betrogenseins auf. In meiner tiefen Enttäuschung begann ich zu toben und Gua zu beschimpfen. Die Männer stürzten sich auf mich; mehrere von ihnen schlug ich in meiner Wut nieder, ehe es den anderen gelang, mich niederzuringen.&lt;br /&gt;Und dann saß ich wieder in meiner „Zelle“. Tag um Tag verging, ohne daß ich einen Menschen sah. Das Essen kam mehrmals täglich von der Decke herab. Wenn ich auch niemanden zu Gesicht bekam, so war ich mir doch sicher, die ganze Zeit über beobachtet zu werden.&lt;br /&gt;Eines nachts rüttelte jemand mich wach. Es war Gua, sie saß am Rand meines Bettes. Ich wollte ihr wütend Vorwürfe machen, da wurde mir im dämmerigen Deckenlicht bewußt, wie traurig sie dreinschaute. Ich setzte mich auf, und sie nahm meine Hände in die ihren und führte sie an ihre Stirn.&lt;br /&gt;„Es tut mir furchtbar leid, was mit dir geschehen ist!“ beteuerte sie. Sie seufzte. „Ich glaube, ich habe falsch gehandelt“, gestand sie mir. „Vielleicht kann ich es wiedergutmachen. Bitte flieh! Ich werde dir die Wand öffnen. Diesmal ist es kein wissenschaftlicher Versuch, das kannst du mir glauben!“ Sie sah mich flehend an.&lt;br /&gt;Ihre Worte besänftigten mich sofort und versöhnten mich mit ihr. „Wenn ich fliehe – dann fliehst du mit mir!“ warf ich in den Raum. Zugegeben, es klang pathetisch.&lt;br /&gt;„Nein, ich bleibe hier. Für meine Taten will ich die Verantwortung tragen.“&lt;br /&gt;„Dann bleibe auch ich. Mit dir stehe und falle ich!“ Das Pathos erreichte seine Höhepunkt.&lt;br /&gt;Sie zögerte.&lt;br /&gt;„Meine Flucht kann nur gelingen, wenn du mitkommst. Du kennst dich in deinem Land doch viel besser aus als ich.“ Dieses Argument überzeugte Gua. Gemeinsam durchschritten wir die Öffnung in der Mauer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-4400088491933198853?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4400088491933198853'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4400088491933198853'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-209.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,09'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-3026295203664454762</id><published>2008-07-22T09:32:00.001+01:00</published><updated>2008-07-22T09:35:49.011+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,08</title><content type='html'>&lt;strong&gt;347-11.324: Drei Reiche&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob wir endlich den Abstieg gefunden haben? Heute nacht, wenn es dunkelt, wollen wir es wagen. Die bisherigen Zugänge zum Silbernen Reich, die im Plan eingezeichnet waren, haben sich als verschlossen erwiesen.&lt;br /&gt;Seit Beginn unserer Flucht sind wir genötigt, im Freien zu lagern. Ausgerechnet jetzt hat die kältere Jahreszeit eingesetzt, und nachts, wenn wir im Schutz der Dunkelheit weiterziehen, regnet es sogar. Tatsächlich kaum zu glauben: In der Höhle gibt es Jahreszeiten – wenn auch künstlich erzeugte. Offenbar eine Maßnahme, die zum Erhalt der „Natur“, der Wälder und Wiesen, erforderlich ist. Seit gestern sind wir zu viert: Amadeus Prinz ist mit seiner Freundin überraschenderweise zu Mel und mir gestoßen. Auch sie befinden sich auf der Flucht.&lt;br /&gt;Doch ich möchte in der Erzählung nicht vorgreifen. Zuletzt schrieb ich von den persönlichen Bekenntnissen und unseren Liebesgeständnissen. Am Morgen nach unserer Aussprache schlug Mel vor, nach ihrer Rückkehr von der Arbeit mit mir zusammen die Hauptbibliothek der Stadt aufzusuchen und in den dortigen Verzeichnissen nachzuforschen, ob im Reich etwas über das Goldene Buch bekannt sei. Ein den Internet-Suchmaschinen ähnelndes Instrument kennt man nicht. Ich bin überzeugt, mit der hier zur Verfügung stehenden Technik wäre es ein leichtes gewesen, ein Computernetzwerk zu schaffen, aber das hätte wohl nicht der Mentalität dieses Volks entsprochen. Daher mußten wir uns durch Bücher und Listen quälen, nicht nur an diesem Nachmittag, sondern über mehrere Tage hin, ohne den geringsten Hinweis auf das Gesuchte zu erhaschen.&lt;br /&gt;„Wenn wir es hier nicht finden, wird die Suche in anderen Städten auch vergeblich bleiben“, vermutete Mel nach der Beendigung unserer Bemühungen. „Aber eine Möglichkeit sehe ich noch. Im Verwaltungsbezirk der Stadt ist das Reichsarchiv untergebracht, in dem alle Kenntnisse seit Bestehen unserer Kultur gesammelt wurden. Wenn das Buch sich überhaupt jemals in der Höhle befand, ist das dort mit Sicherheit aufgezeichnet.“&lt;br /&gt;„Dann nichts wie hin!“ rief ich begeistert aus.&lt;br /&gt;„Immer langsam“, bremste Mel. „Das Archiv ist nicht für jeden zugänglich. Staatsdiener allerdings, und ich gehöre ja zu ihnen, dürfen zwecks Studium hinein.“&lt;br /&gt;„Na gut, dann könnte ich eben nicht mitkommen. Aber du, Mel, dürftest, und wenn du so lieb ...“&lt;br /&gt;„Für dich würde ich alles tun. Aber leider ... Wenn ich es mir so überlege, ich glaube nicht, daß ich es in den Räumen, die ich aufsuchen darf, finden werde. Das Wissen über das Buch soll wohl nicht jedem bekannt werden, sonst wären wir sicher schon in der Bibliothek auf Hinweise gestoßen. Und das bedeutet ...“&lt;br /&gt;„Das bedeutet?“&lt;br /&gt;„Daß nur der Geheime Saal des Archivs uns weiterhelfen kann. Offiziell gibt es ihn nicht, aber unter der Hand spricht man von ihm. Dort werden Dokumente aufbewahrt, deren Inhalt nur für wenige bestimmt ist.“&lt;br /&gt;„Hm – dann kann man wohl nichts machen.“&lt;br /&gt;„Oder eben doch!“ Mel grinste. „Ich weiß nämlich, wo dieser Saal sich befindet, und kenne sogar den Klopf-Code, um Zutritt zu ihm zu erlangen.“&lt;br /&gt;„Wie das?“ fragte ich verblüfft.&lt;br /&gt;Mel wurde ernst. „Nachdem ich den Tod meiner Eltern einigermaßen überwunden hatte, wollte ich erfahren, was es mit der Höhle der Unpassenden auf sich hatte. Mein Pflegevater war mittlerer Regierungsangestellter und zuständig für die Archivverwaltung. Er nahm mich gelegentlich in den Schulferien mit in sein Büro. Dort stieß ich eines Tages, neugierig wie ich bin, auf eine Akte, die wohl versehentlich nicht weggeräumt worden war. Ich durchblätterte sie und stieß dabei zufällig auf Informationen über den Geheimen Saal. Es war eine Sache weniger Sekunden, mir Lageplan und Zugangscode einzuprägen. In dem Moment nahm ich mir vor, eines Tages diesen Ort aufzusuchen, um Unterlagen über jene Höhle zu finden. Da hörte ich, wie mein Onkel zurückkehrte, schlug schnell die Akte zu, wobei einige Folienseiten einrissen, lief zur durchsichtigen Wand und tat, als schaute ich hinaus. Ob mein Onkel etwas bemerkt hatte, weiß ich nicht. Wegen der Beschädigung der Akte bekam er jedoch bald darauf Ärger mit seinen Vorgesetzten und verlor beinahe seinen Posten. Er hat mich jedoch nie auf die Sache angesprochen, nur durfte ich nicht mehr mitkommen in sein Büro. Damals, als mir klar wurde, welche schwerwiegenden Folgen alleine schon ein fahrlässiger Umgang mit dem Geheimnis mit sich brachte, verlor ich den Mut, in den Saal einzudringen – doch jetzt, wo es um dich geht, bin ich bereit, das Risiko einzugehen!“&lt;br /&gt;Drei Tage später verhörte uns im Rathaus die Stadtoberste. In der Nacht zuvor hatte man uns im Staatsarchiv erwischt. Kurz überlegte ich, ob ich nicht einfach gestehen sollte, daß ich auf der Suche nach dem Goldenen Buch war. Weshalb eigentlich hatten wir so ein Geheimnis daraus gemacht? War es denn ein Verbrechen? Ich hatte mir gedankenlos Mels Mißtrauen dem Staat gegenüber angeeignet.&lt;br /&gt;So bekannte ich der Goldbekleideten auch sofort, daß ich dieses Buch suchte.&lt;br /&gt;„Ich kenne es nicht, werde an oberer Stelle nachfragen müssen“, dachte sie laut nach. Dann sprach sie wie beiläufig: „Sie wollen dieses besondere Buch also lesen? Sicher eine interessante Lektüre.“&lt;br /&gt;Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auf diese harmlos wirkende Bemerkung hereinfiel: „Nein, ich will es den Menschen da oben bringen; sie brauchen es für ihre Rettung.“&lt;br /&gt;„Landesverrat!“ Ihre schrillen Worte klingelten mir in den Ohren. „Das schlimmste Verbrechen wolltet Ihr also begehen: Kontaktaufnahme zu den Reichsfeinden.“ Sie blickte Mel und mich verächtlich an und verließ dann den Raum.&lt;br /&gt;Stadtdiener brachten uns in Mels Wohnung. Fortan standen wir unter Hausarrest, das weitere sollte sich ergeben, sobald die Oberste nähere Einzelheiten über das gesuchte Buch in Erfahrung gebracht hätte.&lt;br /&gt;Wenige Tage nach dem Verhör befanden wir uns erneut im Rathaus.&lt;br /&gt;„Der Versuch, das Goldene Buch zu stehlen, wird Euch teuer zu stehen kommen“, verkündete die Alte streng. Offensichtlich waren ihre Erkundigungen erfolgreich gewesen. Ich wollte gegen die Unterstellung, wir hätten stehlen wollen, protestieren, aber Mel hielt mich zurück.&lt;br /&gt;„Nun, hier im Reich hättet Ihr es eh nicht gefunden, Eure Suche wäre vergeblich gewesen!“ frohlockte die Oberste. „Dennoch habt Ihr eine empfindliche Strafe zu erwarten.“&lt;br /&gt;Als wir wieder in Mels Wohnung eingesperrt waren – vor dem Haus standen Wachen –, regte ich mich über die Widersprüche auf, in die die Goldfarbene sich meiner Meinung nach verstrickt hatte. „Das Buch ist hier also gar nicht zu finden, und dennoch sollen wir verurteilt werden. Das paßt doch vorne und hinten nicht zusammen!“&lt;br /&gt;„Nicht ärgern, Liebster. Sie hat bestätigt, daß das Buch in unserer Welt zu finden ist – aber nicht in diesem Reich.“&lt;br /&gt;Mein Mund stand für Sekunden offen. „Ich versteh dich nicht, Mel. Was willst du damit sagen?“&lt;br /&gt;„Es gibt hier nicht nur diese eine Höhle, sondern drei, die miteinander verbunden sind, und jede von ihnen beherbergt ein eigenes Reich: das Bronzene, in dem wir uns hier befinden, das Silberne und das Goldene.“&lt;br /&gt;Ich staunte nicht schlecht. „Also befinden sich hier drei verschiedene Völker?“&lt;br /&gt;„Das nicht. Wir gehören alle zu einem Volk. Ich erzählte dir doch davon, wie unsere Vorfahren die Technik einer anderen Kultur übernahmen. Nun, nicht alle konnten sich damit anfreunden. Als unsere unterseeische Heimat gegründet wurde, meldeten sich die Minderheiten zu Wort und verlangten eigene Staaten. Also wurden unterhalb der Höhle, in der wir uns hier befinden, zwei weitere Räume geschaffen, einer unter dem anderen.“&lt;br /&gt;„Und was sind das für technikfeindliche Minderheiten?“ fragte ich neugierig.&lt;br /&gt;„Ich weiß es nicht. Vermutlich kennt nur die Regierung Näheres.“&lt;br /&gt;Mels beste Freunde, Ru-Pell-Still und Doon-Roes, durften uns in der Wohnung besuchen. Sie waren begierig darauf zu erfahren, weshalb man uns hier festhielt, und wir erzählten es ihnen in allen Einzelheiten. Anscheinend hatte die Stadtregierung nichts dagegen, daß wir uns ihnen gegenüber frei äußerten und somit auch über unser Verbrechen sprachen, denn es wäre ihr ein Leichtes gewesen, jeden Kontakt zu unterbinden oder unsere Gespräche zu kontrollieren. Ru, von Beruf ebenfalls Lehrer, kam schließlich auf die Idee, wie uns möglicherweise geholfen werden könne: Wir sollten in das tiefergelegene Reich fliehen, in dem wir vor dem Zugriff der Staatsgewalt sicher seien. „Ihr wolltet ja wohl ohnedies dorthin, um das Buch zu suchen.“&lt;br /&gt;„Und wie stellst du dir das vor?“ fragte Doon ihn. „Zum einen stehen sie unter Arrest, zum anderen weiß keiner von uns, wie er überhaupt in das legendäre Silberne Reich gelangen kann. Wo ist der Zugang?“&lt;br /&gt;Ru kratzte sich am Kopf. „Die Befreiung scheint mir nicht so schwierig zu sein ... mit ein wenig List. Da unsere Freunde sich nirgendwo in unserem Staat lange verstecken könnten, nimmt man es mit der Bewachung nicht so genau. Das große Problem ist tatsächlich, den Eingang zu finden.“&lt;br /&gt;„Schon übermorgen soll das Urteil verkündet werden“, informierte Mel.&lt;br /&gt;Ru erschrak. „Dann wird es knapp!“&lt;br /&gt;„Dennoch besteht Hoffnung.“ Doons Gesicht strahlte. „Mir fiel soeben Nah-Nuh ein, meine Cousine, die ...“&lt;br /&gt;„Das ist es!“ unterbrach Ru sie in einem Anflug von Begeisterung. „Wir müssen sofort hin zu ihr.“&lt;br /&gt;„Was ist mit deiner Cousine?“ Mel und ich sprachen diese Frage gleichzeitig aus.&lt;br /&gt;„Sie ist hellträumerisch,“ erläuterte Doon.&lt;br /&gt;„Wie? Was?“&lt;br /&gt;„Wenn sie sich vor dem Schlafengehen mit einem Problem befaßt,“ fuhr Doon fort, „träumt sie oft die Lösung. Diese Fähigkeit hat sie erst seit kurzem erkannt und auch nur wenigen Vertrauten davon erzählt.“&lt;br /&gt;„Dann kann sie doch gleich mitträumen, wo sich das Goldene Buch befindet!“ Ich sah es schon in meinen Händen.&lt;br /&gt;„Das geht leider nicht. Sie kann in einer Nacht nur eine einzige Aufgabe lösen. Und Ihr müßt morgen fliehen, wenn Ihr gerettet werden wollt.“&lt;br /&gt;Um es kurz zu machen: Am nächsten Nachmittag überreichte Ru uns den Plan, den Nah-Nuh anhand ihres nächtlichen Traums erstellt hatte. Als es dunkelte, lenkte Doon die Wachen ab, so daß Mel und ich unbemerkt das Haus verlassen konnten. Drei Zugänge zum Silbernen Reich erwiesen sich als verschlossen. Und dann stießen wir auf Amadeus und seine Begleiterin.&lt;br /&gt;Unsere letzte Hoffnung ruht auf der vierten und letzten im Plan eingezeichneten Verbindung der beiden Reiche. An der tiefsten Stelle des Sees, in dessen Nähe wir vier uns verstecken, soll sich eine Luke befinden – eine Luke, die wir öffnen müssen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-3026295203664454762?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3026295203664454762'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3026295203664454762'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-208.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,08'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-7189312852834778916</id><published>2008-07-19T08:36:00.000+01:00</published><updated>2008-07-19T08:37:37.022+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,07</title><content type='html'>&lt;strong&gt;335-11.324: Vergangenheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das sind Doon-Roes, meine Freundin, und ihr Mann Ru-Pell-Still“, stellte Mel mich ihren Freunden vor. Wir begrüßten einander durch den hier üblichen Ohrenkuss. Doon, kleiner, kräftiger und mit kürzerem Haar als Mel, sah mich „Alien“ scheu an, Ru schaute mir fest ins Auge, aber auch hinter seinem männlichen Blick spürte ich Unsicherheit. Die anfängliche gegenseitige Befangenheit hielt jedoch nicht lange an, vielmehr lachten wir bald aus vollem Hals über alle möglichen Kleinigkeiten. Schon seit längerem ist mir aufgefallen, daß die meisten Höhlenmenschen voller Fröhlichkeit durchs Leben gehen.&lt;br /&gt;Wir standen, gemeinsam mit vielen anderen, auf dem großen Platz vor dem Theater – einfachheitshalber nenne ich das große kegelförmige Gebäude so, da in ihm Schauspiele ähnlich den unseren aufgeführt werden. Immer wieder schaute der eine oder die andere verstohlen zu mir hin, dem Fremden mit dem ungewöhnlichen Gesicht – natürlich hatte sich meine Anwesenheit in der Stadt längst herumgesprochen. Ich nahm mir vor, mich dadurch nicht irritieren zu lassen, und tatsächlich stellte ich im Laufe des Abends fest, daß immer weniger mich begutachteten, sich also anscheinend an meinen Anblick gewöhnt hatten.&lt;br /&gt;Die meisten waren mit ihrem Partner gekommen, einzelne Besucher sah ich nur ganz wenige; ein Leben als Single kam in diesem Staat nur selten vor. Ich fragte mich, warum Mel keinen Freund oder Mann hatte, immerhin hatte sie schon die Mitte der Zwanzig überschritten. Bisher hatte sie mir fast nichts aus ihrer Vergangenheit erzählt und war meinen diesbezüglichen Fragen immer ausgewichen. Wenn ich es genau betrachte, trat Mel hier gar nicht als Einzelperson auf, sondern so, als wären wir beide ein Paar; sie „präsentierte“ mich mit nicht geringem Stolz, nicht als Kuriosität, sondern als ihren Begleiter, und wenn meine Sprachkenntnisse nicht ausreichten, um eine der zahlreichen Fragen ihrer Freunde zu beantworten, die sich als sehr wißbegierig zeigten und möglichst viel aus meinem bisherigen Leben erfahren wollten, antwortete Mel, der ich schon so manches aus der Welt der Oberflächler berichtet hatte, an meiner Stelle, und sie tat es voller Eifer und Begeisterung,&lt;br /&gt;Die Festkleidung der Besucher schien nicht gerade von großem Einfallsreichtum zu zeugen. Sie lag ebenso eng an wie die Alltagsgewänder und unterschied sich von diesen nur durch andere Farben, wobei die Menschen insbesondere Grün und Blau bevorzugten, was mich stark daran erinnerte, daß wir uns hier unter Wasser befanden. Wie ich später erfuhr, war diese Gleichförmigkeit der Kleidung beabsichtigt, um möglichst Neid zu vermeiden.&lt;br /&gt;In die Menge kam Bewegung, wir betraten das Gebäude. Sein Inneres kannte ich zwar bereits aus der „Fernseh-Kugel“, dennoch faszinierte mich das Folgende, als ich es jetzt hautnah mitbekam. Unter uns allen, die wir im Rund standen, wuchsen aus Flüssigkeitsstrahlen Sitzschalen, in die wir uns fallen ließen und die uns sogleich derart umschlossen, daß wir nicht versehentlich aus ihnen herausfallen konnten. Sodann schossen diese Sitze, immer getragen von einem drahtdünnen Strahl, mit uns in die Höhe, und wir fanden uns zehn, zwanzig Meter über dem Boden wieder. Viele, vor allem junge Zuschauer, schrieen dabei vor Begeisterung auf. Wir schwebten jetzt alle fast frei im Raum, wobei wir insgesamt etwa die Form eines breiten Rings bildeten, und waren dabei derart angeordnet, daß jeder unbehindert zum Zentrum des Raums sehen konnte. Das von den Wänden ausstrahlende Licht erlosch. Nach etwa fünf Minuten vollkommener Stille und Dunkelheit, in der die allgemeine Spannung ins Unermeßliche zu wachsen schien, ertönte plötzlich ein Paukenschlag, der Raum erhellte sich wieder, und die Mengen kreischte wie bei einem Rockkonzert vor Begeisterung auf. Denn von unten näherten sich der Raummitte jeweils drei durchsichtige, von Drähten getragene Platten oder Scheiben von etwa zwanzig Metern Durchmesser, die durch Treppchen miteinander verbunden waren und auf denen unbewegt zwei Dutzend Akteure in reich verzierten, farbenprächtigen Gewändern posierten. Als ein zweiter Paukenschlag erklang, begannen sie, sich zu bewegen, und nun entspann sich ein faszinierendes Schauspiel, bei dem Rezitation und Gesang, Handlung und Töne miteinander abwechselten und sich ergänzten. Die Gespräche waren in ihrer schnellen Form von Rede und Gegenrede, Frage und Antwort, in dem wechselseitig aufgenommenen und reihum gehenden Wort kunstvoll verflochten und durch ihre für meine Ohren ungewöhnliche Betonung und Lautmalerei von einer Dynamik und Spannung, die selbst mich, der ich wegen seiner künstlerischen Fassung nur wenig von dem Text verstand, in den Bann zogen. Zwischendurch erschollen seltsame Ausrufe, die ich am ehesten mit Jodlern vergleichen würde, die aber einen weitaus differenzierteren Aufbau auswiesen. Und immer wieder vollführte der eine oder andere komplizierte Körperbewegungen, die sich bis zur Akrobatik steigerten. Dieses Ganze, das Gewebe aus Sprache, Gesang und Musik, Aktion und Wechselwirkung beeindruckte mich so sehr, daß es mir tagelang nicht aus dem Sinn ging, wobei mehr die Form als der Inhalt in meinem Gedächtnis haften blieb. Immerhin verstand ich die Handlung in groben Zügen: Drei Söhne von Obersten Stadtverwaltern, ausgezogen, des Kaisers einzige Tochter zu retten, die ein Meereszauberer entführt hatte, müssen auf ihrem Weg mehrere Prüfungen bestehen, wobei zwei der drei scheitern und in Fische verwandelt werden, bis schließlich der dritte durch List den Bösewicht überwindet und die Prinzessin wie auch die beiden Gefährten rettet. Ein Märchenspiel also, das Groß und Klein faszinierte.&lt;br /&gt;Die Sitze der Zuschauer blieben während der Aufführung nicht an der anfangs eingenommenen Position stehen, sondern bewegten sich auf ihren Drähten jeweils zu den Stellen des Raums, wohin die Besucher sie durch bloße Bewegungen ihrer rechten Hand, ohne einen Schalter oder ähnliches zu bedienen, steuerten. So konnte jeder das Spiel von dem Ort aus betrachten, der ihm in einer Szene genehm war. Man kann sich vorstellen, wie häufig der eigene Standpunkt gewechselt wurde, und daß im Zuschauerbereich fast ebensoviel Bewegung herrschte wie auf der Bühne, ohne daß jemals Sitze zusammenstießen oder jemandem für mehr als eine Sekunde die Sicht genommen wurde.&lt;br /&gt;Mel und ich gingen nicht sofort nach Hause, sondern wir schlugen einen Umweg durch die Natur ein. Sie war heute abend besonders gut gelaunt und plauderte in einem fort. So wagte ich es, ihr zum wiederholten Mal die Frage nach ihrer Lebensgeschichte zu stellen. Sie blieb stehen und sah mich traurig an. Einen Moment lang schien sie zu überlegen, dann wies sie auf einen umgefallenen Baumstamm: „Setzen wir uns doch ein wenig hin.“ Als wir Platz genommen hatten, spielte sie auf der Suche nach einem Anfang verlegen mit ihren Händen, dann hob sie ihren Blick vom Boden und sah mich fest an. „Du hast selbstverständlich gemerkt, daß ich nicht gerne aus meiner Vergangenheit erzähle. Das mache ich nicht etwa, um geheimnisvoll zu erscheinen, sondern – weil es mir schwerfällt. Wie du weißt, habe ich keine nähere Verwandtschaft. Meine Eltern starben, als ich elf Jahre alt war. Sie kamen in der Verbannung ums Leben.“&lt;br /&gt;Ich hatte den Eindruck, als schämte sie sich des soeben Gesagten.&lt;br /&gt;„Beide waren hohe Politiker“, fuhr Mel nach einer kurzen Pause fort. „Und sie taten etwas Ungeheuerliches. Sie forderten vom Kaiser, das Grundgesetz unseres Reichs zu ändern. Derartiges hatte noch niemals jemand gewagt, ja vielleicht noch nicht einmal gedacht.“ Wieder schwieg sie.&lt;br /&gt;„Was war es denn, das sie in diesem Staat verbessern wollten?“ Mein Eindruck der letzten Wochen, daß hier nahezu alles perfekt lief, hatte sich immer mehr gefestigt. Vor allem schien mir, die Menschen seien glücklich und zufrieden.&lt;br /&gt;„Unsere Verfassung, die schon seit Urzeiten besteht und sich seither bewährt hat, harmoniert wunderbar mit dem Leben der meisten. Aber in manchen Menschen kommen halt doch Bedürfnisse auf, die von denen der Mehrheit abweichen. Meine Eltern äußerten den Wunsch, die Zugänge nach außen zu öffnen, zur Welt der Oberflächler, damit jeder, der es wolle, unser hiesiges Reich verlassen und die Oberfläche betreten könne, ja vielleicht sogar die Völker der Oberwelt mit uns in Kontakt treten könnten.“&lt;br /&gt;„Was wäre denn so schlimm daran? Im Gegenteil, die Idee finde ich gut.“&lt;br /&gt;„Du kennst nicht die Geschichte unserer Nation vor dem Einzug in die Höhle.“ In knappen Worten berichtete Mel: Ihr Volk, das vor fast 11.500 Jahren beschlossen hatte, sich in ein Gebiet unter der Meeresoberfläche zurückzuziehen, zählte vor dieser Zeit dank seiner technischen Fähigkeiten zu den wohlhabendsten der Erde. Schon seit tausenden von Jahren hatte man auf den Inseln (bei denen es sich, wie ich aufgrund der Schilderungen erkannte, um Sumatra, Java und Borneo handeln mußte) gelebt, ohne daß große kulturelle Änderungen stattfanden. Die Technik hatte man von einer Nation geerbt, die damals schon seit langem bestanden hatte und eines Tages aus unerklärlichen Gründen ausgestorben war. Anfangs zeigte man sich an der Anwendung der Technik wenig interessiert, besaß auch nicht den geringsten Sinn für Begriffe wie Fortschritt und Weiterentwicklung. Eine Naturkatastrophe, bei der vor allem Erdbeben und Vulkanausbrüche viele Menschenleben kosteten, zwang jedoch dazu, die Technik endlich anzuwenden und überkuppelte Städte zu erbauen, die von nun an die Schäden in Grenzen hielten. So lebte man lange Zeit, bis ein fremdes Volk sich an den Küsten des Festlandes ansiedelte und, nachdem es sich der Seefahrt zugewandt hatte, immer häufiger die Inseln ansteuerte und eine ständig wachsende Gefahr für deren Bevölkerung darstellte. Die Menschen, die sich später als Gründler bezeichneten, waren friedliebend, lebensbejahend, voller Daseinsfreude, und besaßen keine schweren Waffen, mit denen sich sich hätten verteidigen können, denn zu kämpfen widerstrebte ihnen, und bisher waren sie auch noch nie zur Selbstverteidigung genötigt worden. Die Eindringlinge hingegen erwiesen sich als vital und brutal, als aggressiv und eroberungsfreudig, und früher oder später hätten sie trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Kultur, die die Inseln bevölkerte, zerstört. Da sich keine befriedigenden Möglichkeiten zum Schutz vor den Fremden oder zum Ausweichen in unbesiedeltes Gebiet fanden, beschlossen Städte, Reichsregierung und Kaiser schließlich, sich unter die Erde zurückzuziehen, wohin wohl niemals ein anderes Volk dringen werde, wo man mithin nicht von anderen bedroht werden könne.&lt;br /&gt;Man wußte, daß sich unter dem Meeresboden zwischen den Inseln riesige Höhlen erstreckten. Mit schwerem, ferngelenktem Gerät ging man daran, sie zu einem gewaltigen Raum zu erweitern, diesen zu befestigen und zu stabilisieren, das Meerwasser herauszupumpen, verschließbare Zugänge zu schaffen, Energie-, Licht- und Klimaanlagen einzubauen, Landschaften zu formen und zu bepflanzen, Städte zu errichten sowie alles sonst Erforderliche durchzuführen, um eine ganz neue, bewohnbare Welt fernab der anderen Menschen entstehen zu lassen. Einschließlich der Planung und der übrigen Vorbereitungen nahm dies mehrere Jahrzehnte in Anspruch. Dann endlich bezog man, unbeobachtet von anderen Völkern, den neuen Lebensraum, der von nun an für alle Zeiten die Heimat der Gründler bleiben sollte. Auf der Erdoberfläche beseitigte man alle Zeugnisse der eigenen Kultur, als habe es dieses Volk niemals gegeben, und versperrte alle Verbindungswege zwischen den beiden Welten.&lt;br /&gt;Angesichts dieser Geschichte wurde mir klar, daß die Forderung von Mels Eltern, wieder einen Kontakt zu Menschen außerhalb der Höhle herzustellen, einen äußerst empfindlichen Punkt der Staatsgeschichte berührt haben mußte. Sie kam in den Augen der Staatsführung, ob berechtigt oder nicht, dem Ansinnen gleich, möglichen Feinden die Grenzen zu öffnen und den eigenen Staat von außen verwundbar zu machen.&lt;br /&gt;„Hinzu kam“, fuhr Mel in ihrem Bericht fort, „daß sie sich nicht damit begnügten, ihre Forderung an den Kaiser zu richten, sondern sie wandten sich, nachdem er abgelehnt hatte, auch an das Volk und versuchten, es aufzustacheln. Daraufhin ließ die Regierung sie unter Hausarrest stellen und beschloß wenige Tage darauf, sie in die ‚Höhle der Unpassenden‘ zu verbannen, wohin sie unverzüglich gebracht wurden. Es war an einem Nachmittag, ich erinnere mich noch ganz genau daran, gerade kam ich von der Schule nach Hause und sah, als ich um die Straßenecke bog, wie meine Eltern in einen Transporter gestoßen wurden. Sie erblickten mich und winkten mir tröstend zu. Nie werde ich ihre tieftraurigen Augen vergessen. Ich rannte hin, doch das Fahrzeug startete, ehe ich ankam, und so konnte ich nur hilflos hinterherschauen.“ Mel schwieg, Tränen traten in ihre Augen. Ich nahm ihre Hände und streichelte sie.&lt;br /&gt;„Die Höhle der Unpassenden. Wir alle hatten gerüchteweise von ihr gehört, doch keiner aus dem Stadtvolk kannte sie wirklich. Man erfuhr nur, es handele sich um eine kleinere Höhle, in die jene Menschen gebracht wurden, die die Sicherheit des Landes bedrohten. Ob es nur einige wenige waren oder aber eine große Zahl – keiner meiner Bekannten wußte es. Bis zu jenem Tag, als das schreckliche Unglück geschah. Niemand hatte überhaupt mit der Möglichkeit gerechnet. Meine Eltern lebten erst seit elf Tagen in Verbannung, mich hatte man in einer Pflegefamilie untergebracht, da ereilte uns die Nachricht, ein Erdstoß habe ein riesiges Loch in jene Höhle gerissen, das Meerwasser sei hineingestürzt und habe in Sekunden alles überflutet, alle Verbannten, mehr als achthundert, seien dabei ums Leben gekommen. Wer diese Einzelheiten unters Volk brachte, blieb ungeklärt. Auch meine Eltern starben, man fand später ihre Leichen.“ Wieder legte Mel eine Pause ein.&lt;br /&gt;Gerne hätte ich sie getröstet, fand aber keine Worte. Mel erhob sich, und wir setzten unseren Weg fort.&lt;br /&gt;„Lange trauerte ich um sie, und es dauerte Jahre, bis mein innerer Aufruhr sich stillte. Dabei war ich mir nicht sicher, ob die Scham über ihr Verhalten oder der Zorn auf die Gesetze und die Regierung überwogen. Das Verbrechen meiner Eltern haftete meinem Lebensweg fast bis zur Gegenwart an, alle wußten davon und warfen es mir vor – so zumindest war mein Eindruck. Ich scheute die Menschen, kein Mann interessierte sich für mich – oder ich wies sie zurück, da ich glaubte, das Interesse an mir könne nicht echt sein. Vor einigen Jahren erst gewann ich mein Selbstvertrauen zurück, und inzwischen liebe ich es, Lehrerin zu sein und Kindern ins Leben der Erwachsenen zu helfen.“&lt;br /&gt;Wir waren an einem jener Rundwäldchen angelangt, die in ihrer Mitte einen kleinen See bargen.&lt;br /&gt;„Wollen wir?“ fragte sie, und ihr Gesicht heiterte sich auf.&lt;br /&gt;Als wir uns ins Wasser stürzten, mußte ich an den Teich denken, über den ich in dieses Reich gelangt war. Ob auch hier, auf dem Grund dieses Gewässers, sich ein Gang in die Außenwelt befände? Und sogleich fiel mir das Verbot ein, auf das die Stadtoberste mich wiederholt warnend hingewiesen hatte: Jemals die Höhle zu verlassen und zurückzukehren in die Außenwelt. Ich dachte an das Verbrechen von Mels Eltern, an die Angst dieser Menschen, von anderen entdeckt zu werden!&lt;br /&gt;„Was ist los mit dir?“ rief Mel mir fröhlich planschend zu.&lt;br /&gt;Ich versuchte, meine Gedanken zu verdrängen. „Wollen wir wetten, ich kann tiefer tauchen als du?“&lt;br /&gt;Als wir uns nachher im warmen Licht der Sonne – nein, ich vergaß: der Höhlenbeleuchtung – trockneten, seufzte Mel: „Jetzt bist du schon fast fünfzig Tage bei uns, und du hast mir vieles aus deiner Welt berichtet – aber von dir persönlich hast du nur wenig mitgeteilt.“&lt;br /&gt;Ich verstand. Sie selbst hatte vorhin ihre Seele geöffnet – warum sollte jetzt nicht ich an der Reihe sein? Durfte ich ihr meinen geheimen Auftrag offenbaren? Und wollte ich ihr – von Ulrike erzählen?“&lt;br /&gt;„Kannst du schweigen?“&lt;br /&gt;Sie versprach es mir.&lt;br /&gt;Da schilderte ich ihr mein Privatleben – wobei ich meine Freundin vorsorglich aussparte –, sprach über meinen Beruf, und gelangte schließlich zu dem Grund, der ursächlich war für meinen Aufenthalt in der Höhle: die Rettung der ... ich sagte tatsächlich „Oberflächler“ und nicht Menschheit – und die Suche der Prinzen nach den goldenen Gegenständen. „Hast du vielleicht schon von dem Goldbuch gehört?“&lt;br /&gt;„Nein!“ antwortete sie knapp und schaute dann zu Boden. Sie schien nachzudenken.&lt;br /&gt;Auch ich hing meinen Gedanken nach. Mir war nämlich mit einemmal aufgefallen, daß ich schon seit Wochen kaum mehr an meinen Auftrag gedacht, ihn aus irgendeinem Grund vergessen oder verdrängt hatte. Ich hatte mich wohlgefühlt, und eigentlich wollte ich gar nicht weg von hier. Plötzlich erkannte ich: der Grund dafür ...&lt;br /&gt;„Und wenn du das Buch gefunden hast, verläßt du uns – verläßt du mich?“ Mels Stimme klang traurig.&lt;br /&gt;„Ich dich verlassen? Mel, ich weiß es jetzt: Ich liebe dich, und ... will für immer bei dir bleiben!“&lt;br /&gt;„Ich auch bei dir, mein ... Geliebter!“&lt;br /&gt;Sekunden später lagen wir uns in den Armen und drückten einander, daß uns fast die Luft wegblieb. Arme Ulrike!&lt;br /&gt;Mel entwand sich meiner Umarmung. „Und deine Frau, oder Freundin? Du hattest doch eine, in der anderen Welt? Ich sehe es an deinem ganzen Verhalten, ich fühle es: du warst drüben nicht allein.“&lt;br /&gt;„Ja ... du hast recht,“ stammelte ich, „ ich habe dort eine Freundin ... ich hatte eine, aber ... soeben bin ich mir über meine Gefühle im klaren geworden: Dich liebe ich, nicht sie. Am liebsten ginge ich niemals von hier weg, wenn nicht noch meine Aufgabe zu erledigen wäre.“&lt;br /&gt;Mel machte große Augen: „Du sagtest doch, du willst bei mir bleiben?“&lt;br /&gt;„Ja, selbstverständlich,“ beeilte ich mich zu sagen, „immer will ich bei dir sein. Aber ich kann die da oben nicht im Stich lassen. Ich trage eine Riesenverantwortung, und außerdem bin ich Beamter. Sobald ich das Buch gefunden und es nach oben gebracht habe, kehre ich zurück zu dir. Oder, noch besser: du begleitest mich dabei, dann sind wir für immer zusammen.“&lt;br /&gt;Mel schaute mir tief in die Augen und sah, daß ich es ehrlich meinte. „Ich bleibe bei dir, allezeit“! Damit beendete sie unser Gespräch.&lt;br /&gt;Bisher hatte ich auf meiner Suche viel Glück gehabt. Doch in mir breitete sich der Gedanke aus, daß das Leben nicht immer so will, wie man es sich wünscht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-7189312852834778916?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7189312852834778916'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7189312852834778916'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-207.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,07'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-8921038257277412238</id><published>2008-07-19T08:31:00.001+01:00</published><updated>2008-07-19T08:34:33.838+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,06</title><content type='html'>&lt;strong&gt;328-11.324: Unterricht&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor dem Haus spielen wieder einige Kinder. Mir kommt es ungewöhnlich vor, daß sie so oft herschauen, als ob sie uns insgeheim beobachteten. Vielleicht sehe ich einfach nur Gespenster, vielleicht sind sie nur neugierig wegen des „Mannes aus der anderen Welt“.&lt;br /&gt;Täglich mehrere Stunden lerne ich die Sprache in Wort und Schrift, und tatsächlich können Mel, wie ich sie kurz nenne, und ich uns schon einigermaßen flüssig miteinander unterhalten. Es liegt sicher daran, daß Sprachenlernen mir immer schon leicht gefallen ist – weshalb ich als Beamter regelmäßig ausländische Delegationen begleiten und sie durch unsere Ämter führen mußte –, aber vielleicht noch mehr an Mels Begeisterung, wenn sie mir ihre Muttersprache beizubringen versucht. In einigen Tagen will sie mir einige ihrer Freunde vorstellen, und sie möchte mir sobald als möglich – sobald ich mit der Sprache „soweit bin“ – ihre Stadt zeigen. Bisher habe ich mich nur in ihrer Wohnung aufgehalten. Morgen will die Goldfarbene, die Oberste Stadtverwalterin, zum vierten Mal vorbeikommen und mit mir „plaudern“ – in Wirklichkeit aber, wie ich sehr wohl merke, mich aushorchen, über meine Herkunft, meine Kultur, meine Absichten. An den entscheidenden Stellen gab ich mich immer als Nicht-Verstehender aus. Bei alledem bleibe ich innerlich zuversichtlich, ja geradezu fröhlich, denn ich habe, dank Mel, bereits mehrere Bücher ihres Volks zu Gesicht bekommen, und alle waren sie – silbern. Da kann das Goldene Buch nicht mehr weit sein! Doch meinen geheimen Plan werde ich allenfalls und nur, wenn sich eine Gelegenheit bieten sollte, Mel offenbaren. Schließlich gibt es das Amtsgeheimnis!&lt;br /&gt;Immer wieder muß ich übrigens an meine Mit-Prinzen denken. Zu gerne wüßte ich, was inzwischen aus ihnen geworden ist, ob sie ihren Zielen, dem Schlüssel und dem Ei, schon näher gekommen sind.&lt;br /&gt;Doch nun weiter in meiner Geschichte. Nach dem Abzug der Vier versuchte Mel, mir mit Gesten zu verdeutlichen, daß ich bei ihr in Sicherheit sei. Anscheinend hat sie an mir einen Narren gefressen, anders kann ich mir ihr Verhalten nicht erklären. Nun, mir ist es mehr als recht.&lt;br /&gt;Was gibt es weiter zu berichten von diesem ersten Tag in der Stadt, in Mels Wohnung? Sie suchte aus einem Schrank – oder vielmehr aus einer großen Öffnung in der Wand, die sich auf geheimnisvollen Klopfbefehl auftat – etwas Silberfarbenes als Gewand für mich heraus. Ich entledigte mich auf den gestikulierten Wunsch Mels hin gänzlich meiner alten Kleidung, wobei sie mir wie selbstverständlich zuschaute, dann versuchte ich, mir das neue Gewand anzulegen – und mußte, als ich es ausbreitete, erstaunt feststellen, daß ich ein Tuch von der Größe einer Tischdecke in den Händen hielt und nicht ein in eine Form geschneidertes Kleidungsstück. Ich wußte nicht, was ich damit anfangen sollte, und muß wohl irritiert und hilflos dreingeschaut haben, denn Mel lachte wieder hell auf. Sie nahm mir die Tischdecke aus der Hand, legte sie um meine Schulter, und das Unglaubliche geschah: Der Stoff schmiegte sich sanft um meinen Körper vom Hals bis zu den Füßen, an denen er eine Art Schuhe formte. Das Gewand lag nun eng um mich, aber nicht beengend; leicht und doch angenehm warm; außen glatt, innen jedoch weich. Fast war es mir, als trüge ich gar keine Kleidung, so wenig fühlte ich sie. Wie ein kleines Kind hüpfte Mel vor Freude in die Luft und klatschte in die Hände, anscheinend stand mir das Silbertuch gut. Dann führte sie mich in ein anderes Zimmer, in dem sie, wieder per Klopfen, eine große Glaskugel aus dem Boden hervorzauberte, vor die wir uns in die soeben entstandenen Sessel setzten. Ich mußte an die Kugel einer Jahrmarkts-Wahrsagerin denken, wenngleich das Glas vor unseren Augen einen Durchmesser von mehr als einem Meter hatte. Mel sang einen hohen Ton, und sofort erschien in der Kugel ein Bild, wir sahen – uns beide, wie wie hier saßen und in die Kugel blickten. Ich schaute mich im Raum um und suchte nach versteckten Kameras, entdeckte aber keine. Mel ließ ihrer Kehle einen anderen Ton entschlüpfen, und im Glas tauchte ein anderes Bild auf: der Blick auf eine Straße dieser Stadt, mit Fußgängern und gelegentlich in wenigen Metern Höhe schwebenden Fluggeräten. Es folgten Blicke in die Landschaft, die die Stadt umgab, und zum Abschluß sahen wir, hervorgerufen durch weitere Singtöne, verschiedene Säle, die mir öffentlichen Zwecken zu dienen schienen, deren Sinn ich jedoch jetzt noch nicht erkannte. Als das „Fernsehen“ beendet war, führte Mel mich in einen ganz oben gelegenen Raum mit gutem Ausblick auf die Stadt, ließ klopfend eine Liege entstehen, signalisierte mir, sie müsse das Haus verlassen, ich solle mich solange hier aufhalten, und verschwand.&lt;br /&gt;Ich legte mich hin, angefüllt mit neuen Eindrücken, und sann über meine Situation nach. Es sah gar nicht so schlecht aus. Die Bewohner der Höhle hatten mir nichts angetan, Mel mich sogar freundlich aufgenommen. Von hier aus könnte ich meine Suche nach dem Buch sicher fortsetzen, möglicherweise würden mir die Einwohner der Stadt dabei sogar helfen. Ulrike fiel mir ein; seit Tagen hatte ich nicht mehr an sie gedacht und mich jetzt auch noch in Mel verguckt. Ich versuchte, mein aufkeimendes schlechtes Gewissen dadurch zu besänftigen, daß ich mir einredete, bald schon wieder diese Welt verlassen zu haben und Mel dann nie mehr wiederzusehen.&lt;br /&gt;Als es draußen dunkelte und die Decken der Räume stärker zu leuchten begannen, kehrte Mel zurück. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich zur Fernseh-Kugel, in der sie mir zeigte, was sie tagsüber gemacht hatte: Ich sah ungefähr zwanzig Kinder im Alter von neun, zehn Jahren im Kreis um sie herum sitzen, denen sie etwas erzählte, das ich naturgemäß nicht verstand. Es konnte sich hierbei nur um die Unterrichtung von Schülern handeln; demnach war Mel Lehrerin, wohl auch Beamtin, wenn es hier ein derartiges Dienstverhältnis gab.&lt;br /&gt;Nach dem Abendessen, das aus Meeresfrüchten bestand, zog ich mich bald müde in „mein“ Zimmer zurück. Ich schlief sehr schnell ein und träumte lebhaft, wie ich, in der Gestalt eines Ritters in goldener Rüstung, gegen einen furchtbaren Drachen kämpfte. Schließlich besiegte ich ihn; in dem Moment, als er sterbend zu Boden sank, verwandelte er sich in Ulrike.&lt;br /&gt;Bereits am folgenden Morgen begann Mel, mich in ihrer Sprache zu unterrichten. Es fing mit einfachen Gegenständen an, auf die sie oder ich zeigten: „Mauer“, „Haus“, „Apfel“, „Stuhl“. Als überaus hilfreich erwies sich die Fernseh-Kugel, mit deren Bildern ich die Ausdrücke für Dinge, Tätigkeiten, Zustände usw. anschaulich erlernen konnte.&lt;br /&gt;In den folgenden Tagen und Wochen gewöhnte ich mich allmählich an das Leben in dieser Wohnung. Über die Kugel, die ich bald schon selbst bedienen konnte, und über Mels zunächst einfache, dann immer detailliertere Berichte erfuhr ich eine Fülle von Einzelheiten über das Leben der Gründler. In der Höhle gibt es mehrere Städte, die der unseren gleichen. Jede Stadt hat ihre eigene Führung, die Spitze des Staats bildet die Staatsregierung. Das Staatssystem ist halb demokratisch, halb monarchisch: Der Kaiser, der jeweils auf Lebenszeit gewählt wird, entscheidet vor allem bei streitigen Punkten oder bei Themen von hoher Brisanz. Gebunden sind er und die Volksvertreter wiederum an eine Staatsverfassung, die von den Gründern des unterseeischen Staats geschaffen wurde und die nicht abänderbar ist.&lt;br /&gt;Ab dem vierten Lebensjahr besuchen die Kinder je nach Begabung unterschiedliche Schulen, nach der zehnjährigen Schulzeit erlernen sie einen Beruf. In der Regel arbeiten die Erwachsenen fünf Tage hintereinander und haben anschließend drei Tage frei. Die Berufe, fast so vielfältig wie in „meiner“ Welt, dienen allerdings nicht dem Gelderwerb, sondern der sinnvollen Beschäftigung und damit der gesellschaftlichen Stabilität. Geld gibt es keines, vielmehr wird jeder mit allem Notwendigen wie Wohnung, Kleidung, Nahrung usw. vom Staat versorgt. Das Erstaunliche: Seit Jahrtausenden hat sich diese Gesellschaft kaum verändert, die Technik sich nicht fortentwickelt; sie befindet sich auf dem gleichen Stand wie beim Einzug der Gründler in die Höhle!&lt;br /&gt;In der Freizeit trifft man sich mit Freunden, geht zu Gemeinschaftsveranstaltungen, insbesondere besucht man eine Art Theater, oder man liest Romane. Auf das Lesen legt man großen Wert, doch schreiben kann seltsamerweise kaum jemand, es wird nicht allgemein gelehrt, weil für weitgehend überflüssig gehalten; dafür aber zeichnen die Menschen dieses Volks sich durch ein phantastisches Gedächtnis aus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-8921038257277412238?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8921038257277412238'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8921038257277412238'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-206.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,06'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-2967298854616473130</id><published>2008-07-16T04:43:00.001+01:00</published><updated>2008-07-16T04:45:10.901+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,05</title><content type='html'>&lt;strong&gt;327-11.324&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Lernen der Sprache der Tiefgründler, wie sie sich nennen, oder kurz Gründler, mache ich gute Fortschritte. Seit wenigen Tagen befasse ich mich mit Zahlen und mit der Geschichte dieses Volks. Mel-Usi-Neh ist mir dabei überaus behilflich. Kürzlich erfuhr ich, daß man hier weder Wochen noch Monate kennt, sondern nur Tage und Jahre; wir haben heute den 327. Tag des Jahres 11.324. Diese Zeitrechnung begann, als die Übersiedlung hierhin abgeschlossen war und man sprichwörtlich „die Luken dicht machte“.&lt;br /&gt;Doch nun weiter in meinem Bericht:&lt;br /&gt;Erst nach mehreren Stunden gelangte ich bei der Stadt an; es war anstrengend gewesen, sich in der Dunkelheit durch die weglose Landschaft fortzubewegen. Müde und erschöpft, wollte ich jetzt einfach nur noch schlafen. Daher suchte ich in einen nahen Wäldchen, nur etwa hundert Meter von den ersten Häusern entfernt, ein Versteck, wo ich für einige Stunden Kraft schöpfen konnte.&lt;br /&gt;Bei Anbruch des Tages wachte ich auf. War da nicht ein Geräusch gewesen? Schon wieder. Es hörte sich nach Plätschern an und kam nicht aus der Richtung der Stadt, sondern aus der Tiefe der Baumgruppe. Neugierig schlug ich mich durch das Unterholz hindurch, nach wenigen Metern öffnete sich das Blickfeld, und vor mir lag ein Teich, sonst war nichts zu sehen, kein Mensch weit und breit. Beruhigt trat ich aus dem Schutz der Bäume heraus. Eine willkommene Gelegenheit, mich ein wenig zu erfrischen. In Sekundenschnelle legte ich meine Kleidung ab und machte einige Schritte ins Wasser hinein, bis es mir zu den Knien ging, da plötzlich tauchte dicht vor mir eine Gestalt daraus auf. Wir beide blieben erschreckt voreinander stehen: ein nacktes Mädchen mit dem langen roten Haar, das ihr bis zur Hüfte hinabreichte, und ich. Es war wie im Märchen!&lt;br /&gt;Einen Moment lang schien es, als überlege sie, ob sie fliehen solle – an meinen mitteleuropäischen Gesichtszügen hatte sie wohl erkannt, daß ich nicht zu ihrem Volk gehörte; sie selbst sah, obwohl fast so groß wie ich, eher südostasiatisch aus –, doch dann stellte sie sich der Situation. Aus ihrem Mund klang etwas wie „Ha-i wa“ – wie ich später erfuhr, bedeutete es etwa: „Hallo, wie geht‘s?“ –, und ich erwiderte: „Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.“ Sie lachte ungeniert drauf los, als hätte ich etwas ungemein Komisches gesagt, hielt sich dann aber die Hand vor den Mund. Erst jetzt wurde mir bewußt, wie unbefangen sie sich mir gegenüber verhielt, sie hatte beispielsweise nicht ihre Blößen vor mir zu verdecken versucht. Schon nach wenigen Sekunden merkte ich, daß mir dieses Mädchen und ihre Art durchaus gefallen könnten. Anscheinend war auch ich ihr nicht unsympathisch.&lt;br /&gt;Ich wußte nun nicht, wie ich mich ihr weiter verständlich machen sollte, und wurde verlegen. Da grummelte mein Magen, denn ich hatte seit fast 24 Stunden keine Speisen mehr zu mir genommen und deshalb verständlicherweise Hunger. Das Mädchen lachte wieder und wies dann mit den Fingern auf ihren Mund und Magen. Zur Antwort deutete ich ein Kauen an. Sie winkte mir, ihr zu folgen, und betrat dann das Ufer, während ich zu meiner Kleidung lief und sie flott anzog. Als ich aufblickte, war auch sie schon angekleidet; zum Abtrocknen hatte sie keine Zeit gehabt, dennoch wirkte das silberfarbene, eng anliegende Gewand nicht durchnäßt. Darüber wunderte ich mich, doch ließ sie mir keine Zeit zum Nachdenken, denn sie griff mich am Arm und zog mich mit sich fort. Als wir das Wäldchen hinter uns gelassen hatten, lief sie mit mir schnurstracks auf die Stadt zu. Ich zögerte und blieb stehen. Da schaute sie mich fragend an, dann schien sie zu begreifen, denn sie redete beruhigend auf mich ein, es klang so, als wollte sie mir sagen: „Hab keine Angst, wir sind keine Unmenschen und fressen dich schon nicht auf.“ Tatsächlich war ich bald überzeugt, es sei wohl das Beste, diesem Wink des Schicksals zu folgen, bisher war dies immer der richtige Weg gewesen. Inwieweit meine aufkeimende Zuneigung zu diesem fremden – und mir doch schon innerlich vertraut scheinenden – Mädchen eine Rolle spielte, kann ich nur vermuten.&lt;br /&gt;Als wir die Stadt betraten, war mir doch ganz schön mulmig zumute. Schon nach kurzem begegneten wir Menschen, die uns neugierig nachschauten, alle schlank und hochgewachsen, mit asiatischen Gesichtszügen und silberfarben bekleidet. Übrigens fühlte der grünliche Straßenbelag sich beim Gehen nicht hart wie Stein oder Asphalt an, sondern eher elastisch, als bestünde er aus Gummimasse. Als ich versehentlich gegen eine metallisch aussehende Hauswand stieß, kam mir auch diese zu meinem Erstaunen angenehm nachgiebig vor. Fenster in den mir bekannten Formen erblickte ich nicht, dafür waren die Wände teilweise transparent, in der Regel in der Form von etwa einem Meter breiten Streifen, die jeweils um das ganze Haus herumliefen, so daß die Mauern schichtweise durchsichtig und undurchsichtig waren.&lt;br /&gt;Nach etwa zehn Minuten erreichten wir ein Gebäude, in dem ich nach der Anzahl der wechselweisen Schichten etwa acht Stockwerke vermutete. Man kann sich meine Verblüffung vorstellen, als ich nach dem Eintreten durch eine der zahlreichen Türen – auf den ersten Blick zählte ich allein an einer Seite des Hauses vier – feststellte, daß die Wohnung, die wir nun betraten und durch die meine Begleiterin mich führte, nicht etwa auf einer einzigen Ebene lag, sondern daß die Räume sich fast über das gesamte Haus verteilten, verbunden durch schräg auf- und absteigende Gänge, durch die wir, entgegen den Gesetzen der Schwerkraft, langsam hinauf und hinab glitten, wobei ich nicht die geringste Vorstellung davon hatte, welche Kräfte hier am Werk waren. Wie ich später erfuhr, befanden sich in dem Haus zwölf Wohnungen, alle in ähnlicher Weise auf das Gebäude aufgeteilt wie die Wohnung dieses Mädchens. Obwohl diese Räume, die keine Ecken und Kanten, stattdessen Rundungen besaßen, und deren Wände und Böden sich weich anfühlten, mir ungewohnt waren, fühlte ich mich hier sogleich wohl. Teils erhellte Tageslicht die Zimmer durch die transparenten Außenwandbereiche, teils schimmerten die Decken und schenkten dadurch ausreichende Helligkeit. Möbel erblickte ich keine, allerdings zierten prachtvolle farbige Ornamente und naturalistische Darstellungen die Wände. Jeder Raum erzeugte in mir erstaunlicherweise eine andere Stimmung, was auch an den unterschiedlichen Düften liegen mochte, die unaufdringlich in der Luft schwebten – aber wie konnte man hier wohnen, ohne jegliches Mobiliar, ohne Kleidung und Wäsche, ohne Nahrung und Getränke, ohne Sanitäreinrichtungen und Wasser?&lt;br /&gt;Als ob die junge Frau meine Fragen geahnt hätte, tippte sie eine bestimmte, farblich hervorgehobene Stelle der Wand des Raums, den wir als letzten aufgesucht hatten, dreimal hintereinander mit den Fingerspitzen an, und sogleich schossen an mehreren Stellen des Bodens feine Strahlen einer dunklen Flüssigkeit in die Höhe, formten in Sekundenschnelle etwas, das einer Tischplatte glich, und darum herum stuhl- oder sesselartige Gebilde, und nach weiteren zwei Sekunden erstarrte das Ganze und machte den Eindruck einer festen Substanz. Ich ging hin und klopfte auf den „Tisch“, der wie aus Holz hergestellt aussah, und er fühlt sich hart an. Dann betastete ich einen der Sitze: stabil und dennoch angenehm weich. Ungläubig schaute ich zu dem Mädchen hin; sie forderte mich mit einem Wink auf, mich zu setzen. Ich wagte es jedoch nicht, denn Tisch und Sessel hingen fast frei in der Luft, lediglich getragen durch die drahtdünnen, erstarrten Stäbe, die vorher als Flüssigkeit aus dem Boden geschossen waren. Als sie sah, daß ich zögerte, ließ sie sich in einem der Sitze nieder – und er hielt, kippte nicht wie erwartet um, bewegte sich nur wenig von der Stelle. Daher setzte auch ich mich in eine der Schalen, und siehe da, es war ein angenehmes Gefühl, denn das Material schmiegte sich sogleich meinem Rücken an.&lt;br /&gt;So saß ich also dieser jungen Frau gegenüber. Sie tippte drei- oder viermal auf die Tischplatte, und von der Decke senkte sich, gehalten von einem feinen Draht, eine Art Tablett, auf dem verschiedene, mir teils unbekannte Früchte lagen, auf den Tisch nieder. Das Mädchen forderte mich auf zuzugreifen, und langte selbst nach einem Apfel. Wir aßen in Ruhe, reinigten unsere Hände dann an einem Wasserstrahl, der für kurze Zeit fontänenartig aus dem Boden aufstieg, das Tablett mit den Speiseresten verschwand wieder in der Höhe, der Tisch verflüssigte sich und sank in Form eines Strahls in den Boden zurück, und wir saßen verlegen da und wußten nicht, was zu sagen oder zu tun. Nach einigen Sekunden wies das Mädchen mit dem Zeigefinger auf sich und sagte: „Mel-Usi-Neh.“ Das war also offensichtlich ihr Name. Ich wiederholte ihn, betonte ihn aber anscheinend falsch, denn sie lachte erheitert auf. Bei einem zweiten Versuch gelang es mir schon besser, jedenfalls schaute Mel-Usi-Neh mich aufmunternd an. Dann sprach auch ich meinen Namen aus, langsam und laut: „Michael“. Sie wiederholte, es klang wie „Mie-scha-ähle“. Diesmal war ich es, der lachte, und sie prustete auch sogleich los. In diesem Moment vernahmen wir ein Geräusch, schauten beide in die Richtung, aus der es gekommen war, und sahen dem Gang, der von untern herauf in das Zimmer führte, zwei Männer und zwei Frauen entsteigen. Sofort verstummte unser beider Lachen, denn die Gesichter der anderen strahlten keineswegs fröhlich, vielmehr schauten uns ernste Augen an, in denen ich sogar eine Spur Ängstlichkeit zu entdecken meinte. Wir erhoben uns von unseren Sitzen. Für kurze Zeit blieben wir alle stumm, und die Blicke der vier sezierten mich. Dann begann die Frau, die älter zu sein schien als die drei anderen und zudem statt silber- goldfarben gekleidet war, mit Mel-Usi-Neh zu sprechen. Aus der Art ihrer Rede und aus Mel-Usi-Nehs scheuen Antworten meinte ich folgern zu dürfen, daß es sich bei der Goldfarbenen um eine Respektsperson handelte. Auf einmal schlug Mel-Usi-Nehs Tonfall um, klang entschlossen, sogar trotzig. Demonstrativ, als wolle sie mich beschützen, stellte sie sich vor mich und gestikulierte heftig in einer abwehrend wirkenden Geste. Einer der Männer redete nun beschwichtigend auf sie ein, aber ganz offensichtlich schloß sie sich den Absichten der anderen nicht an. Schließlich schienen die anderen nachzugeben, Mel-Usi-Neh beruhigte sich, und die vier verließen den Raum über den Schwebeschacht, nachdem die Ältere uns noch einen eindringlichen Blick zugeworfen hatte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-2967298854616473130?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2967298854616473130'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2967298854616473130'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-205.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,05'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-690032784284810611</id><published>2008-07-16T04:39:00.001+01:00</published><updated>2008-07-16T04:42:17.667+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,04</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Die Ankunft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Endlich ist es mir gelungen, ein Material zu finden, das dem Papier der Oberflächler entspricht und daher wie dieses beschrieben werden kann. Schreibstifte hatte ich mir schon vor etwa zwei Wochen (Oberflächlerzeit) mit meinem Taschenmesser aus halbverkohltem Hartholz geschnitzt. Es ist nicht einfach, damit zu schreiben, und alleine für diese wenigen Wörter habe ich etwa zehn Minuten benötigt, aber mit ein wenig Übung wird es schneller gehen.&lt;br /&gt;Die Menschen hier zeigen sich mir gegenüber freundlich und friedvoll. Sie lassen mir alle Freiheiten, ich darf tun, was ich will, solange ich niemandem schade. Nur eines ist mir ausdrücklich und eindringlich verboten, und gerade danach sehne ich mich so sehr …&lt;br /&gt;Doch am besten beginne ich von dem Zeitpunkt an zu berichten, als ich in dieser Welt eintraf. Zunächst waren wir in einem Zweier-U-Boot durch die Höhle geglitten, einer ihrer Entdecker, der sich gut in ihren Hauptverzweigungen auskannte, und ich. Nachdem ich gelernt hatte, alleine zu navigieren, ließ man mich vom Schiff aus in einer kleineren Ein-Mann-Kapsel hinab. Damit steuerte ich etliche Nebengänge an, die oft nur kurz waren und nach wenigen Dutzend Metern endeten. Elf Tage lang war ich in einer Vielzahl von Höhlenschläuchen unterwegs, ohne meinem Ziel näher zu kommen.&lt;br /&gt;Was war mein Ziel. Natürlich das Goldene Buch. Aber wo sollte ich es suchen? In einem Schiffswrack vielleicht? Ein kleineres Schiff hätte durchaus in einen der Hauptgänge hineingepaßt. Oder wäre das Buch in einer angespülten Schatztruhe zu finden? In manchen Bereichen der Höhle war die Strömung immerhin so stark, daß sie beinahe die Tauchkapsel mit sich riß. Oder war das Buch nur als Symbol zu verstehen? Darüber hatten wir im Ministerium leider nicht diskutiert. Daher hielt ich auch Ausschau nach Gegenständen, Steinen, Muscheln, Tieren, die einem Buch ähneln oder mich sonst irgendwie an ein solches erinnern könnten.&lt;br /&gt;Vergeblich.&lt;br /&gt;Planmäßiges Vorgehen, etwa ein Absuchen anhand der kürzlich erst angefertigten Höhlenpläne, war nicht vorgesehen. Ein Prinz orientiert sich nicht an Plänen.&lt;br /&gt;Am zwölften Tag stieg Verzweiflung in mir auf. Bei der enormen Größe der Höhle – über 130 Kilometer Strecke waren gemessen worden – konnte mir monatelanges Tauchen bevorstehen. Vermutlich war meine Eingebung, das Goldene Buch sei ausgerechnet hier zu suchen, nichts weiter als Wunschdenken gewesen.&lt;br /&gt;Stop, sagte ich zu mir. Es bringt nichts, rein gar nichts, sich trüben Gedanken zu überlassen. Jetzt erst einmal ein anständiges zweites Frühstück einnehmen, dann sehen wir weiter. Und wenn ich noch wochen- oder monatelang hier herumgurken sollte, immerhin wurde mir vom Ministerium ein Beförderung innerhalb eines angemessenen Zeitraums in Aussicht gestellt, und einen monatlichen Unterwasser-Zuschlag von 47,63 Euro erhielt ich schon jetzt.&lt;br /&gt;Bei der nächsten Gelegenheit – ich befand mich gerade in einer schmalen Nebenhöhle – setzte ich die Tauchkapsel vorsichtig auf den Grund und zog meine Käsestulle hervor. Gerade wollte ich hineinbeißen, da meinte ich, aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung des Felsens wahrgenommen zu haben. Das mußte eine Täuschung gewesen sein, beruhigte ich mich, vermutlich war das Boot auf dem unebenen Boden ein wenig zur Seite gekippt. Ich schaute genauer hin und sah zu meiner Verblüffung, daß sich tatsächlich etwas bewegte: Langsam, aber deutlich erkennbar schob die Felswand sich zur Seite wie ein Schiebetor, bis schließlich eine breite Öffnung sichtbar wurde, durch die die Kapsel bequem hindurchpassen würde. Sollte ich, durch das Niedersetzen des Boots, vielleicht einen versteckten Mechanismus ausgelöst haben? Wie auch immer, ich mußte da hinein! Zwar dachte ich mit einigem Unbehagen an meinen Traum, aber hier tat sich möglicherweise eine Chance auf, meinem Ziel näherzukommen, die ich nicht ungenutzt verstreichen lassen durfte. Ich legte das Brot, das ich bisher wie erstarrt bei geöffnetem Mund in der Hand gehalten hatte, beiseite und steuerte die Kapsel in die Öffnung hinein. Dabei vergaß ich, die Sprech- und Bildverbindung zum Schiff, die ich anläßlich des beabsichtigten Frühstücks unterbrochen hatte – wenigstens für zehn Minuten hatte ich ungestört sein wollen –, wiederaufzunehmen.&lt;br /&gt;Vor mir lag ein Gang, der nach wenigen Metern steil nach oben bog und an dessen Ende Licht schimmerte. Wieder mußte ich an meinen Traum denken, und Unbehagen beschlich mich. Tatsächlich befand ich mich bald darauf in freiem Gewässer. Jetzt erst stellte ich fest, daß das Kabel, das mich mit dem Schiff verbunden hatte, durchtrennt war. Es kam, wie ich es vorausahnte: Nach kurzem Auftauchen fand ich mich an der Oberfläche eines Sees wieder, über mir diffuses Licht, nicht weit vom Wasser entfernt Büsche, die die Sicht in die weitere Umgebung versperrten. Ich verankerte das Boot und erreichte mit einem Sprung das steinige Ufer. „Lebe Deinen Traum“: Dieser Spruch, den ich immer als Unsinn abgetan hatte, war bei mir Wirklichkeit geworden!&lt;br /&gt;Vermutlich würde auch das weitere so geschehen, wie ich es geträumt hatte: Ich würde eine fremdartige Stadt sehen, Menschen würden auf mich zueilen, das Boot wäre bei meinem Fluchtversuch vollgelaufen mit Wasser ...&lt;br /&gt;Zu meiner Erleichterung wurde mir klar, daß die Tauchkapsel – abgesehen von dem gekappten Kabel – anders als im Traum unversehrt und daher noch einsetzbar war. Gerade wollte ich aufbrechen und mich den Büschen nähern, da hörte ich ein lautes Geräusch, ein Glucksen und Blubbern, das aus dem See zu kommen schien. Ich wandte mich um und sah, wie der vorher glatte Wasserspiegel sich unruhig zu bewegen begann und immer höhere Wellen schlug; auf einmal entstand inmitten des Sees ein mächtiger Strudel, und der Wasserstand senkte sich langsam aber stetig. Es war wie das Abfließen des Badewassers aus der Wanne. Nach wenigen Minuten war der See gänzlich entleert. Entgeistert starrte ich in das tiefe Loch, kam jedoch nicht groß zum Nachdenken, denn jetzt drang ein anderes Geräusch, ein dumpfes Brodeln, an meine Ohren. Zuerst wußte ich nicht, woher es kam, doch dann bemerkte ich, wie aus einer Öffnung in der Seite des Seenlochs ein Material herausfloß und dieses allmählich auffüllte. Es sah so ähnlich aus wie flüssiger Beton, und sein Ansteigen hörte erst auf, als es die Höhe des ehemaligen Wasserspiegels erreicht hatte. Die ganze Zeit über hatte ich wie gebannt dem Geschehen zugeschaut, jetzt griff ich nach einem Stein, der am Ufer lag, und warf ihn in die Masse hinein. Er drang kaum in sie ein, offenbar begann sie bereits, fest zu werden. Und das Boot war mit einbetoniert!&lt;br /&gt;Meine Gedanken jagten einander. War das Versperren des Verbindungsweges zum Meer automatisch durch mein Eindringen ausgelöst worden, oder ferngesteuert von Menschenhand? Gab es noch einen anderen Weg hinaus, oder aber auch hinein, für die Schiffsbesatzung, die mich suchen würde? Falls in dieser Höhle Menschen leben sollten: Würde ich von diesen unbemerkt bleiben, oder hatten sie mich längst entdeckt? Das Beste wäre jetzt wohl, mich zunächst in den Büschen zu verstecken und mich von dort aus, je nach der Situation, behutsam weiterzuwagen.&lt;br /&gt;Kaum war ich einige Meter ins Dickicht eingedrungen – zum Glück hatte ich mich meiner Karl-May-Lektüre in jungen Jahren erinnert und mich bemüht, keine Fußspuren zu hinterlassen –, als ich menschliche Stimmen hörte, aufgeregt klingende Stimmen, die sich mir gefährlich näherten. Ich hockte mich neben einen Busch und machte mich so klein wie möglich, um nur ja nicht gesehen zu werden. Dicht neben mir schlugen sich etwa zehn mit metallisch schimmernden Gewändern bekleidete Männer und Frauen durch das Gestrüpp. Sie bemerkten mich nicht und liefen hin zum Ufer. Ich beobachtete, wie sie das Boot begutachteten und dabei heftig gestikulierend miteinander diskutierten. Da ich nicht wußte, was sie mit mir machen würden, wenn sie mich entdecken sollten, zog ich es vor, mich sogleich aus dem Staub zu machen, ehe sie nach mir suchen würden. Ich drang also weiter durch das Gebüsch, das bald endete und den Blick in die Weite freigab.&lt;br /&gt;Für eine Weile hielt ich inne, da ich überrascht war von der ungeheuren Größe der Höhle – denn um etwas anderes konnte es sich hier, tief unter dem Meeresspiegel, nicht handelt. In einer Entfernung von einigen Kilometern lag inmitten einer hügeligen, von Baumgruppen bestandenen Wiesenlandschaft eine futuristisch aussehende Stadt mit mittelhohen, mattsilbern schimmernden Bauwerken.&lt;br /&gt;Nicht weit von mir entfernt entdeckte ich ein transparentes Etwas von der Größe eines Kleinbusses, bei dem es sich vielleicht um ein Gefährt handeln mochte und in das ein Dutzend Personen hineinpaßte; allerdings sah ich keine Räder, konnte beim Umrunden im Gras zwar Fußabdrücke, aber keine Anzeichen einer Anfahrt erkennen. Sollte es sich um eine Flugmaschine handeln? Dafür aber fehlten Düsen, Rotorblätter oder Propeller. Ich beschloß, mich zunächst in einer nahen Baumgruppe zu verstecken und weiter zu beobachten, was nun geschehen würde.&lt;br /&gt;Zum Glück fand ich das ausgetrocknete Bett eines Bachs, das ich für meinen Weg nutzen konnte, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Kaum war ich bei den Bäumen angekommen, erschienen auch die Menschen, die mein Boot untersucht hatten, neben dem transparenten Ding. Wie vermutet, bestiegen sie es, und kurz darauf erhob es sich in die Luft und schwebte geräuschlos einige Meter über dem Boden. Dann flog es langsam über das Gebüsch, das den ehemaligen See umgab. Das konnte nur eines bedeuten: Man suchte mich. Was wäre, wenn sie ein Gerät vergleichbar einer Infrarot-Kamera bei sich hätten? Dann könnten sie mich bald an meinem jetzigen Aufenthaltsort aufspüren, auch wenn ihre bloßen Augen mich durch das Dickicht hindurch nicht sehen sollten. Ich geriet in Panik. Was tun? Als ich tiefer in die Baumgruppe eindrang, stieß ich auf eine Erdhöhle. Ich kroch, soweit es ging, hinein und deckte einige abgebrochene Zweige über mich; so bestand immerhin die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Unbeweglich kauerte ich eine ganze Weile, bis ich meinte, nicht mehr in Gefahr zu sein, und langsam wieder hervorkroch.&lt;br /&gt;Da sah ich, daß es inzwischen dunkel geworden war. Von der Höhlendecke her kam nur noch ein schwacher Lichtschimmer, der immerhin ausreichte, die nähere Umgebung zu erkennen. Anscheinend gab es auch hier so etwas wie Tag und Nacht.&lt;br /&gt;In der Ferne schienen die Lichter der Stadt. Ich machte mich auf den Weg dorthin, denn in einer Wald-Wiesen-Landschaft würde ich das Goldene Buch wohl kaum finden. Natürlich wollte ich vermeiden, anderen Menschen zu begegnen, denn ich wußte nicht, wie sie mir gesonnen sein würden.&lt;br /&gt;Langsam ging ich durch die Gräser den fernen Lichtern entgegen, immer darauf achtend, nicht über Steine und Wurzeln zu stolpern. Dabei stiegen in mir die unterschiedlichsten Gedanken auf. Insbesondere fragte ich mich, ob das Ganze hier Science Fiction sei, ein Leben wie in ferner Zukunft, so wie ich es aus Romanen und Filmen kannte: eine hochtechnisierte Zivilisation, fast alles funktioniert automatisch, schwere Arbeiten sind nicht mehr erforderlich, die Menschen sausen in kleinen Fahrzeugen durch die Luft ... Später sollte ich erkennen, daß dies nur ein Teil der Wahrheit war, ein kleiner Teil.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-690032784284810611?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/690032784284810611'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/690032784284810611'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-204.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,04'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-7898961915387292719</id><published>2008-07-16T04:14:00.001+01:00</published><updated>2008-07-16T04:16:28.618+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,03</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Drei Ziele&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elf Mal hatten Amadeus, Ananda und ich uns bereits im Ministerium im „Saal der Zukunft“ getroffen; an elf Tagen hintereinander waren wir hier zusammengekommen, um uns Gedanken über unsere Aufgaben und deren mögliche Lösung zu machen. Uns zur Seite standen mehr als zwanzig Fachleute, die uns beraten sollten, darunter Psychologen, Geologen, Mediziner, Märchenkundler und Klimaforscher, außerdem für Hilfsdienste einige Angestellte des Ministeriums. Wir alle waren zu größter Verschwiegenheit verpflichtet. Trotz intensiven Brainstormings, des Ankreuzens tausender von Multiple-Choice-Fragen, der Auswertung Dutzender Rorschach-Tests und stundenlanger Märchen-Diskussionen kamen wir jedoch keinen Schritt weiter.&lt;br /&gt;Am Abend des elften Tages, wir saßen alle verzweifelt grübelnd und ausgelaugt in unseren Sesseln, schlug ich vor, einen Tag Pause einzulegen und einfach auszuspannen. Der Vorschlag wurde nach zweistündiger Debatte angenommen.&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen schlenderte ich, nachdem ich lange mit Ulrike telefoniert hatte, stundenlang durch Berlin, um mich abzulenken und einen freien Kopf zu bekommen, anschließend suchte ich einen Park auf und setzte mich, müde geworden, auf eine Bank.&lt;br /&gt;Kaum hatte ich ein wenig Ruhe gefunden, stellten sich die Gedanken an meine Aufgabe wieder bei mir ein. Doch je mehr die unterschiedlichsten Ideenfetzen mein Hirn aufwühlten, um so mehr war ich gefühlsmäßig davon überzeugt, es würde sich niemals eine Lösung finden lassen.&lt;br /&gt;Auf dem Parkweg spazierte eine Familie an mir vorbei. Die Mutter schob einen Kinderwagen, an der Hand des Vaters sprang und hüpfte ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, und sang dabei, in immer gleichem Rhythmus: „Guck in die Zeitung, mannomann, guck in die Zeitung ...“. Ich weiß nicht weshalb, aber dieser ständig wiederholte Satz ließ mich aufhorchen, und ich schaute der Familie nach, bis ich das helle Stimmchen nicht mehr vernahm. Da sah ich am anderen Ende der Bank tatsächlich eine Zeitung liegen, die neueste „Bald am Sonntag“, auf die ich bisher nicht geachtet hatte. Ich hob sie auf und blätterte ziellos darin. Auf Seite 12 stach mir ein fettgedruckter Titel in die Augen: „Riesige Unterwasserhöhle bei Sumatra erforscht!“ Sogleich verschlang ich den ganzseitigen Beitrag und erfuhr, daß ein Forscherteam nahezu vier Jahre benötigt hatte, um die Höhle, die sich vielfach verzweigte, zu vermessen. In einem Text-Kasten schilderte der Forschungsleiter einen Tauchgang. „... einfach faszinierend: die Farbe der Höhlenwände, zunächst grün, änderte sich mit zunehmender Tiefe über ein intensives Rot in ein tiefdunkles Violett.“ Ich erschauderte: Dies war doch genau die Höhle, von der ich vor zwei Wochen geträumt hatte! Konnte das ein Zufall sein? Auf einmal war ich vollkommen überzeugt davon, in dieser Höhle – und nur dort – die Lösung meiner Aufgabe zu finden.&lt;br /&gt;Mit der Zeitung in der Hand eilte ich zurück ins Ministerium. Im Gang vor dem Saal der Zukunft traf ich mit Ananda und Amadeus zusammen, beide wie ich gänzlich außer Puste.&lt;br /&gt;„Ich hab den Weg zu meinem Ziel gefunden“, keuchte Amadeus, und Ananda hielt triumphierend beide Daumen nach oben.&lt;br /&gt;Im eilig herbeigetrommelten Team der Wissenschaftler verkündete jeder von uns dreien seine Blitzerkenntnisse des Tages. Ich begann, breitete die „Bald am Sonntag“ auf dem Tisch aus und berichtete vom meinem Traum. Die Geologen waren sofort überzeugt, doch auch die anderen Disziplinen ließen sich durch meine Schilderungen fesseln. Somit stand fest: Tauchen vor Sumatra. Als ich das Ende meines Traums ansprach, den Unfall mit dem Boot und das Höhlenvolk, beschwichtigten die Psychologen mich, es handele sich hierbei schlicht um die Urangst vor dem Fremden, vor dem Verlassen der Ich-Geborgenheit, vor der Entwurzelung: In der Geburt, symbolisiert durch den Austritt aus dem Höhlengang, vereinzelne und vereinsame der Mensch.&lt;br /&gt;Ananda hatte den heutigen freien Tag genutzt, um seinen in Berlin lebenden Großvater aufzusuchen, einen Herrn von 89 Jahren, der, seit langem verwitwet, alleine ein kleines Appartement bewohnte. Körperlich und geistig noch erstaunlich fit, liebte er „einen guten Tropfen“, so daß man ihn selten nüchtern antraf. War er erst einmal in gehörige Stimmung geraten, so erzählte er wirr drauflos und ließ sich in seinem Redefluß kaum bremsen.&lt;br /&gt;Als Ananda gegen Mittag die Wohnung seines Großvaters betrat, war die Luft bereits rauch- und alkoholgeschwängert. Im Verlauf des Nachmittags kam er kaum zu Wort, wurde vielmehr ununterbrochen von den Erzählungen und angeblichen Reiseberichten seines Anverwandten berieselt.&lt;br /&gt;Beim Aufbruch Anandas gab sein Großvater ihm noch einen Rat mit auf den Weg: „Du, ‘nanda, weißu, wo du mal hin muß‘? Nach Borneo mußte mal, weißu, diese Insel da bei Thailand oder Vietnam oder ‘bodscha oder so. Die hab‘n da ‘n Urwald, sag ich dir, hab‘n die da. Und darin dann olle Tempel, steh‘n nur noch ‘n paar Mauern, da kann so richtig die Luft rin un‘ raus sausen, ohne aufjehalten zu werd‘n. Du, fahr mal hin, das is‘ wie ... wie ... wie das Ei des Dingens, des ... Kolumbus, das Ei, sag ich dir.“ Da erinnerte Ananda sich, wenige Wochen zuvor eine Fernsehreportage über Borneos tropische Regenwälder verfolgt zu haben, bei der auch neu entdeckte Tempelruinen inmitten des Dschungels, in der Nähe des Sarawak-Flusses, gezeigt worden waren, und im Augenblick des Erinnerns wurde ihm klar, wo seine Suche nach dem Ei beginnen müsse: in der luftigen Tempelruine. Sogleich war er hierher ins Ministerium geeilt.&lt;br /&gt;Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, ging es mir durch den Kopf.&lt;br /&gt;Auf noch verrücktere Weise war Ananda zu seiner Erkenntnis gelangt: „Gestern abend rief mich meine Schwägerin aus Frankfurt an: Mein Bruder Hans hatte einen Verkehrsunfall gehabt und war dabei schwer verletzt worden. Ich nehme den nächsten Flieger, und heute morgen suche ich Hans im Krankenhaus auf. Wegen einer Schädelverletzung befindet er sich im Koma. So sitze ich schweigend am Bett des frisch Operierten in der Intensivstation. Auf einmal hebt er seinen Arm, und mir kommt es so vor, als wiese sein Zeigefinger in eine bestimmte Richtung. Ich könnte schwören, er ist nicht bei Bewußtsein. Jedenfalls folge ich mit meinen Augen dem Finger, er weist aus dem Fenster hinaus, und gegenüber sehe ich in einem Krankenraum einen Fernseher laufen. In diesem Moment tritt ein Arzt ein und bittet mich, die Station zu verlassen; wegen meines Bruders solle ich mir keine Sorgen machen, er werde es wohl schaffen. Ich gehe in das Zimmer mit dem Fernseher, es ist menschenleer. In den TV-Nachrichten berichten sie gerade über den Ausbruch des Vulkans Bromo auf der Insel Java. Da schießt ein Blitz der Erkenntnis durch meinen Kopf, ich weiß nun, mein Ziel heißt Java, und weil mein Bruder sich in guter Obhut befindet und seine Frau eine Stütze in der Familie hat, fliege ich sogleich zurück nach Berlin.“&lt;br /&gt;Die Wissenschaftler stimmten uns hinsichtlich unserer Ziele zu und waren froh, daß sie endlich feststanden. Immerhin sprach für die Richtigkeit unserer Erkenntnisse, daß sie uns auf geradezu märchenhafte Weise zuteil geworden waren. Jetzt galt es, die gesuchten Gegenstände zu finden.&lt;br /&gt;Drei Tage später befanden wir uns in einer Maschine der Bundeswehr auf dem Flug zu den Inseln Indonesiens.&lt;br /&gt;Übrigens durfte Ulrike trotz ihres Wunsches nicht mitfliegen, nicht zuletzt aus reisekostenrechtlichen Gründen, vor allem aber, weil Gemahlinnen, Bräute, Prinzessinnen und vergleichbare Frauen erfahrungsgemäß Prinzen auf ihren Ausritten nicht begleiten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-7898961915387292719?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7898961915387292719'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7898961915387292719'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-203.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,03'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-8060255312504757481</id><published>2008-07-07T05:04:00.001+01:00</published><updated>2008-07-07T05:07:40.331+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,02</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Amadeus und Ananda&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Tür öffnete sich. Heraus ins Vorzimmer trat eine stattliche Dame in einem dunkelblauen, ein wenig zu engen Kostüm, das vor allem die Funktion zu haben schien, ihre Oberweite zu bändigen und die Trägerin männlicher wirken zu lassen. „Willkommen im Ministerium, Herr Prinz. Freut mich sehr, Sie zu sehen, Herr Prinz. Ich hoffe, Sie mußten nicht zu lange warten, Herr Prinz.“ Die Dame begrüßte jeden von uns dreien mit einem herzhaften Händedruck und führte uns dann in ihr großzügiges Büro. Tatsächlich hatten wir Eingeladenen vorhin die Gelegenheit, uns einander vorzustellen, noch nicht wahrgenommen, denn keiner von uns wußte, daß die beiden anderen ebenfalls Gewinner waren. Wir staunten über unsere gleichen Nachnamen.&lt;br /&gt;Im Büro nahmen wir in gemütlichen Ledersesseln Platz, Frau Zwerchnase setzte sich uns gegenüber, Kaffee, Tee, Fruchtsäfte, Konfekt, alles stand auf einem Tischchen bereit.&lt;br /&gt;„Sie wissen, meine Herren, weshalb Sie, alle drei Beamte, hierhin versetzt wurden?“ Eher eine rhetorische Frage. „Nun, daß Sie Sieger in einer Ausleseprüfung sind, wurde Ihnen mitgeteilt. Aber worum geht es? Ich will es in knappe Worte fassen: Um die Rettung der Menschheit.“ Sie schwieg und ließ ihre Worte wirken.&lt;br /&gt;Ratlos sah ich mich in der Runde um: Der Mann rechts von mir trug schulterlanges braunes Haar und wirkte auf mich wie ein virtuoser Musiker, ich mußte an Franz Liszt denken; mein Nachbar zur Linken, glatzköpfig und die Augen gen Himmel gerichtet, schien mir geradewegs aus einem indischen Ashram eingeflogen worden zu sein. Ich kam mir hier wie der einzige normale Mensch vor.&lt;br /&gt;„Rettung der Menschheit“, wiederholte die Ministerialdirektorin langsam, fast genüßlich. „Aber nicht etwa, wie Sie jetzt denken könnten, vor dem Untergang, sondern – vor der inneren Verödung, der geistigen Austrocknung, der seelischen Verarmung und Entleerung.“ Unseren erstaunt fragenden Blicken – sogar der asketische Haarlose hatte seine Augen auf sie gerichtet – hielt sie unbewegt stand.&lt;br /&gt;„Sie haben richtig gehört, meine Herren. Schon seit fast einem Jahrzehnt beobachten wir mit wachsender Besorgnis eine gefährliche Entwicklung, die geradezu dramatische Folgen nach sich ziehen wird!“ Mit ihren auf einmal heftigen Gesten kam Frau Zwerchnase mir wie eine italienische Donna vor. „Führende Wissenschaftler warnen vor einer ständig zunehmenden Gehirnerwärmung. Alleine in den letzten sechs Jahren ist die durchschnittliche Gehirntemperatur weltweit um 0,027 Grad angestiegen. Und ein Ende des globalen Kopftemperaturanstiegs ist nicht abzusehen.“ Wieder legte sie eine Redepause ein, damit die Botschaft auf uns wirke. „Die Ursache dafür ist mutmaßlich eine meßbare CO2-Zunahme im Blut – ein phantasielosigkeitsbedingter CO2-Anstieg. Hunderte von computergenerierten Hirndurchblutungsmodellen lassen uns für die Zukunft das Schlimmste befürchten. Letztlich wird die fehlende Phantasie den Zusammenbruch unserer Kultur und Zivilisation zur Folge haben, wir werden ein Leben führen wie die Affen auf den Bäumen.“&lt;br /&gt;Ich wagte eine Frage. „Das hört sich ja erschreckend an, aber – weshalb erzählen Sie uns das, was haben diese beiden Herren und ich damit zu tun?“&lt;br /&gt;„Sie drei sind dazu ausersehen, die Welt zu retten!“ Da stand sie im Raum, die ungeheuerliche Antwort, die wir nun zu verdauen hatten. „Liszt“ blieb der Mund offen, und sogar der „Asket“ schaute ungläubig aus der Wäsche. Auch ich konnte es nicht fassen und hakte daher nach: „Wie soll das gehen? Wir drei sind Beamte, keine Übermenschen, keine Genies, keine Helden!“ Und, mit einem Blick zu den anderen, schränkte ich ein: „Zumindest ich bin es nicht.“&lt;br /&gt;„Sie, Herr Prinz, Sie, Herr Prinz, und Sie, Herr Prinz,“ – Frau Zwerchnase schaute uns nacheinander streng an – „gehören nach unseren statistischen Auswertungen zu den Menschen mit der größten Phantasie, jedenfalls in Deutschland. Weiterhin ist jeder von Ihnen ein Prinz, und bei Prinzen besteht nach Ansicht führender Märchenautoritäten wie Grimm, Hauff, Bechstein oder Andersen – und diese zählen zu den besten Phantasie-Theoretikern – die größten Aussichten, daß sie die ihnen zugewiesenen Aufgaben optimal lösen.“&lt;br /&gt;Ich konnte es nicht glauben. Es war einfach nicht zu fassen! Was diese Dame da von sich gab, klang verworren, abwegig, abstrus. Sollte ich mich wieder inmitten eines Traums befinden? Das würde alles erklären. Ich biß mir auf die Zunge, es schmerzte so sehr, daß ich einen Traum ausschloß.&lt;br /&gt;„Übrigens brauchen Sie, meine Herren, sich keine Sorgen zu machen, ob Sie gesundheitlich in der Lage sein werden, Ihre Aufgaben zu lösen. Wir haben nicht nur Ihre Personalakten eingesehen, sondern auch Auskünfte bei Ihren Ärzten eingezogen; dazu waren wir berechtigt aufgrund gesetzlicher Grundlagen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte.“&lt;br /&gt;Es wurde immer besser. Ich wußte schon gar nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Sollte ich jetzt entrüstet sein über die Weitergabe höchstpersönlicher Informationen und Daten? Ich kam jedoch gar nicht groß zum Nachdenken, denn die Ministerialdirektorin fuhr fort: „Wir im Ministerium wissen selbst noch gar nicht so genau, wie wir im einzelnen vorgehen müssen, um die globale Phantasie wiederherzustellen und damit den CO2-Anstieg in den Hirnen zu bremsen. Doch eines steht mit Sicherheit fest: Wir benötigen dazu drei Gegenstände, die zu besorgen Ihre Aufgabe sein wird: das Goldenes Buch, den Goldenen Schlüssel und das Goldenes Ei. Nur diese können uns helfen, den Notstand zu beseitigen.“&lt;br /&gt;Ich schluckte: schlimmer konnte es kaum noch kommen. Der Höhepunkt der Abstrusität mußte doch endlich erreicht sein!&lt;br /&gt;„Sie schauen mich so skeptisch an, Herr Prinz. Darf ich Sie daran erinnern, daß Sie Beamter und daher gehorsamspflichtig sind?“ Doch auf einmal ließ die Schärfe in ihrer Stimme nach, vielleicht besann Frau Zwerchnase sich, was auf dem Spiel stand: „Wissen Sie, es ging mir anfangs wie Ihnen. Aber dann erfuhr ich, wie diese Ergebnisse zustande gekommen waren: Weltweit haben die renommiertesten wissenschaftlichen Institute alle greifbaren Märchen analysiert und sodann, laienhaft gesprochen, in die Wirklichkeit übertragen, dabei sogenannte Realsituation-Märchen-Modelle geschaffen. 97 Prozent der Modelle werfen als Ergebnis die drei genannten Gegenstände aus. Die drei Prozent abweichender Resultate, die auch die Goldene Gans sowie den goldspuckenden Esel mit ins Spiel bringen, können wir hier getrost vernachlässigen.“ Sie sagte dies in vollem Ernst.&lt;br /&gt;„Und nun zur Verteilung der Aufgaben: Sie, Herr Prinz,“ – sie schaute mir fest in die Augen – „tauchen und lesen gerne. Ihnen obliegt es also, das Buch zu finden. Ihre Suche hat etwas mit dem Element Wasser zu tun.“ Dem Langhaarigen wurde die Beschaffung des Schlüssels zugedacht, was natürlicherweise daraus folge, daß er sein Eigentum streng hüte und unter Verschluß hielte; aufgrund seines feurigen Charakters – er neige zu Unbeherrschtheit und Wutausbrüchen – empfahl Frau Zwerchnase ihm, in der Nähe von Vulkanen zu suchen. Dem Haarlosen ordnete sie aufgrund der Form seines Kopfes – freilich nicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern entsprechend dem Rat wissenschaftlicher Gremien – das Ei zu; sein „Suchfeld“ sei die Luft oder eine luftig Umgebung, was zweifelsfrei sein meditativer, gleichsam in der Luft schwebender Gedankenflug anzeige.&lt;br /&gt;Als wir den Raum verließen, vernahm ich noch ein Murmeln der Ministerialdirektorin: „Wäre doch gelacht, wenn wir es nicht vor den Amis schaffen würden.“&lt;br /&gt;Auf dem Parkplatz vor dem Ministerium tauschten wir drei noch unsere Adressen aus. Dann trennte ich, Michael „Krake“ Prinz, mich von Amadeus Prinz und Ananda Prinz.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-8060255312504757481?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8060255312504757481'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8060255312504757481'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-202.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,02'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-6162937664552228851</id><published>2008-07-07T04:38:00.002+01:00</published><updated>2008-07-07T04:42:54.725+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 2,01</title><content type='html'>Im folgenden der Romantext in der zweiten Fassung, jeweils kapitelweise:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;DREI PRINZEN&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Höhle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Niemals mehr tauchen,“ jagte es mir in meiner Panik durch den Kopf, „nie wieder tiefseetauchen.“ Dazu hätte ich wohl ohnehin keine Gelegenheit mehr.&lt;br /&gt;Begonnen hatte es mit der Entdeckung der Unterwasserhöhle, 248 Meter unter dem Meeresspiegel. Sie besaß ungeahnte Ausmaße, so daß ein Forscherteam nahezu vier Jahre benötigte, sie zu vermessen. Als ich den Bericht des Teams las, packte auch mich, der ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt in meiner Freizeit tauchen ging, die Lust, diese Höhle zu erkunden. Gemeinsam mit zwei vermögenden Freunden aus unserem Tauchverein gelang es mir, gegen Zusage einer bedeutenden Spende das Schiff des Forscherteams anzumieten und, von einem von ihnen begleitet, das Höhlengebiet anzusteuern. Nachdem er uns instruiert hatte, ließ man das Mini-U-Boot zu Wasser, und jeder von uns dreien durfte, da leider nur eine Person hineinpaßte, in die Tiefe tauchen und sich, den Anweisungen des Forschers folgend, der mit dem Boot über Kabel verbunden war, einige hundert Meter ins Innere der Höhle hinein bewegen. Ich war als letzter dran und hatte bereits am Monitor dank der Boots-Kamera die Tauchgänge meiner Freunde mitverfolgen können. So wußte ich also schon, wie es im Eingangsbereich der Höhle aussah, die dort eine erstaunliche Weite aufwies, wie die Farbe der Wände sich mit zunehmender Tiefe – der Schlund senkte sich leicht nach unten – von Grün über Rot bis ins Violette veränderte, wie der Gang immer schmaler wurde, dafür aber Nebengänge hinzutraten. Als ich selbst an der Reihe war und nach minutenlangem Hinabtauchen endlich in die Höhle einfuhr, die sich am Fuß eines Unterwasserbergs öffnete, bewog mich meine Neugier, noch ein wenig tiefer als meine Freunde einzudringen. Der Wissenschaftler bemerkte, daß ich in unerlaubte Bereiche vorstieß, und versuchte zunächst, mich freundlich zur Umkehr zu bewegen. Da ich darauf nicht reagierte, wurde er böse. Mich kümmerte das wenig; einer derartigen Chance, wie sie sich mir jetzt auftat, begegnet man nur einmal im Leben. Ich steuerte das Boot zu einem schmaleren Seitengang. Der Forscher flehte mich an, umzukehren, ehe das Boot sich in Felsen festkeilen würde. Nicht auf ihn achtend, ja geradezu übermütig, beschleunigte ich das Gefährt. Nachdem ich elegant eine Biegung des Ganges genommen hatte, sah ich zu meinem Entsetzen im Scheinwerferlicht durch das Sicherheitsglas, daß der Gang abrupt endete. Sofort legte ich den Rückwärtsgang ein, der Motor heulte auf, doch es war zu spät: Das Boot prallte mit seinem Bug gegen den Fels. Jetzt ist alles aus, schoß es mir durch den Kopf; selbst wenn kein Leck geschlagen ist, komme ich nicht mehr von hier fort.&lt;br /&gt;Zu meinem Erstaunen wich der Fels beiseite, und das anscheinend nur leicht beschädigte Fahrzeug schwamm weiter. Hinter mir schloß sich die Felswand wieder und durchtrennte dabei das Kabel, das die Kommunikation zum Schiff ermöglichte. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Gang bog jetzt steil nach oben, ich stellte wieder den Vorwärtsgang ein, und nach etwa zwanzig Metern mündete die Höhle im weiten Meer. So sah es zunächst aus, doch nach kurzem weiteren Auftauchen stellte sich heraus, daß ich mich in einem See befand: Ich hatte die Wasseroberfläche erreicht, über mir Luft, diffuses Tageslicht, ringsum begrenzten Ufer das Gewässer. Und das, obwohl ich mich hier noch mehr als hundert Meter unter der Meeresoberfläche befinden mußte! Ich Moment sah ich keinen anderen Weg, heil aus dem Abenteuer herauszukommen, als das Ufer anzusteuern, denn für eine Rückkehr ins offene Meer reichte vermutlich der Sauerstoff-Vorrat nicht aus, und wer wußte, ob es mir überhaupt gelingen würde, den Höhlengang in umgekehrter Richtung zu passieren. Fürs erste war ich hier in Sicherheit, man würde mich wohl suchen und hoffentlich auch finden.&lt;br /&gt;Am Ufer verankerte ich von innen heraus das Boot und verließ es durch die Luke. Tief atmete ich die frische Luft ein, dann sah ich mich um. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo ich mich hier befand. Über mir kein blauer Himmel, keine Sonne, auch keine Wolken, und doch schimmerte Licht herab. Sollte ich mich hier in einer riesigen, beleuchteten Höhle oder Halle unter dem Meeresboden befinden? Unvorstellbar! Ich verdrängte diesen Gedanken zunächst. In einem Abstand von drei- oder vierhundert Metern vom Ufer wuchsen hohe Büsche, die eine weitere Sicht ins Gelände versperrten. Ich machte mich daher auf den Weg dorthin, zwängte mich durch das Gestrüpp, und als ich auf dessen anderer Seite ankam, erblickte ich voller Bestürzung – eine größere Stadt, in einer Senke gelegen, vielleicht einen Kilometer von mir entfernt. Zwar kamen mir die Gebäude mit ihrem metallisch-futuristischen Aussehen fremdartig vor, aber es konnte kein Zweifel daran bestehen, daß es sich um von Menschen errichtete Bauwerke handelte. Da sah ich auch schon von der Stadt her Leute auf mich zueilen. Über ihre seltsam glänzende Kleidung machte ich mir jetzt keine Gedanken, denn in mir stieg die Angst auf, sie kämen in wenig friedlichen Absichten. Ich schaute mich um nach einem Fluchtweg und sah, daß auch von rechts und links Menschen herbeiliefen. Für einen Augenblick erstarrte ich. Wohin sollte ich mich jetzt wenden? Ich schlug mich durch die Büsche zurück zum U-Boot. Zu meinem Entsetzen stellte ich fest, daß es mit Wasser vollgelaufen war: Der Zusammenstoß mit dem Fels hatte wohl doch größeren Schaden angerichtet als vermutet.&lt;br /&gt;„Niemals mehr tauchen,“ jagte es mir in meiner Panik durch den Kopf, „nie wieder tiefseetauchen.“ Dazu hätte ich wohl ohnehin keine Gelegenheit mehr.&lt;br /&gt;„Träumst du schon wieder?“&lt;br /&gt;Ich zuckte zusammen, dann öffnete ich meine Augen.&lt;br /&gt;Über den Frühstückstisch hin schaute Ulrike mich halb spöttisch, halb vorwurfsvoll an. „Mit deiner Tagträumerei wird es immer schlimmer. Reich mir lieber mal die Butter rüber.“ Nach kurzem Schweigen meinte sie, ein „die Realität ist hart genug“ nachschieben zu müssen. Verständlich, die Unterleibsentzündung machte meiner Freundin seit Wochen zu schaffen.&lt;br /&gt;Von der Haustür her ertönte ein stürmischen Klingeln.&lt;br /&gt;„Es gibt kaum etwas Schlimmeres“, fuhr ich auf, „als Störungen beim Essen. Warum können die Leute nicht warten, bis man sich vom Tisch erhoben hat?“ Vielleicht lag der Grund für meine Überreaktion darin, daß ich mich durch solche doch alltäglichen Vorkommnisse häufig in unseren Tischgesprächen, aber auch in meinen Gedanken und Träumen gestört fühlte.&lt;br /&gt;Nachsichtig lächelnd stand Ulrike auf. Kurz darauf hörte ich von der Haustür her ihre Stimme. „Komm bitte mal, mein Prinzchen. Es ist für dich.“&lt;br /&gt;Der elegant gekleidete Bote, sicher kein gewöhnlicher Briefträger, wollte mir persönlich die Sendung überreichen. Sein „Auftrag“ laute so. Er drückte mir den Umschlag in die Hand, verabschiedete sich höflich, „Einen schönen Tag dann noch, Herr Prinz“ – wobei er Ulrike zu übersehen schien – dann stieg er auf der Beifahrerseite in den wartenden schwarzen Mercedes mit den verspiegelten Scheiben, der rasch davonfuhr.&lt;br /&gt;Was war das denn gewesen? Ulrike und ich schauten uns verdutzt an.&lt;br /&gt;„Der Absender?“&lt;br /&gt;Ich schaute nach, es stand keiner auf dem Umschlag. Ungeduldig riß ich ihn auf. Wir standen immer noch in der Eingangstür.&lt;br /&gt;„Vom Ministerium für Besondere Angelegenheiten“, staunte ich. „Wußtest du, daß es das gibt?“&lt;br /&gt;„Und? Mach‘s nicht so spannend.“&lt;br /&gt;„Moment ... bla bla bla ... hier: ‚Sie haben, gemeinsam mit zwei weiteren Personen, den kürzlich in Ihrer Dienststelle durchgeführten Auswahltest als Bester bestanden’ ... Hm, da war doch diese seltsame Prüfung vor einigen Wochen.“ Ich erinnerte mich wieder. Kein Wunder, daß ich die Sache in der Gedanken-Schublade abgelegt hatte, Beamte wurden neuerdings mit Befragungen nur so überschüttet; alles sollte besser werden, aber ich hatte den Eindruck, das Gegenteil war der Fall. „Es sollten Personen für eine ‚Sonderaufgabe‘ gefunden werden, Genaueres hatten sie nicht geschrieben. Wir dachten, es ginge um berufliche Veränderungen, aber dann kam keine Rückmeldung.“&lt;br /&gt;„Lies lieber weiter vor.“&lt;br /&gt;„ ‚... werden Sie mit sofortiger Wirkung nach Berlin versetzt. Melden Sie sich bitte am Montag, den 23. Juli‘ ... – das ist ja schon übermorgen! – ‚in unserem Hauptgebäude in der Wilhelm-Karl-Grimm-Straße 111, Raum 12, bei Frau Ministerialdirektorin Zwerchnase.‘“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-6162937664552228851?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6162937664552228851'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6162937664552228851'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/07/ein-roman-entsteht-teil-201.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 2,01'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-248438152405725691</id><published>2008-06-30T04:31:00.003+01:00</published><updated>2008-06-30T05:23:13.785+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Zwischenbemerkung: Änderungen</title><content type='html'>So, der erste Korrekturdurchgang ist geschafft. Im folgenden stelle ich dar, welche Arten von Änderungen ich im wesentlichen vorgenommen habe, wobei einfache Schreibfehler natürlich nicht gesondert erwähnt werden. Im Anschluß daran werde ich die ganze Geschichte in der neuen (zweiten) Fassung vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;Der vorläufige (vielleicht auch endgültige Romantitel): Drei Prinzen&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Kapitelüberschriften wurden erstellt, teilweise geändert. Z.T. wurden einzelne, zu lange Kapitel in mehrere aufgeteilt.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Zu häufige Wiederholungen eines Wortes innerhalb weniger Sätze wurden beseitigt. Beispiel: In einem Absatz steht fünfmal das Wort "Boot", es wurde einigemale ersetzt durch synomyme Begriffe wie "Wasserfahrzeug", oder durch andere Formulierungen wurde der Ansatz des Worts überflüssig gemacht, z.B. aus "ins Boot paßt" wurde "hineinpaßt".&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt; Gleichförmige Wiederholungen, wie z.B. Subjekt-Prädikat-Objekt, wurden zugunsten eines geschmeidigeren Textes abwechslungsreicher gestaltet, vgl. vorhergehende Zwischenbemerkung.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Satzbau, der überflüssigerweise zu kompliziert war, wurde vereinfacht. Aus dem folgenden Teil eines längeren Satzes: "wie es im Eingangsbereich der Höhle, die dort eine erstaunliche Weite aufwies, aussah" wird: "wie es im Eingangsbereich der Höhle aussah, die dort eine erstaunliche Weite aufwies".&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Zu lange Sätze werden ggf. in mehrere Sätze aufgeteilt.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wiederholungen, sofern sie nicht erforderlich sind und auch nicht als Stilmittel eingesetzt werden, wurden gestrichen.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Selbstverständlich: immer wieder Verbesserung des Stils, z.B. aus: "mit ein wenig Übung werde ich schneller werden" wird "mit ein wenig Übung wird es schneller gehen / gelingen". Oder: aus "weicher Gummimasse" wird "Gummimasse": überflüssige Adjektive vermeiden.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Umständliche Formulierungen vereinfachen: aus "zog ich mich bald in mein Zimmer zurück, denn ich war müde" wurde "zog ich mich bald müde in mein Zimmer zurück".&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Immer wieder in die Personen und Umstände hineinversetzen. Die Gründler kennen in ihrer Zeitrechnung keine Woche, also haben Wochen in der Beschreibung ihrer Arbeitszeiten, soweit von ihrem Standpunkt aus berichtet wird, nichts zu suchen.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Ich bin kein Freund der neuen deutschen Rechtschreibung. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass (richtig natürlich: daß) sie sich in die Texte einschleicht und "ausgemerzt" werden muss (richtig: muß). Das gilt z.B. im Bereich der Groß- und Kleinschreibung.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wenn möglich, überflüssiges Plusquamperfekt ("hatten getan") durch Imperfekt ("taten") ersetzen, klingt weniger holprig.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Inhaltliche Stimmigkeit herstellen. Zunächst flüchtete man zu dritt ins Silberne Reich. Nachher ergab sich, daß sie zu viert geflüchtet waren. Also die vorherige unstimmige Angabe korrigieren.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das goldene / Goldene Buch u.ä.: muß natürlich überall gleich geschrieben werden.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Das Pathos oder der Pathos? Das Juwel oder der Juwel? Manchmal taucht Unsicherheit auf, wie es nun wirklich heißt.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Und immer wieder: die Lesemelodie muß stimmen: Sprache muß zu Musik werden (Die Art der Musik ist bei jedem Autor anders). Nicht holpern, nicht haken (es sei denn, dies ist an der Stelle gerade erwünscht).&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Stellt sie fordernd oder forsch zur Rede? Gewinnt er schnell oder rasch seine Souveränität zurück? Der Ausdruck muß des Sachverhalt exakt beschreiben.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die letzten Seiten waren inhaltlich zu ergänzen, da bisher die Lösung der Rettungsfrage nicht ganz plausibel erschien.&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-248438152405725691?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/248438152405725691'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/248438152405725691'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/06/zwischenbemerkung-nderungen.html' title='Zwischenbemerkung: Änderungen'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-4999461082506891859</id><published>2008-06-07T08:52:00.003+01:00</published><updated>2008-06-07T09:16:31.470+01:00</updated><title type='text'>Zwischenbemerkung</title><content type='html'>Habe mit dem zweiten Durchgang begonnen. Der besteht jetzt darin, den bisherigen Text von Anfang bis Ende durchzulesen und dabei  (Schreib- und inhaltliche) Fehler, die mir auffallen, zu beseitigen und den Text geschmeidiger zu gestalten, indem ich auf gute Lesbarkeit und eine gewisse Lese-Melodie achte, die z.B. in der Regel einen abgehackt wirkenden Stakkato-Rhythmus vermeidet (wie etwa die ständige gleichförmige Wiederholung von Subjekt-Prädikat-Objekt bzw. Substantiv-Verb: "Sie ging zum Fluss. Sie sah ihn. Sie blieb stehen. Sie sagte ..." usw.). Selbstverständlich muß der Sprachrhythmus der jeweiligen Erzähl-Situation entsprechen. Das Wichtigste bei diesem zweiten Durchgang sind aber nicht nicht Fehlerkorrektur und die Anpassung der Sprache, sondern die Überprüfung der inhaltlichen Stimmigkeit: Widersprechen sich einzelne Textpassagen? Hatte ich, als ich das letzte Kapitel schrieb, die vorhergegangene Handlung falsch im Gedächtnis, so dass ich falsch auf Vergangenes Bezug nahm? Das kann aber nicht nur durch ein schwaches Gedächtnis geschehen, sondern auch deshalb, weil ich mitten im Schreiben beschlossen habe, die Handlung anders fortzusetzen als ursprünglich geplant. Folglich muss zur Herstellung der Stimmigkeit die Vergangenheit korrigiert werden.&lt;br /&gt;Das Durchlesen und Korrigieren nimmt natürlich einige Tage in Anspruch.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-4999461082506891859?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4999461082506891859'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/4999461082506891859'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/06/zwischenbemerkung.html' title='Zwischenbemerkung'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-3181618641020492265</id><published>2008-05-09T07:49:00.003Z</published><updated>2008-05-09T07:55:16.491Z</updated><title type='text'>Zwischenbemerkung: Wie geht's weiter?</title><content type='html'>Der erste Durchgang ist geschafft! Natürlich enthält er viele Fehler, Ungereimtheiten usw. Das alles muß bearbeitet werden. Doch zunächst gibt es eine Pause von einigen Wochen. Ich muß Abstand gewinnen, um den Text dann ganz neu angehen zu können.&lt;br /&gt;Bis in wenigen Wochen dann!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-3181618641020492265?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3181618641020492265'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3181618641020492265'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/zwischenbemerkung-wie-gehts-weiter.html' title='Zwischenbemerkung: Wie geht&apos;s weiter?'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-288080752225078783</id><published>2008-05-07T05:29:00.001Z</published><updated>2008-05-07T05:31:52.584Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,60 - Ende des ersten Durchgangs</title><content type='html'>„Nun, mein Sohn,“ sprach der König, als ich wieder vor ihm stand, „ich sehe wohl, die hast die größte Weisheit gefunden, die es gibt.“&lt;br /&gt;„Gewähre mir die Freude, Vater, helfen zu dürfen, die Liebe in der Welt weiter zu verbreiten.“&lt;br /&gt;„Es wird auch meine Freude sein. Setz deine Phantasie ein, deine Liebe wird sie zum Leben erwecken.“ –&lt;br /&gt;Als wir aus der Vision erwachten, war das goldene Buch verschwunden. Vielleicht war es wieder zurückgekehrt zu den Gründlern. Keiner von uns wunderte sich darüber. Von der Botschaft, die wir nicht nur vernommen, sondern mit Haut und Haaren erlebt hatten, waren wir zutiefst durchdrungen, so sehr, daß es des Buches als Vermittler nicht mehr bedurfte.&lt;br /&gt;Die Wissenschaftler stellten bei uns, die wir dieses zusätzliche Leben durchgemacht hatten, einen deutlichen Anstieg des Phantasie-Faktors sowie eine Abnahme der CO2-Konzentration im Blut fest. Die Frage war, wie sich unsere Erkenntnisse anderen Menschen vermitteln ließen. Zu diesem Zweck wurde eine zweihundertköpfige Sonderkommission einberufen, die sich – wie nicht anders zu erwarten – sogleich in Vorurteilen, Ideologien und Nebensächlichkeiten verfing. Ob sie jemals Ergebnisse erzielen wird, die der Menschheit wirklich weiterhelfen?&lt;br /&gt;Ulrike hatte sich, wie ich erfuhr, schon wenige Wochen nach Beginn meiner Mission mit einem anderen getröstet.&lt;br /&gt;Wir Prinzen heirateten im Rahmen einer großen gemeinsamen Feier unsere Prinzessinnen. Unser Arbeitgeber gewährte uns aus diesem Anlaß zwei Tage Sonderurlaub. Im übrigen versetzte er uns zurück an unsere alten Dienststellen und sagte uns zu, uns möglicherweise aufgrund unserer großen Verdienste innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahre ein wenig früher als unsere Kollegen zu befördern; hierzu seien jedoch noch eingehende Prüfungen der rechtlichen Voraussetzungen erforderlich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-288080752225078783?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/288080752225078783'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/288080752225078783'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/ein-roman-entsteht-teil-160-ende-des.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,60 - Ende des ersten Durchgangs'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-884640906978961027</id><published>2008-05-07T05:28:00.001Z</published><updated>2008-05-07T05:29:25.388Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,60</title><content type='html'>Allmählich dämmerte mir, daß ich mich erneut auf dem falschen Weg befunden hatte. Je besser ich mich fühlte, um so mehr erkannte ich, daß mein Edelseinwollen – ebenso wie vorher meine Genuß- und Machtgelüste – zwar mit meiner Suche nach etwas Höherem zusammenhingen, aber zugleich Ausdruck eines ausgeprägten Egoismus waren. Meine kalte, abstrakte, menschenabgewandte und letztlich menschenverachtende „Spiritualität“ und Tugendhaftigkeit waren der Tanz um das goldene Kalb meines Ich gewesen – das Wohl der anderen hatte mich nicht gekümmert.&lt;br /&gt;Diese Erkenntnis schien mir wie ein Geschenk – zugleich ergriff mich beinahe Verzweiflung, denn ich hatte alles verloren.&lt;br /&gt;Im Krankenhaus lernte ich als Endsechziger Schwester Monika kennen, die sich wie ich für Literatur interessierte. Sie stand kurz vor ihrer Verrentung. Nach meiner Entlassung traf ich mich häufig privat mit ihr, und schließlich beschlossen wir, zusammenzuziehen. Wir verbrachten glückliche Jahre miteinander, die jedoch zunehmend häufig durch ihre wochenlangen depressiven Schübe getrübt wurden. In diesen Zeiten bemühte ich mich besonders, sie aufzumuntern. Ihre endogene Depression wurde immer schlimmer, und ich litt furchtbar mit ihr, bemühte mich aber, es sie nicht merken zu lassen. Und dann mußten wir eines Tages erfahren, daß sie an Darmkrebs erkrankt – und es zu spät für eine Operation war. An dem Tag, als sie starb, sagte sie zu mir: „Du bist ein weiser Mensch – denn du liebst wahrhaftig.“&lt;br /&gt;Lange Zeit litt ich unter Monikas Tod – zugleich ahnte ich, daß sie sich nunmehr in einer besseren Welt befand, wo es ihr gut ging, und das tröstete mich. Nach drei Jahren, als der größte Schmerz nachgelassen hatte, erkannte ich, wie sehr ihr Wohl mir die ganze Zeit unseres Zusammenseins über am Herzen gelegen hatte, ohne daß ich mir groß Gedanken darüber gemacht hatte. Ich war für sie dagewesen, für uns beide; ihre Nähe, unsere Gemeinschaft, unsere Liebe waren mir wichtiger als alles andere. Die Liebe war das Leben, und bei allem Schmerz, ohne den es gar kein Leben gibt, für Monika und mich auch die größte Erfüllung.&lt;br /&gt;Ich beschloß, ein Buch über die Liebe zu schreiben – und über ihre universale Wirkung. Liebe – ging mir durch den Sinn – macht den Menschen edel, ohne daß er Tugendkataloge abarbeiten muß. Liebe erweckt verborgene Fähigkeiten und die Neugier am Leben, läßt dadurch die Phantasie erblühen ... Ja, liebende Neugier in unserer Zeit der Äußerlichkeiten, der Ablenkungen, der Oberflächlichkeiten: die einzige Chance, noch wirkliche Phantasie zu entwickeln. Ich lächelte – in diesem Moment versagte mein Herz, ich starb.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-884640906978961027?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/884640906978961027'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/884640906978961027'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/ein-roman-entsteht-teil-160.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,60'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-9183863015261150139</id><published>2008-05-03T07:35:00.000Z</published><updated>2008-05-03T07:36:44.871Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,59</title><content type='html'>Mit Fünfzig gestand ich mir endlich ein, daß ich mich auf der falschen Fährte befand. Entschlossen, doch noch mein Glück zu finden, riß ich das Ruder herum: Nicht mehr in oberflächlichem Welterleben suchte ich die Erfüllung meines inneren Verlangens, sondern in der Dimension des Geistes. Radikal zog ich mich von anderen Menschen zurück, gab meine verschiedenen Posten auf und widmete mich fortan der Bildung, der Kultur, der Literatur, der Philosophie. Nach langem, ausgiebigem Studium aller möglichen weisen Lehren beschloß ich, edel und tugendhaft zu werden. Ich wollte mein Ich perfektionieren und auf Hochglanz polieren. Dazu freilich war es erforderlich, mich von jedem zu sondern, der mich wieder in die Niederungen des menschlichen Lebens herunterziehen konnte. Und tatsächlich, je weiter ich auf diesem Weg voranschritt, um so zufriedener wurde ich. Es beglückte mich, eine neue, große Aufgabe vor mir zu haben, die Umgestaltung meiner selbst aus einer Kreatur, die sich von äußerlichen Reizen hatte verführen lassen, zu einer glänzenden Perle der Tugendhaftigkeit. Meinen Reichtum gab ich hin, um Bücher mit weisen Tugendsprüchen an möglichst viele Haushalte zu verschenken, ich selbst übte mich in Askese, um alles Negative aus mir auszutreiben und mein Selbst aus der Asche des plump-weltlichen Daseins auf den Thron der Reinheit zu erheben.&lt;br /&gt;Doch dann brach ich zusammen. Mein unedler Körper versagte dem edlen Geist seine Gefolgschaft. Die Ärzte kämpften wochenlang um mein Leben. Schließlich wehrte ich mich nicht mehr gegen ihre Bemühungen, mich zur Aufnahme ausreichender Nahrung zu bewegen – und von diesem Zeitpunkt an ging es mir besser.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-9183863015261150139?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/9183863015261150139'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/9183863015261150139'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/ein-roman-entsteht-teil-159.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,59'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-2494602702486521135</id><published>2008-05-03T07:34:00.000Z</published><updated>2008-05-03T07:35:14.986Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,58</title><content type='html'>In der Welt fand ich mich wieder und hatte vergessen, wer ich war. Ich erinnerte mich, als Kind eines Taschendiebs und einer liebenden Mutter in einer Sozialwohnung eines Großstadt-Randbezirks aufgewachsen zu sein. Die Ehe meiner Eltern war nicht glücklich. Im Laufe der Jahre verfiel meine Mutter immer mehr dem Trinken. Sie sagte: „Mir fehlt etwas im Körper, das die gesunden Menschen besitzen.“ Wir waren sechs Geschwister, drei Mädchen und drei Jungs. Wegen der „asozialen“ Familiengröße hatten wir nur wenige Freunde. Schon früh weihte unser Vater uns in seine Kunst ein, und so trugen wir Kleinen dazu bei, seine Börsensammlung zu vermehren. Den größten Teil des so eingenommenen Geldes verspielte er. Diese Zeit endete, als er ins Gefängnis kam und Mutter starb; wir Jugendlichen verstreuten uns in alle Welt.&lt;br /&gt;Und jetzt, an meinem zwanzigsten Geburtstag, stand ich vor der Villa des Mannes, dessen Leben ich vor wenigen Tagen gerettet hatte. Aufgrund eines Schwächeanfalls war er auf die Gleise einer sich rasch nahenden Straßenbahn gefallen; im letzten Moment hatte ich ihn auf den Bürgersteig zurückziehen können.&lt;br /&gt;Als wir nun am Kaffeetisch saßen, bot er mir an, mich beruflich zu fördern. Schnell stellte sich heraus, daß er die dazu erforderlichen Mittel besaß, denn er war Vorstandsvorsitzender eines internationalen Konzerns.&lt;br /&gt;Ich ergriff die Chance, und tatsächlich machte ich bald Karriere als Unternehmensberater. Mit dreißig besaß ich meine erste Million, doch war ich damit keinesfalls zufrieden. Mir war inzwischen klar geworden, was ich wollte: das Leben genießen, und zwar in seiner ganzen Fülle. Schon von Kindheit an wußte ich, daß mir das, womit die meisten Menschen sich abfanden, nicht genügte. Ich begehrte mehr als der Durchschnitt, in mir brannte die Sehnsucht nach Größerem. Ich war auf der Suche nach etwas, das ich damals noch nicht kannte. Und ich ahnte: Eigentlich steckt in allen Menschen solch ein Verlangen, doch ist es in ihnen verschüttet oder im Laufe ihres Lebens versandet, wenn es sich auch mehr oder weniger häufig in Unzufriedenheit und dem Gefühl, daß irgendetwas zum wahren Glück und zur wirklichen Erfüllung fehlt, bemerkbar macht.&lt;br /&gt;Ich meinte nun, meine Sehnsucht durch üppigen Lebensgenuß stillen zu können. Da mein Reichtum beständig anwuchs, fiel es mir nicht schwer, immer aufs neue Freundinnen zu finden, mit denen ich mich ausgiebig vergnügte. Mehr jedoch strebte ich Anerkennung und Macht an, und ich bekam sie. Nach und nach übernahm ich – trotz meiner vergleichsweise jungen Jahre – die Führungsposition in mehreren einflußreichen Wirtschaftsverbänden und erntete eine Ehrung nach der anderen. Schließlich gab es kaum mehr wirtschaftspolitische Entscheidungen, in der die Politik mich nicht um Rat fragte, und so war ich maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt.&lt;br /&gt;Ich sonnte mich im Gefühl meiner so erlangten Macht. Und dennoch: mein Glück war nicht vollkommen, irgendetwas fehlte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-2494602702486521135?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2494602702486521135'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2494602702486521135'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/ein-roman-entsteht-teil-158.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,58'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-3852936538903134150</id><published>2008-05-03T07:31:00.000Z</published><updated>2008-05-03T07:33:45.144Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,57</title><content type='html'>Ein Riesenaufwand, der keinerlei Ergebnisse gebracht hatte. Schließlich war sogar die Rede von dem „verlogenen Volk“ der Gründler. Dem konnten wir Prinzen nicht zustimmen, schließlich entstammten unsere Freundinnen diesem Volk. Beinahe wären Enttäuschung, Wut und Beschuldigungen in einen handfesten Streit ausgeartet, wenn sich nicht auf einmal ein tiefer Friede unserer bemächtigt und unsere Gemüter beruhigt hätte. Binnen kurzem saßen wir ruhig und entspannt auf unseren Stühlen, niemand sprach mehr ein Wort. Ich hatte das deutliche Gefühl, dem geöffneten Buch entströme ein beruhigendes Fluidum. Schließlich fühlten wir alle uns unfaßbar wohl, befreit, glücklich. Und auf einmal begann jeder von uns, in ein neues Leben einzutreten.&lt;br /&gt;Was ich jetzt beschreibe, erlebten im folgenden die anderen und ich. Das Wundersame: jeder von uns machte in seiner märchenhaften Vision die gleichen Erfahrungen, bestand die gleichen Abenteuer, erlitt die gleichen Schmerzen, wurden von den gleichen Freuden beglückt; Unterschiede gab es zwar im Geschlecht des Erlebenden, ansonsten aber nur in unbedeutenden Einzelheiten. Dabei durchlebte jeder diese Schau für sich alleine. Es war zehnmal die gleiche Geschichte, jedesmal mit einer anderen Hauptperson.&lt;br /&gt;Wir fanden uns wieder als Sohn bzw. Tochter eines Königs in einem großen, herrlichen Königreich. Eines Tages sprach der König, mein Vater, zu mir: „Mein Kind, ich möchte dich in die weite Welt senden. Du sollst sie durchwandern und dabei vor allem die Menschen kennenlernen.“&lt;br /&gt;„Gerne, Vater, will ich dieser Weisung folgen. Welches ist der Zweck dieser Reise, wie lautet meine Aufgabe?“&lt;br /&gt;„Du sollst, mein Kind, die größte Weisheit suchen, die in der Welt zu finden ist. Wenn du sie gefunden hast, wirst du zurückkehren zu mir, und unsere gemeinsame Freude darüber wird unermeßlich sein. – Doch bedenke, du wirst es nicht leicht haben und so manches Hindernis überwinden müssen. Denn ich sende dich nicht als Königskind, vielmehr wirst du Mensch sein unter Menschen. Deine Herkunft wirst du vergessen, doch dein Herz wird dich drängen, die Wahrheit zu suchen.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-3852936538903134150?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3852936538903134150'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/3852936538903134150'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/05/ein-roman-entsteht-teil-157.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,57'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-5617791401724158838</id><published>2008-04-26T07:31:00.001Z</published><updated>2008-04-26T07:33:23.862Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,56</title><content type='html'>Vorsichtig näherten wir uns einander. Als die Goldteile nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren, merkten wir, wie sie sich auf einmal gegenseitig anzogen. Mit einem Ruck flogen sie aus unseren Händen, klebten, frei in der Luft schwebend, zusammen, und langsam schmolzen Buch und Schlüssel in das Ei hinein. Wir waren so von dem Vorgang ergriffen, daß wir vergaßen, einen möglichen Absturz des Eis zu verhindern. Doch es blieb unbewegt in der Luft stehen. Dafür hörten wir hinter uns ein Geräusch: Frau Zwerchnase war ohnmächtig umgefallen, offenbar hatte dieser märchenhafte Vorgang sie zu sehr erschüttert. Nachdem sie ihr Bewußtsein wiedererlangt hatte und auf den Beinen war, stellten wir ein Tisch unter das Ei, damit es nicht zu Boden fiele. Jetzt konnten wir nur noch geduldig abwarten, ob sich unsere Vermutung bestätigen würde.&lt;br /&gt;In der folgenden freien Zeit verbrachte ich viele schöne Stunden mit Mel. Wir schauten uns manche Dokumentar- und Reisefilme an, damit sie meine Welt immer besser kennenlerne. Häufig saßen wir einfach nur beieinander und plauderten. Sie kam gelegentlich auch auf Ulrike zu sprechen, an die ich immer häufiger denken mußte. Mir war gar nicht wohl zumute, wenn von ihr die Rede war. Irgendwann mußte ich ihr schließlich sagen, daß es mit uns aus sei. Erst seit ich Mel kenne, weiß ich, was Liebe bedeutet.&lt;br /&gt;Nach Ablauf von genau drei Tagen nach der Ei-Verschmelzung fanden sich zehn Personen in dem Raum zusammen, in dem das Ei aufbewahrt wurde: wir Prinzen, die drei Wissenschaftler und Frau Zwerchnase; hinzu kamen diesmal Mel, Gua und Scheh, da sie gegebenenfalls aufgrund ihrer Kenntnis der Unterwasserwelt zum Verständnis der Botschaft des Buches beitragen konnten.&lt;br /&gt;Gespannt warteten wir, auf Stühlen um das immer noch schwebende Ei herum sitzend, ob sich etwas ereignen würde. Und tatsächlich: zu dem erwarteten Zeitpunkt begann das Ei ein Geräusch des Knackens von sich zu geben, als ob es auseinanderbräche; langsam spaltete es sich in zwei Teile, und aus dem Inneren drang ein gleißend helles Licht, das uns nötigte, vorübergehend die Hände vor die Augen zu halten. Dann schwebten der Schlüssel und das Buch heraus, die Eihälften verschmolzen wieder miteinander, es strahlte kein Licht mehr heraus, und schließlich sanken Ei, Buch und Schlüssel auf den Tisch nieder, wo sie nebeneinander liegenblieben.&lt;br /&gt;Obwohl wir uns alle auf die Möglichkeit eines solchen Geschehens vorbereitet hatten, blieben wir dennoch wie angewurzelt sitzen und wagten nicht, auch nur ein Wort über diesen ungeheuren Vorgang zu verlieren. Schließlich, nach Minuten, erhob sich die Ministerialdirektorin langsam aus ihrem Stuhl, streckte behutsam ihre Hand aus und griff, wobei sie ein mutmachendes „Ja, ich tu's“ flüsterte, nach dem Schlüssel. Vorsichtig hob sie ihn hoch, als könne er bei unsachgemäßer Handhabung explodieren oder sich in Luft auflösen, bewegte ihn sacht auf das Buch zu und führte ihn dann Millimeter um Millimeter in die Schloßöffnung ein. Obwohl der Schlüsselstab deutlich länger war, als das Buch an Dicke aufwies, ließ er sich ganz hineinstecken; die letzten Zentimeter schien das Buch geradezu begierig in sich hineinzusaugen. Erschreckt zog Frau Zwerchnase ihre Hand zurück, als könnte auch diese Opfer der Begierde des Buches werden. Es gab einen Knall, und der Buchdeckel flog auf. Neugierig schauten wir ins Innere des Buchs – und stellten bestürzt fest, daß sich in ihm – nichts befand, kein Papier, keine beschriebenen Pergamentrollen, keine gravierten Metallplatten, noch nicht einmal der Schlüssel, rein gar nichts. Wir wankten zu unseren Stühlen zurück, schwiegen zunächst fassungslos, dann brach es aus uns heraus, wild redeten, ja schrien wir durcheinander. Man hatte uns hereingelegt, betrogen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-5617791401724158838?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5617791401724158838'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5617791401724158838'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/04/ein-roman-entsteht-teil-156.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,56'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-617323622594259462</id><published>2008-04-26T07:25:00.002Z</published><updated>2008-04-26T07:31:05.325Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,55</title><content type='html'>„Leider ist es nicht gelungen, das Wissen zu gewinnen, das uns der Goldschatz bringen sollte.“ Frau Zwerchnase hatte uns Prinzen zu einem Gespräch befohlen und wirkte nun recht deprimiert. „Das Buch läßt sich nicht öffnen, auch nicht mit dem Schlüssel. Untersuchungen mit Röntgen, Infrarot und Ultraschall, mit Mikroströmen usw. haben uns nicht im geringsten weitergebracht. Die besten Mathematiker, Physiker, Chemiker, Kryptographen sind gescheitert. Unsere Experten sind ratlos. Zuletzt kam der Vorschlag, Ei und Buch gewaltsam zu öffnen.“&lt;br /&gt;„Auf keinen Fall!“ rief Ananda. „Meine Intuition sagt mir, daß wir damit alles zerstören würden. Gewalt entleert den Sinn.“&lt;br /&gt;„Hm, so ähnlich habe ich es schon vermutet“, nickte die Direktorin. „Und eine Labor-Beobachtung unterstützt diese Vermutung: Steckt man den Schlüssel ins Schloß und versucht, ihn mit verstärkter Kraft zu drehen, so verliert das Buch deutlich an Gewicht; läßt man dann den Schlüssel los, wiegt das Buch wieder so viel wie vorher. Es steht zu befürchten, daß bei zu großem Kraftaufwand ein dauerhafter Gewichtsverlust eintritt – und damit ein Verlust des Buchinhalts.“ Sie schwieg kurz und senkte ihre Augen. „Daher wollte ich Sie, verehrte Herren Prinzen, bitten, mit Ihrem Prinzenglück unser Problem zu lösen. Sie ... Sie waren ja auch die einzigen, die den Schatz beschaffen konnten.“ Sie sprach freundlich, fast wie um Verzeihung bittend. Das war kein Befehl mehr, das war ein Hilferuf.&lt;br /&gt;Wenig später saßen wir drei alleine in einem gemütlichen Raum, an dessen Wänden Bilder von Pinocchio hingen. Auf dem Tisch standen Süßwaren und Getränke. Amadeus kam gleich auf den Punkt: „Denkt Ihr auch an unsere gemeinsame Vision?“&lt;br /&gt;Ananda und ich nickten.&lt;br /&gt;„Und hat darin nicht das Ei den Schlüssel und das Buch hervorgebracht, gleichsam geboren ...“&lt;br /&gt;„... und anschließend der Schlüssel das Buch aufgeschlossen?“ vervollständigte Ananda.&lt;br /&gt;„So sah ich es auch“, bestätigte ich.&lt;br /&gt;„Also müssen ...“&lt;br /&gt;„... Buch und Schlüssel ...“&lt;br /&gt;„... aus dem Ei kommen, somit ...“&lt;br /&gt;„... zunächst in dieses versenkt werden!“&lt;br /&gt;„Und wie lange drinnen bleiben?“&lt;br /&gt;„Das müssen wir abwarten, es liegt nicht an uns.“&lt;br /&gt;„Was vermutet Ihr?“&lt;br /&gt;„Drei Tage.“&lt;br /&gt;„Weshalb drei?“&lt;br /&gt;„Wegen der Dreizahl der Gegenstände.“&lt;br /&gt;Innerhalb einer Minute hatten wir die Lösung gefunden. Zumindest hofften wir es.&lt;br /&gt;Kurz darauf standen wir mit Frau Zwerchnase in der Kammer, in der der Schatz aufbewahrt und die von außen strengstens bewacht wurde.&lt;br /&gt;„Jeder Prinz nimmt sein Stück in die Hand“, schlug ich vor. „Dann gehen wir aufeinander zu, bis die drei Teile sich berühren.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-617323622594259462?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/617323622594259462'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/617323622594259462'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/04/ein-roman-entsteht-teil-155.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,55'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-8943326233602733189</id><published>2008-03-24T20:18:00.001Z</published><updated>2008-03-24T20:20:43.442Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,54</title><content type='html'>NEUES KAPITEL&lt;br /&gt;Zurück in der Heimat! Wie genossen wir Sechs die Sonne, das natürliche Licht, die frische, duftende Luft, als wir, kaum daß wir mit der Miltiärmaschine in Berlin gelandet waren, zunächst einen längeren Spaziergang durch Feld und Wald unternahmen. Unsere Prinzessinnen, durch unsere Berichte über die heimische Landschaft neugierig geworden, hatten sich dies so sehr gewünscht, und auch wir hatten uns im Grunde unseres Herzens danach gesehnt, wieder vertraute Gegenden zu durchstreifen.&lt;br /&gt;Danach brachte man uns auf kürzestem Wege ins Ministerium für Besondere Angelegenheiten. Selbstverständlich kamen unsere Freundinnen mit, wir hatten darauf bestanden. Noch in unsere silberne Kleidung gehüllt, betraten wir den „Saal der Zukunft“. Außer der Ministerialdirektorin Zwerchnase waren nur drei hochrangige Naturwissenschaftler anwesend; wegen der ungeheuren Wichtigkeit der Angelegenheit sollten zunächst nur wenige Personen über die Ergebnisse unserer Expedition Kenntnis erhalten.&lt;br /&gt;Nachdem wir Mel, Gua und Scheh vorgestellt hatten, berichteten wir nacheinander zusammenfassend von unseren Erlebnissen in den Höhlenreichen. Unsere Gegenüber zeigten sich über alle Maßen erstaunt, als wir von der Welt unter dem Meer und ihren Bewohnern erzählten; wenn unsere Freundinnen nicht als Angehörige dieses Volks bei uns gewesen wären und ich nicht demonstriert hätte, wie unsere Silberbekleidung sich von alleine um unsere Körper legte, hätten uns die Offiziellen, nach ihrer eigenen Bekundung, wohl nicht geglaubt.&lt;br /&gt;Frau Zwerchnase zeigte sich verärgert darüber, daß die Gründler uns nicht in unsere Heimat hatten zurückkehren lassen wollen. „Das wird mit Sicherheit politische Konsequenzen haben!“ fauchte sie, als hätten zwischen uns „Oberflächlern“ und dem Untermeeresvolk seit langem zwischenstaatliche Beziehungen bestanden.&lt;br /&gt;„Weshalb kreuzte der US-Flugzeugträger gerade zu der Zeit auf, als wir zur Erdoberfläche zurückkehrten? Und das auch noch nahe der Stelle unseres Auftauchens?“ Amadeus war mißtrauisch geworden.&lt;br /&gt;„Vermutlich eine Sache höherer Politik“, redete die Ministerialdirektorin sich auf Unwissenheit heraus. „Für Zufälle sind wir nicht verantwortlich“, ergänzte einer der Wissenschaftler. Wunderte er sich nicht über diesen Zufall?&lt;br /&gt;„Das ist jetzt unwichtig“, wechselte Frau Zwerchnase barsch das Thema. Wichtig ist, daß Ihre Suche Erfolg hatte.“&lt;br /&gt;Wir packten den Schatz aus und legten ihn auf den Tisch. Die Wissenschaftler stießen Rufe der Bewunderung aus und betrachteten ihn von allen Seiten, wagten aber nicht, ihn zu berühren.&lt;br /&gt;„Sie fertigen bitte innerhalb von drei Tagen Protokolle über Ihre Reisen“, beauftragte Frau Zwerchnase uns. „Ich möchte alles wissen. Jedes Detail kann wichtig sein, um herauszufinden, wie das Gold uns den Weg aus der Weltkrise weist! – Und Sie, meine Herren,“ wandte sie sich an die Wissenschaftler, „untersuchen bitte, gemeinsam mit Ihren Kollegen, diese Gegenstände mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.“&lt;br /&gt;Wir drei Paare wurden in Villen untergebracht, die sich inmitten militärischen Geländes befanden. Tag und Nacht bewachte man unsere Unterkünfte. Zwar durften wir in Berlin und der näheren Umgebung Spaziergänge unternehmen, aber immer begleitet von Leibwächtern. Gespräche mit anderen waren uns verboten; mir war, offen gestanden, ganz lieb, daß ich auch Ulrike nicht anrufen durfte. So kamen wir uns im großen und ganzen eher als Gefangene denn als Menschheitsretter vor. Nun gut, wir Prinzen waren Beamte, und in dieser Funktion Gehorsam und Pflichtbewußtsein gewohnt.&lt;br /&gt;Die Anfertigung meines Berichts fiel mir nicht besonders schwer, zumal ich meine Tagebuch-Aufzeichnungen hatte retten können. Unsere Protokolle wurden, nachdem Frau Zwerchnase sie geprüft und freigegeben hatte, der Wissenschaft weitergereicht und von dieser ausgiebig analysiert. Mehrere Stunden lang befragte man auch unsere Freundinnen, wobei wir Prinzen dolmetschten. Die Ergebnisse der einzelnen Wissenschaftsgruppen diskutierte anschließend ein interdisziplinäres Gremium. Nach zwei Wochen brach man die Diskussionen ab.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-8943326233602733189?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8943326233602733189'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/8943326233602733189'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-154.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,54'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-1782011493307921179</id><published>2008-03-21T21:28:00.003Z</published><updated>2008-03-21T21:41:21.393Z</updated><title type='text'>Zwischenbemerkung: Das Ende naht</title><content type='html'>Natürlich das Ende der Story und damit des ersten Durchgangs. Jetzt wird es besonders schwierig. Ich bin mir noch nicht im klaren darüber, wie das Ende wirklich aussehen soll. Eines ist sicher: Es wird sich herausstellen müssen, was der Goldschatz zur Rettung der Menschheit beitragen kann. Andeutungen dazu gab es ja bereits während des Aufenthalts im Goldenen Reich. Aber dies auszuarbeiten wird besonders schwierig werden.&lt;br /&gt;Ich gebe zu, in diesem ersten Durchgang gab es nur wenige Zwischenbemerkungen, die Hinweise zur Schriftstellerei gaben. Das wird sich aber in den folgenden Durchgängen ändern, da dann inhaltliche und Textfehler zu korrigieren sind, die Sprache zu verfeinern ist usw. An einigen Stellen stimmt die Logik nicht, die Handlung muß also entsprechend angepaßt werden. &lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-1782011493307921179?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1782011493307921179'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/1782011493307921179'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/zwischenbemerkung-das-ende-naht.html' title='Zwischenbemerkung: Das Ende naht'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-6793023959121750001</id><published>2008-03-18T14:20:00.000Z</published><updated>2008-03-18T14:21:47.865Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,53</title><content type='html'>Es handelte sich um einen großen Militärhubschrauber der US-Marine, in dem wir jetzt vorsorglich in Decken gehüllt wurden. Der Pilot und die anderen Soldaten sprachen unterwegs kein Wort. Nach einer halben Stunde landeten wir auf einem Flugzeugträger. Nachdem man uns Wasser zum Durstlöschen gereicht und uns ärztlich untersucht hatte, brachte man uns zur Kabine des Kapitäns. Neben ihm standen – Mel, Gua und Scheh! Überglücklich schlossen wir sie in die Arme, erst dann wandten wir uns dem Kapitän zu und dankten ihm für unsere Rettung. „Es ist eine große Ehre für mich,“ sprach er in gebrochenem Deutsch, „an Ihrer Mission, der ‚Operation Weltrettung‘, mitwirken zu dürfen!“ Er salutierte vor uns. Ich glaube, mir stand der Mund offen. Keiner von uns Prinzen wußte etwas zu sagen. Von den Frauen konnte sein Wissen nicht kommen, sie sprachen kein Englisch, und auf deutsch konnten sie allenfalls einzelne Wörter reden. Der Kapitän verabschiedete sich und ließ uns alleine in seiner Kabine. Sogleich bestürmten wir unsere Freundinnen mit Fragen: Wie waren sie auf das Schiff gelangt? Und wir in das Boot? Was hatte sich zuvor „unten“ abgespielt? Und woher wußte der Kapitän um unsere Mission? Abwechselnd erzählten sie, was sich zugetragen hatte: Das Pulver, das uns vor der Ohnmacht bewahren sollte, wirkte bei ihnen wie vorausberechnet, bei uns Männern jedoch nur unzureichend, was damit zusammenhängen mochte, daß wir einem anderen Volk angehörten. Schon als wir uns, die Wachen betäubt zurücklassend, im Schutz der anbrechenden Nacht das Haus verließen und uns auf die Suche nach einem Fluggerät machten, fühlten wir uns benommen und wußten kaum, wo wir waren. Kaum hatten wir eine Maschine gefunden, sanken wir ohnmächtig zu Boden. Unsere Freundinnen hoben uns mühsam in das Gerät und, sobald wir am Zielort angelangt waren, wieder heraus. Mit letzter Kraft schleiften sie uns zu den Kapseln, die sie bei der Röhre fanden. Leider paßten nur jeweils drei Personen hinein, so setzten sie uns in eine der Kugeln, schlossen sie, schoben sie in die Röhren-Schleuse und ließen uns nach oben aufsteigen, anschließend nahmen auch sie eine der Kapseln. Ihr Aufstieg begann mehrere Minuten nach dem unseren, und als sie oben angekommen waren und sich die Kapsel in die Form zweier Halbkugeln öffnete, konnten sie unser Gefährt nicht sichten; vermutlich hatte eine Meeresströmung es abgetrieben. Gua erkannte bald, daß ihr Boot einen Motor besaß, und fand heraus, wie man ihn in Gang setzte und das Gefährt über Wasser steuerte. So suchten sie die nähere Umgebung ab, fanden uns aber nicht, trafen vielmehr nach einiger Zeit auf den Flugzeugträger, dessen Besatzung sie dann „rettete“. Dem Kapitän konnten sie mit Gebärden und einigen Brocken in deutsch verdeutlichen, daß ein weiteres Boot mit drei Mann auf offener See treibe, woraufhin er vier Hubschrauber losschickte, die nach uns forschen sollten. Mehr hätten sie ihm nicht mitgeteilt, und er hatte sich auch nicht nach weiterem zu erkundigen versucht, obwohl er aufgrund des ihm unbekannten Wasserfahrzeugs und der für ihn fremdartigen Kleidung allen Grund dazu gehabt hätte. Als der Kapitän nach etwa einer Stunde zu uns zurückkehrte, stellte Amadeus ihn wegen seines Wissens um unsere Mission fordernd zur Rede. Der Angesprochenen, zunächst überrascht über einen solchen Tonfall, den er als Kommandant nicht gewohnt war, gewann schnell seine Souveränität zurück und erklärte uns, er dürfe keine näheren Auskünfte erteilen, nur soviel, daß er beauftragt worden sei, hier unsere Ankunft abzuwarten und uns anschließend heil nach Germany zu befördern.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-6793023959121750001?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6793023959121750001'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/6793023959121750001'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-153.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,53'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-7129244685605416820</id><published>2008-03-18T14:09:00.001Z</published><updated>2008-03-18T14:20:28.336Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,52</title><content type='html'>Oder vielleicht doch? Mel, die Kenntnisse der Chemie besaß, und Scheh, die viel von Blüten und Düften verstand, arbeiteten zusammen einen Plan aus, der uns andere schnell überzeugte. Auf Gängen durch die Landschaft pflückte Scheh bestimmte Blumen, angeblich zur Zierde unserer Unterkunft; Mel wiederum sammelte, auch dies unverdächtig, verschiedene Steine und Mineralien. Im Haus zogen sie sich in ein Zimmer zurück und entwickelten im Laufe zweier Wochen einen angenehm riechenden Duftstoff, der stark betäubend wirkte. Als ich – trotz Vorwarnung – daran schnupperte, fiel ich sofort in tiefen Schlaf und erwachte erst nach Stunden. Fortan nahmen wir mehrere Tage lang ein Pulver ein, das uns gegen diese Wirkung immunisieren sollte.&lt;br /&gt;Der Plan: durch Lärm wollten wir die Wachen ins Haus locken, der Betäubungsduft würde sie außer Gefecht setzen, wir würden ihre Kleidung anziehen und uns eines Fluggeräts bemächtigen, das Mel dann zu der mit dem Meer verbindenden Röhre fliegen sollte, dort würden sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Tauchkapseln oder Mini-U-Boote finden, durch die vermutlich auch Spione in die Oberwelt befördert wurden.&lt;br /&gt;Ich erinnere mich noch an den Lärm, den wir im Haus machten. Dies war das Letzte, dessen ich mich deutlich entsinne, als ich in dem Boot erwachte. Neben mir Amadeus und Ananda, die soeben auch ihre Augen aufschlugen. Um das Boot herum, das aus zwei Halbkugeln bestand, das offene Meer. Mit im Boot: der Goldschatz.&lt;br /&gt;Auch Ananda und Amadeus konnten sich nicht erinnern, wie wir in diese Situation gekommen waren. Was war geschehen? Und was war mit unseren Freundinnen?&lt;br /&gt;Tiefe Trauer erfaßte mich, Mel und ich könnten von nun an immer voneinander getrennt sein.&lt;br /&gt;Das Gold hatten wir bei uns, gut. Aber wie sollten wir gerettet werden? Kein Festland, keine Insel war in Sicht, die Sonne – die echte Sonne – brannte unbarmherzig vom Himmel, Proviant hatten wir keines, nicht einmal Trinkwasser, und niemand wußte etwas von uns und hätte daher Rettungsmaßnahmen einleiten können.&lt;br /&gt;Stunden um Stunden vergingen, die Abenddämmerung nahte. Großer Durst quälte uns, wir befanden uns kurz davor, Meerwasser zu trinken. Da hörten wir ein Motorengeräusch, das immer lauter wurde; hoffnungsvoll hielten wir nach allen Seiten Ausschau, schließlich sichtete Ananda einen Hubschrauber. Wir winkten wild mit den Armen, um gesehen zu werden, und tatsächlich entdeckte man uns. Aus dem Fluggerät ließ man eine Rettungsleiter herab, und nicht lange danach befanden wir uns in Sicherheit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-7129244685605416820?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7129244685605416820'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7129244685605416820'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-152.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,52'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-7294817963539929099</id><published>2008-03-06T20:31:00.000Z</published><updated>2008-03-06T20:34:11.227Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,51</title><content type='html'>Auf seine Bitte hin folgten wir ihm in sein Büro und nahmen dort in bequemen Sesseln Platz.&lt;br /&gt;„Sie wundern sich, daß ich mich mit Ihnen in Ihrer Sprache unterhalte. Nun, am besten stelle ich mich erst einmal vor. Ich bin der Hauptmeister der drei Reiche.“ Ananda übersetzte für die Frauen. „Sie befinden sich hier in der Leitungszentrale unserer Welt“, fuhr der Meister fort. „Nur wenige Führungskräfte der Reiche wissen, daß es uns gibt. Das einfache Volk hat noch niemals von uns gehört.“ Er schwieg. Offenbar wollte er uns Zeit geben, diese Informationen zu verdauen. Es war ja auch ein dicker Brocken, den wir da zu schlucken hatten. „Kurz gesagt: Wir überwachen von hier aus das Staatswesen, Stichworte: Regierung, Demographie, Frieden usw. Ihnen als politisch gebildeten Beamten brauche ich keine Einzelheiten vorzustellen.“&lt;br /&gt;Unfaßbar, was wir da hörten!&lt;br /&gt;„Ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, daß wir, hier in der Zentrale, uns in der Welt der Oberflächler bestens auskennen. Tausende der Unseren sind dort stationiert. Wie nennen Sie es noch einmal: Spitzel? Spione? Bezeichnen wir sie doch einfach als Beobachter ... Auch Sie drei haben wir beobachet – vom Anfang Ihrer Suche an. Ihr Eindringen in unsere Welt geschah mit unserer Billigung. Zugegeben, zeitweise verloren wir Sie dann aus den Augen. Doch jetzt haben wir Sie wiedergefunden.“ Er grinste.&lt;br /&gt;Weshalb war er so offen uns gegenüber? Wir sollten es sogleich erfahren: „Mit Ihrem Wissen über unsere Existenz können wir Sie selbstverständlich nicht in Ihre Welt zurückkehren lassen. Sie müssen uns schon verstehen: Unsere eigene Sicherheit wollen wir nicht gefährden.“&lt;br /&gt;Ich dachte daran, was Mel mir über die Angst dieser Menschen berichtet hatte. Anscheinend waren die Bewohner des Goldenen Reichs, die uns zurück in unsere Heimat schicken wollten, von dieser Angst nicht betroffen.&lt;br /&gt;„Selbstverständlich werden wir Ihnen bei uns ein angenehmes Leben ermöglichen. Ja, wir werden sogar den Goldschatz, für den wir hier keine Verwendung haben, Frau Zwerchnase zukommen lassen – ohne Mitteilung seiner Herkunft.“ Nicht ohne Eitelkeit fügte er hinzu: „Sie sehen, wir sind bestens informiert.“&lt;br /&gt;Er rief seine Wachen, die uns aus dem Palast führten. Das Gold ließ er uns mitnehmen; offenbar ging er davon aus, diese für ihn bedeutungslosen Gegenstände könne er auch später noch in die Oberwelt schicken.&lt;br /&gt;Vor dem Haus, das man uns zur Verfügung stellte, wurden mehrere Wachen plaziert. Es war komfortabel eingerichtet; man bevorzugte hier permanente, nicht erst durch Klopfcode neu entstehende Möbel.&lt;br /&gt;Über mangelnde Versorgung konnten wir uns nicht beklagen; auch Spaziergänge, Theaterbesuche u.ä. wurden uns erlaubt – selbstverständlich immer in Begleitung einiger Wachleute. An Flucht war vorläufig nicht zu denken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-7294817963539929099?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7294817963539929099'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/7294817963539929099'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-151.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,51'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-5625920124834562552</id><published>2008-03-06T20:28:00.000Z</published><updated>2008-03-06T20:31:04.157Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,50</title><content type='html'>Diesmal kam Ananda der rettende Einfall: „Wir tanzten doch oben zunächst im Kreis.“&lt;br /&gt;„Ja, und?“&lt;br /&gt;„Laßt es uns wieder versuchen. Aber diesmal in der entgegengesetzten Richtung.“&lt;br /&gt;Gesagt, getan. Diesmal wirkte unser anschließendes Hüpfen, die Platte bewegte sich langsam aufwärts.&lt;br /&gt;Als wir oben angekommen waren, erschöpft, aber glücklich, jubelte das versammelte Volk uns zu.&lt;br /&gt;„Ruht Euch diese Nacht noch bei uns aus,“ lud der Oberste Lehrer uns ein, „morgen begleiten wir Euch zum Ausgang.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NEUES KAPITEL&lt;br /&gt;So gut wie diese Nacht hatte ich schon lange nicht geschlafen. Ich träumte davon, wie wir Sechs in einen geräumigen Aufzug stiegen, auf den obersten Knopf drückten, und, während wir in rasender Fahrt aufwärts schossen, fröhlich Ringelreihen tanzten. Als wir oben angekommen waren, öffnete sich die Tür, und ... In diesem Moment wachte ich auf.&lt;br /&gt;Einige Stunden später saßen wir eng zusammen in der Kabine eines Ballons, der uns zur Erdoberfläche befördern sollte, den Schatz in Tragetaschen verpackt. Alle drei Frauen hatten beschlossen, mit uns in unsere Welt zu kommen. Der Abschied von der Bevölkerung des Goldenen Reichs war herzlich gewesen. Dann hatte man den zylinderförmigen Ballon mit Luft gefüllt, und wir hatten es uns in der wasserdichten Kabine bequem gemacht, so gut es eben ging. Jetzt baute man um uns herum die Schleusenmauern auf, die vom Höhlenboden bis zur Decke reichten und eine Überflutung der Höhle verhindern sollten. Dann öffnete sich langsam das Loch in der Decke; durch die transparenten Kabinenwände konnten wir sehen, wie allmählich immer mehr Wasser niederströmte. Als sich um unser Gefährt herum keine Luft mehr befand und das Deckenloch sich ausreichend vergrößert hatte, begann der Ballon seinen allmählichen Aufstieg durch die wassergefüllte Röhre, die im Meer mündete; in wenigen Minuten würden wir die Meeresoberfläche nahe dem Festland erreichen.&lt;br /&gt;Doch kaum hatte der Ballonflug im Wasser begonnen, stoppte mit einem Ruck unser Gefährt. Wir befanden uns höchstens auf der Ebene des Bronzenen Reichs. Diese unsere Vermutung schien sich zunächst zu bestätigen: Das Wasser um uns herum wurde abgesaugt, die Röhre öffnete sich, und ein Dutzend Männer und Frauen in silberfarbener, eng anliegender Kleidung erschien bei der Kapsel und öffnete sie.&lt;br /&gt;„Folgt uns!“ befahl der vorderste Mann. Was blieb uns anderes übrig?&lt;br /&gt;Mit einem Fluggerät brachte man uns in eine Stadt, die ich noch nicht kannte; zwar ähnelte sie den anderen Städten des Bronzenen Reichs, ihre Häuser waren jedoch prachtvoller gestalte. Mel, die ich fragend anschaute, wußte anscheinend selbst nichts über diese Gegend. Sollten wir uns hier in einer vierten Reichshöhle befinden?&lt;br /&gt;Wir landeten vor einem großen Palast. Man führte uns hinein und ließ uns in einem reich mit Fresken geschmückten Saal alleine; die Eingänge verschloß man. Mehr als eine Stunde mußten wir warten, ehe ein älterer Herr in einem diamanten funkelnden Gewand eintrat.&lt;br /&gt;„Seien Sie herzlich willkommen!“ begrüßte er uns freundliche. „Ich hoffe sehr, Sie haben kein zu großes Ungemach bei der Abholung erlitten. Meine Leute müssen mich mißverstanden haben, ich hatte sie gebeten, Sie mit aller Höflichkeit zu empfangen.“ Er sprach hochdeutsch! Ohne Akzent! Und es war keine Gedankensprache.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-5625920124834562552?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5625920124834562552'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/5625920124834562552'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-150.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,50'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-2994559291208008896</id><published>2008-03-06T20:25:00.001Z</published><updated>2008-03-06T20:28:07.748Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,49</title><content type='html'>Ananda munterte uns auf: „Wir sind die drei Prinzen, und Prinzen finden immer einen Weg!“ Amadeus pflichtete ihm bei: „So ist's. Hier bedarf es des klaren Denkens der organisierenden Beamten – und selbstverständlich auch der musischen Einfühlung.“ Mit letzterem meinte er sich.&lt;br /&gt;So setzten wir uns zusammen, zeichneten Pläne in den Sand des Ufers, rechneten stundenlang – und waren am Nachmittag noch keinen Schritt weitergekommen. Wir hatten kaum zur Kenntnis genommen, daß die Frauen sich schon bald zurückgezogen hatten und anscheinend um den See herum spazieren gingen. Ganz niedergeschlagen waren wir schon, weil wir keine Lösung fanden, da rief aus von Ferne Mel. Sie winkte uns von der anderen Seite des Sees her, zu ihnen zu kommen. Wir eilten hin.&lt;br /&gt;„Hier etwa muß es sein.“ Scheh deutete vor sich auf den Boden.&lt;br /&gt;„Wie kommst du darauf?“ Ananda blickt sie ungläubig an.&lt;br /&gt;„Seht selbst, hier zeigt sich in einer leicht gerundeten Spur ein anderer Bodenbewuchs als ringsumher sonst; das Gras sieht ein wenig gelblicher aus. Ich habe von Kindheit an die Wuchsbedingungen der Pflanzen studiert; deshalb bin ich mir sicher, tief darunter verläuft der Spiralgang. Und hier, nur wenige Meter vom Uferrand entfernt, endet diese Spur. Sogar die Blüten an den Lianen über uns sind ein wenig heller als sonst. Direkt unter uns muß sich die Schatzkammer befinden.“&lt;br /&gt;„Und wenn dem so wäre,“ – Amadeus war nicht überzeugt – „wie kommen wir dann hinunter?“&lt;br /&gt;„Suchen wir doch einfach die nähere Umgebung ab“, versuchte Amadeus zu beschwichtigen. „Vielleicht finden wir ja einen zweiten Zugang“.&lt;br /&gt;„Am besten geht jeder in eine Richtung“, schlug ich vor.&lt;br /&gt;„Hat uns die letzte Prüfung nicht gezeigt,“ wandte Mel vorsichtig ein, „daß es besser ist, zusammenzubleiben?“&lt;br /&gt;Ich fühlte, sie hatte recht.&lt;br /&gt;„Das ist es!“ rief Ananda begeistert aus. „Wir nehmen uns an der Hand und bilden einen Energiekreis! Dann ... dann wird sich schon zeigen, wie es weitergeht.“&lt;br /&gt;O je, dachte ich.&lt;br /&gt;Also schlossen wir uns zum Kreis zusammen und drehten uns, tanzten um einen imaginären Mittelpunkt innerhalb der gelblichen Grasfläche. Ringelreihen. Auch das noch!&lt;br /&gt;Kaum hatten wir uns ein oder zwei Minuten so bewegt, hielt Gua an. „Habt Ihr das gehört?“ Sie hüpfte einige Male auf einer Stelle; ich wunderte mich schon gar nicht mehr. „Na klar doch – unter uns ...“&lt;br /&gt;„... klingt es hohl“, ergänzte Amadeus. „Los, nochmal hüpfen, alle zusammen!“&lt;br /&gt;So taten wir es, und auf einmal begann die Fläche, auf der wir standen, in die Tiefe zu sinken, blieb aber nach einem Meter stehen.&lt;br /&gt;„Weitermachen!“ ordnete Ananda an, und mit jedem Sprung sank die Plattform ein Stück tiefer. Nach etwa tausend Metern ging es nicht mehr weiter – wir waren in der Schatzkammer angelangt. Ganz verschwitzt näherten wir uns der Vitrine – sie stand offen, der Schatz lag bereit zum Mitnehmen vor uns.&lt;br /&gt;Ananda, Amadeus und ich tauschten Blicke. „Denken wir das Gleiche?“ fragte ich. Sie nickten. „So möchte ich Dich bitten, Mel: Nimm du das Goldene Buch heraus, du hast verdient, es zuerst zu berühren!“ Ähnlich sprachen Amadeus und Ananda zu ihren Freundinnen. Ein feierlicher Augenblick! Die Frauen nahmen ehrfürchtig das Gold aus der Vitrine, traten dann aber sogleich vor uns hin, um es uns zu überreichen. „Ihr habt Euch doch so sehr danach gesehnt“, sprachen sie gleichzeitig.&lt;br /&gt;Ich war gerührt. Tränen traten mir in die Augen, ich umarmte Mel und küßte sie. Wie glücklich war ich, ans Ziel gelangt zu sein – gemeinsam mit Mel. Ich betrachtete das Buch von allen Seiten. Zusammen mit dem Schlüssel und dem Ei würde es die Oberflächler retten. Übrigens war es erstaunlich leicht und würde sich gut transportieren lassen.&lt;br /&gt;Jetzt mußten wir einen Weg nach oben finden. Wir betraten die grasbewachsene Platte, auf der wir nach unten gesunken waren.&lt;br /&gt;„Versuchen wir es mit Hüpfen.“ Wir versuchten es, doch die Plattform bewegte sich nicht. Sollten wir etwa wieder in eine gefährliche Situation geraten sein?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/2595505456291852429-2994559291208008896?l=buch-literatur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2994559291208008896'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/2595505456291852429/posts/default/2994559291208008896'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://buch-literatur.blogspot.com/2008/03/ein-roman-entsteht-teil-149.html' title='Ein Roman entsteht, Teil 1,49'/><author><name>Literatur-Kamp</name><uri>http://www.blogger.com/profile/07392441502009200476</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-2595505456291852429.post-898162468747921374</id><published>2008-03-04T09:44:00.001Z</published><updated>2008-03-04T09:47:38.706Z</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lektüre'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schriftsteller'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lesen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Literatur'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Roman'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Entstehung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBooks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='eBook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Romane'/><title type='text'>Ein Roman entsteht, Teil 1,48</title><content type='html'>Ich erinnerte mich an den Stein des alten Königs, sprach Ananda darauf an, er zog ihn hervor. Mit schwachen Schein beleuchtete er unsere Umgebung. Eine kleine Höhle, nach wenigen Metern stießen wir an ihre seitlichen Begrenzungen. Anscheinend hatte man uns hierhin gebracht und dann zugemauert. Die Luft würde nur für wenige Stunden reichen, dann würden wir ersticken. Wollte man uns umbringen? Eine seltsame Aufgabe: hier lebend herauszukommen.&lt;br /&gt;Ich beschwor Ananda, intensiv an unsere Rettung zu denken, vielleicht würde der Stein uns den Weg weisen und uns einen verborgenen Ausgang zeigen. Doch es half nichts, in welche Richtung Ananda den Stein auch trug, er leuchtete nicht stärker und nicht schwächer. Wir untersuchten die Wände genau, wir klopften sie ab in der Hoffnung, auf einen Hohlraum zu stoßen – nichts. Die Stunden vergingen. Unsere Angst, unsere Verzweiflung stieg an. Die Atemluft wurde knapp, Scheh war einer Ohnmacht nahe.&lt;br /&gt;Schließlich saßen wir, schwer atmend, nahe zusammen auf dem Boden und warteten, uns an den Händen haltend, auf den Tod.&lt;br /&gt;Mel fing an zu weinen. „Ich muß an die Höhle denken, in der meine Eltern gefangengehalten wurden. Sie sind darin ertrunken.“ Tränen rannen ihr übers Gesicht und tropften zu Boden. Ich versuchte, sie zu trösten, aber ihr Schluchzen wollte kein Ende nehmen.&lt;br /&gt;„Da!“ Gua schrie auf. „Da, auf dem Boden!“ Wir schauten hin. An der Stelle, wo Mels Tränen auftrafen, erschienen Lichtpunkte. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, daß die Tränen Löcher in den Fels bohrten; von unten herauf schien Licht, offenbar befand sich dort ein erleuchteter Raum.&lt;br /&gt;Jetzt weinten wir alle – vor lauter Freude. Unseren Tränen ließen wir freien Lauf, wohl wissend, was sie bewirken würden. Und tat
